
In einem Briefwechsel
denken die Medienexperten
Steven Johnson und
Paul Starr über die
Zukunft der Zeitung nach. Johnson ist optimistisch und glaubt, dass das neue System, das nach den gegenwärtigen Umwälzungen existieren wird, eine Verbesserung darstellen kann: "Eine Art, über die gegenwärtige Transformation nachzudenken, besteht darin, Medien als Ökosysteme zu begreifen. Die Art und Weise, in der in den heutigen Medien Information zirkulieren kann, ist viel näher am Modell des
Ökosystems als es bei den alten, industriellen Versionen der Massenmedien der Fall war. Die neue Welt ist diverser, stärker vernetzt, ein System, in dem die Information freier fließt."
Anders sieht das
Paul Starr, der Johnson im schneidenden Tonfalle eines Berufsoffiziers als Aggregator abbürstet, der sich an den Inhalten anderer mästet. Starr befürchtet nicht nur das Ende des investigativen Journalismus. Auch die breite Masse werden im Internet immer dümmer: "Wer eine Zeitung kauft, mag sich vor allem für den
Sportteil oder das Kreuzworträtsel interessieren, aber trotzdem einen Blick auf die vorderen Seiten werfen und etwas über die Stadt und die Welt erfahren. Online gehen die Leute, die sich für Sport oder Rätsel interessieren, direkt zu den
spezialisierten Angeboten und vermeiden so den Kontakt mit Nachrichten und Debatten, die gesellschaftliche Ereignisse im allgemeinen betreffen." Starrs Artikel in
The New Republic über die Zeitungen war da
um einiges differenzierter.
Weitere Artikel in einer spannenden
Prospect-Ausgabe: Meghnad Desai
porträtiert die indische Politikerin
Mayawati, die realistische Aussichten hat, als erste Angehörige der niedrigsten, nämlich der
Dalit-Kaste, bei den gerade laufenden Wahlen Ministerpräsidentin zu werden - ein Sieg, der "noch eindrucksvoller wäre als die Präsidentschaft Obamas". Christopher Caldwell
hält die europäische "
Ideologie der Toleranz" für ein Hindernis bei der Integration von Immigranten. Edward Gottesman
plädiert für eine
E-Mail-Steuer zur Spam-Beseitigung. Philip Hunter
referiert neueste Erkenntnisse über ein Gen, das manch einen auf
Alkoholgenuss mit Kreativität reagieren lässt. Der
Geschichtsprofessor Peter Baldwin
sieht nicht erst seit Obama gar keine so großen Unterschiede mehr zwischen den
USA und Europa.