Magazinrundschau - Archiv

The Economist

428 Presseschau-Absätze - Seite 24 von 43

Magazinrundschau vom 20.06.2006 - Economist

Anlässlich der drei Selbstmorde unter den Häftlingen von Guantanamo erklärt der Economist, warum gepflegte Umgangsformen das A und O der außenpolitischen Praxis sind. "Gute Manieren und guter Ton sind wichtig in internationalen Beziehungen. Nehmen wir die Selbstmorde in Guantanamo. Auch wenn Colleen Graffy sie nicht einen guten PR-Zug hätte nennen dürfen, kann es sein, dass sie Recht hatte, als sie andeutete, dass die Selbstmorde eher ein politischer Akt als ein individueller Ausdruck von Verzweiflung waren (siehe den Nachruf auf Yasser Talal al-Zahrani). Tatsache ist allerdings, dass wenn der Krieg gegen den Terrorismus größtenteils auf einem Wettstreit der Werte beruht - kurz gesagt, ein PR-Krieg ist - man doch meinen sollte, Amerika würde mit links gewinnen. Schließlich verkauft sich eine Marke, die für Leben, Freiheit und das Streben nach Glück steht, besser als eine, die für das Köpfen von Ungläubigen und die Rückkehr ins Mittelalter steht."

Und Neues aus der Welt der Kunst: Paris setzt mit dem demnächst eröffneten Musee du Quai Branly der afrikanischen, asiatischen, ozeanischen und lateinamerikanischen Kunst und Kultur ein architektonisch beeindruckendes Denkmal, das als Anstoß dienen soll, über das Verhältnis zu außereuropäischen Kulturen nachzudenken, berichtet der Economist.

Magazinrundschau vom 13.06.2006 - Economist

Das Technology Quarterly ist allen Arten künstlicher Intelligenz gewidmet. Im Aufmacher fragt sich der - von Isaac Asimovs Zukunftsvision "I, Robot" inspirierte - Economist, wie sicher unsere Zukunft mit Robotern aussieht. Gelten in der heutigen Robotik die drei Gesetze, die Asimov zum Schutz der Menschen aufgestellt hat? "In Zukunft wird es immer schwieriger werden, das Verhalten von Robotern zu regulieren, zumal sie zunehmend über Selbstlernmechanismen verfügen werden, sagt der Robotiker Gianmarco Veruggio vom Institut für Intelligente Automatensysteme in Genua. Dadurch wird es unmöglich, ihr Verhalten mit hundertprozentiger Zuverlässigkeit vorherzusehen, so Veruggio weiter, da sie sich nicht auf vorgegebene Art und Weise verhalten, sondern sich fortwährend neue Verhaltensweisen aneignen werden."

Weitere Artikel dazu sind leider nicht online. Aber es geht unter anderem um neue Brennstoffzellen, künstliche neurale Netze in Automotoren und den Siegeszug von Bluetooth (drahtlose Funkvernetzung). In diesem Zusammenhang sei noch auf den Robocup hingewiesen, die Fußballweltmeisterschaft der Roboter, die diese Woche in Bremen ausgetragen wird. (Mehr Infos hier)

Außerdem wird berichtet vom unaufhaltsamen Aufstieg der ehemaligen Kultus- und Familienministerin Segolene Royal zur Präsidentschaftskandidatin der französischen Sozialisten (die sich jedoch mit Händen und Füßen dagegen wehren), dass der abschließende Bericht des Europarates über die geheimen CIA-Aktivitäten in Europa zu dem Schluss kommt, dass mindestens sieben Staaten, darunter auch Deutschland, Kenntnis davon hatten, und welche Konsequenzen Kanada aus den vereitelten Terroranschlägen zieht, die auf die Börse in Toronto, das staatliche Fernsehen, das Parlament und den Kopf des Premierministers zielten.

In Lausanne schließlich gerät der Economist völlig aus dem Häuschen über Peter Brooks extrem sparsame, aber ungeheuer lebendige Inszenierung von Athol Fugards Stück "Sizwe Banzi".

Magazinrundschau vom 06.06.2006 - Economist

Der internationale Wolkenkratzerboom reißt nicht ab und wird durch neue Technologien noch beschleunigt, berichtet der Economist in einem interessanten Hintergrundartikel. Er führt aber auch zu Absurditäten: "In Dubai stehen die Wolkenkratzer rechts und links entlang der Sheikh Zayed Road. Hinter ihnen erstreckt sich die unendliche Wüste. Der internationale Stil, der hektarweise Glas vorsieht, ist hier nicht immer sinnvoll. In Teilen Nordamerikas, wo er zuerst auftauchte, funktioniert er gut, aber am Golf verlangen diese riesigen Gewächshäuser Unmengen von Energie, um sie kühlen, und die Ingenieure müssen Wege finden, um das Licht draußen zu halten.- Manche Architekten haben Designs mit Betonmauern und kleinen Öffnungen vorgeschlagen, die an die frühe islamische Architektur erinnern. Aber das sieht nicht gut aus..."

