
Die
New York Times Book Review zeigt Zähne, auch gegenüber dem Mutterblatt. Seelenruhig lässt man den Herausgeber der
New Republic,
Peter Beinart, das neue Buch des langjährigen
New-York-Times-Kolumnisten Paul Krugman verreißen. Es heißt "The Great Unraveling", und Krugman nennt darin die
Bush-Regierung eine "umstürzlerische Macht, die die Post-New-Deal-Ordnung durch eine
reine Plutokratie ersetzen will". Zu radikal und noch dazu keine Beweise, kommentiert Beinart lakonisch und gibt Krugman für die Zukunft einen guten Rat: "Er sollte bei dem bleiben, was er so gut kann:
einfach beweisen, Stück für Stück, dass die Bush-Administration falsch liegt."
Ein weiteres Buch eines Reporters kommt schon besser weg. In "They Marched Into Sunlight" (
erstes Kapitel) stellt
David Maraniss eine kleine, aber grausame
Schlacht in Vietnam einer zur gleichen Zeit stattfindenden
Anti-Kriegs-Demonstration in Wisconsin gegenüber. Manchmal übertreibt Maraniss ein wenig mit seiner allumfassenden Perspektive,
schreibt Philip Caputo, grundsätzlich erfülle diese Technik aber ihren Zweck: "Die Fragen, die vor vierzig Jahren so heftig und gewaltsam diskutiert wurden, hallen heute wieder, lauter denn je: Fragen zu Amerikas Rolle in der Welt, imperialer Überdehnung und den furchtbaren
Altlasten des Krieges."
Weitere Artikel: Ganz
angetan ist Sven Birkerts davon, wie
Susan Choi in ihrem Roman
"American Woman" (
erstes Kapitel) das folgenreiche Zusammentreffen einer radikalen Aktivistin mit der flüchtigen
Patty Hearst (
Kurzbio) beschreibt: Choi konzentriere sich fruchtbarerweise darauf, wie verschiedene Charaktere sich unter hohem Druck verhalten. Polly Shulman ist dagegen ein wenig
genervt von "Quicksilver"
(
erstes Kapitel), dem ersten Teil einer geplanten Trilogie des Cyperpunk-Vorreiters
Neal Stephenson (
Bücher). Shulmans Fazit: "Entweder ist es das erste Drittel eines sorgsam konstruierten Meta-Romans, oder einfach ein chaotischer Brocken eines noch
größeren Chaos." (Fragen sollte man dem Mann, der sich als
"Umberto Eco without the charm" beschreibt, allerdings besser nicht stellen; warum, erklärt er
hier.)
Das
New York Times Magazine ist diesmal ganz
New York gewidmet. Der Schriftsteller
Gary Shteyngart (mehr
hier)
erinnert sich, wie er 1980 erstmals in die Stadt kam, und beschreibt ihre Veränderungen während der neunziger Jahre, als Giuliani und die "dot-commers" den "800 Pfund schweren
Gorilla unter den Städten" in einen "knuddligen
Schimpansen" zu verwandeln drohten. Heute geht es New York wieder schlechter. Aber das, meint Shteyngart, hat seine Vorteile: "Urbanismus ist nicht immer hübsch. Aber die zerbrochenen Portikos und rissigen Straßenpflaster, die Müllberge und
gutgenährten Ratten, die ständige Erinnerung ... an die Stadt, die uns erschreckt und gemacht hat - das ist der Stoff, aus dem die
wahren New-York-Geschichten sind. Sind warten dort draußen, in Überfülle. Nehmen Sie einen Zug, spazieren Sie zum Lebensmittelhändler, sehen Sie sich um. Sie finden eine fertige Geschichte - eine wirkliche, mit einem Anfang, einer Mitte und einem Ende. Die Stadt gehört wieder Ihnen."