Magazinrundschau - Archiv

Prospect

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Magazinrundschau vom 29.12.2009 - Prospect

Brian Semple hat Cristian Mungius jüngsten Film "Geschichten aus dem Goldenen Zeitalter" gesehen, den Nachfolger des gefeierten Dramas "4 Monate, 3 Wochen, 2 Tage". Es ist eine Komödie über den Kommunismus. Mungiu erklärt, warum: "Die ersten rumänischen Filme über den Kommunismus, die direkt nach dem Fall der Berliner Mauer gemacht wurden, waren sehr schlecht - die Figuren nichts weiter als Sprachrohre für die Ansichten ihrer Regisseure. Heute machen wir Filme über diese Epoche mit sehr viel weniger Zorn. Der Humor hat den Rumänen geholfen, diese Zeit zu überstehen, also ist Humor, haben wir gedacht, auch eine mögliche Art, darauf zurückzublicken.' Aber auch heute noch gibt es eine Menge Rumänen, fügt er hinzu, die ganz und gar nicht damit einverstanden sind, dass jemand eine Komödie über den Kommunismus dreht."

Tom Chatfield erklärt den Reiz, den vergleichsweise unaufwendig zu realisierende Social-Network-Spiele haben - nicht nur für den Nutzer, sondern auch und gerade für die Produzenten: "Dieses Modell, das seine Einnahmen über Kleinstbeträge generiert, hat ein ganz klares Erfolgsgeheimnis: Daten - und zwar Daten von einer Art, die so kein anderes Online-Geschäft zugänglich macht. Die größten Online-Spiele-Firmen zeichnen heute mehr als eine Milliarde data points pro Tag auf und messen alles. Etwa ob blaue oder rote Gegenstände bessere Verkäufe erzielen oder ob eine bestimmte Formulierung zu größeren Klickraten bei Verkaufsangeboten führt. Sie können auch sehen, wann die Mehrzahl der Spieler aufgibt und dann verschiedene subtile Variationen dieses genauen Zeitpunkts im Spiel für verschiedene Segemente des Publikums produzieren."

Magazinrundschau vom 15.12.2009 - Prospect

Alle Welt sieht das Internet im Bund mit den Dissidenten der Welt, nicht den Diktatoren. Evgeny Morozov ist da in der Prospect-Titelgeschichte (die jetzt online gestellt wurde) ganz anderer Ansicht. Nach seinen Erfahrungen in Weißrussland spielt das Internet sehr viel eher dem Regime in die Hände: "Nach dem ersten Flash Mob begannen die zuständigen Stellen By_mob zu beobachten, die LiveJournal-Community, in der die Aktivitäten angekündigt wurden. Die Polizei war dann sofort präsent bei den Ereignissen, oft sogar noch vor den Flashmobbern. Sie verhaftete Teilnehmer und fotografiert außerdem. Diese Fotos - gemeinsam mit denen, die die Protestierenden selbst ins Netz gestellt hatten - nutzten sie zur Identifizierung der Unruhestifter, die in der Folge vom KGB verhört, mit dem Ausschluss von der Universität oder Schlimmerem bedroht wurden."

Morozovs Artikel bleibt freilich nicht unwidersprochen. Der von Morozov ausdrücklich angegriffene "Medienguru" Clay Shirky akzeptiert zwar den Vorwurf der Einseitigkeit, möchte aber doch festhalten: "Je leichter es den Bürgern wird, sich zusammenzutun, desto einfacher wird es für sie, Untaten zu dokumentieren. Und das selbstschädigende Verhalten von Staaten - etwa das Abschalten der Handynetze - wird zu einem Nettogewinn für die Aufständischen innerhalb autoritärer Regime führen. Das heißt noch lange nicht, dass das Internet allein ausreicht - ich sehe deshalb dennoch die Balance zwischen Bürgern und Staat deutlich optimistischer als Morozov."

