Magazinrundschau - Archiv

The Economist

428 Presseschau-Absätze - Seite 15 von 43

Magazinrundschau vom 23.09.2008 - Economist

Der Economist bespricht Randall Stross' Buch über den Google-Konzern und wie er die Welt verändert. Vieles sei schon zutreffend beschrieben, meint der Rezensent, aber ein entscheidender Faktor bleibe völlig ausgeblendet: "Am besten ist Stross, wenn er beschreibt, wie Google nebenbei, aber mit tödlicher Wirkung so ehrwürdige Institutionen wie, nur zum Beispiel, das Urheberrecht und die Grenze zwischen öffentlich und privat attackiert. Und doch vergisst er den faszinierendsten Aspekt: die Menschen, die Google erfunden haben. Google ist, was es ist, wegen seiner zwei Gründer Sergey Brin und Larry Page, die sich als gutmeinende Über-Geeks begreifen und jenen grenzenlosen Optimismus verkörpern, der in Silicon Valley alles beherrscht. Die Welt kann vervollkommnet werden und sie sind die, die sie vervollkommnen - wenn man sie lässt."

Weitere Artikel: In der Titelgeschichte wird - nicht grenzenlos, aber doch optimistisch - erklärt, wie die Welt heil aus der Finanzkrise herauskommt. Außerdem weiß der Economist nicht so genau, ob man sich wirklich über den Einstieg des mexikanischen Multi-Milliardärs Carlos Slim bei der New York Times freuen soll.

Rezensionen gibt es auch zu zwei zu recht entgegengesetzten Ergebnissen kommenden Büchern über Al-Quaida und zu David Freddosos Pamphlet "The Case Against Barack Obama", in dem der Autor - recht überzeugend, findet der Rezensent - darlegt, warum Obama auch nur ein Politiker wie alle andere ist.

Magazinrundschau vom 16.09.2008 - Economist

Die letzte Bastion der Anglizismusfeindlichkeit ist dabei, geschleift zu werden - glaubt jedenfalls der Economist: "Die Gesetze zur Abwehr des Englischen existieren fort - und sind ein Hindernis für neue Musiker, die wegen der Quoten für französische Texte nicht im Radio zu hören sind. Im Zeitalter von Globalisierung und Internet scheinen die Franzosen aber zu begreifen ..., dass einzig sie selbst zu den Verlierern gehören, wenn sie sich weiter weigern, Englisch zu lernen - und dass sie nicht weniger französisch dadurch werden, dass sie es sprechen können. Sogar Minister wagen sich heute zu einem chat in le web. Zum Teil verdankt sich das Nicolas Sarkozy, der ... den atavistischen Anti-Amerikanismus zurückweist, der der Feindschaft gegenüber dem Englischen oft zugrundeliegt. Da passt es ins Bild, dass auch auf dem neuen Album 'Comme si de rien n'etat' seiner Frau Carla Bruni ein englischsprachiger Song zu finden ist."

Besprochen werden unter anderem Bernard-Henri Levys Bekenntnis zum Linksbleiben "Left in Dark Times", das alles andere als makellos, aber dennoch notwendig sei, weil "die Politik Intellektuelle dringend braucht" sowie John Carlins Buch "Playing the Enemy", in dem der Autor erklärt, warum Nelson Mandelas Aufstieg ohne Rugby kaum möglich gewesen wäre.

Und dann muss der Economist auch mal gepriesen werden für seine unverbrüchliche Treue zum Kalauer in der Überschrift - in der aktuellen Ausgabe etwa mit der Frage "Kim Jong Ill or Kim Jong Well?".

Magazinrundschau vom 09.09.2008 - Economist

In einem Technik-Sonderteil ist unter anderem zu erfahren, dass die Internetnutzung über Mobiltelefone in China und vielen Ländern Afrikas enorme Zuwachsraten verzeichnet, ja, dass das Internet in vielen Entwicklungsregionen der Welt eine Sache mobiler Zugänge ist und erst recht werden wird: "In diesem Jahr hat China die USA als das Land mit den meisten Internetnutzern überholt - es sind im Moment mehr als 250 Millionen. Und China hat auch rund 600 Millionen Handy-Benutzer, mehr als jedes andere Land der Welt - so dass das Potenzial für das mobile Internet riesig ist. Firmen, die ihren Ruf darauf stützen, an der vordersten technischen Front zu sein, haben das begriffen. Im letzten Jahr hat Lee Kai-fu, der Google-Chef für China, angekündigt, dass Google seine Produkte umbauen werde, um einem Markt gerecht zu werden, in dem 'die meisten Nutzer von mobilen Internet-Zugängen gar keinen PC mehr haben werden'."

