"Das Internet, die technische Leitutopie unserer Zeit, ist
von der Hoffnung zum Problem geworden",
verkündet der
Schriftsteller Günter Hack in einem kämpferischen Essay auf
Zeit Online. Indem die mächtigen Netzkonzerne die Produktionsmittel des neuen Arbeitsmarkts in den Händen halten, versetzen sie ihre Nutzer in den Rang eines "
Datenproletariats": "Das Bürgertum zeichnete sich schon zu Marx und Engels" Zeiten zunächst dadurch aus, dass es die Produktionsmittel besaß. Die Kontrolle über diese entgleitet den Resten des Bürgertums nun, sie konzentriert sich in den Händen einiger weniger Konzerne und ihrer Satellitenorganisationen. Alle Debatten über Datenschutz und Überwachung, Patentwahn und Urheberrecht sind Randerscheinungen dieses
Verlusts der Kontrolle der Produktionsmittel, der in einen asynchronen Proletarisierungsprozess mündet."
Mit der weitgehenden Aufhebung der Beschränkungen für Gratisnutzer ruiniert der Streaming-Dienst Spotify den
Wert von Musik endgültig, befürchtet Tobias Kreutzer in der
FAZ: "Man ist auf dem besten Weg, den Fehler zu begehen, den vor beinahe zwanzig Jahren die ersten Online-Journalisten machten. Bis heute ist der Online-Journalismus ein Zuschussgeschäft. Die
Büchse der Pandora ist geöffnet, kaum jemand bezahlt mehr für Inhalte." (Hm, so langsam scheint die Netzkritik in der
FAZ auf das Ante-Schirrmacher-Niveau zurückzukehren!)
Kein Internet ist allerdings auch keine Lösung, meint Inna Hartwich und
erzählt in der
FR, wie
willkürliche Netzzensur in China das Leben erschwert: "Die "Great Firewall" ist darauf spezialisiert, Internetseiten regelrecht zu fressen. Solche wie die der
New York Times, zu frech waren die Journalisten, als sie über das Vermögen der KP-Spitze schrieben, also weg damit! Solche wie Facebook, Twitter, Youtube. Wo käme man denn hin, wenn
dieses westliche Zeug die Hirne von Chinesen verunreinigte, wenn sie sich austauschten, ja gar an Informationen gelangen könnten, die die KP so gar nicht für sie vorsieht? Weg!"
Weiteres: Anlässlich der absehbaren
Abschaffung des Bargelds durch Apple Pay
fragt Andreas Rosenfelder in der
Welt: "Was heißt es, wenn der Bezahlvorgang kein besonderes Objekt mehr hat, in dem er sich verkörpert? Wenn er stattdessen als Zusatzfunktion in einem Kommunikationsgerät verschwindet." Dirk von Gehlen stellt in der
SZ das Bezahlsystem
LaterPay vor, das Medien
ohne Paywall Geld bringen könnte.