Das
Goethe-Institut Tel Aviv wollte den 9. November zum Anlass nehmen, um im Namen der "Multidirektionalität" über Koinzidenzen der jüdisch-israelischen und der palästinensischen Erinnerungskulturen zu sprechen (unsere
Resümees). Die Vorlage zur Diskussion sollte Charlotte Wiedemanns
Buch "Der Schmerz der anderen" sein, das sämtliche Urkatastrophen mit dem grünen Band der "Empathie" verbinden will. Die Kritik daran, dass die Diskussion ausgerechnet am 9. November stattfinden sollte,
leuchtet Jannis Hagmann, der in der
taz berichtet, nicht ein, er sieht eine Instrumentalisierung von der anderen Seite: "Im zunehmend rechtslastigen und teils
offen antipalästinensischen Diskurs in Israel wird der Begriff Nakba mitunter als 'antiisraelisch', teils auch als antisemitisch gebrandmarkt, was die Erinnerung an die Flucht und Vertreibung von Araber*innen aus Palästina
delegitimiert. Auch in Deutschland sind derartige Stimmen seit Jahren zu vernehmen." Das alles wäre nicht passiert, wenn nicht Israels Botschafter in Deutschland,
Ron Prosor, "die öffentliche Debatte
losgetreten" hätte, meint der Israel-Korrespondent der
FAZ, Christian Meier: "Der Diplomat, der seit August auf seinem Posten ist, hat Israels Botschaften einmal als '
Kommandozentren an der Front' eines 'diplomatischen Kriegs' bezeichnet."
Pia Lamberty und
Katharina Nocun, Autorinnen des Buchs
"Gefährlicher Glaube" über die Gefahren der Esoterik, erklären im
SZ-Gespräch mit Julia Werthmann noch einmal, wo
Esoterik,
Antisemitismus und
Rechtsextremismus anknüpfen: Zum einen ist es "der Glaube an eine gerechte Welt. Das klingt für Außenstehende hilfsbereit, sozial und demokratisch, aber darum geht es in dem Fall nicht. Unter Gerechtigkeit verstehen Esoteriker eher, dass jeder bekommt, was er verdient hat. Im Sinne des
Karma-
Konzepts: 'Wer Gutes tut, dem wird Gutes passieren.' Das hört sich nett an, aber im Umkehrschluss bedeutet es eben auch: 'Wem Schlechtes widerfährt, der hat Schlechtes getan.' (…) Wir sehen seit Jahren, dass Teile der Szene ein massives Problem haben, sich abzugrenzen. Es grassieren antidemokratische Führungskulte, ein klarer
Antifeminismus und antisemitische Verschwörungserzählungen oder der Holocaust wird mit einer angeblichen '
Karmaschuld'
von Juden begründet. Dazu hat die Esoterikszene eine antimoderne Haltung gegenüber Fortschritt oder Medizin, die nicht selten antisemitisch konnotiert ist. All das ist anschlussfähig im rechten Lager."
"Die Situation ist noch
gefährlicher als 2015", sagt der Soziologe
Johannes Kiess, der am Else-Frenkel-Brunswik-Institut der Universität Leipzig die
Autoritarismus-Studie durchgeführt hat, im
ZeitOnline-
Gespräch mit Doreen Reinhard zu den
Anschlägen auf Unterkünfte für Geflüchtete: "In den letzten Jahren haben wir in dieser Szene eine weitere Verstärkung gesehen, Netzwerke haben sich verdichtet und vergrößert. Nun befinden wir uns in einer Verkettung von Krisen, da ist die Pandemie, der Krieg Russlands gegen die Ukraine, die Folgen von Inflation und steigenden Energiepreisen. Gesellschaftlich und politisch erleben wir eine fragile Situation. Wir beobachten über unser Telegram-Monitoring Kommunikation von radikalen Gruppen und Akteuren und sehen, dass es dort ein
hohes Erregungspotenzial gibt."