Besprochen werden unter anderem ein Buch von Ronen Bergman über Israels seit dreißig Jahren andauernden "Geheimen Krieg gegen den Iran" und der Versuch des MIT-Physikers und Nobelpreisträgers Frank Wilczek, in einem Band mit dem schönen Titel "Die Leichtigkeit des Seins" zu erklären, dass Materie und Vakuum nicht die Gegensätze sind, für die man sie hielt.

Magazinrundschau vom 26.08.2008 - Economist

Im Juli hat Google seine eigene 3-D-Chat-Umgebung Lively gestartet - und kein Schwein interessiert sich dafür. Durchaus symptomatisch, findet der Economist: "So mächtig Google ist - die Bemühungen des Unternehmens, sich über die Internet-Suche als bisher einzigen Zweig, mit dem es Geld verdient, hinaus zu erweitern, sind bisher in der wirklichen wie der virtuellen Welt gescheitert."

Weitere Artikel: Vorgestellt wird eine Studie, die zum Ergebnis kommt, Männern sei ihre Aggressivität vom Gesicht abzulesen - und zwar ganz einfach: je breiter im Verhältnis zur Höhe das Gesicht, desto ausgeprägter die Aggressivität. Besprochen werden Woody Allens neuer Film "Vicky Cristina Barcelona", Bücher, darunter eine Biografie des Dichters John Keats und die Memoiren des jordanischen Politikers Marwan Muasmer, der für arabischen Liberalismus plädiert. Außerdem ein Nachruf auf den palästinensischen Dichter Mahmoud Darwish.

Die Titelgeschichte prophezeit Barack Obama einen "steinigen Weg" zur Präsidentschaft.

Magazinrundschau vom 19.08.2008 - Economist

Symptomatisch für den relativen Aufschwung im subsaharischen Afrika findet der Economist den Erfolg eines neuen Pay-TV-Satellitensenders: "Der Wirtschaft in der Region geht es besser als seit Jahrzehnten und in vielen Ländern existiert eine kleine, wachsende Mittelschicht, die ihr Geld auch ausgeben möchte. Das ist jedenfalls das Kalkül von GTV, einem vor einem Jahr gegründeten Satellitensender. Bisher hat er mehr als 100.000 zahlende Kunden in zwanzig Ländern gefunden, was, so rechnet GTV, ungefähr 1,25 Millionen Zuschauer bedeutet." Am beliebtesten ist Fußball, insbesondere Übertragungen von Spielen der britischen Premier League. "Neben Sport hat GTV aber auch beliebte Soap Operas, Serien und Filme aus Hollywood und Nollywood (der nigerianischen Filmindustrie) und anderen Teilen Afrikas im Programm. Aber das Angebot umfasst auch internationale Nachrichten und Religion sowie Kinderprogramme."

In weiteren Artikeln geht es um die US-Poetry-Slam-Meisterschaft und - unter der Überschrift "Die Deutschen kommen" - den Siegeszug vor allem deutscher Discounter in Ländern wie Frankreich und Großbritannen, deren Supermärkte lange erfolgreich die Preise hoch hielten. Besprochen werden unter anderem ein Buch über die zweitausendjährige Geschichte der Jüdischen Gemeinde im indischen Kerala und Ophelia Fields Studie über den "Kit-Cat Club", zu dem führende britische Künstler und Intellektuelle des 18. Jahrhunderts wie William Congreve oder der Spectator-Gründer Sir Richard Steele gehörten.

Magazinrundschau vom 12.08.2008 - Economist

Gleich drei Artikel beschäftigen sich mit Alexander Solschenizyn. Neben dem Nachruf würdigt der Leader die Verdienste und den Mut Solschenizyns, notiert aber auch durchaus zufrieden, dass Intellektuelle im Westen niemals mehr einen derartigen Status erringen können. Zu oft haben Intellektuelle - wie zum Beispiel Marx und Engels - die falschen Ideen propagiert: "Es gibt keine sichere Verteidung gegen schlechte Ideen, aber ein Anfang ist gemacht, wenn eine gut ausgebildete und skeptische Bürgerschaft frei ist, die Anmerkungen der Intellektuellen anzuhören, frei ist, sie nicht knechtisch zu glauben - und frei ist, den Sportkanal zu bevorzugen. Der Patrizier in Solschenizyn hasste diesen Mangel an Achtung im Westen. Das ist ein Punkt, in dem der große Mann falsch lag."