Das Titeldossier des Economist (Editorial) ist in dieser Woche der Frage gewidmet, ob Indien fliegen kann. Außerdem hat der Economist ein Lifestyle-Sonderheft unter dem Titel "Intelligent Life" herausgebracht. Darin ein Artikel über das neue Mekka für führende Restaurants: San Sebastian.

Magazinrundschau vom 30.05.2006 - Economist

Ein Jahr, nachdem sich Franzosen und Niederländer per Referendum gegen die EU-Verfassung ausgesprochen haben, fragt sich der Economist, wozu ein weiteres Jahr Denkpause, wie es jetzt erwogen wird, gut sein soll. "Sinnvoll wäre, sich beim Gipfeltreffen kommenden Monat darauf zu einigen, den jetzigen Verfassungstext zu vergessen. Das würde es den Verhandlungspartnern ermöglichen, sich den grundlegenderen Fragen zuzuwenden, die die Verfassung beantworten sollte, aber nicht konnte: Wie kann man die Zielsetzung der EU (und, was gleichermaßen wünschenswert wäre, ihre Beliebtheit) wiederbeleben und welche institutionellen Veränderungen könnten dazu erforderlich sein?"

Weitere Artikel: "Treten Sie hierher, Sir, zu Ihrer Umprogrammierung. Wenn wir erst Ihre Waffen beschlagnahmt haben, können wir Ihre aggressiven Instinkte abbauen und Sie in die Zivilgesellschaft zurückintegrieren" - Amüsiert berichtet der Economist, wie alarmiert die National Rifle Association (NRA) auf Bestrebungen der UNO reagiert, ihr weltweites Entwaffnungsprogramm auch auf die USA und ihre zahlreichen Waffenbesitzer auzudehnen. Sehr angetan ist der Economist von Hans-Guck-in-die-Luft Gavin Pretor-Pinney, der in seinem Buch "The Cloudspotter's Guide: The Science, History and Culture of Clouds" so über Wolken schreibt, als seien sie alte Freunde von ihm. Zufrieden hat der Economist das Urteil des höchsten britischen Gerichts vernommen, das sich entschieden gegen eine Wiedereinführung des Schuld-Begriffs in Scheidungsprozessen ausgesprochen hat. Und schließlich nimmt der Economist Abschied vom amerikanischen Dichter Stanley Kunitz, der sich kaum vom Fleck rührte, seine Verse aber in unendliche Weiten flirren ließ.
Stichwörter: UNO, Waffenbesitz, Nra, Clouds

Magazinrundschau vom 16.05.2006 - Economist

Russland treibt ein gefährliches Spiel mit dem Nationalismus, warnt der Economist angesichts der fremdenfeindlichen Gewalt auf Russlands Straßen und deren Billigung durch breite Teile der Bevölkerung und der politischen Klasse. "Manche sehen diese Bösartigkeit als die Auferstehung alter russischer Neurosen, die in Zeiten des Sowjetregimes von einer Mischung aus internationalistischer Rhetorik und starkem Geheimdienst unterdrückt werden konnten. Oscar aus Burundi, der während der Breschnew-Ära studiert hat, ist der Meinung, dass es heutzutage an gesellschaftlichem Rückhalt mangelt. 'Wenn ich dich hasse, und dich keiner beschützt', sagt er, 'kann ich dich angreifen.' Andere widerum betrachten die Gewalt auf den Straßen als extreme Erscheinungsform einer neueren nationalverherrlichenden Tendenz, eine Tendenz, die sich - leicht abgewandelt - auch in Wladimir Putins Rede zur Nation wiederfand."

Weitere Artikel: Sehr angetan ist der Economist von Amartya Sens "weisem und leidenschaftlichen" Buch über Identitätspolitik und ihre Gefahren ("Identity and Violence: The Illusion of Destiny"): "Ethnische, religöse und andere solcher Schubladen sind oft trügerisch, vor allem wenn man, auf eigene Kosten, von anderen dort hineingesteckt wird." Mit Jane Jacobs, so der Economist im Nachruf, verlieren wir eine große Verfechterin lebendiger Städte.

Außerdem in dieser Ausgabe zu lesen: Warum George Bush Tony Blair vermissen wird, weshalb der Vergleich zwischen dem Ende der Blair-Ära und dem der Thatcher-Ära hinkt, wie privates Reisen im Weltraum aussehen wird und wann damit zu rechnen ist, dass Frauen, wie neue Forschungen ergeben haben, in Männergesichtern wie in einem offenen Buch lesen - und schließlich ein Dossier über Polens Probleme.

