Magazinrundschau - Archiv

Qantara

6 Presseschau-Absätze

Magazinrundschau vom 16.10.2018 - Qantara

Immigranten habe es auch in Ägypten nicht leicht, erzählt Aya Nabil in einer Reportage: "So erlaubt das ägyptische Gesetz Asylsuchenden weder eine permanente Aufenthaltsgenehmigung noch Staatsbürgerschaft. ... Die Möglichkeit auf Staatsbürgerschaft besteht allein für die Kinder flüchtender Frauen, die einen ägyptischen Mann heiraten. Die Frauen selbst erhalten jedoch nicht die Staatsbürgerschaft, genauso wenig wie ausländische Männer, die Ägypterinnen heiraten, und auch nicht deren Kinder, die lediglich den Namen der ägyptischen Mutter auf der Geburtsurkunde erhalten." Besonders schwierig ist es für Frauen mit dunklerer Hautfarbe, erzählt ihr Fatima Idris, Geschäftsführerin bei "Tadamon - The Egyptian Refugee Multicultural Council", die selbst vor 16 Jahren aus dem Nordsudan nach Ägypten geflüchtet war: "Ich habe die Integration geschafft, obwohl ich den nubischen ÄgypterInnen ähnlicher sehe. Meine Kinder haben weiße Haut und deshalb wenig Probleme. Aber wenn wir alle zusammen sind, gehen die Fragen an uns los - als wären das nicht meine Kinder. Einmal ging eine Lehrerin an ihrer Schule so weit, zu einem Freund meines Sohnes zu sagen: 'Du bist weiß und schön.' Da musste ich eingreifen. Ich will nicht, dass sie die weitverbreitete Meinung übernehmen, dass helle Haut überlegen ist.' Fatima meint, dass das Leben in Ägypten von Stereotypisierung beherrscht sei und die Probleme immer dann begännen, wenn sich jemand davon unterscheide: 'Ich kenne viele Frauen, die gezwungen waren, ein Kopftuch aufzusetzen, damit sie in ihrem Wohngebiet nicht länger in Schwierigkeiten kamen, weil sie anders aussahen.'"

Magazinrundschau vom 28.06.2016 - Qantara

Die Mehrheit der muslimischen Briten oder solcher, mit asiatischem Hintergrund, hat gegen den Brexit gestimmt. Aber immerhin ein Drittel war dafür, berichtet Thomas Bärthlein. Und sie sind ziemlich sauer, wenn sie jetzt als Rassisten beschimpft werden: "Wenn Britisch-Pakistaner oder -Bangladeschis für den Brexit sind, weil sie sich von neuen Immigranten aus Polen oder Rumänien bedroht fühlen, kann man sie dann Rassisten nennen? Jill Rutter von British Future findet ihre Besorgnisse legitim und sagt, Politiker müssten sie ernst nehmen. Die Brexit-Kampagne habe 'einige Spannungen sichtbar gemacht und auch, dass wir nicht wirklich über die Zuwanderungs-Ängste von Minderheiten, die schon länger hier leben, gesprochen haben.'"

Magazinrundschau vom 09.03.2010 - Qantara

In Ägypten wurde eine Studie mit schockierenden Zahlen über sexuelle Belästigungen veröffentlicht, berichtet Mohammed Ali Atassi. "98 Prozent der ausländischen Frauen und 83 Prozent der ägyptischen waren schon einmal Opfer sexueller Belästigung - fast Zweidrittel der Männer gestanden, Frauen schon einmal belästigt zu haben. Auf der anderen Seite versuchten konservative und religiöse Gruppen, das Thema für ihre eigenen Zwecke auszunutzen. In verächtlicher Weise griffen sie dabei die Würde der Frauen an, indem sie die Schuld für die sexuellen Belästigungen eben bei den Frauen suchten." Als Beispiel beschreibt Atassi ein Plakat, auf dem eine Frau als Bonbon dargestellt wird, "der nur dann vor Fliegen (also den Männern) geschützt ist, wenn er mit Einwickelpapier (also dem Schleier) versehen ist. Unter dem Bild zweier Lollis, einer eingewickelt, der andere offen und mit ihn umschwirrenden Fliegen, findet sich eine religiöse Warnung, die feststellt, dass eine unverschleierte Frau sich nicht zu schützen vermag - denn Gott, der Schöpfer, weiß, was zu ihrem Besten sei, weshalb er verlange, dass sie sich verschleiern solle."
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Magazinrundschau vom 12.01.2010 - Qantara

