Dmytro Kuleba, Außenminister der Ukraine, sowie
Linas Linkevičius,
Edgars Rinkevičs und
Urmas Reinsalu, die Außenminister der blatischen Staaten,
veröffentlichen in der
FAZ einen gemeinsamen Text zum 8. Mai und wehren sich gegen die Geschichtslügen
Wladimir Putins: "Das brutale Sowjetregime nutzte den Sieg im Krieg für viele Jahre als Rechtfertigung für seine Politik. Es eignete sich so die Taten von Millionen alliierter Soldaten und auch Soldaten der Roten Armee an, die selbst multinational war. Sowohl die sowjetischen als auch die russischen Bemühungen, das Leid und die Rolle anderer Nationen bei der Beendigung des Krieges zu verkleinern, sind inakzeptabel."
Der polnische Schriftsteller
Artur Becker benutzt im Gespräch mit Christian Thomas in der
FR drastische Begriffe: "Es verbietet sich, das Wort
Holocaust zu übertragen, aber gegenüber den Polen wurde eine
zweite Völkervernichtung versucht." Becker beklagt in dem leider etwas chaotischen Gespräch das
deutsche Unwissen über den Krieg gegen Polen und über den Warschauer Aufstand.
Erst seit 2017 gedenkt man in
Israel - am
9.
Mai - offiziell des Sieges über Nazi-Deutschland, denn aus jüdisch-israelischer Sicht war das relevante historische Ereignis nicht der Krieg, sondern die
Shoah, eine Debatte über den Zusammenhang zwischen Krieg und Shoah blieb lange aus und die Opferrolle stand im Vordergrund,
schreiben Shimon Stein und
Moshe Zimmermann im
Tagesspiegel. Seither galt: "Staatlichkeit,
Nationalismus, Militär als Garanten des
Überlebens des Volkes. Während die Europäer nach 1945 auf die Überwindung des Nationalismus setzten und das
Projekt EU lancierten. (…) Dabei geht es um mehr als nur eine Gefühlslage, es geht um Politik. Israel blickt auch deshalb mit tiefer
Skepsis auf die EU, weil diese transnational eingestellt ist. Man ist voller Schadenfreude, wenn das 'Experiment EU' ins Wanken gerät - wie schon beim Brexit, der Flüchtlingsproblematik und momentan im
Umgang mit dem Virus."
Im
SZ-
Gespräch mit Detlef Esslinger erklärt der Journalist
Wolf Schneider, einst Unteroffizier der
Wehrmacht, weshalb er die
Rede Weizsäckers "kurios" fand: "Ich selber fühlte mich durchaus nicht 'befreit', sondern einer unberechenbaren fremden Herrschaft unterworfen - wie vermutlich die meisten Deutschen. Ein Volk, das in seiner Mehrheit so was wünschte, ist noch nicht erfunden. Mein Kronzeuge ist Marcel Reich-Ranicki, der 2005 sagte, dass die Deutschen den
Tag als Zusammenbruch erlebt haben."
Im großen
NZZ-
Interview mit Hansjörg Müller spricht der Historiker
Heinrich August Winkler über die Folgen des
ostdeutschen Antifaschismus bis in die Gegenwart hinein, die "neue deutsche Arroganz", die Verletzung der Grundlagen des Rechtsstaates in Ungarn und Polen und die
Verharmlosung des Nationalsozialismus durch die
68er: "Die Judenvernichtung spielte in den Debatten der Achtundsechziger so gut wie keine Rolle. Sie belebten die alte, kommunistische oder
vulgärmarxistische Faschismustheorie wieder, die den Nationalsozialismus lediglich als eine Erscheinungsform des Faschismus begreift und diesen wiederum vor allem als ein Regime zur Sicherung der spätkapitalistischen Gesellschaft. Die Bundesrepublik galt als
spätkapitalistisch, und vieles, was dort geschah, wurde mindestens als faschistoid, wenn nicht gleich als modernisierte Neuauflage faschistischer Praktiken denunziert. Im Grunde wurde der Nationalsozialismus dadurch verharmlost."
Außerdem: In der
Welt formuliert
Aleida Assmann fünf Thesen zum 8. Mai - unter anderem schlägt sie vor, im Sinne der "transnationalen europäischen Erinnerung" auch den
9.
Mai zu feiern, den Tag, an dem im Jahr 1950 die
EWG gegründet wurde. Die
Deutsche Welle bringt einen
nicht sehr tiefschürfenden Text von
Herfried Münkler zum Thema. In der
Berliner Zeitung berichtet Ingeborg Ruthe über eine Initiative, ein Denkmal für den Stadtkommandanten
Nikolai Bersarin zu errichten. Und im
Perlentaucher denkt Richard Herzinger über die Aktualität des
Faschismusbegriffs nach.