Amerikanische Museen mit ihrem Chor aus Förderern sind
unabhängiger als europäische Museen, die immer auch vom Bürgermeister und Kulturdezernenten einer Stadt gegängelt werden können, meint
Max Hollein, seit einem Jahr Direktor des Metropolitan Museum in New York, im Interview mit der
SZ. Über Sponsoren wie die
Sacklers müsse man natürlich reden - im Museum. An der Idee vom
enzyklopädischen Museum will Hollein aber festhalten: Das heißt auch, Rückgabe von Kulturgütern nur, wenn sie illegal erworben wurden. "Prinzipiell halte ich es auch für einen wesentlichen Teil unserer kulturellen Geschichte, dass Kulturgüter nicht nur geteilt werden, sondern dass sie auch
an ganz anderen Orten ihre Wirkung entfalten. Afrikanische Kunst zum Beispiel trifft in Amerika auf eine große afroamerikanische Bevölkerung und wird so auch ein Teil des kulturellen Erbes. Die Frage des Eigentums stellt sich dann noch einmal ganz anders."
Manuel Wischnewski (
Welt)
lernt aus einem Buch der Juristin
Sophie Schönberger, "
Was heilt Kunst? Die späte Rückgabe von NS-Raubkunst als Mittel der Vergangenheitspolitik", dass es
nicht ausreicht, Raubkunst einfach zurückzugeben. Das sehe man deutlich bei der Rückgabe von den Nazis geraubter Kunst, die auf der Grundlage der Washingtoner Erklärung erfolge: "Die Versuche Deutschlands, die Rückgabe von NS-Raubkunst nicht mit hartem Recht, sondern mit den
weichen Schlichtungsmechanismen der 'Washingtoner Prinzipien' und der lediglich 'Beratenden Kommission' umzusetzen, sieht Schönberger nicht zuletzt deswegen kritisch, weil sie
keine überzeugende Erzählung haben stiften können, der sich die Erben im Zweifelsfall anschließen wollen. Die reine Berufung auf eine moralische Verpflichtung Deutschlands, deren Fundamente
für selbsterklärend gehalten und scheinbar deswegen nicht mehr explizit formuliert werden, hat ein fatales gedankliches Vakuum entstehen lassen: 'Dieses Schweigen dröhnt im gegenwärtigen Restitutionsdiskurs besonders laut.'"