Magazinrundschau vom 08.12.2009 - Prospect

Sam Leith geht der seltsam unsterblichen popkulturellen Faszination für Vampire und Zombies auf den Grund. Der schönste Teil des Artikels ist die folgende Phänomenologie zur Differenz zwischen den beiden Erscheinungsformen des Untoten: "Vampire sind Monster der Rechten; Zombies sind Monster der Linken. Vampire sind feine Pinkel; Zombies Proleten. Vampire sind Individualisten; Zombies sind der hirnlose, namenlose, gesichtslose Mob. Bei Vampiren dreht sich alles um Hierarchien, Tradition, Abkunft. Sie haben mitteleuropäische Ehrentitel, leben in Schlössern, kleiden sich gut und haben Manieren... Vampire sind sexy. Zombies nicht; ihre Hygiene lässt sehr zu wünschen übrig. Der Biss des Vampirs ist lustvoll und penetrativ; der Zombie mampft einfach Fuß, Bein, Hand, Hintern, Nase... was immer in Reichweite ist, wie ein besoffener Teenager in der Disco. Vampire sind clever. Zombies nicht. Sie wollen dein Hirn verspeisen - aber nicht, weil sie mehr Hirn wollen; sie machen nur dich dümmer damit. Sie wollen dich auf ihr Niveau herunterziehen. Hirrrrnnnnn!"
Stichwörter: Disco, Mons, Vampir, Zombies, Zombie, Hygiene, Mob

Magazinrundschau vom 24.11.2009 - Prospect

Einen instruktiven Vergleich zwischen den schwedischen Kriminalklassikern von Sjöwall/Wahlöö und den Weltbestsellern von Stieg Larsson unternimmt Andrew Brown. Beides politisch weit links angesiedelte AutorInnen - aber welch ein Unterschied: "In den vierzig Jahren zwischen den beiden Serien ist enorm viel Hoffnung und Selbstbewusstsein verloren gegangen; vom sozialdemokratischen Traum ist wenig geblieben. Sjöwall und Wahlöö schrieben über Teamwork, nicht nur, weil sie Ed McBain viel verdankten: Es war ideologisch wichtig, dass das Kollektiv triumphiert. Ihre Detektive waren, glücklich oder auch nicht, in Familien verankert. Larssons Helden sind ganz und gar Individuen, ohne soziale Bezüge, die sie nicht selbst gewählt hätten. Kinder greifen in ihre Leben nicht ein: Eltern sind, wo sie vorkommen, Monster."

Durch Konsum neuer Medien schrumpfen die Aufmerksamkeitsspannen, berichtet John Naish und schildert etwa die Auswirkungen auf den Werbemarkt. Aber auch auf einem anderen Gebiet zieht der Mangel an Geduld Konsequenzen nach sich: "Der Brettspielproduzent Hasbro hat beschleunigte Versions seiner Spielebestseller Monopoly und Scrabble auf den Markt gebracht, und zwar mit dem Slogan 'mach mal zwanzig Minuten Pause mit einem Spiel'. Das neue Scrabble Express hat jeweils nur zwei Wörter auf einmal auf dem Brett, und der 'Q'-Stein ist durch ein 'Qu' ersetzt worden. Monopoly Express hat keine Hotels, keine Zufallskarten und noch nicht einmal Bargeld (das ist durch eine EC-Karte ersetzt). Wer hat schon Zeit, Banknoten zu zählen? Phil Jackson, Chef der Spieleabteilung bei Hasbro, erklärt, dass Marktanalysen erwiesen hätten, dass die Spieler sich beim umständlichen Endspiel von Monopoly langweilen."

