Francis Fukuyama spricht mit Gregor Quack in der
FAS über sein neues
Buch "Identität - Wie der Verlust der Würde unsere Demokratie gefährdet" und kritisiert, dass bei dem Versuch, den
Populismus zu verstehen, kulturelle Faktoren meist unterschätzt werden.
Identitätspolitik ist aber nicht nur eine Sache der Rechten, meint er: "Das Problem liegt darin begründet, dass eine liberale Gesellschaft vorrangig eben nicht aus verschiedenen Kulturen, sondern zunächst einmal
aus Individuen besteht. Wenn also beispielsweise eine konservative muslimische Familie ihre Tochter zurück nach Marokko oder Pakistan schickt, damit die dort gegen ihren Willen verheiratet wird, dann kann man das in einer liberalen Demokratie nicht im Namen kultureller Selbstbestimmung verteidigen."
Der
öffentliche Intellektuelle ist tot,
konstatiert der Literaturwissenschaftler
Björn Hayer auf
Zeit online. Jedenfalls in den Geisteswissenschaften. Es wundert ihn nicht. "In der Tat hat sich ein Teil der Forschungsgemeinde, insbesondere der älteren Garde, seit mehreren Dekaden mit der Abarbeitung
realitätsferner Nischenthemen begnügt. Man zog sich biedermeierlich (und sicherlich auch ein wenig selbstgefällig) ins Unpolitische zurück. Verstärkt wird dieser Eindruck der Beliebigkeit durch eine massive Überproduktion an Studien und Artikeln, deren Bedeutung für die gesellschaftlichen Diskurse kaum erörtert wird." Hayer ermuntert dazu, den Elfenbeinturm zu verlassen und sich wieder einzumischen.
In seinem Buch "Der Tyrann" analysiert der amerikanische Literaturwissenschafter
Stephen Greenblatt Shakespeares "Machtkunde für das 21. Jahrhundert". Die lässt sich auch sehr gut auf
Donald Trump übertragen, meint er im
Interview mit der
NZZ. "Er ist in jeder Hinsicht eine kollektive Schöpfung, auch wenn ich dem Prinzip Etienne de La Boéties anhänge, nach dem man sich immer auch weigern kann, einem Tyrannen einen Kaffee zu servieren. Am Aufstieg Trumps ist faszinierend, dass ihn das gesamte
republikanische Establishment gehasst hat - die Bushs, McConnells und wie sie alle heißen. In dem komplizierten Prozess, von dem ich nicht sicher bin, ob ich ihn völlig verstehe, haben sie sich ihm dann aber alle verschrieben."
Weiteres: Auch das
Gedenken unterliegt Moden - wir gedenken der Opfer des Faschismus, des Nationalsozialismus, von Auschwitz, des Holocaust, der Judenvernichtung: In der
FR denkt Arno Widmann an seinem eigenen Leben entlang über die
gesellschaftliche Konjunktur dieser Begriffe nach.