Zeitungen waren einst, was heute Ebay oder Google sind: Organisatoren des Marktes. Da sie als Filter allerdings viel enger waren, konnten sie für ihre Anzeige und Inserate Mondpreise nehmen und lebten von einer Rente. Auch damals schon,
schreibt Johannes Franzen in
54books, waren
die Leser das Produkt, das an die Anzeigenkunden weitergereicht wurde. Dies Modell ist durch die Digitalisierung gründlich in die Krise geraten. Nun ist es an den Lesern, den Wert
geistiger Arbeit zu finanzieren, appelliert Franzen: "Ein klares Bewusstsein für den Wert geistiger Arbeit muss dazu führen, dass die Leser*innen die Notwendigkeit anerkennen, ihr
individuelles Medienbudget aufzustocken. Der digitale Wandel hat ein Finanzierungsmodell geistiger Arbeit zusammenbrechen lassen und in dieser Leerstelle muss ein neues Modell aufgebaut werden, eines, in dem sich die Menschen als aktive Leser*innen verstehen, und weniger als Produkt. Die Entwicklung ist nicht nur mit finanziellen Opfern verbunden, sondern auch mit einem Zuwachs an Emanzipation."
Rasmus Peters denkt in der
FAZ zugleich über
Digitalisierung in der Kulturwelt nach, die durch Corona noch beschleunigt wird und für ihn unweigerlich zu
Kommerzialisierung führt: "Weil die digitale Umgebung Kunst allgemein zugänglich macht, wird sie zur Regel und nicht zur Ausnahme. Gleichzeitig festigt jeder Konzertstream und jede virtuelle Museumstour den Einfluss
wirtschaftlich organisierter Digitalkonzerne, weil die Veranstalter auf deren Plattformen angewiesen sind. Bühne und Museum sind nicht dem Verwertungsdruck entzogen. Um ausreichend Publikum zu erschließen, wird das Ausweichen und Ausweiten von Kunst auf digitale Medien alternativlos sein, weil sich die Gesellschaft zunehmend digital organisiert."