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173 Selbstmorde gab es 2017 in den USA. Dazu kamen 1,4 Millionen Selbstmordversuche. Und sie werden
zu 70 Prozent von
weißen Männern begangen. Die höchste Rate weist der Bundesstaat Montana auf, gefolgt von Alaska, Wyoming, New Mexiko, Idaho und Utah,
schreibt Stephen Rodrick, der sich auf eine Reise durch die USA begeben hat, um die Gründe dafür zu finden. Sie sind vielfältig, aber ein bestimmtes Männlichkeitsbild trägt einiges dazu bei: Man gibt gern den harten Kerl, liebt Waffen und redet wenig, schon gar nicht über psychische Probleme. "Der Höhepunkt im Western war schon immer die große Schießerei. Nun, die wird in einem
tödlichen Monolog ausgetragen. Aktivisten in waffenfreundlichen Staaten tänzeln auf Zehenspitzen um die Forderung nach einem Verbot von Schusswaffen herum und treten statt dessen dafür ein, sie mit Schlössern zu blockieren, um sie von Verzweifelten und Wütenden fernzuhalten. Ihre Bemühungen sind edel, aber sinnlos. In Utah sind
85 Prozent der durch Feuerwaffen verursachten Todesfälle
Selbstmorde. Eines der schockierenden Dinge, die Dr. Craig Bryan bei seinen Studien über ländliche Selbstmorde erfuhr, war, dass viele dieser Todesfälle Selbstmorde
aus Leidenschaft waren - impulsive, unwiderrufliche Handlungen. 'Ein Drittel der Selbstmorde mit Schusswaffen in Utah geschahen während eines Streits', sagt Bryan. 'Zwei Leute sind dabei. Nicht unbedingt körperlich gewalttätig, aber sie schreien sich an. Und jemand, fast immer ein Mann, sagt im Grunde genommen nur: Mir reicht's, schnappt sich eine Waffe und erschießt sich.' Kein Bevölkerungssegment ist von diesen schrecklichen Zahlen stärker betroffen als Männer mittleren Alters im ländlichen Amerika. Sie besitzen nicht nur Waffen, ihnen fehlt auch ärztliche Hilfe - nach einer Schätzung gibt es etwa
80 Psychiater, die in Wyoming zugelassen sind [laut Wikipedia ein Staat mit 579.315 Einwohnern und einer Fläche von 253.336 Quadratkilometern, d.Red.] -, und sie haben ein Leben gewählt, das
Unabhängigkeit über alles andere stellt."