9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Internet

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.10.2014 - Internet

Heute veranstaltet die Bundesregierung einen IT-Gipfel. Spiegel-Online-Autorin Annett Meiritz ist nicht begeistert: "All die hübschen Auftritte täuschen nicht darüber hinweg, dass Deutschland der Digitalisierung nur hinterher rennt. Das wird sich auch unter der Großen Koalition nicht ändern. Die "Digitale Agenda", eine Art Masterplan für die kommenden Jahre, ist ein Flop... Jeder der drei Internetminister arbeitet für sich, die großen Gründungen finden woanders statt, die Ansprüche an Datenschutz kollidieren mit den Zielen der Netzriesen. Ruckelfreies Internet, Medienkompetenz für alle Altersklassen oder eine kluge Open-Data-Strategie, das alles wird nur zaghaft angegangen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.10.2014 - Internet

Camille Gévaudan stellt in Libération die Initiative degooglisons-internet.org vor die zu jedem "Star"-Service im Internet - also etwa Twitter, Skype, Google Drive et cetera - Alternativen präsentiert. Dahinter steckt der Verein Framasoft, der "eine Bilanz sämtlicher Alternativen zu den zentralisierten Diensten im Web erstellt". Dabei "setzen die digitalen Freiheitskämpfer ganz auf open-source-Software. Per definitionem ist deren Software transparent, da ihr Quellcode von jedermann konsultiert werden kann... Überdies ist diese Software veränderbar. Wenn man kein Vertrauen mehr hat, kann man eine Alternative entwickeln."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.10.2014 - Internet

Unter Beisein von Eric Schmidt hat der Google-Expertenrat über das "Recht auf Vergessen" gestritten, das Google und andere Suchmaschinen nach einem EuGH-Urteil zwingt, missliebige Links zu entfernen, berichtet zeit.de mit dpa. Insgesamt "bekam Google bislang fast 150.000 Anträge, allein aus Deutschland kamen mehr als 25.000. Dabei seien insgesamt rund 42 Prozent der beanstandeten Links aus den Suchergebnissen entfernt worden. In Deutschland seien es 53 Prozent gewesen."

Der Ökonom Jean Tirole hat den Nobelpreis bekommen, weil er über Unternehmen wie Google und über die Netzökonomie nachdenkt, schreibt Pascal Riché in rue89. "Diese Unternehmen habe eine natürliche Tendenz zum Monopol, was nach Tirole nicht an sich schecht ist, solange dynamischere Unternehmen kommen können, um sie zu ersetzen. Hier beginnt die Rolle der politischen Regulatoren: Sie müssen gewährleisten, dass das Monopol keine Barrieren für den Markteintritt anderer Unternehmen aufrichtet."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.10.2014 - Internet

Robert Faturechi beschreibt auf ProPublica, mit welch ausgetüftelten Kampagnen die Telekom-Konzerne in den USA gegen die Netzneutralität mobilisieren. Neben unzähligen Meinungsartikeln, eigenen Websites und Pseudo-NGOs findet er die Truppe "Onward Internet" besonders ärgerlich, die mit einer "Internet Suggestion Box" durch die Lande tingelt: "Nur verblümt findet man Hinweise auf eine tiefere Botschaft: "Das Internet ist eine freie wilde Angelegenheit", heißt es auf der Website. "Nicht begrenzt von Verboten, nicht eingeschränkt durch Regeln. Es liegt in der Verantwortung jedes einzelnen, dafür zu sorgen, dass sich das Internet weiterentwickelt."

Marcel Weiß nimmt in Neunetz Bezug auf Thierry Chervels Perlentaucher-Bericht über die Verleihung des Friedenspreises an den Internetkritiker Jaron Lanier und erläutert einen weiteren Aspekt an Laniers Theorie zum Netz: "Jaron Laniers Lösung für die von ihm identifizierten Internetprobleme ist im Übrigen eine Totalüberwachung, welche die umfassende Microbezahlung von Links, Remixen und anderen Nutzungen ermöglichen soll. Dass die Veröffentlichung seines jüngsten Buches mitten in die Snowden-Veröffentlichungen von tatsächlich stattfindender Totalüberwachung gefallen ist, ist ein minimaler, leicht zu ignorierender Nebenaspekt, den zu erwähnen und zu diskutieren, sowohl der Börsenverein als auch die Rezensenten des Lanier-Buches in der deutschen Medienwelt für nicht notwendig erachteten."

