Magazinrundschau - Archiv

The Economist

428 Presseschau-Absätze - Seite 16 von 43

Magazinrundschau vom 01.07.2008 - Economist

Der erste Roman "Atmospheric Disturbances" der amerikanischen Autorin Rivka Galchen ist eine veritable Entdeckung, lobt der Rezensent (der mit dieser Ansicht nicht alleine steht). Vor allem der völlig unzuverlässige Ich-Erzähler hat es in sich: "Leo Liebenstein, ihr unbeholfener, misanthroper, mittelalter Held ist ein köstlicher Charakter. Herablassend auf komische Art, allem Gefühl abgeneigt, ein Psychiater, der schlecht hört und Geheimnisse schätzt ('Meine Reaktionen auf Gefühlsaufführungen sind nie sehr elegant', gibt er selber zu). Außerdem kann es gut sein, dass er psychisch krank ist. Der Roman beginnt jedenfalls mit seiner Klage, seine geliebte Frau Rema sei verschwunden. Sie kommt eines Tages einfach nicht mehr nach Hause. An ihre Stelle tritt aber eine Imitatorin, ein 'Simulakrum', das ganz genauso aussieht und spricht wie sie. Aber Leo lässt sich nicht täuschen." (Hier ein Auszug.)

Weitere Artikel: Was immer sich gegen Bill Gates, der jetzt Abschied von seinem Lebenswerk Microsoft nimmt, sagen lässt - er war der richtige Mann zur richtigen Zeit, findet der Economist. Besprochen werden unter anderem Bücher über die vom Aussterben bedrohten Mustangs der amerikanischen Steppe, der Memoirenband "Fischen in Utopia" des Briten Andrew Brown über sein Leben in Schweden und die große Cy-Twombly-Retrospektive in London.

Magazinrundschau vom 10.06.2008 - Economist

Jeff Bezos ist weiterhin an vorderster Front im sich rapide verändernden Buchmarkt. Nach der erfolgreichen Einführung des E-Book-Lesegeräts Kindle forciert er nun auch den Print-on-demand-Vertrieb über Amazon. Ein kluger Schachzug, wie der Economist erklärt: "Die Kosten für Druck und Versand wachsen ständig... Print-on-Demand ist heute für Auflagen bis zu 1200 Exemplaren günstiger als der Standarddruck... Und wenn der Preis für die Konsumenten immer wichtiger wird, könnten E-Books immer attraktiver werden. Der Kindle-Bestseller dieser Woche, die politischen Memoiren des ehemaligen Pressesprechers des Weißen Hauses Scott McClellan, kann man heute in weniger als einer Minute aus dem Internet laden und zahlt ein Drittel weniger als für die Buch-Version, die erst in drei Wochen wieder vorrätig ist."

Weitere Artikel: Der Economist entscheidet sich nach dem Ende der demokratischen Vorwahl noch nicht für Obama oder McCain, stellt aber fest: "Zwei derart beeindruckende Kandidaten haben die beiden Parteien sehr lange nicht ins Rennen geschickt." Sehr begrüßt werden Liberalisierungen des Universitätssystems in Frankreich - jetzt müssten nur noch, findet der Autor des Artikels, Studiengebühren zugelassen werden.

Besprochen werden unter anderem neue Thriller, die in China spielen, zwei Bücher über europäische Kathedralen und die Polemik "Die Zelle zerstören" (Verlagsseite) des US-Terrorismus-Experten Michael A. Sheehan, die vor Terrorismus-Panik warnt, denn: "Die meisten Terroristen sind Amateure. Al-Quaida wird überschätzt. Der 'Krieg gegen den Terror' ist nicht der Dritte Weltkrieg."

In einem Technologie-Sonderteil geht es unter anderem um Chancen und Probleme des 100-$-Laptops, neue, auf Surfer-Beobachtung beruhende Werbemethoden im Internet und revolutionäre neue Webnavigationstechniken.

