Magazinrundschau - Archiv

Nepszabadsag

215 Presseschau-Absätze - Seite 21 von 22

Magazinrundschau vom 26.07.2005 - Nepszabadsag

Peter Bartok, der in Washington lebende Sohn des ungarischen Komponisten Bela Bartok, erzählt im Gespräch, dass auch ein werktreuer Nachlassverwalter oft nicht vermeiden kann, das Werk eines verstorbenen Künstlers umzuschreiben: "Wir versuchen von Fall zu Fall festzustellen, was die endgültige Version meines Vaters war. Es reicht jedoch nicht aus, das Manuskript zu analysieren, denn er hat oft auch in den Fahnenabzügen Korrekturen gemacht. ... Im Zweifelsfall muss ich mich eben entscheiden, aber in den Fußnoten werden auch die verworfenen Versionen abgedruckt." Für eigenwillige Neuinszenierungen hat Peter Bartok jedoch wenig Verständnis, zum Beispiel wenn Regisseure die Zahl von Herzog Blaubarts früheren Frauen, die Geliebte des Morgens, Mittags und Abends plötzlich von drei auf dreizehn erhöhen: "Stellen Sie sich vor, Blaubart würde singen: 'auf die erste traf ich bei Tagesanbruch, auf die zweite um halb neun, auf die dritte um elf, die nächste mittags' und so weiter. Das hätte selbst dann absolut keinen Sinn, wenn die Regisseure auch die Musik verändern könnten."
Stichwörter: Bartok, Bela, Washington

Magazinrundschau vom 28.06.2005 - Nepszabadsag

Der in London lehrende Politikwissenschaftler und ungarische EP-Abgeordnete George Schöpflin kritisiert im Interview Tony Blairs Europapolitik: "Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass sich die Briten Europa nicht verpflichtet fühlen. Sie betrachten die ganze Sache sehr pragmatisch: was können wir da herausholen, was ist gut für uns? Das war's. Die Vorstellung, dass Europäer zu sein auch darüber hinaus eine Bedeutung haben könnte, ist für die Briten nebensächlich, zufällig, oder sogar schädlich." Laut Schöpflin sei Tony Blairs Kritik an der Wirtschaftspolitik Deutschlands und Frankreich zwar berechtigt, aber "er versucht alles in die Sprache der Wirtschaft und des Handelns zu übersetzen, um möglichst viel politische Inhalte auszufiltern." Der Briten-Rabatt ist für die Engländer laut Schöpflin "keine Frage des Geldes mehr, er wurde zu einem Symbol. Er bildet einen wesentlichen Teil der EU-Mitgliedschaft Großbritanniens."

Magazinrundschau vom 31.05.2005 - Nepszabadsag

Während und nach der Wende drehte sich in der ungarischen Medienlandschaft alles um die Printmedien, heute spielen sie neben dem Fernsehen nur eine Nebenrolle. Warum haben sie so enorm an Bedeutung, Prestige und Popularität verloren? Die größte ungarische Tageszeitung druckt die redigierte Fassung einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion zum Thema. Endre Hann, Geschäftsführer des Instituts für Meinungs- und Marktforschung Median, erklärt sich das so: "Die ungarische Presse erlitt seit der mit großen Illusionen erwarteten Wende zwei Erschütterungen. Erstens entstand durch die extreme politische Polarisierung des Landes ein enormer Druck auf die Journalisten, sich zur einen oder anderen Seite zu bekennen, ob es einem gefiel oder nicht. Daraus ergab sich wiederum eine Tendenz der oft peinlichen Überkompensierung; alle versuchten, die Leser von ihrer Ausgeglichenheit zu überzeugen. Der zweite Schock brachte die Marktwirtschaft und insbesondere die neuen multinationalen Eigentümer, die völlig neue Spielregeln vorgaben. ... Ich weiß, dass es vielleicht eine Illusion ist, aber ich neige doch dazu, mir von der Verbreitung des Internets, den neuen Räumen der Freiheit im WWW, eine fachliche und moralische Erneuerung zu erhoffen."
Stichwörter: Polarisierung, Printmedien

Magazinrundschau vom 17.05.2005 - Nepszabadsag

Europa, sprich zu deinen Bürgern! - ruft der Publizist Laszlo Szöcs. Wer versteht die Sprache, wer kennt die Institutionen? "Alle fünf Jahre versinkt das Europaparlament in tiefe Verzweiflung, weil schon wieder eine äußerst geringe Wahlbeteiligung droht. Die EU-Kommission wird in Frankreich für ultraliberal, in Großbritannien für eine hyperbürokratische Planwirtschaft gehalten. Kein Wunder, dass Kommissionspräsident Barroso vor der Kampagne für die EU-Verfassung sowohl von Paris als auch von London ausgeladen wurde - genau aus gegensätzlichen Gründen."