Magazinrundschau vom 28.07.2009 - Prospect

James Crabtree berichtet von einer veritablen Medien-Revolution in Pakistan. In den letzten Jahren hat sich in dem Land, das vor kurzem noch eine Ein-Sender-Nation war, eine erstaunliche Sendervielfalt entwickelt. Vor allem der Nachrichten-Sender Geo TV sorgt für Aufruhr: "Am pakistanischen Unabhängigkeitstag des Jahres 2002 wurde Geo der erste private Fernsehsender des Landes... Erstmals können die Pakistanis nun die Dramen, die ihre Nation durchlebt, live sehen: Das tödliche Erdbeben in Kaschmir 2005, die Belagerung der Roten Moschee in Islamabad 2007, die Anschläge von Mumbai 2008, die Dronen-Angriffe der USA und viele Selbstmordanschläge im Land. Geo hat dabei viele Kontroversen ausgelöst. Bei Call-In-Sendungen haben Anrufer Tabu-Themen wie Inzest und prügelnde Ehemänner angesprochen. Schiitische und sunnitische Theologen diskutierten über ihre Lehren. Shaadi Online, eine Art 'Herzblatt', hat Konservative entsetzt, weil Ehefrauen darin potenzielle Ehemänner befragten. Und die religiöse Talk-Show Aalim online hat Liberale empört, weil darin Mullahs über Juden und Hindus herziehen durften."

Außerdem: Charles Grant fürchtet, in China könnten die Nationalisten auf Dauer Oberwasser bekommen. Und Peter Popham ahnt, warum Silvio Berlusconi allen Skandalen zum Trotz populär bleibt: es gibt keine Alternative.

Magazinrundschau vom 30.06.2009 - Prospect

Ähnlich wie hierzulande ARD und ZDF ist auch die britische BBC als steuerfinanzierter Sender unter Druck. Nicht zuletzt in der Frage, wie sehr sie sich im Internet engagieren darf, ohne den Wettbewerb zu gefährden. Im hoch interessanten exklusiven Prospect-Online-Gespräch schildert BBC-Generaldirektor Mark Thompson die Lage so: "Alle waren von der Geschwindigkeit überrascht, mit der die BBC die neuen Strukturen wie Internet, Handy, On-Demand und so weiter zu nutzen verstand - und auch vom vergleichsweise großen Erfolg, mit dem wir es taten. Das liegt zum Teil daran, dass die Lizenzbeträge im digitalen Kontext ein erfolgreiches Businessmodell sind, während andere Refinanzierungsformen sich als extrem problematisch erweisen. Tatsächlich sind die Lizenzgebühren heute im Digitalzeitalter eine so sinnvolle Sache wie nie zuvor in der BBC-Geschichte.... Wenn Sie sich die erfolgreichsten und meistbesuchten Websites in Großbritannien ansehen, dann sind wir hinter Google und Microsoft die Nummer drei. Wir sind der einzige britische Name bis weit jenseits der Top Ten."

Weiteres: John Lloyd hat die eigentliche Titelgeschichte über die verzwickte Lage der BBC verfasst. Kamran Nazeer erkennt in neuen Romanen aus den USA viel ostküstenclicquenhafte Selbstbezüglichkeit - lobt aber Tod Wodicka sehr, der damit nichts zu tun hat. Die Autorin Monica Ali erzählt, wie sie für ihren neuen Roman "In the Kitchen" ausgiebig in Londoner Hotels recherchierte. Einen rachegeschichtengesättigten Cannes-Jahrgang resümiert Mark Cousins. Tom Chatfield stellt den chinesischen Suchmaschinen-Riesen Baidu vor. Edward Marriott lässt sich von Mike Brearley, Ex-Kapitän der englischen Cricket-Nationalmannschaft, heute Psychoanalytiker, erklären, warum es sowohl Cricket als auch die Psychoanalyse in unserer tempoversessenen Gegenwart schwer haben.

Magazinrundschau vom 02.06.2009 - Prospect

Das Juni-Heft hat einen Schwerpunkt zum zwanzigsten Jahrestag des Massakers am Platz des Himmlischen Friedens. Parag Khanna ist viele tausend Kilometer in die ärmsten Regionen im Westen, gereist: Tibet und Xinjiang. Zu Wort kommt auch der Publizist Ian Buruma, der das Land nach zehn Jahren wieder bereiste und kaum wiedererkennt: Widerstandsgeist in der Masse findet er nicht, setzt seine Hoffnungen aber auf die Dissidenten, die im letzten Jahr die Charta 08 unterschrieben, in der Demokratie und Einhaltung der Menschenrechte gefordert werden.

