9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Internet

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.11.2014 - Internet

Laut Ermittlungen des NDR nutzt der IS für seine Kommunikation den von deutschen Neonazis betriebenen Internetdienst "0x300", berichten Robert Bongen und Julian Feldmann auf der Webseite der Sendung Panorama: "Zahlreiche Kameradschaften und Neonazi-Gruppen sind über E-Mail-Adressen des Anbieters erreichbar... Rechtsextremisten empfehlen "0x300" als besonders sicheren und für deutsche Behörden nicht zugänglichen "Postfachanbieter". Die IP-Adresse werde nicht gespeichert, der Server stehe in den USA."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.11.2014 - Internet

Firefox löst sich von der engen Kooperation mit Google und arbeitet künftig mit Yahoo zusammen - zumindest in den USA wird Yahoo als Standardsuche eingestellt sein, berichtet Ole Reißmann bei Spiegel online: "Der erste Schritt: Im Dezember sollen Nutzer in den USA die neue Suche präsentiert bekommen. Die Yahoo-Suche basiert auf Microsoft Bing. Außerdem will Yahoo respektieren, wenn Nutzer nicht zu Werbezwecken ausgeforscht werden wollen."

Außerdem bei Spiegel Online: Ole Reißmann erklärt, wie man herausfindet, was Google über einen weiß.
Stichwörter: Browser, Firefox, Google, Yahoo, Microsoft

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.11.2014 - Internet

Google Glass droht zum Ladenhüter zu werden, berichtet Kurt Sagatz im Tagesspiegel: Gerade wurde ein Expemplar bei Ebay für 341 Euro verramscht. Im Sommer lag der Preis noch bei 3000 Euro.

In der digitalen Welt zählen Institutionen wenig, bemerkt Alexandra Borchardt in der SZ, die Rolle des Einzelnen sei zwar gestärkt, aber nur wenn er schnell und clever agiert: "Der Marsch durch die Institutionen war gestern, heute reicht der Sprint durch die sozialen Netzwerke. Politiker spüren das, Manager, Ärzte oder Behörden, deren Erkenntnisse und Leistungen ständig im Netz infrage gestellt werden: Formale Autorität zählt weniger als je zuvor."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.11.2014 - Internet

Amazon und Hachette haben sich nach monatelangem erbittertem Streit geeinigt, melden die Agenturen (hier bei Spiegel Online und hier die neueste Zusammenfassung bei buchreport.de). Hachette kann seine Preise nun selbst festlegen, bekommt von Amazon aber bessere Konditionen bei der Festlegung niedrigerer Preise (an denen Amazon gelegen war). Hachette-Titel werden wieder normal ausgeliefert, nachdem Amazon den Verlag mit Verzögerung bedient hatte. "Die neue Vereinbarung betrifft sowohl Print- als auch Ebooks", erläutert Laura Hazard Owen in GigaOm. Wer den Streit nochmal episch nachlesen will, dem sei Keith Gessens Geschichte in Vanity Fair empfohlen (unser Resümee).

Gar nicht zufrieden mit dem Deal ist Hillary Kelly in der New Republic: "Gewiss, es hätte Hachette kurzfristig geschadet, die Schlacht weiterzuführen, aber sie hätten nicht aufgeben sollen. Es steht viel mehr auf dem Spiel als der Preis von Ebooks." Das sehr Amazon-kritische Verlagsblog Mobylives zitiert Douglas Preston von der Initiative Authors United, die für die Hachette-Position kämpfte: "I"m relieved that Amazon and Hachette reached an agreement. If anyone thinks this is over, they are deluding themselves. Amazon covets market share the way Napoleon coveted territory."

Patrick Bahners berichtet unterdessen in der FAZ über Revirements bei Amazon Publishing, die die verlegerische Ambition des Hauses in Frage stellen.

