
Zürich, Zürichbergstraße 93. Unter dieser noblen Adresse würde man keine
Studenten-WG erwarten, doch die
Villa ist tatsächlich fest in studentischer Hand, wie der "NZZ-Folio-Onkel" Andreas Dietrich, der dort einige Monate zu Gast war,
bezeugen kann.
Und - wie sind sie so, die Studenten? Sind sie hingebungsvolle Bibliotheks- und Laborinsassen? Oder sind sie
der Boheme und ihren Lastern verfallen? "In den
kleinen Dingen enthüllt sich das
intellektuelle Fluidum, das die studentische von der kommunen Kommune unterscheidet. Die
Katze Löffel zum Beispiel: Sie hat nicht bloß einen Namen, sie hat eine
Nomenklatur. Ursprünglich hieß das Sheba-verwöhnte Tier 'Josephine', was im mündlichen Alltagsausdruck zu 'Josy' verkürzt oder in einer inzwischen abgestorbenen Verästelung zeitweilig von 'Luchs' verdrängt wurde; dann setzte sich aufgrund eines auffälligen anatomischen Merkmals 'Flauschig' durch, das später mittels
fremdsprachlicher Artikelerweiterung zu 'Le Flauschig' veredelt wurde; durch Verkürzung und Lautverschiebung, die von einem signifikanten Teil der Sprechgemeinschaft vollzogen wurde, entstand schliesslich die aktuell gültige Bezeichnung 'Löffel' -
angewandte Linguistik für die Katz."
Weitere Artikel: "Gescheit oder gescheitert?"
Folio hat Studenten in der Mensa mit einem
Fragenkatalog auf ihre
Allgemeinbildung hin getestet. Fazit: Durchwachsen. Peter Stücheli-Herlach, Dozent für Politische Kommunikation an der Zürcher Hochschule Winterthur,
sinniert über die
Zukunft der europäischen Universitäten im vielbeschworenen internationalen Wettbewerb. Die Studentin Pascale Bruderer, der Geisteswissenschaftler Ulrich Rudolph und der Naturwissenschaftler Gottfried Schatz gehen im
Gespräch der Frage nach, inwieweit
Auswahlverfahren an den Universitäten berechtigt sind. Markus Schneider
führt eine
Kosten-Nutzen-Rechnung aus der Sicht des Steuerzahlers durch. Trotz wachsender Studentinnen-Zahlen stellt sich die
Frauenfrage immer noch,
weiß Yvonne-Denise Köchli. Von Dario Venutti erfahren wir,
warum die
Leistungsbewertung an Universitäten zunehmend zum Problem wird. Schließlich
stellt Jürg Ramspeck die Spezies des
abgebrochenen Studenten vor und plädiert für dessen Recht, "seinen
biografischen Knick als interessante Wendung in seiner Vita interpretatorisch nachzubessern".
Außerdem: "Welcher Duft atmet jene
Stille, die auf
langen Spaziergängen, auf denen man nur von seinem Schutzengel begleitet wird, nach und nach bis in die Fingerspitzen dringt?" Luca Turin hat
"den Duft zum Sonntag" gefunden. Und Reto U. Schneider
berichtet von einem bezeichnenden Experiment, bei dem ein ganzes Expertengremium auf den
sinnlosen, aber brillanten Vortrag eines Schauspielers hereinfiel.