Ein dritter Artikel beschreibt den Niedergang der Intelligentsia in Russland. In der Jelzin-Ära "verließen viele Wissenschaftler das Land. Einige wurden Geschäftsleute (die meisten russischen Oligarchen dieser Zeit, eingeschlossen Boris Berezowsky, waren in ihrem früheren Leben Wissenschaftler). Einige nahmen Jobs in der Regierung an. Einige widmeten sich den Menschenrechten. Aber als Klasse schuf die Intelligentsia weder dauerhafte demokratische Institutionen noch festigte sie die 1991 errungenen Freiheiten. (...) Dem Geschmack des Erfolgs und der Eingemeindung lässt sich schwerer widerstehen als dem Zorn des Staates. Zuckerbrot ist korrumpierender als die Peitsche. Dieses Phänomen ist anschaulich beschrieben in Wassili Grossmans Roman "Leben und Schicksal" (1960). Einer der zentralen Charaktere, Viktor, ist ein talentierter Physiker, der stoisch seine Wissenschaft auch angesichts drohender Haft verteidigt. Aber er wird schwach und unterwürfig, als Stalin ihn anruft, um ihm Erfolg zu wünschen. 'Viktor hatte die Kraft gefunden, sein Leben zu riskieren - aber nun schien er unfähig zu sein, die Süßigkeiten und den Kuchen zurückzuweisen.'"

Magazinrundschau vom 29.07.2008 - Economist

Während im Westen die Zeitungen in Auflagen- und Finanzkrisen rutschen, blühen sie in weiten Teilen von Lateinamerika und Asien. Auch in China, wie der Economist beobachtet: "Zwar beobachtet der riesige chinesische Aufsichtsapparat große wie kleine Organe genau. Dennoch geht es den Zeitungen auch hier bestens. In den vergangenen fünf Jahren sind die Auflagen um mehr als zwanzig Prozent auf heute 107 Millionen Exemplar gewachsen. (Zum Vergleich: In den USA werden täglich etwa 50 Millionen Zeitungen verkauft.) Das Einkommenswachstum liefert einen Teil der Erklärung, ebenso die hohe Alphabetisierungsrate, die sich auch den Investitionen der Kommunistischen Partei in Bildung verdankt... Aber auch Pekings Kampf gegen die Korruption könnte eine Rolle spielen. Einige Funktionäre begreifen die Regionalzeitungen als Verbündete in ihrer Anstrengung, korrupte Autoritäten zu demaskieren und lassen sie deshalb an längerer Leine."

Außerdem: Beim Blick auf den Big-Mac-Preisindex ist festzustellen, dass das Währungssystem aus dem Häuschen ist - der Euro zum Beispiel ist sagenhafte 50 Prozent zu teuer. Und was gerade noch gefehlt hat: Neuroökonomie. Besprochen werden unter anderem Bücher über die Rolle der USA im Nahen Osten, eine Biografie der Madam de Maintenon und - ohne jede Begeisterung - Paul Austers neuer Roman "Man in the Dark".

Magazinrundschau vom 22.07.2008 - Economist

Die Musikindustrie beginnt sich offenbar ein wenig aus ihrer Schockstarre zu lösen und für die Daten des Bösen zu interessieren. Sie zahlt nämlich, wie ein Artikel berichtet, inzwischen für Informationen über die aus illegalen Downloads ersichtlichen Trends: "Jedem in Läden und im Internet legal gekauften Song stehen etwa zwanzig illegal heruntergeladene Songs gegenüber. Sagt BigChampagne, eine Firma mit Sitz in Beverly Hills, die Statistiken über File-Sharing erstellt und verkauft. Ihre Kunden können herausfinden, wie oft und wo ein Song jeweils illegal heruntergeladen wurde oder wie die entsprechenden Zahlen vor fünf Wochen waren. Oder was den Hörern dieser Musik außerdem so gefällt und so weiter... Diese Informationen können den Managern bei der Durchsetzung ihrer Künstler helfen. Jennifer Bird von Red Light Management in LA erklärt, dass ihre Agentur die Titel und die geografische Verteilung der 7,5 Milliarden Songs kennt, die 2007 getauscht wurden. Das ist eine große Hilfe, wenn man zum Beispiel herausfinden will, ob die Leute einen Künstler großartig finden - oder nur einen Song."

