
Trevor Quirk
porträtiert Steven Bonnell, einen früheren Online-Troll, der sich von einem streckenweise reaktionären Libertarismus hin zu liberaleren Position entwickelt hat und sein Geld mit dem Streaming von Computerspielen verdient, bei denen er sich im Chat auf Youtube und Twitch unter dem
nom de guerre Destiny wort- und faktenreich mit früheren Gesinnungsgenossen anlegt. Aber bringt das was? Sind die Empfehlungsalgorithmen von Youtube in diesem Spiel nicht viel stärker? Quirk verweist auf eine
Studie der Politikwissenschaftler Kevin Munger und Jospeh Phillips über Radikalisierung auf YouTube: Danach tragen die
Empfehlungsalgorithmen von
Youtube keineswegs zur Radikalisierung argloser Zuschauer bei. Sie befriedigen eher eine bestehende Nachfrage, indem sie radikale, alternative politische Kanons mit jenen Communities zusammenzubringen, die sich als dafür empfänglich erweisen, aber bisher kein sie ansprechendes Medienangebot hatten. In diesem Kosmos scheint Bonnell aka Destiny tatsächlich Wirkung zu zeigen, nicht, "weil er die Empfehlungsalgorithmen von YouTube gekapert hätte, sondern weil er die
kulturellen Normen kennt, mit denen die Rechtsextremen operieren. Wenn Sie jemand sind, der online reaktionärer Politik erlegen ist, dann werden Sie in Bonnell einen
verwandten Geist sehen - einen College-Abbrecher aus Nebraska, der über politische Höflichkeit spottet, in düsterem, selbstreferentiellem Humor schwelgt und über buchstäblich alles offen spricht. Und, was vielleicht am wichtigsten ist, Sie werden jemanden sehen, der jahrelang eine Gemeinschaft gepflegt hat, die Ihnen Ihre vergangenen Indiskretionen
eher verzeiht, als Sie dafür an den Pranger zu stellen. Es ist mehr oder weniger unmöglich für Bonnell, seine Effektivität zu messen, deshalb verlässt er sich widerwillig auf seine Intuition. Nach jeder Debatte verbringt er viel Zeit damit, die verschiedenen Foren des Internets zu durchforsten - Reddit, 4chan, Kommentar-Threads auf YouTube oder Facebook - und nach verstörten Gemütern zu suchen. Dabei ist ihm eine unter den Zuschauern verbreitete
Formulierung von Zweifeln aufgefallen, die er so zusammenfasst: 'Wisst ihr, normalerweise mag ich Figur X wirklich gern und ich denke, dass das Destiny ein verdammter Idiot ist, aber ich finde, dass Figur X ihm
schlecht geantwortet hat.'"
Dazu passend: Auch Gideon Lewis-Kraus
legt in einem langen Artikel nahe, dass es nicht die
Algorithmen sind, die
der Demokratie schaden. Es liege an politischen Verwerfungen, die in den globalen Gesellschaften schon vor dem Siegeszug von
Facebook und Co. schlummerten: "Das Schuldigsprechen von Unternehmen hat wahrscheinlich
eher zweckmäßige als empirische Gründe. Es ist viel einfacher sich vorzustellen, wie wir auf eine Handvoll Firmen Druck ausüben könnten, als die Überzeugungen von Milliarden von Nutzern anzusprechen. Es ist immer verführerischer, dort nach den Schlüsseln zu suchen, wo das Licht am hellsten ist. Eine bessere Lösung wäre es, von Tech-Kritikern abverlangen, die Bedürfnisse der Leute genauso ernst zu nehmen, wie es diese Firmen tun, auch wenn das heißt,
in den Abgrund zu blicken."
Auch der Schauspieler
Chris Evans, aus dem Superheldenkino bekannt als Captain America, sorgt sich im übrigen um vereinzelte politische Communities und möchte mit einem neuen Projekt dafür sorgen, dass wieder mehr politischer Austausch zwischen den politischen Lagern stattfindet - Arielle Pardes
hat ihn dabei begleitet. Außerdem wirft
Wired einen Blick zurück i
n die Geschichte der
Gesichtserkennung und erzählt
die lange Geschichte der Auseinandersetzung zwischen den USA und dem chinesischen Telekommunikationsanbieter
Huawei. Donna Jackson Nakazawa
wirft einen Blick unter unsere Schädeldecke und findet dabei die Gehirnzellen, die an der
Schnittstelle zwischen mentaler und physischer Gesundheit werkeln. Simon van Zuylen-Wood
war bei
Rotten Tomatoes zu Besuch, einer
Aggregator-Seite für
Filmkritiken, die mittlerweile über eine hohe - und nach Ansicht vieler Kritiker und Studios: zu hohe - Macht verfügt.