Magazinrundschau vom 03.06.2008 - Economist

Die amerikanischen Vorstädte, einst mehr oder weniger homogen weiß, hetero und spießig, wandeln gerade ganz dramatisch ihr Gesicht, wie der Economist berichtet: "Der Demograf William Frey rechnet vor, dass von 2000 bis 2006 der Anteil von Weißen an der Gesamtbevölkerung in den Suburbs um sieben, der an Asiaten um sechzehn, an Schwarzen um vierundzwanzig und an Spanischstämmigen um verblüffende sechzig Prozent zugenommen hat. Viele Immigranten ziehen heute direkt in die Vorstädte, ohne vorher in einem der traditionellen städtischen Ghettos Station zu machen... Gary Gates, der zu diesem Thema an UCLA forscht, stellt fest, dass auch der Anteil von schwulen und lesbischen Paaren zunimmt. Das hat viel mit wachsender Toleranz zu tun..., aber auch mit dem Wegzug der Paare aus den Stadtzentren."

Besprochen werden unter anderem die extrem Bush-kritischen Memoiren von George W. Bushs einstigem Pressesprecher Scott McClellan und Jonathan Dimblebys Buch mit Reportagen aus "Russland".

Außerdem erklärt der Economist, warum die US-Geografie Barack Obamas Präsidentschaft im Wege stehen könnte.

Magazinrundschau vom 27.05.2008 - Economist

In Hongkong scheint eine Ära endgültig zu Ende zu gehen. Das noch immer vom 100jährigen Sir Run Run Shaw geführte Shaw Brothers-Imperium, zuletzt in erster Linie ein riesiges Fernsehnetzwerk, wird, wie es aussieht, endgültig verkauft. Der Economist erinnert an die großen Zeiten des Filmstudios: "Auf dem Höhepunkt seiner Geschichte, zwischen den späten 1950ern und den frühen 1980ern, machte Sir Run Run eine seiner Firmen, Shaw Brothers, zum produktivsten Filmstudio der Welt. In der riesigen Movie Town in Hongkongs damals wenig besiedelten Neuen Territorien, lebten Stars und Bühnenarbeiter miteinander in Wohnheimen, aßen in der zentralen Kantine und drehten Tag und Nacht. Viele der Filme, die an diesem brutal effizienten Fließband entstanden - vor allem die mit Kung Fu, Schwertkampf und Triaden - gelangten auf der ganzen Welt zu Kultstatus." (mehr auch hier)

Besprochen wird die Studie "Fatal Misconception", in der der Historiker Matthew Connelly einen kritischen Blick auf die Geschichte der Geburtenkontrolle im 20. Jahrhundert wirft: "Ein großer Teil der im Namen der Geburtenkontrolle begangenen schrecklichen Dinge hatte seine Wurzeln in einer heiklen Koalition von Feministinnen, Philanthropen und Umweltschützern, die den unfreiwillig Fruchtbaren helfen wollten, und Rassisten, Eugenikern und Militaristen, die ganz genaue Vorstellungen davon hatten, wer sich reproduzieren sollte und wer nicht."

Rezensionen gibt es weiter zu Fareed Zakarias Buch über "Die post-amerikanische Welt" und zu David Y. Prices Geschichte des Animationsfilm-Pioniers Pixar.
Stichwörter: Hongkong, Pixar, Umweltschutz, Eugenik

Magazinrundschau vom 29.04.2008 - Economist

In alarmierender Weise wird in den ex-kommunistischen Ländern die hart errungene Pressefreiheit wieder eingeschränkt. In der Slowakei etwa protestieren die Zeitungen gegen ein hypertrophes Gegendarstellungsrecht - aber diese Verschärfung ist, wie der Economist berichtet, kein Einzelfall: "Das neue Gesetz in der Slowakei ist das am meisten beachtete in der Region. Aber willkürliche rechtliche Beschränkungen der Pressefreiheit sind auch anderswo zu beobachten. In Bulgarien ist die Beleidigung einer öffentlichen Figur ... ein Verbrechen, das mit einer Geldstrafe geahndet werden kann... In Rumänien hat as Verfassungsgericht im letzten Jahr ein hartes Verleumdungsrecht wieder in Kraft gesetzt, das 'Beleidigung' kriminalisiert, wobei die Auswirkungen auf die Pressefreiheit beinahe zu vernachlässigen sind angesichts der Tatsache, dass die meisten Mainstream-Medien im Besitz von drei politisch aktiven Tycoons sind... Und problematische Gesetze sind nur ein Teil des Problems. Der Jahresbericht von Freedom Hous, einer New Yorker Lobby-Gruppe, verzeichnet für die ex-kommunistischen Länder den größten relativen Verlust der Pressefreiheit weltweit, vor allem aufgrund der Politisierung des öffentlichen Rundfunks und Fernsehens."