Was ist los mit den arabischen Gesellschaften? Warum gelingt es ihnen nicht, demokratische Regierungen zu installieren? Diese Frage hat der britische Journalist Brian Whitaker in seinem Buch "What's Really Wrong with the Middle East" untersucht. Seine Antwort, so Rezensent James M. Dorsey: Nicht nur die Regierungen, die Gesellschaften selbst sind repressiv. "Um dieses Phänomen zu beschreiben, bedient sich Whitaker der Theorie des 'Neo-Patriarchismus' des aus Palästina stammenden US-Historikers Hisham Sharabi. In einem kontrovers diskutierten, in vielen arabischen Ländern bis heute verbotenen Buch aus den 1980er Jahren, konstatiert Sharabi, dass die arabische Gesellschaft um die 'Dominanz des Vaters (Patriarchen)' aufgebaut sei: Dieser bildet 'das Zentrum der nationalen wie der natürlichen Familie. So existieren zwischen dem Herrscher und den Beherrschten, zwischen Vater und Sohn einzig vertikale Beziehungen: in beiden Verhältnissen ist der väterliche Wille absolut'."
Stichwörter: Arabische Länder

Magazinrundschau vom 15.12.2009 - Qantara

"Wem soll man die Schuld dafür geben", dass die Schweizer gegen Minarette gestimmt haben, fragt Tariq Ramadan. "Ich sage den Muslimen seit Jahren, dass sie in ihren jeweiligen westlichen Gesellschaften positiv in Erscheinung treten, aktiv sein und Initiative zeigen müssen. In der Schweiz haben sich die Muslime in den zurückliegenden Monaten bemüht, im Verborgenen zu bleiben, um eine Konfrontation zu vermeiden. Es wäre sinnvoller gewesen, neue Allianzen mit all jenen Schweizer Organisationen und Parteien zu schmieden, die gegen die Initiative waren. Die Muslime in der Schweiz tragen also einen Teil der Verantwortung, doch muss man hinzufügen, dass sich die politischen Parteien in Europa wie in der Schweiz haben einschüchtern lassen und vor einer couragierten Politik zugunsten eines religiösen und kulturellen Pluralismus zurückscheuen."

Die Kuratorin Almut Sh. Bruckstein Coruh erklärt im Interview, was in der Ausstellung "Taswir - Islamische Bildwelten und Moderne" im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen ist: Keine Geschichte der islamischen Kunst, gezeigt wird vielmehr "eine poetische Assoziation von künstlerischen Positionen, klassischen wie zeitgenössischen, die nach gewissen Fragen geordnet sind. Es sind die Fragen - zum Beispiel die nach der Zeichnung als einer Spur des Abwesenden -, die eine persische Miniatur zu den Sandalen des Propheten aus dem 16. Jahrhundert mit der Arbeit einer Rebecca Horn 'Waiting for Absence' verbinden. Es sind Zeit- und ortsübergreifende Fragen, man könnte sagen: menschliche Fragen - Fragen, die Aby Warburg vielleicht 'Pathosformeln' genannt hätte."

Magazinrundschau vom 05.05.2009 - Qantara

Warum gibt es in der muslimischen Welt kaum Forschungseinrichtungen, die die Kultur und Geschichte des Westens studieren, fragt Maulana Waris Mazhari, ein schiitischer Gelehrter aus Indien. "Noch heute dominieren bei unseren Religionsgelehrten die gleichen stereotypen Sichtweisen über den Westen, die auch die Sicht des Westens auf die Muslime und den Islam zur Zeit der Kreuzzüge kennzeichneten. Die Ulema glauben noch immer, dass der Westen einzig für Trunkenheit steht, für sexuelle Freizügigkeit, Unmoral und alle anderen Formen liederlicher Gelüste und Vergnügungen – und so vermitteln sie es auch den Gläubigen. Dieser Ansatz verhinderte, dass wir von den guten Seiten, die der Westen zu bieten hat, hätten lernen können, und dies schließt viele Aspekte unseres eigenen wissenschaftlichen Erbes ein, die der Westen von uns übernahm und weiterentwickelte."

Außerdem: Bülent Ucar, Professor für Islamische Religionspädagogik in Osnabrück, kritisiert im Interview die Ungleichbehandlung von Islam und Christentum in Deutschland.