Heute beginnt in Paris der Prozess zu den
Attentaten vom 13. November 2015 mit 130 Toten - dazu gehörte das stundenlang andauernde Massaker im
Bataclan. Es wird der längste Prozess in der französischen Geschichte sein, er ist auf
neun Monate angesetzt.
Charlie Hebdo wird permanent davon berichten, mit Autoren, die Kolumnen schreiben und Zeichnern, die aus der französischen Tradition der Comics kommen. Die Redaktion schreibt
im Editorial: "Es ist auch ein Sprung ins Ungewisse, denn niemand weiß, was ein solches Verfahren in seiner notorischen 'Mündlichkeit' über diese grausamen Tatsachen aussagen wird. Ein Terrorismusprozesses ist wie das Öffnen einer
großen,
dunklen und beunruhigenden Truhe, in der Monster lauern, die vor dem Licht der Wahrheit fliehen, einem aber immer noch an die Gurgel springen können."
Frankreich hat sich seit den Anschlägen verändert,
schreibt Rudolf Balmer in der
taz, auch wegen der neuen Überwachungsmaßnahmen und Einschränkungen bürgerlicher Freiheiten: "Laut Innenministerium wurden so angeblich Dutzende von terroristischen Aktionen vereitelt. In der Bevölkerung gewöhnte man sich an die
Patrouillen bewaffneter Soldaten in den Stadtzentren oder Kontrollen der Handtaschen am Eingang von Warenhäusern. Trotzdem folgten weitere Anschläge: am 14. Juli 2016
in Nizza, wo ein Selbstmordattentäter am Nationalfeiertag auf der Promenade des Anglais mit einem Lastwagen in die Menge raste und dabei 86 Menschen tötete und Hunderte verletzte, oder vor weniger als einem Jahr die Enthauptung des Lehrers
Samuel Paty."
Der Prozess wird im
historischen Justizpalast auf der Ile de la Cité stattfinden, es wurde eigens ein großer Saal in hellem Holz in das Gebäude eingebaut, erläutert Michaela Wiegel in der
FAZ: "In den ersten fünf Wochen sollen
vor allem Überlebende, Augenzeugen und Angehörige der 131 Todesopfer zu Wort kommen. 300 von ihnen sind vorgeladen. Je eine halbe Stunde wird jedem eingeräumt. Erst im Anschluss an diese Rückblende sollen die insgesamt 20 Angeklagten, darunter das einzige überlebende Mitglied der Todeskommandos, Salah Abdeslam, befragt werden."
Die deutschen Zeitungen staunen. Gestern hat die Kanzlerin im Bundestag ihre präsidiale Attitüde für einen Moment aufgegeben und
Wahlkampf für Armin Laschet gemacht. "Oma erzählt vom Kommunismus", titelt die
taz und macht Warnungen vor eventuell mitregierenden Linken lächerlich. Matthew Karnitschnig
hält die Perspektive einer
rot-grün-roten Regierung bei
politico.eu nicht für unplausibel. "Die
Pro-Russland-Haltung der Linken und ihr Wunsch, sich mit
China zu einzulassen, unterscheiden sich nicht so sehr von den Positionen der SPD, auch wenn sie mit denen der Grünen kollidieren. Das größte Hindernis für eine Linkskoalition in Deutschland ist jedoch weder eine politische Frage noch die kommunistische Vergangenheit der Linken, sondern vielmehr das Potenzial des Bündnisses, die deutsche
Gesellschaft zu spalten... eine Linkskoalition könnte jene
extreme politische Polarisierung auslösen, die Länder wie die USA und Großbritannien in den letzten Jahren erlebt haben."
Die
rechtsextreme Partei "Der III. Weg" hat in in Sachsen und Bayern Wahlplakate aufgehängt mit der Forderung:
Hängt die Grünen,
berichtet Julius Geiler im
Tagesspiegel. Während die Plakate in Bayern wegen
Störung des öffentlichen Friedens durch die Androhung von Straftaten (§ 126 StGB) von der Polizei
wieder abgehängt wurden, redet man sich in Sachsen raus: "Eine Sprecherin der Zwickauer Staatsanwaltschaft sagte dem
Tagesspiegel, dass die Motive im Freistaat zunächst weiter hängen bleiben dürfen. Die Behörde habe
keine strafrechtliche Relevanz des Slogans feststellen können, da man nicht wisse, 'wer konkret angesprochen wird'. Es könnte sich sowohl um Politiker als auch um Wähler der Partei handeln, sagte die Sprecherin. Außerdem sei
keine konkrete Bedrohungslage ausgemacht worden, argumentiert die Staatsanwaltschaft. Allerdings sei es denkbar, dass die Stadt Zwickau in den nächsten Tagen eine Verbotsverfügung für das Plakatmotiv erlässt, teilte die Behördensprecherin weiter mit."