Die
chinesische Regierung versucht aktiv, auf deutsche Medien und Unternehmen Einfluss zu nehmen, um ihr Image zu verbessern,
berichten Christoph Giesen und Georg Mascolo in der
SZ. So pries der vor kurzem ausgeschiedene Botschafter Shi Mingde ein Projekt namens
Chinareporter an, das ihm von den Journalisten
Georg Blume (
Zeit und
Spiegel) und
Wolfgang Hirn (ehemals
Manager-Magazin) angetragen worden war und hoffte ernsthaft auf Unterstützung des Projekts durch deutsche Unternehmen: "Ich vertraue beiden, weil sie keine unkritischen Geister sind und alle Regeln der aufgeklärten deutschen Öffentlichkeit beherrschen, dass sie das
China-Bild in Deutschland dauerhaft beeinflussen und objektiver gestalten können", schrieb Dhi an Unternehmen, die gefälligst in die Finanzierung einsteigen sollten. Hirn und Blume haben das Projekt inzwischen wegen "Compliance-Fragen" zurückgezogen. Nun gründet zumindest einer von ihnen einen Verein: "Kurz vor Weihnachten wurde der Verein '
China-Brücke e.V.' eingetragen. Laut Satzung soll der Klub 'das Verständnis für China in Deutschland und der Europäischen Union fördern'. Gründungsmitglied ist Wolfgang Hirn. Dieser beteuert:
Chinareporter habe nichts mit der 'China-Brücke' zu tun."
Die in Australien besonders einflussreichen
Murdoch-Medien (Rupert Murdoch ist schließlich Australier) haben besonders stark dazu beigetragen, den
Klimawandel in Australien kleinzureden, berichtet Thomas Hummel in der
SZ - und dies bis heute angesichts der verheerenden Buschfeuer, die ein Gebiet der Größe Bayerns plus Baden-Württembergs zerstörten: "Zu Beginn bezeichneten News-Corp-Blätter die Brände als
normale Naturerscheinungen. Selbst als an Silvester der Rauch dicht über Sydney, Melbourne oder Canberra hing und im Hinterland Mensch und Tier ums Überleben kämpften, berichteten viele Zeitungen erst
auf Seite vier darüber. Als das Inferno schließlich nicht mehr zu ignorieren war, gab
The Australian Brandstiftern die Schuld daran. Was die Feuerwehr umgehend dementierte. Die nächste Volte war,
Naturschützer und die Grüne Partei verantwortlich zu machen, weil diese angeblich verhinderten, dass im Winter Schneisen in den Wald geschlagen würden, um im Sommer die Brände unter Kontrolle zu halten."
Nachdem der
Dumont-Konzern nun auch noch seine
Mitteldeutsche Zeitung verkauft hat, was in Sachsen-Anhalt zu einer Konzentration führen wird, klagt man wieder über die
Not des Lokaljournalismus und fragt, wie Lokalzeitungen zu retten seien. Aber Leonhard Dobusch hat bei
Netzpolitik seine Zweifel: "ist das überhaupt die richtige Frage? Ist es überhaupt sinnvoll, mit größtem Aufwand immer weniger lokaljournalistische Inhalte zusammen
mit ganz viel PR,
ganz viel Werbung und ganz viel überregionalen Füllinhalten auf Papier zu drucken und vor Haustüren zu werfen? Mehr noch, hat nicht der 'gewaltige Kostenberg' von lokalen Zeitungen zur Folge, dass es fast notwendig zu
weichgespültem Journalismus gegenüber den lokal Mächtigen in Politik und vor allem Wirtschaft kommt, weil man genau auf deren (Anzeigen-)Geld angewiesen ist? Mit anderen Worten, ist diese Form der Finanzierung von Lokaljournalismus nicht prinzipiell problematisch?"
Staatliche Förderung lehnt Dobusch mit Blick auf seine österreichische Heimat aber ab: "Wenn schon öffentliche Finanzierung für die Gründung von lokaljournalistischen Projekten, dann besser über staatsferne,
öffentlich-rechtliche Förderinstrumente (und ich sage das im vollen Wissen um die bisweilen mangelhafte Staatsferne bestehender, öffentlich-rechtlicher Anstalten)."
Außerdem: Im
Freitag erzählt der Dramatiker
Alexander Rupflin wie er im Örtchen Tötensen in Norddeutschland einen zurückgezogen Reporter
namens Relotius suchte und ihm schließlich auch begegnete.