Ein ähnliches Bild zeichnet Diane Wei Lang, die unter den protestierenden Studenten des Jahrs 1989 war, jetzt aber als Romanautorin in den USA lebt. Sie beschreibt in ihrem Artikel den Wandel der letzten zwanzig Jahre: "Im Ausland ist die politische Bedeutung des Massakers am Platz des Himmlischen Friedens eher gewachsen. Fast einhellig ist man der Meinung, dass China erst wirklich ein modernes Land sein kann, wenn es sich der Wahrheit der Geschehnisse von damals stellt. Ich selbst habe das auch lange geglaubt... Aber ich habe China seit damals in jedem Jahr besucht. Mit steigendem Lebensstandard seiner Bürger ist die Erinnerung an Tiananmen immer stärker verblasst. Die Generation, die seit den Protesten geboren wurde, weiß nicht nur nicht, was 1989 wirklich passiert ist - es interessiert sie auch nicht. Sie leben in einem neuen China. Sie haben die Freiheit, zu sagen, was sie denken, wenn nicht im Druck, dann doch sicher privat... Wir im Westen sollten Tiananmen nicht als Stock nutzen, mit dem wir auf China einschlagen. Wir sollten dem Land lieber helfen, voranzukommen, die Menschenrechtssituation zu verbessern, seine Umwelt zu schützen, Armut zu mindern, und Reichtümer zu schaffen für seine Bürger und, später, für die Welt."

Außerdem: Damian Tambini warnt vor den Versuchen der britischen Regierung, die Netzneutralität zu untergraben.

Magazinrundschau vom 05.05.2009 - Prospect

In einem Briefwechsel denken die Medienexperten Steven Johnson und Paul Starr über die Zukunft der Zeitung nach. Johnson ist optimistisch und glaubt, dass das neue System, das nach den gegenwärtigen Umwälzungen existieren wird, eine Verbesserung darstellen kann: "Eine Art, über die gegenwärtige Transformation nachzudenken, besteht darin, Medien als Ökosysteme zu begreifen. Die Art und Weise, in der in den heutigen Medien Information zirkulieren kann, ist viel näher am Modell des Ökosystems als es bei den alten, industriellen Versionen der Massenmedien der Fall war. Die neue Welt ist diverser, stärker vernetzt, ein System, in dem die Information freier fließt."

Anders sieht das Paul Starr, der Johnson im schneidenden Tonfalle eines Berufsoffiziers als Aggregator abbürstet, der sich an den Inhalten anderer mästet. Starr befürchtet nicht nur das Ende des investigativen Journalismus. Auch die breite Masse werden im Internet immer dümmer: "Wer eine Zeitung kauft, mag sich vor allem für den Sportteil oder das Kreuzworträtsel interessieren, aber trotzdem einen Blick auf die vorderen Seiten werfen und etwas über die Stadt und die Welt erfahren. Online gehen die Leute, die sich für Sport oder Rätsel interessieren, direkt zu den spezialisierten Angeboten und vermeiden so den Kontakt mit Nachrichten und Debatten, die gesellschaftliche Ereignisse im allgemeinen betreffen." Starrs Artikel in The New Republic über die Zeitungen war da um einiges differenzierter.

Weitere Artikel in einer spannenden Prospect-Ausgabe: Meghnad Desai porträtiert die indische Politikerin Mayawati, die realistische Aussichten hat, als erste Angehörige der niedrigsten, nämlich der Dalit-Kaste, bei den gerade laufenden Wahlen Ministerpräsidentin zu werden - ein Sieg, der "noch eindrucksvoller wäre als die Präsidentschaft Obamas". Christopher Caldwell hält die europäische "Ideologie der Toleranz" für ein Hindernis bei der Integration von Immigranten. Edward Gottesman plädiert für eine E-Mail-Steuer zur Spam-Beseitigung. Philip Hunter referiert neueste Erkenntnisse über ein Gen, das manch einen auf Alkoholgenuss mit Kreativität reagieren lässt. Der Geschichtsprofessor Peter Baldwin sieht nicht erst seit Obama gar keine so großen Unterschiede mehr zwischen den USA und Europa.

