"Wir brauchen
keinen Gott, um zu wissen, was Gut und Böse ist",
schreibt der Journalismus und Religionsexperte Hugo Stamm bei
watson.ch und begründet seine These naturwissenschaftlich: "Psychologen und Neurologen sind sich weitgehend einig, dass ethische und moralische Werte nicht primär durch Erziehung vermittelt werden, sondern
genetisch verankert sind. Jeder Mensch wird mit einem Sinn geboren, der zwischen Gut und Böse unterscheiden kann. Man kann auch von
einem Moralinstinkt sprechen."
Bernd Scherer, Leiter des Hauses der Kulturen der Welt, legt auf der Seite 1 des
FAZ-Feuilletons einen ambitionierten Essay zum Begriff des "
Anthropozäns" vor, in dem der Mensch zum Akteur in der Geohistorie wird und sich die Begriffe von Natur und Kultur neu konstellieren. Am Ende läuft's auf das Haus der Kulturen hinaus: "Da es darum gehen muss, die Welt neu zu sehen, spielen künstlerisch-ästhetische Verfahren eine herausgehobene Rolle. Neben der sinnlichen Unterscheidbarkeit der neuen Phänomene spielt ihre ethische Einordnung eine bedeutende Rolle, die in sozialen und politischen Praxen eingeübt werden muss... Ein
neuer Typ von Kulturinstitutionen könnte diese Probebühne für das 21. Jahrhundert sein."
Jan Küveler ist für die
Welt nach Aarhus gefahren, um den dort lehrenden Professor für Islamwissenschaften
Mark Sedgwick zu treffen, dessen Buch
"Gegen die moderne Welt", eine "geheime
Geistesgeschichte"
rechter Ideologien im 20. Jahrhundert, im Herbst erschienen ist. Von ihm lernt er, dass der rechte Traditionalismus von einem gewissen
René Guénon (1886-1951) begründet wurde, einem privatgelehrten Metaphysiker, "der vom Christentum über die Freimaurerei und den Okkultismus den
Weg zum Sufismus gefunden hatte. ... Guénon brauchte die Moderne, um sich in ihr Spiegelbild zu verlieben. 'Das ist wohl der Grund', sagt Sedgwick, 'warum der Traditionalismus überall eine Rolle spielt, nur im Mittleren Osten nicht.' Dort, wo man der Tradition ohnehin verhaftet ist, braucht man keine zu konstruieren. So ist die Konjunktur, die die
Erben Guénons zurzeit erleben, von
Bannon über die Identitären hin zu Dugin, zweifellos Symptom einer Krise der modernen Welt. Aber eben nicht zwangsläufig im traditionalistischen Sinn verstanden als ihr Scheitern. Liberale Beobachter erkennen darin nur Verunsicherung, einen Zweifel an den eigenen Fähigkeiten, einen Moment der Reflexion und Selbstbefragung mit unklarem Ausgang."
Außerdem: In der
NZZ erzählt Hans Maier, wie stark
Philosophen in Frankreich in die Politik hinein wirken. Und Kumiko Ahr-Okutomo
überlegt, ebenfalls in der
NZZ, ob nicht demnächst eine
Frau den japanischen Kaiserthron besteigen könnte.