Es gibt einen "
Nole" und einen "
Novak"
Djokovic, schreibt Aleksandar Brezar ein einem
interessanten kleinen Porträt für
Euronews.com. Der Weltranglistenerste wollte mit Flunkerei und Impfverweigerung bei den Australian Open antreten. "Nol" ist der sympathische Tennisstar, der sich für kranke Kinder einsetzt. Novak ist der gefürchtete Gegner seiner Konkurrenten, der sich mit Nationalismus und Esoterik aufrüstet. Brezar hat für sein Porträt unter anderem mit dem bosnisch-amerikanischen
Schriftsteller Aleksandar Hemon gesprochen: "Nationalisten sind mit Esoterikern und Okkultisten eng verwandt, stellt Hemon klar, denn beide teilen die Überzeugung,
Recht zu haben, wenn andere im Unrecht sind, selbst wenn
Fakten das Gegenteil beweisen. 'Das Interessante ist, dass dieses Interesse an
antiwissenschaftlichen New-Age-Mythologien in den nationalistischen Bewegungen dieser Welt weit verbreitet ist. Denn in gewisser Weise ist der Nationalismus eine Illusion, ein Märchen.'" Jan Schweizer konstatiert in einem
Zeit-Artikel zum selben Thema: "Esoteriker und Alternativmediziner hatten bislang erstaunlich viel Spielraum, viele Heilpraktiker etwa dürfen ohne nennenswerte Ausbildung
erstaunlichen Unsinn treiben."
Das
Bundesverfassungsgericht hat geurteilt, dass Behinderte in
Triage-
Situationen nicht benachteiligt werden dürfen. (
Unser Resümee) Bei dem Philosophen
Adriano Mannino sorgt das Urteil in der
SZ für Verwirrung. Wenn das Kriterium der kurzfristigen Erfolgsprognose diskriminierend ist, weil es etwa vorerkrankte oder behinderte Menschen benachteiligt, dann ist das Kriterium
der Dringlichkeit ebenfalls diskriminierend, meint er: "Entscheidungstheoretisch lässt sich die Dringlichkeit in Triage-Kontexten als die Wahrscheinlichkeit bestimmen, mit der ein Patient stirbt, wenn er nicht intensivmedizinisch behandelt wird. Die Erfolgsprognose dagegen bezeichnet die Wahrscheinlichkeit, mit einer Behandlung zu überleben. Konkurrieren etwa die Patientin A und der Patient B um das letzte Beatmungsgerät und hat A ohne Beatmung eine Sterbewahrscheinlichkeit von 60 Prozent, B dagegen eine von 40 Prozent, so liegt die Dringlichkeit bei A höher. Vor dem Eintritt medizinischer Notlagen nun haben junge und gesunde Menschen eine höhere Wahrscheinlichkeit, in der Position des Patienten B zu landen. Vorerkrankte, behinderte und alte Menschen dagegen werden sich statistisch eher in der dringlicheren Position der Patientin A wiederfinden. Folglich benachteiligt das Kriterium der Dringlichkeit junge und gesunde Menschen. Niemand nimmt diese Tatsache jedoch zum Anlass, den Faktor
Dringlichkeit als diskriminierend zu erklären." Am fairsten wäre die Zufallswahl, meint er.
Noch deutlicher wird der Rechtsprofessor
Reinhard Merkel in der
FAZ. "
Tief enttäuschend" nennt er den Beschluss, denn er verpflichte den Gesetzgeber zwar zu "unverzüglichem Handeln", lasse ihn aber
ohne Orientierung. Ohnehin sei die Frage umstritten, "welche Kriterien für Triage-Entscheidungen normativ tragfähig" sind: "Der physische Zustand eines Patienten mag die klinische Erfolgsaussicht trüben, aber wegen seiner genetischen Grundlagen dem Betroffenen nicht zurechenbar sein. Warum sollten neben diesem Kriterium dann nicht auch Bedingungen eine Rolle spielen, die sehr wohl, und zwar
als Verschulden zurechenbar sind, die grob fahrlässige Verursachung der eigenen Erkrankung etwa? Warum sollte ein 20-Jähriger, der sich auf einer verbotenen 'Anti-Corona-Party' ohne Einhalten von Schutzvorkehrungen infiziert hat und dessen Chancen, die Intensivbehandlung zu überleben, bei 80 Prozent liegen, der 60-jährigen Krankenschwester vorgezogen werden, die sich in ihrem Dienst unter Beachtung aller Vorsichtsregeln infiziert hat, deren Überlebenschance aber nur bei 40 Prozent liegt?"
Der neue
Koalitionsvertrag sieht vor, muslimische Jugendarbeit zu fördern und
gegen Muslimfeindlichkeit vorzugehen. In der
NZZ kritisiert die Ethnologin
Susanne Schröter, dass auch solche Organisationen finanziell gefördert werden sollen, die jede Kritik an "islamistischen Vereinigungen" als "
antimuslimischen Rassismus" bezeichnen. "Eine von ihnen ist die vom Berliner Senat geförderte 'Anlaufstelle Diskriminierung an Schulen' (Adas). Sie hat jüngst eine - von den Autoren selbst als nicht repräsentativ bezeichnete - Umfrage über Diskriminierungserfahrungen junger Muslime veröffentlicht und eine Reihe von Forderungen erhoben, die man umstandslos im Bereich der
Cancel-
Culture verorten kann. So sollen die Begriffe 'konfrontative Religionsausübung', 'aggressive Religionsbekundung' und 'religiöses Mobbing' aus dem öffentlichen Diskurs verbannt werden, weil sie angeblich Muslime diskriminieren. Befragt wurden tatsächlich Personen im Kontext von Moscheegemeinden, von denen viele ein
fundamentalistisch-
reaktionäres Islamverständnis vertreten, was die Neuköllner Integrationsbeauftragte Güner Balci veranlasste, von einem 'Who's who des politischen Islam' zu sprechen."
Der Begriff der
Leistung hat große Veränderungen erlebt, sagt im
SZ-Gespräch mit Aurelie von Blazekovic die Soziologin
Nicole Mayer-
Ahuja, die gemeinsam mit
Oliver Nachtwey das Buch
"Verkannte Leistungsträger:innen" veröffentlicht hat: "In der Nachkriegszeit wurde Leistung an dem Aufwand festgemacht, den man betreibt, um Arbeit zu erledigen. Helmut Kohl ist in den Achtzigerjahren mit dem Slogan 'Leistung muss sich wieder lohnen' an die Regierung gekommen. Er verstand darunter etwas völlig anderes." (…) Man sollte "steuerlich entlastet und motiviert werden, Arbeitsplätze zu schaffen. Ob diese Position auf eigener Anstrengung beruhte, war egal. Gesellschaftlich weniger gut gestellte Beschäftigte wurden zunehmend
in prekäre Jobs gedrängt, ihre Leistung lohnte sich immer weniger. Das hat auch damit zu tun, dass viele von ihnen
Frauen sind. Speziell weiblich dominierte Tätigkeiten werden oft weniger honoriert, weil angenommen wird, dass man für Reinigung, Pflege, oder Erziehung keine Qualifikationen brauchen würde, sondern wir Frauen das naturgemäß könnten."