"Mittel- und Osteuropa wird in
ernsthafte Schwierigkeiten geraten, wenn sich das autoritäre System Wladimir Putins in Russland verfestigt", mahnt der kanadische Anwalt
Robert Amsterdam und Verteidiger des in Moskau inhaftierten Yukos-Chefs
Michail Chodorkowskij im
Gespräch mit der größten ungarischen Tageszeitung: "Gerhard Schröder ist zum Beispiel ein
dicker Freund Putins geworden. Es hatte aber noch nie ein schönes Ende, wenn Deutschland und Russland über den Kopf der Ostmitteleuropäer hinweg die Gebiete unter sich aufzuteilen begannen ... Das
Land der Sliwowiki (der "starken Männer" des Putinschen Geheimdienstes) ist kein Rechtsstaat." Laut Amsterdam wenden sich die USA und Westeuropa allmählich von Putin ab, "
nur Schröder und Berlusconi unterstützen Putin weiterhin".
In einem kämpferischen Beitrag, betitelt
"Elegie über den 1. Mai", spricht sich der
Philosophieprofessor Miklos Gaspar Tamas für ein soziales Europa und gegen die - in seinen Augen neoliberale - EU-Verfassung aus: "Die Europäer haben nichts daraus gelernt, dass der Erste Weltkrieg, aus dessen Staub alle späteren Monster hervorkrochen, ausbrach, weil
Zusammenhalt und Solidarität fehlten - dazu gehörte die Auflösung der Zweiten Internationale. Europa wird heute durch Eigennutz, gegenseitige Verdächtigungen, Misstrauen und Hass 'zusammengehalten'. Die Europäer sind hasserfüllt: im Osten wegen des
fremden Kapitals, im Westen wegen der
fremden Arbeitskräfte. Die Westeuropäer meinen, die für weniger Geld arbeitenden Osteuropäer seien das westliche Lohnniveau senkende
Streikbrecher - zu Recht ... Die Osteuropäer meinen, ihre Landwirtschaften werden durch die Agrarsubventionen
egoistischer Westler zerstört - wiederum zu Recht. Im Osten wie im Westen hasst man die Einwanderer, die Gastarbeiter, die Asylbewerber ... Dem Ersten Mai ist damit sein Gehalt, die
weltweite Solidarität der Arbeitnehmer, abhanden gekommen. Dieser Begriff ist überholt, unzeitgemäß, nicht mehr in - genauso wie
Andre Gide und der steife Kragen. Wir werden einen teuren Preis dafür zahlen müssen."
Wie kann der
Journalismus im digitalen Zeitalter überleben? -
fragt der Publizist
Miklos Blaho: "Die jüngere Generation nutzt fast nur noch die Informationsdienste von Google oder Yahoo, weil sie so Nachrichten und
Weblogs je nach individuellem Interessen selektieren und gruppieren kann ... Die Tageszeitungen verlieren ihre Vorrechte, die Fakten darzulegen und die Prioritäten der Nachrichten zu bestimmen.
Die Leser übernehmen die Redaktion. Aber die Tageszeitungen sind doch nicht ganz verloren: Die Weblogs kommentierten bislang die Tagespresse kritisch, korrigierten ihre Fehler, führten ihre Debatten weiter. Bald könnte es umgekehrt sein: die Tageszeitungen könnten den
Weblogs einzelner Blogger ähnlich geschrieben werden, aber zusätzlich von ihren Kapital- und Geisteskräften, ihren Connections und Werbemöglichkeiten profitieren. Das ist ihre Überlebenschance."
Außerdem: ein
Interview mit dem Historiker
Götz Aly (mehr
hier) über sein zusammen mit
Christian Gerlach (mehr
hier) verfasstes, in ungarischer Übersetzung erschienenes Buch
"Das letzte Kapitel", eine historische Analyse des Mordes an den
ungarischen Juden.