9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Internet

1332 Presseschau-Absätze - Seite 119 von 134

9punkt - Die Debattenrundschau vom 30.09.2014 - Internet

Kritsanarat Khunkham schreibt in der Welt über IS-Terror im Internet und warnt vor einem Kalifat im Netz: "Twitter ist für den IS ein Überlebenskriterium geworden. Als das Netzwerk nach dem Mord an Journalisten mehrere Propagandaaccounts sperrte, wurde das Unternehmen und sogar einzelne seiner Mitarbeiter von Islamisten offen bedroht. Trotz der Sperrungen konnte IS seine Videos weiterverbreiten."

Ist doch auch nur Mist und bringt nicht die Weltrevolution, meint Evgeny Morozov in der FAZ zur neuen Sharing-Ökonomie: "Die angeblichen ökologischen Vorteile der Sharing-Ökonomie sind lachhaft: Während wir unsere Autos mit den Nachbarn teilen sollen, weil es billiger und umweltfreundlicher ist, behalten die Reichen ihre Segelboote, Limousinen und Privatjets, und die wahren Umweltsünder, die Ölkonzerne und andere Industriegiganten, können sich noch schlimmere Sachen leisten."

Gerade in der Musik gibt es dagegen offenbar funktionierende neue Sharing-Modelle. In der Spex staunt Thomas Vorreyer nach Durchsicht der aktuellen Zahlen zu Thom Yorkes via BitTorrent für 6 Dollar veröffentlichtem neuen Album, das nicht nur der Künstler und das Filesharing-Protokoll binnen kürzester Zeit beträchtlichen Umsatz bei höherer Gewinnmarge gemacht haben, sondern dass auch die Fans deutlich günstiger an die Musik gekommen sind als dies jeweils auf gängigeren Distributionswegen geschehen wäre.

Weiteres: Günther Oettinger, der neue EU-Kommissar fürs Digitale, hatte gestern seine "mündliche Prüfung". taz-Autorin Anne Fromm hat ihn vorher schon bei einer Berliner Veranstaltung beobachtet: "Grenzüberschreitender Auf- und Ausbau der Netze, Europäisierung der Politik, Stärkungen des europäischen Binnenmarktes - so in etwa schwebt ihm auch seine Zukunft als Digitalkommissar vor."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 29.09.2014 - Internet

Erwartungsgemäß wenig Erfreuliches berichtet Michael Hanfeld in der FAZ über die von der FAZ und der Herrhausen-Gesellschaft ausgerichtete Berliner Konferenz "Digitale Zukunft erkennen". So warnte etwa der Philosophie-Professors Thomas Metzinger angesichts der NSA-Affäre: "Den Europäern gehe es wie den amerikanischen Ureinwohnern bei der Eroberung des Westens - sie verlieren ihr Terrain, ihre Lebensgrundlagen und landen in Reservaten. "Die Amerikaner", sagte Metzinger, "haben den Kolonialkrieg gegen die ganze Welt eröffnet im Internet.""

Rüdiger Wischenbart wirft im Standard einen Blick auf den österreichischen Buchmarkt, der eine weitere Stützung durch den Staat bekommen soll. Allerdings sollte das nicht der Zementierung von stukturen dienen, meint er: "Wie lassen sich kleine heimische Verlage und Buchhandlungen für eine Rundumerneuerung gewinnen? Das Thema gewinnt rasch an Brisanz: Förderung von Kunst und Kultur aus öffentlichen Mitteln ist seit den 1970er-Jahren ein erfolgreiches Element österreichischer Identitätsfindung. Doch muss dieses Instrumentarium vom Bürger als zeitgemäß anerkannt werden."

Weiteres: Im Interview mit Ingo Arzt in der taz verficht Jeremy Rifkin seinen Optimismus bezüglich einer Abschaffung des Kapitalismus qua Digitalisierung 3D-Druck und Sonnenenergie.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.09.2014 - Internet

Alle reden jetzt über das soziale Netz Ello, das als Facebook-Konkurrenz im Gespräch ist, seit Facebook den Klarnamenzwang durchsetzen will und sich damit vor allem in der Schwulenszene (hier der offene Brief der Dragqueen Hamm-Samwich an Facebook in der huffpo.fr) unbeliebt macht. Das Netz wimmelt vor Artikeln, wundert sich Martin Weigert in Netzwertig, der Ello schon vor ein paar Wochen vorgestellt hat, und setzt nützliche Links: "Mit dem plötzlichen Durchbruch in der englischsprachigen Webszene beginnt Ellos offizielle Ära als Rivale für existierende soziale Netzwerke. Zehntausende werden sich in diesen Tagen den Dienst anschauen, und dann eventuell immer mal wieder dort vorbeischauen - oder auch nicht. Die laut den Berichten bereits vorhandene Loyalität bestimmter subkultureller Gruppen zu dem Service hilft sicherlich, einen vollständigen Geisterstadt-Effekt zu verhindern."