Der Verhaltensforscher und Essayist Vilmos Csanyi spricht im Interview über die größten Erfolge seines Lebens: im Sternbild "Der Große Hund" wurde ein Stern nach ihm benannt, und er wurde auf der Straße von Unbekannten angehalten, die zu seinem neuen Buch "If Dogs Could Talk" gratulierten - jedoch nicht dem Verfasser, sondern seinem Hund Jeromos, dem "wichtigsten Mitarbeiter" und der Hauptfigur des Buches. Csanyi gibt außerdem bornierten Geisteswissenschaftlern eine mit: "Weltweit ist der Zutritt für fahrende Ritter der Naturwissenschaften in die festen Burgen der Geisteswissenschaften streng verboten. Die Geisteswissenschaftler sind nicht einmal bereit, naturwissenschaftliche Grundkenntnisse zu erwerben, die man zur Orientierung in der modernen Welt unbedingt braucht. ... Ein bekannter Philosoph erklärte neulich in einem Interview, dass er nicht an der Evolution glaube. Das ist so schrecklich, als wenn ich erklären würde, ich glaube nicht an die Reparaturwerkstatt."

Weiteres: Aus New York wird gemeldet, dass "El perro negro", ein auf privaten Filmaufnahmen basierender Dokumentarfilm über den spanischen Bürgerkrieg des ungarischen Filmemachers Peter Forgacs, den Preis für den besten Dokumentarfilm des Tribeca Film Festivals gewonnen hat.

Magazinrundschau vom 03.05.2005 - Nepszabadsag

"Mittel- und Osteuropa wird in ernsthafte Schwierigkeiten geraten, wenn sich das autoritäre System Wladimir Putins in Russland verfestigt", mahnt der kanadische Anwalt Robert Amsterdam und Verteidiger des in Moskau inhaftierten Yukos-Chefs Michail Chodorkowskij im Gespräch mit der größten ungarischen Tageszeitung: "Gerhard Schröder ist zum Beispiel ein dicker Freund Putins geworden. Es hatte aber noch nie ein schönes Ende, wenn Deutschland und Russland über den Kopf der Ostmitteleuropäer hinweg die Gebiete unter sich aufzuteilen begannen ... Das Land der Sliwowiki (der "starken Männer" des Putinschen Geheimdienstes) ist kein Rechtsstaat." Laut Amsterdam wenden sich die USA und Westeuropa allmählich von Putin ab, "nur Schröder und Berlusconi unterstützen Putin weiterhin".

In einem kämpferischen Beitrag, betitelt "Elegie über den 1. Mai", spricht sich der Philosophieprofessor Miklos Gaspar Tamas für ein soziales Europa und gegen die - in seinen Augen neoliberale - EU-Verfassung aus: "Die Europäer haben nichts daraus gelernt, dass der Erste Weltkrieg, aus dessen Staub alle späteren Monster hervorkrochen, ausbrach, weil Zusammenhalt und Solidarität fehlten - dazu gehörte die Auflösung der Zweiten Internationale. Europa wird heute durch Eigennutz, gegenseitige Verdächtigungen, Misstrauen und Hass 'zusammengehalten'. Die Europäer sind hasserfüllt: im Osten wegen des fremden Kapitals, im Westen wegen der fremden Arbeitskräfte. Die Westeuropäer meinen, die für weniger Geld arbeitenden Osteuropäer seien das westliche Lohnniveau senkende Streikbrecher - zu Recht ... Die Osteuropäer meinen, ihre Landwirtschaften werden durch die Agrarsubventionen egoistischer Westler zerstört - wiederum zu Recht. Im Osten wie im Westen hasst man die Einwanderer, die Gastarbeiter, die Asylbewerber ... Dem Ersten Mai ist damit sein Gehalt, die weltweite Solidarität der Arbeitnehmer, abhanden gekommen. Dieser Begriff ist überholt, unzeitgemäß, nicht mehr in - genauso wie Andre Gide und der steife Kragen. Wir werden einen teuren Preis dafür zahlen müssen."