Google kann auch in einst eher Google-freundlichen Blogs wie Netzwertig nicht mehr auf Sympathie rechnen. Martin Weigert erklärt hier, warum er nach langer Nutzung von Chrome zu Firefox zurückkehrt: "Man muss nicht Julian Assanges Erkenntnisse über die enge Zusammenarbeit von Google und der US-Regierung gelesen oder sich sich den Bericht der Nonprofit-Organisation Public Citizen über Googles unermessliche Datensammelei und parallele politische Einflussnahme (PDF) zu Gemüte geführt haben, um zu verstehen, dass die Schaffung eines allwissenden, allmächtigen Weltkonzerns auf Dauer nicht im Interesse der Allgemeinheit sein kann."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.11.2014 - Internet

"Gestern hat Amazon eine Auktion gewonnen und besitzt jetzt die neue Domain .book", schreibt Alex Shephard im Amazon-kritischen Blog Mobylive. "Amazon hat etwa 10 Millionen Dollar für den Domain-Namen ausgegeben. Das ist eine Menge Geld für einen Domain-Namen und wahrscheinlich eine totale Geldverschwendung, aber die realen Kosten waren noch viel höher: Wir können unsere Bücher nicht länger "books" nennen, weil Amazon 10 Millionen Dollar bezahlt hat, um uns diesen Namen wegzunehmen."

Sascha Lobo wirft in seiner Spiegel-Online-Kolumne einen Blick auf die Zukunft des Internets. Aus Erfahrung rät er, Stichwörter wie "Big Data" oder "Augmented Reality" mit Vorsicht anzufassen: "Aus einem häufig wiederholten Buzzword wird erst ein Beratungsbudget, dann ein Agenturauftrag, dann eine Ausgabe der Mitarbeiterzeitung und schließlich eine Abteilung im Konzern, um deren Supervision sich IT und Kommunikation streiten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.11.2014 - Internet

Wenn Barack Obama "Offenheit, Fairness und Freiheit" für das Internet fordert, also Netzneutralität, dann tut er das nicht, um demokratische Werte zu verteidigen, meint Andrian Kreye in der SZ, sondern um die alten Telekom-Konzerne in ihre Schranken zu weisen - zum Vorteil von Amazon, Google und Netflix: "Er zieht ja keineswegs gegen die NSA zu Felde, auch nicht gegen die Giganten aus dem Silicon Valley oder wer derzeit eben sonst noch gerade Schindluder mit der Freiheit im Netz treibt. Er will einen Wirtschaftszweig schützen, der Amerika aus dem verrotteten Industriezeitalter und dem Elend der Service Economy holen soll."

Spiegel-Online-Autor Ole Reißmann stellt sich in seinem Blog die komplizierte Frage, ob ein Tweet urheberrechtlich geschützt sei und kommt anhand eines Tweets des Bloggers Sebastian Baumer, das von Visual Statements und dem Zeitmagazin als Bild und ohne Link veröffentlicht wurde, zum Ergebnis, dass Einbetten ok ist, aber nicht eine Weiterverwendung ohne Link: "Ob nun geschützt oder nicht: Baumer ärgert sich, dass sein Tweet vom Zeit Magazin nicht eingebunden oder verlinkt wurde. Genau das ermöglichen soziale Medien ja schließlich: das Einbetten des Originals, ob auf einer Webseite oder auf der Plattform selbst. Das bloße Kopieren "diene lediglich den Zwecke, die eigene Facebook-Seite zu promoten" und "ein Verlag müsse es besser wissen", sagt Baumer."

Ähnlich sieht es David Pachali bei irights.info: "Das Beispiel ist auch ein weiteres dafür, wie ungeschriebene Normen im Schatten des Urheberrechts entstanden sind, das den neuen Nutzungsweisen ziemlich hoffungslos hinterherhinkt. Ähnliche Regeln scheint es etwa bei Blogs zu geben, wo das Verwenden eines einzelnen Fotos einer fremden Fotoreihe häufig als okay angesehen wird, wenn man zur ganzen Reihe verlinkt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.11.2014 - Internet

