Wahrer Konservatismus trauert um die verlorene Vergangenheit, aber er will die Zeit nicht zurückdrehen, höchstens ein wenig aufhalten,
erklärt Gustav Seibt in der
SZ. An idealisierte Ursprünge zurückkehren zu wollen, sei eher reaktionär: "Der Brexit war
ein revolutionärer Akt im Namen einer idealisierten Vergangenheit. Er war ein Irrtum im Umgang mit historischer Zeit, weil er das Vorvergangene dem Vergangenen vorzog. Der Brexit hatte so von Anfang an einen ideologischen, unpraktischen, im Kern ahistorischen Zug, der ihn als eigentlich unkonservativ erscheinen lässt. Die Szenen, die sich seither in den nur scheinbar uralten Kulissen von Westminster abspielen, zeigen, wofür Konservativismus gut sein könnte: als
Politik der Vorsicht und eines historischen Bewusstseins, das Kontinuität nicht in den vergoldeten Formen eines "Gothic Revival" begreift, sondern als Leben, das in der Zeit unvermeidlich weitergeht, auch wenn es sich nicht um Fortschritt handelt."
Der Bochumer Literaturwissenschaftler
Manfred Schneider, Fachmann für
paranoische Vernunft,
blickt in der
NZZ in die seelischen Abgründe von Despoten, in denen sich
Hass und Narzissmus zu finsterem Wahn vermengen: "Was unterscheidet Diktatoren wie Cromwell, Robespierre, Napoleon, Stalin, Mussolini, Franco, Salazar, Hitler, Ghadhafi, Putin und ihre amerikanischen Äffchen von den vielen anderen Machtlüsternen? Sie sind skrupelloser, korrupter,
wahrheitsresistenter und brutaler als ihre Rivalen, und es ist die Serie der Erfolge durch Lüge, Rücksichtslosigkeit und Gewalt, die ihren Größenwahn nährt. Nichts anderes ist Charisma, wonach die politische Welt so lechzt. Der Preis für den Erfolg sind allerdings die Schlaflosigkeit und die Angst vor den Rivalen. Denn niemand kennt die Seele des Tyrannenmörders besser als der Tyrann selbst. Er ist sein Ebenbild... Putin ist weder verrückt noch krank, noch von bösen Geistern besessen. Es ist viel schlimmer. Er ist überzeugt. Um noch einmal Nietzsche zu zitieren, der den feinsten Sinn für Irrtümer und Verirrungen hatte und bemerkte: 'Nicht der Zweifel, die Gewissheit ist das,
was wahnsinnig macht.' Der Wahnsinn der Gewissheit hat nichts klinisch Pathologisches, er ist vielmehr die
Krankheit des Ressentiments, das Diktatoren und Terroristen unserer Zeit zu Mordtaten treibt."
Die
FAZ druckt zudem die Dankresede des Grünen-Politikers
Cem Özdemir zur Verleihung des Leo-Baeck-Preises durch den Zentralrat der Juden in Deutschalnd: "
Antiliberalismus und Antisemitismus gehen stets Hand in Hand. "