Im Gespräch mit Verena Mayer von der
SZ hält
Michael Maier, Herausgeber der
Berliner Zeitung, dem jetzigen Besitzer
Holger Friedrich zugute, dass er sehr jung war, als er von der Stasi angeworben wurde (unser
Resümee) und dass er wegen des Vorwurfs der versuchten Republikflucht erpressbar war: "Den Schaden abzuschätzen, ist schwierig, ohne die Betroffenen zu kennen. Friedrich war jung, er war in der Armee, er stand vor einer Existenzentscheidung. Ich fand seine
Darstellung glaubwürdig. Ich weiß nicht, wie viele Leute damals gesagt hätten: Na klar, ich gehe in den Knast. Systeme wie die DDR haben Leute in
moralische Dilemmata gebracht. Und der Zeitraum ist wichtig." Maier ist zum zweiten Mal in leitender Funkion bei der Zeitung tätig und war in den Neunzigern für eine dezidierte Aufklärung bei der Stasivergangenheit von Mitarbeitern.
Auch Robert Ide vom
Tagesspiegel will durchaus Verständnis für die damalige Situation Holger Friedrichs aufbringen - allerdings müssten seine Aussagen noch überprüft werden - , aber er hält auch fest: "Diese schwierige Situation zumindest hätte Friedrich - wie so viele einstige Mitarbeiter der Stasi - verhindern können: durch
eigene Offenbarung, durch Reue und Einsicht, auch durch die Bitte ums Verzeihen und Empathie für die Opfer. Von Holger Friedrich war dies alles bisher nicht zu vernehmen. Und der richtige Moment dafür ist jetzt schon vorbei."
In der
Berliner Zeitung selbst legen die Chefredakteure Jochen Arntz und Elmar Jehn
eine Erklärung vor: "Die Redaktion debattiert seit diesem Tag intensiv über diesen Fall und die Frage, wie sie
damit umgehen soll. Unsere Antwort: Wir werden damit umgehen wie mit
anderen Fällen auch, wir werden diesen Fall journalistisch aufbereiten. Wir werden Fakten sammeln, wir wollen die Akten - die Opfer- und die Täterakte - einsehen."
Und bei
Horizont schreibt Uwe Vorkötter, einst Chefredakteur der
Berliner Zeitung: " Wer die
Berliner Zeitung nur aus der Ferne oder aus dem Westen kennt, kann kaum ermessen, wie sehr die Enthüllung der
Welt am Sonntag, dass ihr neuer Verleger als IM Peter Bernstein Spitzel des Ministeriums für Staatssicherheit war, diese Redaktion erschüttert. Konnte Friedrich das
auch nicht ermessen?"
Deutsche Zeitungen sollen
40 Millionen Euro Subventionen jährlich bekommen, um Zustellkosten zu bewältigen,
berichtet Horizont mit
dpa: "Hintergrund der staatlichen Hilfen sind auch
rückläufige Auflagenzahlen von Tageszeitungen in Deutschland und der digitale Wandel. Die Lieferung gedruckter Zeitungen muss weiterhin bis in die hintersten Winkeln Deutschlands funktionieren. Verlage beklagen gestiegene Kosten. Dies auch wegen Veränderungen in den Verlagsstrukturen durch die Einführung des
gesetzlichen Mindestlohns für Zeitungszusteller, der seit 2018 gilt. Im aktuellen Branchenbericht des BDZV ist von jährlichen Mehrkosten für die Verlage von rund 400 Millionen Euro die Rede." Der Zeitungsverlegerverband BDZV kritisiert die Subvention als
viel zu gering.
Viele Journalisten, die über die Szene berichten, werden
von Rechtsextremen oft direkt bedroht und angegriffen. Einige sind gezwungen, immer wieder umzuziehen. Es betrifft natürlich am ehesten die Freien. Ein Aufruf von Redaktionen und Journalisten fordert mehr Schutz,
berichtet Peter Weißenburger in der
taz: "Freie Journalisten, die eine Webseite oder ein Blog betreiben, unterliegen der
Impressumspflicht. Sie sind gesetzlich verpflichtet, ihre berufliche Adresse ins Netz zu stellen - die bei vielen mit der Privatadresse identisch ist. Der Aufruf fordert hier eine
Ausnahmeregelung für gefährdete Personen. Aber auch über eine 'einfache Auskunft' beim Melderegister lässt sich jemandes Anschrift herausfinden."