Wie kann der Journalismus im digitalen Zeitalter überleben? - fragt der Publizist Miklos Blaho: "Die jüngere Generation nutzt fast nur noch die Informationsdienste von Google oder Yahoo, weil sie so Nachrichten und Weblogs je nach individuellem Interessen selektieren und gruppieren kann ... Die Tageszeitungen verlieren ihre Vorrechte, die Fakten darzulegen und die Prioritäten der Nachrichten zu bestimmen. Die Leser übernehmen die Redaktion. Aber die Tageszeitungen sind doch nicht ganz verloren: Die Weblogs kommentierten bislang die Tagespresse kritisch, korrigierten ihre Fehler, führten ihre Debatten weiter. Bald könnte es umgekehrt sein: die Tageszeitungen könnten den Weblogs einzelner Blogger ähnlich geschrieben werden, aber zusätzlich von ihren Kapital- und Geisteskräften, ihren Connections und Werbemöglichkeiten profitieren. Das ist ihre Überlebenschance."

Außerdem: ein Interview mit dem Historiker Götz Aly (mehr hier) über sein zusammen mit Christian Gerlach (mehr hier) verfasstes, in ungarischer Übersetzung erschienenes Buch "Das letzte Kapitel", eine historische Analyse des Mordes an den ungarischen Juden.

Magazinrundschau vom 12.04.2005 - Nepszabadsag

Berühmt-berüchtigtes Klavier preiswert zu ergattern! Es gehörte dem legendären Pianisten Rezsö Seress, der 1933 "Gloomy Sunday", die Hymne der Selbstmörder komponierte - erinnert der Kolumnist der größten ungarischen Tageszeitung: "Es begann mit einer gewissen Eszter Kiss, die sich mit Laugenlösung vergiftete. Neben ihrer Leiche fand man die Noten von 'Gloomy Sunday'. Danach löste das Lied eine Selbstmordwelle aus, bald wurde es weltweit bekannt, sein Text wurde in mehr als 100 Sprachen übersetzt." Trotz seines Welterfolges hat der von Melancholie geplagte Komponist den VII. Bezirk von Budapest nie verlassen, er "hielt sich sein ganzes Leben lang vor seinem Schicksal hinter dem Klavier versteckt" - sagt seine Frau. 1968 beging auch der Komponist Selbstmord. Das Klavier, Ursprung allen Übels, steht nach mehreren Besitzerwechseln immer noch intakt in der gleichen Budapester Wohnung - als ob nichts passiert wäre.

Weiteres: Ein Plädoyer gegen die Einschränkung der Freizügigkeit ungarischer Arbeitnehmer in die EU15 des Publizisten Balazs Pocs (das wichtigste Argument: selbst in den beliebtesten Ländern, Deutschland und Österreich, arbeiten nur ca. 17.000 Ungarn). Und eine Reportage über die große Resonanz einer Budapester Bürgerinitiative, in deren Rahmen ein jeder sich selbst bei der Polizei wegen Drogenmissbrauchs anzeigen kann, um gegen das Marihuana-Verbot zu protestieren.

Magazinrundschau vom 15.03.2005 - Nepszabadsag

Nach langen Monaten ging vor 60 Jahren die verheerende Schlacht um Budapest zu Ende. Es war jedoch keine "Befreiung", schreibt Jozsef Debreczeni, Publizist der größten ungarischen Tageszeitung. 1945 bedeutete für Ungarn, dass das kleine Land aus der Herrschaft eines totalitären Staates unter die Herrschaft eines anderen totalitären Staates rutschte: "Die Einnahme Budapests verzögerte sich enorm. Als Erklärung meldete die sowjetische Heeresleitung eine wesentlich größere feindliche Armee nach Moskau, als es sie in Wirklichkeit gab. Nach dem Sieg wurden deshalb mehrere tausend Budapester Bürger nach Russland verschleppt, um genügend Kriegsgefangene vorführen zu können. Aufgrund der neuesten Forschungsergebnisse des Historikers Ignac Romsics wurden 1945 alleine aus Ungarn etwa 110.000 Zivilisten nach Sibirien deportiert. In dieser Größenordnung liegt auch die Zahl jener Menschen, die ihr Leben dem Sieg über die Nazis verdanken oder die das Kriegsende aus einem anderen Grund als Befreiung erlebten."