Weitere Artikel befassen sich mit der Rolle des Islam in Frankreich und in der Türkei. Besprochen werden die große Hadrian-Ausstellung im British Museum, unter anderem die Bücher "Das Zeitalter der Attentäter" über den unaufhaltsamen Aufstieg des Wladimir Putin von Juri Felschtinsky and "ladimir Pribylowsky und die Untersuchung "Flaschenmanie" über die Wasserverkaufsindustrie von Elisabeth Royte.

Die Beilage widmet sich der Frage nach dem Schicksal von Al-Quaida. Der Experte Anton La Guarda fragt "Sieg oder Niederlage?". Ein weiterer Artikel glaubt, dass die blindwütige Mordlust Al-Quaida noch zum Verhängnis werden könnte.

Magazinrundschau vom 15.07.2008 - Economist

Wie in der nicht so guten alten Zeit wird im Westen wieder eifrig Kreml-Astrologie betrieben. Hier ein ganz aktuelles Beispiel: "Vladimir Putin kann immer noch als Präsident zurückkehren. Aber vielleicht will er gar nicht. Es ist genausogut möglich, dass er sich Schritt für Schritt von der Macht entfernen wird und Medwedew die Kontrolle überlässt... Putin scheint kein besonderes Interesse an seinem neuen Job zu zeigen. Er kommt kaum öfter als einmal die Woche in sein Büro und sieht meist gelangweilt und verärgert aus, wenn man ihn im Fernsehen bei der Beschäftigung mit Alltagsproblemen erlebt. Frühere Mitarbeiter sagen, er sehne sich in Wahrheit nach einem luxuriösen Lebensstil, nicht nach der Auseinandersetzung mit dem Milchpreis. Aber warum ist er dann noch da? Eine Erklärung ist, dass die Sicherheitsrisiken für ihn und den engsten Kreis seiner Freunde zu hoch sind. Er ist im Amt sicherer. Schließlich ist er als Ministerpräsident immun gegen Strafverfolgung."

Reich an Informationen, erfahren wir, ist Lewis H. Siegelbaums Geschichte des Sowjet-Automobils "Autos für Kameraden", Überhaupt keinen Spaß hatte der Rezensent mit Simon Critchleys möchtegerngeistreichem "Buch der toten Philosophen". Kurzer Prozess gemacht wird mit drei kapitalismusskeptischen Büchern, darunter George Soros' "Das neue Finanzmarkt-Pardigma": sie werden alle mehr oder vollständiger Ahnungslosigkeit geziehen.

Magazinrundschau vom 08.07.2008 - Economist

Erstmals gab es in indischen Städten Schwulenparaden zum Christopher Street Day - der Economist berichtet darüber, aber auch von den Problemen, die Homosexuelle in diesem Land mit viktorianischer Sexualmoral haben: "Es gab keine halbnackten Tänzer oder rosa Wagen oder untergehakte Matrosenjungs; aber auch so war die indische Schwulenparade bahnbrechend genug. Mehrere hundert Männer und Frauen schwenkten Regenbogenflaggen, tanzten, stampften und sangen am 29. Juni auf ihrem Weg durch die Stadtzentren von Delhi, Bangalore und Kalkutta - das erste nationale Ereignis dieser Art in diesem konservativen Land. Viele, die in Delhi unter schweren Monsun-Wolken unterwegs waren, sagten, dass eines der Hauptmotive für ihre Teilnahme die Kampagne zur Abschaffung des Paragrafen 377 des indischen Strafgesetzbuchs ist, der Homosexualität als 'unnatürliche sexuelle Straftat' wie Sodomie definiert."

In weiteren Artikeln geht es um die Bedeutung von Michelle Obama für den Wahlkampf und die Erfolgsaussichten ihres Ehemanns, um das Ende der Institution College-Jahrbuch in Zeiten von Facebook und Myspace und um eine Abgabe, die lebenden und den Erben verstorbener Künstler prozentuale Anteile bei Verkäufen sichert. Besprochen werden ein Buch über Lewis Carroll alias Charles Dodgson als Mathematiker, eine Essaysammlung des indischen Autors Amit Chaudhuri, eine Geschichte des Kommunismus in seinen Witzen und eine Londoner Ausstellung des großen dänischen Innenraum-Malers Vilhelm Hammershoi.