Allerdings gibt es jetzt schon Zweifel, ob Ello so "gut" ist, wie es mit seinem Slogan "You are not the product" verspricht, schreibt Helen S. Popkin bei Readwrite und verweist auf einen Post Andy Baios ausgerechnet bei Ello selbst, der die Finanzierung dee Start-Ups untersucht und die schlichte Vermutung äußert, dass Venture-Kapitalgeber irgendwann auch mal ihr Geld zurück wollen.

Weiteres: Auf Gawker stellt Vann R. Newkirk II ein Papier von zwei Juristen der Washington Universität in St. Louis vor, die vier ethische Prinzipien für den Umgang mit Big Data herausgearbeitet haben.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.09.2014 - Internet

Der neue EU-Digitalkommissar Günther Oettinger will Googles Marktmacht schärfer als bisher begrenzen, berichten Christoph Pauly und Gregor Peter Schmitz in Spiegel Online. Oettinger reagiert damit auf Druck von Google-Konkurrenten, die sich vor den Europa-Wahlen stark positioniert hatten. Gegenüber Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia scheint er eine Google-kritischere Linie zu verfolgen: "Oettinger hatte sich maßgeblich in die Google-Debatte eingebracht, als Almunia im Frühjahr eine eher moderate Einigung mit dem Internetkonzern durchboxen wollte... Ihn stört besonders, dass Google aus seiner Sicht den kleineren Mittelständlern im Internet das Leben schwer macht, wenn die Kalifornier für sich einen neuen Markt entdeckt haben und alle anderen mit ihrer Marktmacht an die Wand drücken." In dem Artikel wird auch auf ein 30-seitigiges Papier des Bundeskartellamts verwiesen, das auf Initiative Sigmar Gabriels über das gleiche Thema räsonniert.

Zu den prominenten Google-Gegnern gehört neben Mathias Döpfner, der vor den Europawahlen in Frank Schirrmachers FAZ-Feuilleton seine "Angst vor Google" bekannte, Rupert Murdoch. Robert Thomson, Chef von Murdochs News Corp., hatte vor einigen Tagen einen offenen Brief an den europäischen Wettbewerbskommissar adressiert, in dem er das ganz große Fass aufmachte: "Es besteht kein Zweifel, dass dieser Fall von tiefer Bedeutung für viele Medienkonzerne in Europa, aber auch für die europäische Bevölkerung ist, deren unabhängiger Zugang zu Informationen durch die überwältigende Macht von Google gefährdet ist."

(Via The Next Web) Auf diesen Brief hat nun Google auf seinen eigenen Seiten mit einem Brief an "Dear Rupert" geantwortet - und wiederholt altbekannte Argumente: "Google hat hart gearbeitet, um Verlegern zu Online-Erfolg zu verhelfen und ihre Digitaleinkünfte zu erhöhen."

Wolfgang Blau vom Guardian twittert dazu:

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.09.2014 - Internet

(Via turi2) Alexander Pschera beobachtet bei Cicero "die Entstehung eines selbstbewussten neuen konservativen Milieus, das aus dem Geist der Netz-Opposition erwächst", und spielt damit vor allem auf die netztkritischen Artikel in den Feuilletons an. Dieser Konservatismus ist laut Pschera vor allem eins: nicht neugierig: "Neugierig zu sein und zu bleiben ist aber der Motor von Erkenntnis und gesellschaftlicher Entwicklung. Es ist der erklärte Auftrag der Aufklärung, neue Technologien zu nutzen und sozial zu strukturieren, um sie in den Dienst der Neugierde zu stellen. Das Netz ist eine Maschine des Staunens. Und als solches sollte es gesehen und diskutiert werden."
Stichwörter: Cicero, Konservatismus