Die offizielle Meldung aus Kiew, dass der ehemalige ukrainische Innenminister Juri Krawtschenko kurz vor seiner Zeugenaussage Selbstmord begangen habe, erinnert den Kolumnisten der Nepszabadsag an einen beliebten Witz, der vor der Wende in Ungarn nur leise erzählt werden durfte: "Was waren die letzten Worte Majakowskis vor seinem Selbstmord? - Liebe Genossen, schießt bitte nicht!"

Interessant noch ein Interview mit dem tschechischen Filmemacher und Oscarpreisträger Jiri Menzel vom 11. März, in dem er erklärt, dass er eine zunehmende "Allergie gegen Theaterstücke" habe, "deren Hauptfigur ein überflüssiger Mensch ist. Thomas Bernard schreibt solche Stücke. Er mochte irgendwie die Menschen nicht." Dagegen ist Woody Allen wegen seines feinen, sarkastischen Humors für Menzel "der Tschechow von heute". Auf die Frage, ob er Allen vielleicht persönlich kennt, lautet die Antwort: "Der Typ ist ein Pechvogel. Er kennt mich nicht."

Magazinrundschau vom 01.02.2005 - Nepszabadsag

Vollständige Offenlegung aller Stasi-Akten! - dies fordert der Sozialist und ungarische Premier Ferenc Gyurcsany. Die Debatte des diesbezüglichen Gesetzesentwurfs beginnt bald im ungarischen Parlament. Endlich - findet Mate Nyusztay in der linksliberalen Tageszeitung Nepszabadsag und sammelt genüsslich die absurdesten Argumente, mit denen sich ehemalige Stasi-Offiziere verteidigen: Sie "müssen von einer besonderer Sanftmut gewesen sein. Anders kann ich mir nicht erklären, dass fast jeder Akteur des öffentlichen Lebens, der als IM verdächtigt wurde, sofort rief: Moment mal, man versuchte zwar, mich als IM zu gewinnen, aber ohne Erfolg. Das heißt also: wie Studenten, die auf einen Flirt aus sind, sprachen Stasi-Offiziere die sympathischeren Menschen an. Bei Erwiderung der Zuneigung wurde berichtet." (Hier geht es zu einem deutschsprachigen Beitrag von Paul Lendvai im Standard.)

Nach der Osterweiterung verschieben sich die Mauern der "Festung Europa" an die neuen EU-Außengrenzen, zum Beispiel nach Ostungarn. Der Dokumentarfilm "Goodbye Hungaria" erzählt, wie sich hier, in einem ungarischen Flüchtlingslager, eine Amerikanerin und ein Palästinenser ineinander verliebten. Der Film wurde am Wochenende auf dem Traveling Film Festival von Human Rights Watch in Boston gezeigt. Regisseur Jon Nealon erzählt im Interview über die Dreharbeiten: "Das Flüchtlingslager lag in einer ehemaligen Kaserne in der Nähe der Stadt Debrecen. Die Bewohner durften sich zwar frei bewegen, aber sie verließen das Lager selten, weil sie eigentlich nirgendwohin gehen konnten. Sie lebten ziemlich isoliert von der ungarischen Bevölkerung. (Hier geht zu einem Interview mit Nealon auf Englisch.)