Der arbeitslose japanische Ingenieur Satoshi Nakamoto, den Newsweek als vermeintlichen Bitcoin-Erfinder identifiziert hatte, verklagt das amerikanische Magazin nun, meldet John Biggs in Techcrunch. Er hat sogar eine Website namens NewsweekLied eröffnet: "Spenden können in Bitcoins entrichtet werden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.10.2014 - Internet

In seiner Rede zum Friedenspreis des Deutschen Buchhandels kritisiert Jaron Lanier unter anderem die Idee des offenen Netzes: "Der Mainstream der digitalen Politik, die immer noch als jung und "radikal" angesehen wird, pflügt immer noch mit einer Reihe von Ideen über Offenheit voran, die über drei Jahrzehnte alt sind, selbst wenn die spezielle Formulierung offensichtlich gescheitert ist. Als meine Freunde und ich die so genannte Twitter- oder Facebook-Revolution auf dem Tahrir-Platz beobachteten, von unserem bequemen Posten im Silicon Valley, habe ich gesagt: "Twitter wird diesen tapferen, klugen jungen Ägyptern keine Arbeit geben, also kann die Bewegung nicht glücken.""

Perlentaucher Thierry Chervel hörte die Rede und staunte: "Zuweilen lehnte ich mich zurück im melodiösen Sog der Rezitation und staunte über die seltsame Konstellation, die sich hier ergeben hatte: Auf der einen Seite der digitale Pionier - auch wenn er nichts mit der Entstehung des Internets zu tun hatte und diese Behauptung hier auch nicht wiederholte -, dort ein allenfalls an Jahren fortgeschrittenes Kulturpublikum, das sich nun von vermeintlich berufenster Seite in seinem Verdacht bestätigt fühlen konnte. Irgendwas ist faul mit dem Internet. Wenn es nicht das Internet selbst ist."

Für die Berliner Zeitung berichtet Peter Zschunke. Bei Joachim Güntner in der NZZ hat der Funke gezündet: "Jaron Laniers Dankesrede war schlichtweg hinreißend." Nils Minkmar bedankt sich in der FAZ bei Lanier für eine "Lektion in öffentlichem Nachdenken".

(Via Netzpolitik) Die Tagesspiegel-Redakteurin Anna Sauerbrey erklärt in der New York Times, warum die Deutschen "Angst vor Google" haben: "Silicon Valley fürchtet weder Strafen noch politische Sanktionen. Es investiert Millionen für Lobbyarbeit in Brüssel und Berlin, aber da es den demokratischen Prozess zu langsam findet, folgt es zunächst mal den eigenen Regeln. Uber hat schlicht erklärt, dass es in Deutschland weitermacht, egal, was die Gerichte entscheiden... Es ist dieser anarchische Geist, der die Deutschen so nervös macht."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.10.2014 - Internet

"Die Ökonomie des Teilens, in der Kinder inzwischen großwerden", macht Jaron Lanier große Sorgen, erklärt er im Interview mit der Welt. "Sie erwarten nichts mehr, keine Sicherheiten, sondern nur noch Sonderangebote. Manchmal erinnert mich das Leben heute an Szenen wie von H.G. Wells. Es gibt zwei Klassen: die einen schaffen Sonderangebote des Sharing und verdienen dabei Millionen, die anderen müssen auf über diese Sharingdienste angebotenen Sofas schlafen."

Uwe Justus Wenzel versucht sich derweil in der NZZ einen Reim auf die Theorien Laniers zu machen, der morgen für seine kritischen Positionen zum Internet den Friedenspreis des deutschen Buchhandels erhält. "Konzerne zerschlagen möchte Lanier, der für Microsoft Research tätig ist, gewiss nicht; der Computerfreak, der er geblieben ist, scheint aber - ernüchtert, doch noch immer zukunftsfroh - auf eine Umverteilung der Macht im Internet zu hoffen." Zurecht verweist Wenzel nochmal auf Florian Cramers kritische Einwendungen zu Lanier im Blog des Merkur.

Fünf Monate nach dem EuGH-Urteil, nach dem Internet-Suchmaschinen unter bestimmten Umständen Links aus ihren Suchergebnissen entfernen müssen, hat Google einen Transparenzbericht vorgelegt, in dem über die eingegangenen, bewilligten und abgelehnten Anträge auf Löschung informiert wird. Kurt Sagatz und Christian Tretbar präsentieren im Tagesspiegel die Ergebnisse und stellen unter anderem fest, dass die Löschquote in den einzelnen EU-Ländern stark voneinander abweicht: "Bei der Prüfung der Ersuchen hat Google nach eigenen Angaben die Datenschutzrechte der Einzelpersonen gegen das öffentliche Interesse an der Information abgewogen... "Der Europäische Gerichtshof hat uns die Aufgabe übertragen, über die Löschanträge zu entscheiden. Wir sind mit der Situation, dass wir als Richter fungieren müssen, alles andere als glücklich", sagte ein Google-Sprecher dem Tagesspiegel."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 09.10.2014 - Internet