Besprochen werden unter anderem ein Buch von Hugh Miles über das Leben der Frauen in Kairo, aus dem der Rezensent lernt: "Junge Frauen in Kairo sind so sexbesessen wie die in New York, nur dass jede ihrer Handlungen von tyrannischen, überprotektiven Brüdern und aufdringlichen Portiers überwacht wird" - und David Rothkopfs Untersuchung über die "Superklasse", die globale Machtelite der Gegenwart.

Magazinrundschau vom 22.04.2008 - Economist

Takashi Murakami gilt als der Warhol Japans - und eine Ausstellung in New York macht dem Economist auch sehr klar, warum: "Unter den vielen Räumen dieser große Retrospektive des Werks von Takashi Murakami, dem bekanntesten zeitgenössischen Künstler Japans, ist einer ganz besonders provokant. Nicht die Galerie der großäugigen cartoonartigen Figuren in bizarren erotischen Posen. Nicht das Atrium mit seiner riesigen Skulptur eines bunten und grotesken spitzköpfigen Aliens, umgeben von zauberhaften marshmallowförmigen Wachposten. Am meisten Gerede gibt es um den Raum mitten im Zentrum der 1700 Quadratmeter großen Show im Brooklyn Museum: ein ganz normal operierender Louis-Vuitton-Laden, in dem die Besucher ihre eigene Luxus-Handtasche in spielerischen Murakami-Designs für 650 Dollar und aufwärts kaufen können."

Weiteres: Besprochen werden unter anderem Tony Judts Kritiken- und Essay-Sammlung "Neueinschätzungen" und drei neue Bücher über Basra, Irakkrieg, Großbritannien. In der Titelgeschichte geht es um den "stillen Tsunami" der zunehmenden weltweiten Lebensmittelknappheit.

Magazinrundschau vom 15.04.2008 - Economist

Der Economist hat einen Sonderteil zur neuen digitalen Beweglichkeit in der Drahtlos-Welt. Es geht dabei durchaus um Grundsatzfragen unseres Lebens- und Arbeitsalltags: "Wird es ein besseres Leben sein? In mancher Hinsicht ja. Das digitale Nomadentum wird mehr und mehr Wissensarbeiter aus den Arbeitskabinen befreien, die wir aus Dilbert Cartoons kennen. Aber die alte Tyrannei des Ortes könnte zu einer neuen Tyrannei der Zeit werden, da Nomaden, die 'immer ansprechbar' sind, allzuoft mental überall-nur-nicht-hier sind (wo immer hier dann auch ist). Im Bezug auf Freunde und Familie könnte die permanente mobile Ansprechbarkeit den selben Effekt haben wie das Nomadentum: es könnte einen der Familie und Freunden näher bringen, den Zugang für Außenseiter aber erschweren. Es könnte sein, dass es zur Herausbildung isolierter Cliquen kommt."

In weiteren Artikeln geht es um den Bevölkerungsschwund in Ostdeutschland und seine Folgen, : Besprochen werden eine große Babylon-Ausstellung, die derzeit im Louvre zu sehen ist, demnächst aber auch - und zwar mit größerem Umfang - in Berlin Station machen wird, und Bücher, darunter Steve Colls Familiengeschichte "The Bin Ladens" und Misha Glennys Studie "McMafia: Eine Reise durch die Unterwelt des Verbrechens". Außerdem ein Nachruf auf den Schauspieler Charlton Heston.

