Es besteht eine
moralische Verpflichtung der Demokratien, die belarussische Opposition zu unterstützten,
schreibt die Politikerin
Swetlana Tichanowskaja in der
New York Times. Und im übrigen sollten die demokratischen Länder auch aus wohlverstandenem Eigeninteresse agieren: "Das Regime ist zu einem
Sicherheitsproblem für ganz Europa geworden. Im Mai erzwang das Regime in einem Akt mutwilliger Aggression die Landung eines europäischen Flugzeugs, um einen Journalisten gefangen zu nehmen. Erst diesen Monat wurde ein belarussischer Aktivist in Kiew erhängt aufgefunden. Solange wir den Banditen, der mitten in Europa sein Unwesen treibt, nicht in Schach halten, ist kein europäischer Bürger sicher."
In der
SZ denkt der irische Schriftsteller
Colm Toibin über die Vor- und Nachteile einer Demokratie nach. Der Vorteil: Menschen dürfen wählen. Der Nachteil: Sie wählen oft nur, was
bequem für sie ist, so Toibin mit Blick auf die Siebziger, als Labour in Irland kein Bein auf den Boden bekam: "Die Wahlversprechen der Labour Party schienen die Menschen zu verschrecken. Die Partei schien
zu modern zu sein, zu sehr bereit, sich auf Veränderungen einzulassen und mehr zu versprechen. Demokratie gibt den Menschen, die sich fürchten, die Möglichkeit,
Veränderungen vorerst zu stoppen, in dem Wissen, dass sie irgendwann in der Zukunft eine andere Meinung haben könnten. Oft fühlen sich die Menschen wohler, wenn sie so wählen, wie sie es bisher getan haben. Demokratie ist ein großer Stabilisator."
Formiert sich in Frankreich eine
säkulare Linke neu? Jérôme Cordelier
interviewt in
Le Point den Politiker
Amine El Khatmi, als wäre er praktisch schon Präsidentschaftkandidat. El Khatmi kommt aus der sozialistischen Partei und ist Mitbegründer des "Printemps républicain", der sich ebenso gegen Islamismus wie gegen Rechtsextremismus wendet und im Gespräch offen lässt, welche Rolle er im
Präsidentschaftswahlkampf spielen will: "Ich verteidige die Ordnung, die Autorität des Staates und die Sicherheit, und dabei stehe ich
stets links. Ich bin in Arbeitervierteln aufgewachsen und weiß, dass die Unsicherheit
die Schwächsten am meisten trifft. 'Die Gangster haben uns das Leben zur Hölle gemacht', sagte mir Samira, eine Mutter in Nîmes. Ist es rechtsextrem, Menschen schützen zu wollen, die Opfer von
illegalen Autorennen sind, die mit Schlägereien zwischen Banden wie in der Ile-de-France konfrontiert sind oder die sich 'Kontrollpunkten' von Schlägern unterwerfen müssen, um in ihre Wohnungen zu kommen, wie in manchen Vierteln von Marseille?" Im
Freitag schildert Romy Straßenburg die Stimmung in Frankreich vor der beginnenden Rentrée und angesichts der Proteste
gegen den Impfpass.