Magazinrundschau vom 09.05.2006 - Economist

Angesichts der Rücknahme einiger europafreundlicher Reformen durch die türkische Regierung und des andauernden Konflikts auf Zypern warnt der Economist schärfstens davor, die Türkei links liegen zu lassen. "Die Türken befürchten, dass es zu viele in der EU gibt, die frohlocken würden, sollte die Türkei auf ihrem Weg nach Europa ins Straucheln geraten. Und diese Befürchtung ermutigt sie dazu, nach anderen Richtungen Ausschau zu halten. Doch das Risiko, die Türkei als Paradebeispiel einer funktionierenden liberalen und westlich orientierten muslimischen Demokratie zu verlieren, ist enorm. Europas Verantwortliche müssen alles daran setzen, die Türkei wieder auf Kurs zu bringen."

Außerdem zu lesen: Der Economist bestreitet, dass es zu früh sei, einen Film wie Paul Greengrass' "United 93" - der den Flug jener Maschine des 11. Septembers erzählt, in der sich die Passagiere zur Wehr setzten - auf die Leinwand zu bringen. Und im Nachruf würdigt er den Ökonomen John Kenneth Galbraith als erfrischend unbescheidenen und stilistisch brillanten Denker, von dessen Werk "Gesellschaft im Überfluss" Amartya Sen gesagt haben soll, es lese sich wie "Hamlet" - "Auf einmal wird einem klar, wo die ganzen Zitate herkommen."

Magazinrundschau vom 02.05.2006 - Economist

Amüsiert erzählt der Economist die Geschichte des kürzlich verstorbenen südkoreanischen Regisseur Shin Sang-Ok, der nach Nordkorea entführt wurde, um für den "Geliebten Führer" nicht-propagandistische Filme zu drehen. "Mit Besorgnis nahm Kim zur Kenntnis, dass die im dekadenten, kapitalistischen Südkorea produzierten Filme besser waren als die im Norden. Einfühlsam erklärte er Shin Sang-Ok, dass dies so sei, weil die nordkoreanischen Filmleute wussten, dass der Staat sie ungeachtet der Qualität ihrer Erzeugnisse ernähren würde. Im Süden hingegen waren Schauspieler und Regisseure gezwungen, hart zu arbeiten, um Filme zu machen, für die das Publikum gewillt war Eintritt zu zahlen. Das sollte keineswegs bedeuten, dass irgendetwas mit dem Sozialismus nicht stimme, natürlich nicht, doch Kim schenkte Shin Millionen von Dollar, ein schickes, mit Marmor überzogenes Büro und mehr künstlerische Freiheit als je ein nordkoreanischer Regisseur genossen hatte."

Weitere Artikel: Die BBC plant, ihr riesiges Archiv mit all den Radio- und Fernsehsendungen, die sie seit 1937 produziert hat, online zu stellen und so frei zugänglich wie möglich zu machen (seit letzter Woche ist der Prototyp als Katalog mit 946.614 Einträgen zu besichtigen), berichtet der Economist - und befürchtet eine weitere Verzerrung des Medienmarktes durch den staatlich finanzierten Rundfunk- und Fernsehriesen.

Weiteres: Einen detaillierten Einblick in das kurze und unglückselige Zusammenleben von Van Gogh und Gauguin in Arles liefert Martin Gayford in seinem Buch "The Yellow House". Außerdem widmet sich der Economist Chinas spannendster Dreiecksbeziehung aus Volk, Partei und Internet. Außerdem zu lesen: Inwiefern die Anlagebank Goldman Sachs mit ihrer Lust am Risiko als Inbegriff des modernen Finanzsystems gelten kann, ob sich die Tatsache, dass Israel erstmals von Zivilisten regiert wird, positiv auf den Nahostkonflikt auswirken wird, und schließlich warum sich die französischen Gewerkschaften trotz ihres jüngsten Erfolgs - der Abkehr vom umstrittenen Ersteinstellungsvertrag - auf dem absteigenden Ast befinden.

Magazinrundschau vom 18.04.2006 - Economist

Es gibt europäische Muslime, doch gibt es einen europäischen Islam? Oder gibt es lediglich den Islam in Europa? Trotz vereinzeltem Fanatismus kann der Economist sich nicht vorstellen, dass die europäischen Muslime nicht auch den Islam verändern werden. "Europas aufstrebender Islam hat bislang noch keinen rechten Eindruck auf fernere Gefilde gemacht. Doch es ist schwer zu glauben, dass ein Islam, der sich der Demokratie, der Gleichheit der Geschlechter und der Modernität gegenüber offen zeigt, keine Wirkung auf den Mittleren Osten haben sollte. Und so unsicher und allmählich seine Heranreifen auch sein mag, dies ist der Islam, den die europäischen Muslime zu erschaffen versuchen."

