Eine "Orgie der Gewalt, bei der sadistische Reflexe ausgelebt werden", sieht
FAZ-Autor Arnold Bartetzko im
Denkmalsturz von Bristol, mit dem der Sklavenhändler
Edward Colston vom Sockel gerissen wurde. Aber Bartetzko weiß auch, dass ein Denkmalsturz in Umbruchszeiten auch ein wichtiges Mittel sei, um einen Machtwechsel in Szene zu setzen. Was wird noch kommen?, fragt er sich: "Über eine Beseitigung von
Goethe- oder Schiller-Standbildern dürfte vorerst zwar niemand reden. Wenn aber die Tendenz zur
Säuberung des öffentlichen Raums von allen Geschichtszeugnissen, die heute Anstoß erregen oder von jemandem als beleidigend empfunden werden könnten, anhält, steht ein großer Teil des Denkmalbestands auf dem Spiel. Besser ist es, gerade die belastenden Denkmäler als Anstoß zur Auseinandersetzung mit der Geschichte zu nutzen - und zwar nicht in Museen, sondern gerade im öffentlichen Raum, vor vollem Publikum. Das einfachste Mittel dazu bietet eine
kommentierende Inschrift, die eine historische Einordnung vornimmt und damit Distanz zum Ausdruck bringt."
Natürlich war
Immanuel Kant ein Rassist,
schreibt der Soziologe
Floris Biskamp im
Tagesspiegel. Er habe in seiner Anthropologie die Menschheit in vier Rassen eingeteilt, ihnen verschiedenen Eigenschaften zugeschrieben und diese Theorie aktiv etwa gegen Herder vertreten. Seine Vernunft verstand er als weiße Vernunft. Aber soll man ihn deshalb vom Sockel stoßen? "Das kommt ganz darauf an, was man darunter versteht. Wenn damit gemeint ist, ihn aus dem Kanon zu entfernen, dann sollte man diese Bilderstürmerei unterlassen. Wer so mit der philosophischen Tradition umgeht, wird weder über Philosophie noch über Rassismus viel lernen können. Wenn '
vom Sockel stoßen' aber heißt aufzuhören, Kant als einen
über jeden Zweifel erhabenen Heiligen zu verehren, dann sollte man den Bildersturm besser heute als morgen vollziehen - und wenn man dabei ist, könnte man auch darüber nachdenken, ob man überhaupt irgendwen in solcher Weise auf Sockel stellen muss."
Die
New York Times meldet, dass die Statue, die
Theodore Rossevelt flankiert von zwei indianischen Amerikanern vor dem New Yorker Museum of Natural History zeigt, abgenommen wird.
Im
FAZ-Interview mit Sandra Kegel erläutert der Politologe
Jan Vogler, welchen Folgen die
Pest von 1348 für Europa hatte, die ungefähr ein Drittel der damaligen Bevölkerung tötete. Sie stärkte die Menschen gegenüber traditionellen Eliten, ist das Ergebnis
seiner Studie: "In Gegenden, die massiv von der Pest betroffen waren, kollabierte schlicht das ganze System. Zwar gab es in verschiedenen Teilen Europas seitens der Aristokratie verzweifelte Versuche, etwa durch königliche Erlasse
die Leibeigenschaft zu bewahren und die Löhne auf dem vormals niedrigen Niveau zu halten. Aber das Gesetz von Angebot und Nachfrage war so stark, dass ein regelrechter Wettbewerb um Arbeiter zwischen Landesherren und Angehörigen des niederen Adels ausbrach, der am Ende
das System zusammenbrechen ließ."