Magazinrundschau vom 31.03.2009 - Prospect

Kenan Malik, der in der englischsprachigen Welt offenbar ganz allein dafür sorgen muss, dass der Jahrestag der Fatwa gegen Rushdie nicht totgeschwiegen wird, hat den Schriftsteller Hanif Kureishi zum Gespräch getroffen: "Die Fatwa war für Kureishi eine traumatische Erfahrung. 'Sie hat meine Themen, mein Schreiben verändert. Anders als Salman hatte ich mich nie wirklich für den Islam interessiert. Ich stamme aus einer muslimischen Familie. Aber sie gehörten alle der Mittelschicht an - Intellektuelle, Journalisten, Schriftsteller - sehr antiklerikal. Ich war Atheist, wie Salman, wie viele Asiaten unserer Generation. Ich habe mich für Dinge wie Rasse, Identität, Hybridität interessiert, aber nie für den Islam. Die Fatwa hat all das verändert. Ich habe begonnen, dem Fundamentalismus nachzuforschen. Ich habe begonnen, Moscheen aufzusuchen, habe mit Islamisten gesprochen." Die Auswirkungen der Fatwa hält Kureishi für gewaltig: "'Heute', ist sich Kureishi sicher, 'hätte keiner mehr den Mut, die 'Satanischen Verse' zu schreiben, geschweige denn zu veröffentlichen. Die Texte von heute sind ängstlich, weil die Autoren schreckensstarr sind.'"

Weitere Artikel: In der Titelgeschichte "Nach dem Kapitalismus" vergleicht Geoff Mulgan den Kapitalismus von heute in einem Gedankenexperiment mit der Monarchie zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Bartle Bull fürchtet, dass aus Obama das Undenkbare wird: ein zweiter Jimmy Carter. Aatish Taseer berichtet von seiner Reise ins Land seiner Vorfahren, nämlich nach Pakistan. Jamie Bartlett und Michael King erklären den Trick im Umgang mit Al Qaida: Es muss gelingen, die Terror-Organisation langweilig erscheinen zu lassen. Colin Murphy fragt, wie lebendig das Werk Samuel Becketts noch ist.

Magazinrundschau vom 03.03.2009 - Prospect

Julian Evans ist dem Zauber Odessas erlegen, das die "Vulgarität einer Stadt am Meer und die Kriminalität eines Hafens" aufs Schönste miteinander verbindet, zum Beispiel bei Sasha, der sich jedes Jahr den neuesten Mercedes kauft, in diesem Jahr einen E55 AMG: "Während des Mittagessens gab er mir das Ding, das er aus dem Wagen geholt hatte, um meinen Sohn damit spielen zu lassen. Es war eine Pistole. Ich hatte gehört, dass Sasha zu einer der beiden Mafiafamilien gehörte. Er hatte als Fahrer und Bodyguard begonnen und war dabei, als die beiden Clans in demselben Restaurant in Simferopol zusammenstießen. Nach dem Kampf hatte er 28 Messerstiche. Aber er war unwiderstehlich. Er erschien an diesem Wochenende ganz in Weiß gekleidet und verteilte freigiebig Chablis und Charme."

David Edmonds und Nigel Warburton erklären den neuen Trend zur experimentellen Philosophie: der x-phi, deren Emblem ein Lehnstuhl in Flammen ist. Vor dem 20. Jahrhundert sei es für Philosophen wie Descartes, John Locke und David Hume selbstverständlich gewesen, ihre Theorien mit Experimenten zu belegen. "Trotzdem ist vielen Philosophen die experimentelle Philosophie noch immer ein Dorn im Auge. In den vergangenen 100 Jahren war die theoretische Anlyse die dominante Richtung der angelsächsischen Philosophie. Eine solche Philosophie überlegt nicht so sehr, wie die Dinge sind, sondern wie wir über sie denken, die Art, wie wir die Welt wahrnehmen, die Grenzen der Bedeutung dessen, was Sinn ergibt. Aber für x-Phi-Anhänger ist empirische Forschung nicht nur eine Stütze der Philosophie, sie ist Philosophie."