Weitere Artikel: Von wegen haarsträubende Karikatur! Glaubt man dem Economist, bleiben selbst die kühnsten amerikanischen Romane weit hinter der höchst bizarren amerikanischen Wirklichkeit zurück. Weiter behauptet der Economist, dass Nordirland und insbesondere Belfast schon so lange im Ausnahmezustand lebt, dass sich Normalität wie ein Schock ausnehmen würde.

Es ist Ostern und der Economist schaut auf Jerusalem: Wie wird das Leben in der von der Sicherheitsmauer geteilten Stadt aussehen? Und welchen Status erlangt dabei "die explosivste Immobilie der Welt", der Tempelberg? Schließlich rät der Economist israelischen und palästinensischen Politikern, die Clowntruppe Boomchucka Circus auf ihrer Tournee durch die Gebiete auf beiden Seiten des Nahostkonflikts zu begleiten.

Magazinrundschau vom 11.04.2006 - Economist

Der Economist warnt im Aufmacher vor dem süßen Gift des neuen, "weichen Paternalismus" eines Staates, der seine Bürger vor absehbaren schlechten Entscheidungen bewahren will. "Ziel dieser neuen Paternalisten ist nicht das 'Kindermädchen Staat', ein schimpfender Spielverderber, der seine Schützlinge dazu zwingt, brav ihr Gemüse zu essen und ihre Medizin zu nehmen. Stattdessen haben sie das vor Augen, was man den 'Onkel Staat' nennen könnte: einen welterfahrenen Staat, der uns einen Stups in die richtige Richtung gibt und womöglich die Fäden zu unseren Gunsten zieht, ohne dass wir dies überhaupt bemerken... Schlussfolgern, urteilen, unterscheiden und sich beherrschen - all diese Fähigkeiten sehen die weichen Paternalisten als Bürden an, die der Staat erleichtern kann und sollte. John Stuart Mill hingegen sah sie als Gelegenheit für den Bürger, sein Menschsein auszuüben. Der weiche Paternalismus mag den Menschen zu besseren Entscheidungen verhelfen und sie vor ihren übelsten Neigungen erretten, doch er tut nichts, um diese Neigungen zu bessern. Die Neffen von Onkel Staat haben keinen Grund, erwachsen zu werden."

Magazinrundschau vom 04.04.2006 - Economist

Fast mit ein wenig Mitleid schaut der Economist im Titel auf Frankreich, wo der Mythos vom lebenslangen Job immer noch Hunderttausende auf die Straße bringt. "Schuld daran sind die Politiker, die es 20 Jahre lang versäumt haben, gerade heraus zu sagen, dass Frankreich sich anpassen muss und Veränderung nicht nur Unannehmlichkeiten mit sich bringt. Dieser Fehler hat eine politische Kultur der heimlichen Reform gezeitigt, in der auf der einen Seite mit Verweis auf äußere Kräfte reformiert wird - üblicherweise die Globalisierung, die Europäische Union und Amerika - andererseits aber mit beruhigenden Worten der Erhalt des französischen Sonderwegs beschworen wird. Nach einer Weile reißt die Glaubwürdigkeitskluft so ein System auseinander."

Die Biologen und Programmierer einer kalifornischen Firma wollen mit einer Simulation der Evolution lebende Drachen züchten, meldet der Economist. "Jeder Computer startet mit einem Zielbild (Drache, Einhorn, Greif, usw.) und dem Genom des ähnlichsten wirklichen Tiers (eine Eidechse für den Drachen, ein Pferd für das Einhorn, und als größte Herausforderung die halben Genome von Löwe und Adler für den Greif). Die virtuellen Genome dieser echten Tiere werden dann mit Zufallsmutationen verändert. Wenn sie erwachsen sind, werden die virtuellen Exemplare ausgesucht, die den Zielbildern am ähnlichsten sind, und weitergekreuzt, während die anderen ausgemustert werden." Nun soll die mythologische DNA in echte Eizellen eingepflanzt werden. Zu denken gibt einem nur, dass dies das Heft zum 1. April ist.

Weiter lesen wir einen Bericht über die Bedrohung von Microsofts Windows- und Office-Geschäft durch Online-Software, die als Abo bestellt werden kann, einen Artikel über die Korruption und ihre fragwürdige Bekämpfung in Venezuela, eine Meldung zu Rupert Murdochs nun wieder florierender Kennenlernsite MySpace.com sowie die Besprechung einer Ausstellung afrikanischer Kulturschätze in Nairobi, die durch Leihgaben des British Museums möglich wurde und sogar den Besuch der gefährlichen Innenstadt Nairobis lohnenswert macht.