Die USA, Australien und UK haben ein neues Bündnis geschlossen,
Aukus, das
China im pazifischen Raum auch militärisch Paroli bieten soll. Dazu gehört, dass Australien sich mit
Atom-
U-
Booten ausstattet. Die Folge ist, dass nicht nur China vor Wut schäumt, sondern auch
Frankreich. Denn die Australier haben einen vor fünf Jahren geschlossenen Riesenvertrag mit Frankreich über den Bau einer neuen U-Bootflotte für
56 Milliarden Euro aufgekündigt. Joe Biden hielt es nicht für nötig, Frankreich vorab darüber zu informieren. Diplomatisch gesehen eine
ziemlich Ohrfeige für Frankreich und die EU,
meint Patrick Wintour im
Guardian: "Es gab
keine Vorwarnungen. Frankreich erfuhr nur durch Gerüchte in den australischen Medien, dass sein Vertrag in einer Videoschaltung zwischen dem Weißen Haus, Canberra und London live im Fernsehen zerrissen werden sollte. Außerdem wurde der Schritt nicht nur als Umstellung von den dieselbetriebenen U-Booten, die Frankreich gerade baute, auf atombetriebene Schiffe mit größerer Reichweite dargestellt, sondern auch als Teil eines
neuen dreiseitigen Sicherheitspakts für die Region, der neue Technologien entwickeln sollte. Vielleicht hatte jemand beschlossen, dass man den
Franzosen nicht trauen konnte, diesem Bündnis beizutreten. ... Um die Sache noch schlimmer zu machen, gab Biden die Ankündigung einen Tag vor der Veröffentlichung der von der EU seit langem geplanten Indo-Pazifik-Politik bekannt. Die
EU erklärte, sie sei im Vorfeld
nicht konsultiert worden, obwohl Beamte des Pentagons etwas anderes behaupteten." (Einen interessanten
Bericht von Finbarr Bermingham über die EU-Pressekonferenz findet man in der
South China Morning Post.)
Auch Rym Momtaz
staunt in
politico über die Kaltschnäuzigkeit, mit der Frankreich abserviert wurde. Für
Emmanuel Macron ist die Ankündigung sieben Monate vor den Präsidentschaftswahlen ein schwerer Schlag: "Der Verlust des Auftrags wirft große Fragen über die finanzielle Situation des französischen Schiffbauers Naval Group und
mögliche Entlassungen auf. Und es gibt denjenigen in der Opposition Nahrung, die noch
engere Beziehungen zu Russland und eine größere Distanz zum transatlantischen Bündnis wünschen. Mehrere französische Beamte mit direkter Kenntnis der Situation, die aufgrund der Sensibilität des Themas anonym bleiben wollten, sagten, dass Australien Frankreich nur wenige Stunden vor der gemeinsamen Pressekonferenz von Biden, dem australischen Premierminister Scott Morrison und dem britischen Premierminister Boris Johnson zur Bekanntgabe der neuen trilateralen Partnerschaft über die Beendigung des Vertrags über den Kauf von 12 konventionellen U-Booten informiert habe. Die USA haben keinen Versuch unternommen, im Vorfeld substanzielle Konsultationen durchzuführen, damit
Macron sein Gesicht wahren konnte."
Auch
China ist empört über Aukus und spricht von einem neuen Kalten Krieg. Aber den hat es längst selbst eingeleitet,
meint Fabian Kretschmer, der in der
taz daran erinnert, dass Chinas Militärausgaben jährlich
um sieben Prozent steigen: "Mit seinen wirtschaftlichen Vergeltungsmaßnahmen gegen etliche Staaten, die Pekings 'rote Linien' übertreten, einer
zunehmend aggressiven Außenpolitik und immer bissigerer Rhetorik seiner Diplomaten macht sich China international keine Freunde. ... Peking wird sich in seiner Ansicht bestärkt sehen, dass für die nationale Sicherheit eine militärische Aufrüstung essenziell sei. Xi Jinping vertritt ohnehin die Auffassung, dass der Westen nur die Sprache der Mächtigen versteht."
Der
ÖVP ging es 2017 ähnlich wie der
Union jetzt, abgeschlagen wurde
Sebastian Kurz aus dem Hut gezaubert, die christlich-soziale Identität geopfert und mit
Rechtsextremen koaliert, erinnert die österreichische Autorin Hanna Herbst in der
SZ und warnt vor
österreichischen Verhältnissen: "Nun hat Armin Laschet mehr was von einem Bier ohne Kohlensäure als von einem Sebastian Kurz und wäre zwar gerne der konservative Stern, ist aber höchstens ein
überholter Satellit mit Technologie aus dem Jahr 1961, aber er und die Union zeigen dieser Tage sehr anschaulich, wozu sie bereit sind, um an der Macht zu bleiben. Die Partei hat kein Problem damit, für ein paar Stimmen vom rechten Rand Kandidaten wie
Hans-
Georg Maaßen mitzutragen, der sich in der Vergangenheit antisemitisch geäußert hat, die Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks 'Propaganda' nennt und Prüfungen der charakterlichen Eigenschaften für 'Tagesschau'-Redakteure fordert. Der im Wahlkampf
Schützenhilfe von Neonazis bekommt - und der Union."
Erst mit dem Beitritt zur Europäischen Union hat
Litauen seine "nationale
Opferidentität" abgelegt, viele Litauer haben zwar das Land verlassen, viele Nachfahren von litauischen Auswanderern kehrten aber auch zurück,
schreibt Karl-Markus Gauß in der
SZ. Nun drängen an die
5000 Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak über die Grenze zu
Belarus, so Gauß weiter und die Litauer protestieren: "5000 Menschen sind nicht viel, selbst für ein kleines Land, und doch sind
Unruhe,
Unsicherheit, Unmut groß. In der Hauptstadt wird demonstriert, im Grenzland mit seinen überwiegend kleinen Städten und Dörfern legen sich die Bewohner auf die Straße, um Lastkraftwagen, die Material für provisorische Flüchtlingslager herbeischaffen, an der Zufahrt zu hindern. Da und dort rotten sich aufgebrachte Menschen zusammen, die bisher noch nie Menschen aus anderen Kontinenten gesehen hatten, und verlangen, dass das auch so bleiben möge."