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.09.2014 - Internet

Der schlimmste Feind des traditionellen Buchbranche ist nicht Amazon, sondern die eigene Bequemlichkeit, meint Andreas Platthaus in der FAZ: "Dauerhaft wird der stationäre Buchhandel in Deutschland nur überleben, wenn er sich den neuen Bedingungen stellt, die durch Amazons Markteintritt entstanden sind. Er muss das bislang ungeliebte E-Book-Geschäft betreiben, und er muss vor allem die rasche Lieferung von Bestellungen an die Kunden gewährleisten - bis an die Haustür."
Stichwörter: Amazon, Buchhandel, Ebooks

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.09.2014 - Internet

Nach Open Source begrüßt Kritsanarat Khunkham in der Welt Open Journalism: "Wie beim Open Source geht es um die Einbindung in den Prozess der Berichterstattung und um die Teilnahme an ihrer Weiterentwicklung. Denn Journalismus ist heute viel mehr, als bloß Texte zu schreiben, die nur gelesen werden. Damit dieses Mehr passieren kann, sollten Journalisten die Daten und Informationen, die hinter ihren Geschichten stecken, offen zur Verfügung stellen."
Stichwörter: Open Journalism, Open Source

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.09.2014 - Internet

(Via The Verge) David Streitfeld berichtet in der New York Times über einige Verlegenheit bei Amazon und ein paar amerikanischen Autoren, die von Amazon-Boss Jeff Bezos regelmäßig zum geheimen "Campfire"-Treffen eingeladen wurden, ein Literaturtreffen für sehr reiche Leute, wo sich die Autoren aufs Luxuriöseste verwöhnen ließen. Nach dem Streit mit Hachette ist nichts mehr wie sonst. Manche Autoren fahren nicht mehr hin, andere werden nicht mehr eingeladen und nochmal andere halten den Mund: "Der Mogul lässt die Teilnehmer keine Geheimhaltungsklauseln unterschreiben. Die Autoren werden von seinem Team nur darauf aufmerksam gemacht, dass das Treffen "unter 3" stattfindet. Und daran haben sich auch all jene gehalten, die sonst ihre kleinsten Regungen per Facebook und Twitter mitteilen."

In 200 Jahren wird man die digitale Revolution wahrscheinlich als Segen für die Menschheit betrachten, glaubt Olaf Gersemann in der Welt, allerdings nur, wenn sich das Bildungssystem radikal ändert: "Wir müssen uns von der Annahme leiten lassen, dass die meisten Jobs, die meisten Berufe und vielleicht sogar die meisten Arbeitgeber, die es 2030 oder 2040 geben wird, heute noch nicht existieren. So gesehen, machen wir heute so ziemlich alles falsch, was man falsch machen kann. Wir bilden den Nachwuchs leidlich gut aus, wir packen viel Bildung in ihn hinein in den ersten 20, 30 Lebensjahren - und lassen ihn dann allein. "Lebenslanges Lernen" ist eine Phrase geblieben."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.09.2014 - Internet

Das Geschenk des neuen Albums von U2 an alles Itunes-Nutzer war nicht nur ungewollt, sondern auch noch vergiftet, schreibt Martin Weigert in Netzwertig: "Zusammen mit Apple plant (die Gruppe) die Entwicklung eines neuen Musikformats, das Konsumenten wieder in Käufer von Singles und Alben verwandeln soll. Es gehe um ein "interaktives, audiovisuelles Musikformat mit Piracy-Schutz". Totz aller gescheiterten Versuche und offensichtlichen Nachteile für Hörer sieht die Band die Rettung der Musikindustrie also noch immer in DRM." Sowohl U2, als auch Herbert Grönemeyer mit seine jüngsten Äußerungen, wollen laut Weigert weg von Streaming-Modellen.

Apropos Piraten. Mike Masnick zeigt in Techdirt, wie der israelische Youtube-Künstler Kutiman dieses Video



zu einem Teil eines umwerfenden Funksongs machte:

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.09.2014 - Internet

Koen Lenaerts, Vizepräsident des Europäischen Gerichtshofs, verwahrt sich gegenüber Christian Rath (taz) gegen das Missverständnis, der EuGH habe mit dem Urteil gegen Google ein generelles "Recht auf Vergessenwerden" erlassen: "Ein Gerichtshof ist ein Gerichtshof und kein Gesetzgeber. Wir machen nicht Aussagen zu allem, was Sie oder andere für wichtig halten. Wir entscheiden nicht alle Varianten eines Falles, damit es gleich eine schöne Erläuterung eines ganzen Rechtsgebietes gibt. Nein, wir entscheiden von einem Fall zum nächsten und nur das, was für den jeweiligen Fall erforderlich ist. Nur dann gehen wir methodologisch sauber vor."