Magazinrundschau vom 25.01.2005 - Nepszabadsag

Was fehlt Ostmitteleuropa, damit es sein eigenes "Wunder" entfalten kann, wie es Finnland und Irland gelungen ist? - fragt der Soziologieprofessor Elemer Hankiss und findet eine interessante Antwort: "Ein Durchbruch setzt nicht nur ausgezeichnete Wirtschaftsprogramme und Institutionen, dynamische Manager, eine konzeptions- und entscheidungsfähige Regierung und eine kritische, beherrschte Opposition voraus, sondern auch eine gut funktionierende Gesellschaft ... das heißt zivilisierte, verantwortungsvolle, tolerante, zielbewusste, sich vertrauende, die Initiative ergreifende, effektive Bürger." The World Values Survey 1990-2002 demonstriert laut Hankiss, dass in diesem Bereich noch viel zu tun ist: "Die ungarische Gesellschaft ist in der osteuropäischen Ländergruppe steckengeblieben - nur die slowenische und die tschechische Gesellschaft haben sich auf die sogenannten postmodernen Werte hinbewegt. Das ist eine ernstzunehmende Last und ein Nachteil, da sich die grundsätzlichen Wertevorstellungen und Präferenzen der Menschen nur langsam verändern. Anachronistische Wertesysteme könnten jedoch der schnellen und erfolgreichen Entwicklung des Landes sehr hinderlich sein."

Interessant noch zwei Artikel vom Vor- und Vorvortag: "Der unbegrabene Tote" stellt erstmals Imre Nagy, dem Anführer des blutig niedergeschlagenen ungarischen Aufstands von 1956 ein filmisches Denkmal. In einem offenen Brief werfen seine überlebenden politischen Weggefährten der Regisseurin Marta Meszaros Geschichtsfälschung vor. Der Film zeige Nagy als einen einsamen Freiheitskämpfer, den seine Kameraden aus Feigheit verraten und verlassen hätten. "Seine Mitstreiter standen Imre Nagy, der unbestreitbar zum Helden und Märtyrer der ungarischen 56er Revolution wurde, stets bei, sie teilten sein Schicksal, sie blieben ihm und der gemeinsamen Sache stets treu. Unabhängig davon, wer von ihnen hingerichtet wurde und wer 'lediglich' mehrere Jahre im Gefängnis verbrachte. Sie alle gehörten menschlich und moralisch stets zusammen. Das beweist der jahrzehntelange Kampf der Überlebenden für die Aufdeckung der Wahrheit und für die würdige Beerdigung der Ermordeten. Das beweist auch unser gemeinsamer, offener Brief."

In Ungarn kommt "Der Untergang" in die Kinos. Der Filmtheoretiker Gergely Bikacsy ist fasziniert: "Eiskalt zeigt der Film, wie Hitler, 'von Kanonen geohrfeigt, durch den Krieg entkräftet', gebrechlich geworden und in seinem Glauben und seinen Prophezeiungen widerlegt, immer noch konsequent auf seiner Scheinwissenschaft beharrt, sogar in der tiefsten Ecke des Bunkers. Sein blinder Glauben blieb stahlhart, nichts von seinen Ansichten hat er relativiert. Der Hitler dieses Films ist weder ein Wahnsinniger im klinischen Sinne ... noch ein 'mordsüchtiger Sadist' und die Frage, ob er 'böse' war, ist sinnlos. Er war schädlicher als all das zusammen: ein blinder Fanatiker seiner sozialdarwinistischen Überzeugung, seiner eiskalten Rassentheorie." Bikacsy hofft, dass möglichst viele Ungarn den Film sehen werden: "Ich habe das Gefühl, die Menschen sind Greise und Neugeborene, im politisch-geschichtlichen Sinne: Sie wissen nichts und wollen nichts wissen. Freikarten für sie!"

Magazinrundschau vom 11.01.2005 - Nepszabadsag

Die Ukraine und Serbien sind Ungarns einzige Nachbarländer, die noch keine Aussicht auf eine EU-Mitgliedschaft haben. Die ungarischen Minderheiten in diesen Ländern leben in Armut und werden zugleich mehr und mehr von ihren Landsleuten im Kernland isoliert. Der Schriftsteller Istvan Eörsi überlegt, was man dagegen tun könnte: "Sollen sich die Ungarn in der Vojvodina und in den unteren Karpaten an Stelle des Westens einen lebenswerten Osten erfinden? Selbst wenn das ginge, würden sie sich von ihrer eigenen Kultur distanzieren. Wie könnte eine Aufholstrategie ausgearbeitet werden, die von den in ihren Ländern herrschenden Mehrheiten geduldet würde? Mit welchen Maßnahmen kann der dramatischen Beschleunigung ihres Rückstands entgegengewirkt werden, wenn wir 2007 dem - für die Mitgliedstaaten zwar vorteilhaften, aus menschenrechtlicher Sicht jedoch sehr problematischen - Schengener Abkommen beitreten, und die bilateralen Abkommen ungültig werden?"