In seiner Rede zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
kritisiert Jaron Lanier unter anderem die Idee des offenen Netzes: "Der Mainstream der digitalen Politik, die immer noch als jung und "radikal" angesehen wird, pflügt immer noch mit einer Reihe von
Ideen über Offenheit voran, die über drei Jahrzehnte alt sind, selbst wenn die spezielle Formulierung offensichtlich gescheitert ist. Als meine Freunde und ich die so genannte
Twitter- oder Facebook-Revolution auf dem Tahrir-Platz beobachteten, von unserem bequemen Posten im Silicon Valley, habe ich gesagt: "Twitter wird diesen tapferen, klugen jungen Ägyptern
keine Arbeit geben, also kann die Bewegung nicht glücken.""
Perlentaucher Thierry Chervel
hörte die Rede und staunte: "Zuweilen lehnte ich mich zurück im melodiösen Sog der Rezitation und staunte über die
seltsame Konstellation, die sich hier ergeben hatte: Auf der einen Seite der
digitale Pionier - auch wenn er nichts mit der Entstehung des Internets zu tun hatte und diese Behauptung hier auch nicht wiederholte -, dort ein allenfalls an Jahren
fortgeschrittenes Kulturpublikum, das sich nun von vermeintlich berufenster Seite in seinem Verdacht bestätigt fühlen konnte. Irgendwas ist
faul mit dem Internet. Wenn es nicht das Internet selbst ist."
Für die
Berliner Zeitung berichtet Peter Zschunke. Bei Joachim Güntner in der
NZZ hat der Funke
gezündet: "Jaron Laniers Dankesrede war
schlichtweg hinreißend." Nils Minkmar bedankt sich in der
FAZ bei Lanier für eine "Lektion in öffentlichem Nachdenken".
(Via
Netzpolitik) Die
Tagesspiegel-Redakteurin Anna Sauerbrey
erklärt in der
New York Times, warum die Deutschen "
Angst vor Google" haben: "Silicon Valley fürchtet weder Strafen noch politische Sanktionen. Es investiert Millionen für Lobbyarbeit in Brüssel und Berlin, aber da es den demokratischen Prozess zu langsam findet, folgt es zunächst mal
den eigenen Regeln. Uber hat schlicht erklärt, dass es in Deutschland weitermacht, egal, was die Gerichte entscheiden... Es ist dieser anarchische Geist, der die Deutschen so nervös macht."