Magazinrundschau vom 08.04.2008 - Economist

Seit 2004 erstellt Amazon eine Bestseller-Liste der in seinen Online-Shops in den USA, Deutschland, Großbritannien, Kanada, Frankreich und Japan am häufigsten gekauften Romane. In diesem Monat ist, wie der Economist meldet, das erste Mal ein deutsches Buch "der meistverkaufte Roman der Welt" - nämlich Charlotte Roches "Feuchtgebiete". Hier die Top Ten mit einem kurzen Roche-Porträt.
Stichwörter: Amazon, Kanada, Roche, Charlotte

Magazinrundschau vom 01.04.2008 - Economist

Der Economist hat eine große Umfrage zu den unterschiedlichen politischen und sonstigen Auffassungen zwischen den USA und Großbritannien in Auftrag gegeben - und ist doch etwas überrascht, wie beträchtlich sie sind: "Vorbei sind die Zeiten, in denen Großbritannien zwischen politischen Extremen schwankte und die Amerikaner nur erstaunt den Kopf schütteln konnten. Die Kluft zwischen Republikanern und Demokraten ist in allen Fällen viel größer als die zwischen Tories und (in der Regel) den Liberaldemokraten. Das ist im übrigen auch eine der interessanten Entdeckungen: Die Unterstützer der Liberaldemokraten sind linker als die Labour-Anhänger auf allen politischen Themenfeldern, ausgenommen die Rolle des Staates. Es gibt einige solcher Überraschungen. Amerikaner sind entschiedener anti-Big-Business. Briten haben weniger Probleme mit Multikulturalismus..." (Hier als pdf-Dokument alle Ergebnisse im einzelnen.)

Besprochen werden eine Marie-Antoinette-Ausstellung im Pariser Grand Palais und Bücher, darunter sehr unterschiedliche Diagnosen zur Geopolitik von Parag Khanna und Robert Kagan sowie Salman Rushdies neuer Roman "The Enchantress of Florence", der den Rezensenten auf hohem Niveau enttäuscht hat. Außerdem ein ausführlicher Nachruf auf den Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke.

Magazinrundschau vom 25.03.2008 - Economist

Der Economist stellt ein ambitioniertes Projekt vor: Explaining Religion (Religion Erklären). Forscher unterschiedlicher Richtungen suchen in einer konzertierten Aktion nach wissenschaftlichen Gründen für die Allgegenwart von Religionen: "Die von dem Projekt geförderten Experimente sollen die mentalen Mechanismen untersuchen, die für die Repräsentation einer allmächtigen Gottheit notwendig sind. Sie sollen die Frage beantworten, ob (und wie) der Glaube an einen solchen 'Überwachungs-Kamera'-Gott den Fortpflanzungserfolg des Individuums im Darwinschen Sinne verbessert und ob Religion das persönliche Ansehen steigert - glauben die Menschen, nur zum Beispiel, dass diejenigen, die an Gott glauben, vertrauenswürdiger sind als die, die es nicht tun? Die Forscher werden auch Antworten auf die Frage suchen, ob unterschiedliche Religionen in unterschiedlichem Maße Kooperation fördern und ob und aus welchen Gründen derartige Kooperationen sowohl der Gemeinschaft der Gläubigen als auch den Außenstehenden Vorteile bringen."

Außerdem: Ein weiterer größerer Artikel erklärt, warum soziale Netzwerke im Internet mit Sicherheit eine große, wenn auch vielleicht keine kommerziell erfolgreiche Zukunft haben. Besprochen werden unter anderem zwei neue Bücher über Tibet und den Dalai Lama, eine Biografie des Dikators Robert Mugabe, das Buch "Welten im Krieg" des Historikers Anthony Pagden, in dem er die grundsätzliche Überlegenheit des Westens über den Osten postuliert, Richard Princes Kriminalroman "Lush Life" und die Londoner Ausstellung "Brillante Frauen: Blaustrümpfe des 18. Jahrhunderts".