Auf der Medienseite der FAZ widmet sich Patrick Bahners Jeff Bezos Plänen, die Washington Post künftig über das Amazon-Lesegerät Kindle Fire als Standard-App zu verbreiten: "In den vergangenen Wochen gab es eine ganze Reihe von Artikeln, die mehr oder weniger hämisch feststellten, dass Bezos offenbar nicht wisse, was er mit seinem Spielzeug auf Zeitungspapier anfangen solle... Diese Spötter wie Dylan Byers, der Medienkolumnist von Politico, einem von abtrünnigen "Post"-Redakteuren gegründeten Internetdienst, der die Zeitung beerben will, stehen nun einigermaßen blamiert da. Vorschnell geurteilt - typisch Internet!"

In der Welt stellt Holger Heimann die Pläne des früheren BamS-Chefs Walter Mayer vor, ein Gegenprojekt zu Amazon zu entwickeln und "mit journalistischen Mittel die Atmosphäre einer guten Buchhandlung im Internet" herzustellen.

Das Arbeiten für Start-ups im Silicon Valley hat ein wenig an Glamour eingebüßt, auf Slate.com sammelt Lily Hay Newman Berichte von Leuten, die die Nase voll haben von brogrammer culture, Konformismus und leistungssteigernden Drogen: "Einer beklagte, dass man meist sehr hart für etwas arbeite, aus dem zu 98 Prozent niemals etwas wird. Ein anderer sagte es so: Du gibst alles für die Firma, und kriegst entweder den Bruchteil eines Prozents oder ein GTFO." Andere nannten den Mangel an Anerkennung, Beachtung, Vertrauen und Rückhalt, Unsicherheit und das regelmäßige Gelinktwerden von Leuten, denen man glaubte, vertrauen zu können.""

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.10.2014 - Internet

Die Bundesregierung ist gerade dabei, die Netzneutralität dem Breitbandausbau zu opfern, warnt Markus Beckedahl auf Netzpolitk.org: "Der Taschenspielertrick dabei ist, dass man kaum Geld für den Breitbandausbau investieren will, sondern den großen Telekommunikationsunternehmen einfach weniger Netzneutralitätsregeln verspricht. Oder andersherum gesagt: Die Telekommunikationsunternehmen versprechen gerne den Breitbandausbau irgendwie selbst zu finanzieren, wenn sie dafür weniger Regeln bekommen. Klingt wie eine Win-Win-Situation, ist es aber nicht."

Auf Netzwertig.com versucht sich unterdes Alexander Lohninger einen Reim auf eine Studie der Universität Bristol (pdf) zu machen, derzufolge mehr Breitband zu einre geringeren Wahlbeteiligung führt.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.10.2014 - Internet

Johannes Boie beschreibt in der SZ, wie die Algorithmen von Facebook den Konformismus fördern beziehungsweise fordern: "Meinungen verstärken sich: Wer konservativ ist, bekommt mehr Konservatismus. Und wer Facebook hasst, erhält mehr Kritik an Facebook. Denn die Zensur erfolgt nicht inhaltlich, sondern individuell. Das macht sie so perfide. Kritik an dem, was schon da ist, wird abgestraft. Duckmäusertum ist hier klüger als Widerspruch."

Weiteres: In ihrer FAZ-Kolumne wendet sich Constanze Kurz gegen "disruptive" Unternehmen wir Uber oder Airbnb, die bewährte Geschäftsmodelle in Gefahr bringen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 04.10.2014 - Internet

(Via Rue89) Schon neulich berichtet der New Stateman über einen neuen Bürgerjournalismus, der etwa in der Ukraine-Berichterstattung "mehr weiß" als manche Geheimdienste (unser Resümee), nun beobachtet der Boston Globe Ähnliches auf dem Feld der Berichterstattung über den Dschihadismus. Thanassis Cambanis stellt einige Autoren vor, die sich über Blogs und soziale Netze einer erstaunliche Reputation geholt haben. Beispiel Clint Watts: ""Manche sagen, wer ist dieser Typ, der über diese Sachen schreibt?, sagt Clint Watts, ein ehemaliger FBI-Agent, der in seiner Freizeit über den globalen Dschihad schreibt und ein großes Publikum gewonnen hat. Über Twitter konnte er Dutzende Experten ansprechen, die er vor 15 Jahren kaum hätte ansprechen können. Und durdch sein Blog ein Publikum gewonnen, von dem Regierungsexperten nur träumen können. "Für mich ist das vor allem ein Hobby", sagt er "Je mehr ich ein Außenseiter in der Terrorismusexpertenszene bin, des mehr werde ich gelesen.""