Die
taz-Autorinnen Patricia Hecht und Anne Fromm
werfen der
Emma mal wieder vor, dass sie "
rechts" sei. Anlass ist diesmal eine
Reportage von Annika Ross, in der
Chemnitzer Frauen - die sich eher zur SPD als zur AfD bekennen - über ihre Angst vor herumhängenden
jungen Flüchtlingen sprechen, die mit Drogen handeln und Mädchen anbaggern. Das lassen die
taz-Autorinnen nicht zu: "Sie hätte recherchieren können, dass die
Zahl der Straftaten in Chemnitz rückläufig ist, genauso wie die Zahl der nichtdeutschen Tatverdächtigen. Sie hätte einordnen können, dass die Zahl der angezeigten sexuellen Übergriffe in Chemnitz zwar gestiegen ist. Dass das aber laut Polizei darauf zurückzuführen ist, dass neue Tatbestände in das Strafgesetzbuch aufgenommen wurden."
In der
NZZ kann Claudia Schwartz nur den Kopf schütteln über eine deutsche
Empörungskultur, die sie vor allem nach Erscheinen des neuen Sarrazin-Buches (unsere
Resümees) bestätigt sieht. Eine Leseempfehlung will sie nicht aussprechen, aber "als Grundlage für den Streit über Integration liefert es viel denkwürdigen
Gesprächsstoff. Hätte man sich in den vier Jahren seit 'Deutschland schafft sich ab' etwas weniger echauffiert und manches, was dort steht, bedacht, wäre Deutschland vermutlich schon weiter. Womit auch gleich gesagt sei, dass die
Vermeidung der Debatte zum Thema die gesellschaftspolitische Mitte immer weiter erodieren lässt - zugunsten der politischen Ränder."
Eine zunehmende
Hysterie der Debatte, ganz gleich ob über Migration, Gender oder Populismus,
bescheinigt auch die Autorin und Regisseurin
Susanne Heinrich im
10nach8-Blog der
Zeit dem Journalismus. Sie plädiert für "
gewaltfreie Kommunikation" (GFK): "Dabei geht es um die Frage, wie Äußerungen - egal wie unlogisch, übergriffig, verkorkst oder brutal sie uns vorkommen mögen - sich so hören lassen, dass Mensch mit den dahinter liegenden Bedürfnissen des anderen in Kontakt kommt.
Marshall B. Rosenbergs großes Stichwort ist
Empathie. Für den Psychologen und Begründer der GFK ist letztlich auch eine Schlägerei nur eine (hilflose) Äußerung eines Bedürfnisses. Wie wir diese Situation einordnen, verarbeiten und beantworten, liegt in unserer Verantwortung. Um Gewalt nicht zu reproduzieren, empfiehlt Rosenberg, auf 'lebensentfremdende' Kommunikation zu verzichten:
keine moralischen Urteile, keine Vergleiche, kein Übertragen von Verantwortung auf andere."
Die
SZ hat sich mit der türkischen Investigativ-Journalistin
Pelin Ünker (
Cumhuriyet) getroffen, die zunächst für ihre Berichterstattung zu den Panama-Papers und aktuell für ihre Berichterstattung über die Paradise-Papers von Premierminister-Sohn
Erkam Yıldırım und von
Berat Albayrak, Finanzminister und Schatzmeister der
Türkei, außerdem Schwiegersohn des Präsidenten, verklagt wird. Schon ohne die Prozesse kämpft
Cumhuriyet unter der Repression um ihre Existenz: "Die Auflage der Zeitung ist von mehr als 150 000 Mitte der Neunziger auf etwa
38 000 Exemplare gesunken, das Anzeigengeschäft liegt brach. Kaum ein Unternehmen wagt es noch, in regierungskritischen Medien zu inserieren. Ein strukturelles Problem der türkischen Medienlandschaft ist, dass die meisten Medien mit relevanter Reichweite in der Hand großer Mischkonzerne sind. Diese wiederum sind oft auch in der Bau- oder Energiebranche tätig, buhlen also um staatliche Aufträge; regierungskritische Berichterstattung beschädigt das Geschäft."