Deutschland verhält sich seit der von ihm und
Benedicte Savoy angestoßenen
Restitutions-Debatte vorbildlicher als Frankreich, dort sei bisher fast nichts geschehen, sagt
Felwine Sarr im
Zeit-Interview mit Werner Bloch. Er äußert scharfe Kritik an
Macron: "In seiner berühmten Rede in Ouagadougou hat er mein Buch
Afrotopia zitiert. Dort steht, dass man Afrika keinen Weg zu weisen braucht, sondern dass es seinen Weg selbst finden muss. Macron hingegen fragte in seiner Rede: Können wir, Franzosen und Afrikaner, diesen Weg Hand in Hand gehen? Als ich das hörte, ging ich
sofort auf Distanz. Ich war von Macron überhaupt nicht überzeugt, ich hatte übrigens gerade mit meinem Freund
Achille Mbembe einen sehr kritischen Artikel über den
Einfluss Frankreichs in Afrika geschrieben. Als Macrons Mitarbeiter mich anriefen, wollte ich gar nicht antworten. Meine erste Reaktion war sehr vorsichtig. Ich fragte mich: Meinte Macron das ernst, oder war das
nur eine politische Rede?"
In der
Berliner Zeitung erläutert Jens Blankennagel nochmal, weshalb die
Hohenzollern keinen Anspruch auf Entschädigung haben (Unser
Resümee): "Die Ablehnung des Landes beruht darauf, dass Enteignungen durch die Sowjets im Rahmen der '
Bodenreform' erfolgte. Diese Enteignungen wurden offiziell anerkannt, als die DDR der Bundesrepublik beitrat. Dafür können zwar Entschädigungen gezahlt werden - müssen allerdings nicht, wenn die Betroffenen einst als
Kriegsverbrecher enteignet wurden. Und genau das war bei den Hohenzollern der Fall. Als Kriterium galt, dass Mitglieder der Familie den Nazis willentlich zur Macht verholfen haben oder das NS-Regime aktiv unterstützt haben."
Amerikanische Autoren müssen zunehmend "
Moralklauseln" unterschreiben, so behalten sich Verlage das Recht vor, Verträge mit den Autoren bei
Fehlverhalten zu kündigen, schreibt Kerstin Kohlenberg im Aufmacher des
Zeit-Feuilletons: "Die Moralklauseln werden oft als
Verhaltensregeln kritisiert, mit denen Verlage ihre Autoren kontrollieren und zensieren wollen. Eine Art
Sittenkontrolle. Doch das führt in die Irre. Deutlich wird das an der Tatsache, dass jedes große Verlagshaus einen Ableger besitzt, mit dem es den
lukrativen Markt der jungen Rechten bedient. (...) Auf Literaturfestivals sieht man diese Bücher nicht, dafür findet man sie in den Regalen von Walmart und Target im konservativen Amerika. Das Skandalöse an den Klauseln ist nicht moralischer, sondern ökonomischer Natur. Denn die Klauseln sind eine ziemlich krasse Art der
Risikoabsicherung. Mit ihr schützen sich die Verlage gegen den scharfen Wind der öffentlichen Meinung, der durch einen von den sozialen Medien befeuerten moralischen Populismus gekennzeichnet ist. Das Risiko trägt der Autor ganz allein."