Im Juli dieses Jahres verlor die 73-jährige Schauspielerin Jacqueline Laurent-Auger ihren Job als Lehrerin einer Drama-Klasse in Kanada. Der Grund: Sie hatte in den 60er und 70er Jahren in einigen französischen Erotikfilmen mitgespielt, um über die Runden zu kommen. Diese Filme waren plötzlich über Google im Netz zu finden, was Laurent-Auger in den Augen des Schuldirektors ungeeignet zum Unterrichten machte. Ist diese Geschichte ein Beweis dafür, dass wir ein "Recht, vergessen zu werden" gegenüber Suchmaschinen brauchen? Oder ist das Problem doch eher unsere eigene Bigotterie? Für Dawinder Sidhu (The New Republic) ist die Sache klar: "Das wahre Problem liegt doch darin, dass wir ein "Recht, vergessen zu werden" überhaupt brauchen. Indem wir heute Menschen wegen vergangener Fehltritte oder Indiskretionen verurteilen, enthüllen wir als Land und als Kultur unsere eigenen Laster. Wir können noch so sehr um die Wirksamkeit und Umsicht bei der Entfernung bereits veröffentlichter elektronischer Informationen ringen. Die wahre Gefahr liegt nicht darin, dass die Informationen irgendwo da draußen sind. Wie der Richter Alex Kozinski einmal in einem Essay über Technologie und Privatheit schrieb: "Die Gefahr kommt aus ganz anderen Quellen ... In den unsterblichen Worten der Comicfigur Pogo: Wir haben den Feind gesehen und er ist wir.""

In einem Youtube-Video und auf der Regierungsseite whitehouse.gov bekennt sich Barack Obama zum Prinzip der Netzneutralität. Markus Beckedahl feiert den Schritt auf netzpolitik.org als "möglichen Gamechanger". Obama ziele darauf ab, die Internetprovider vom Status der "Informationsdienstleister" zu "Telekommunikationsdienstleistern" umzuklassifizieren: "Bei der Reklassifizierung geht es darum, die Provider als Erbringer von gesamtgesellschaftlich bedeutsamen Leistungen einzuordnen. Damit unterliegen sie einer viel schärferen Aufsicht und brauchen eine Genehmigung für ihre Tätigkeit. Diese Genehmigung kann an Netzneutralitätsregeln gebunden werden."

Weiteres: Im Blog Mobylives berichtet Sal Robinson, dass der Staat Kalifornien als erster amerikanischer Bundesstaat ein Gesetz für Open Access erlassen wird.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.11.2014 - Internet

In der Welt erklärt Torsten Krauel, warum die Amerikaner keine Angst haben vor Amazons neuer HiFi-Anlage, deren Mikrofone "Gesprochenes selbst dann verstehen, wenn laute Musik läuft. Die Anlage kann auf Zuruf auch Einkaufslisten erstellen oder Stichworte im Internet nachschlagen. Man spricht die Lautsprecher mit dem Codewort "Alexa" an, und schon sind sie ganz Ohr."

Carolin Emcke sinniert in der SZ über das Internet: "Letztlich erspart die digitale Suchmaschine den Prozess des Suchens. Jeder noch so entlegene Begriff, jedes noch so spezifische Phänomen findet in einem einzigen Vorgang eine präzise Antwort. Das ist grandios. Und in gewisser Hinsicht natürlich auch der Sinn der Sache. Was darüber allerdings verloren zu gehen droht, ist jenes Suchen, das sich vom Allgemeinen zum Besonderen bewegt (und wieder zurück). Jenes Lesen, das eine Frage umkreist wie ein Hund seinen Platz, bevor er sich hinlegt, das also Umwege geht, sich womöglich auch verläuft." Nee, das nennt man im Netz nur Surfen!

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.11.2014 - Internet

Der "linguistische Forensiker" Raimund H. Drommel tendiert im Gespräch mit Stefan Gmünder im Standard wegen angeblicher sprachlicher Verrohung zu einem Verbot von Anonymität im Netz, verkennt aber nicht den "trefflich kontrovers zu diskutierenden Umgang mit dieser Frage. Das sogenannte Vermummungsverbot bei öffentlichen Veranstaltungen gilt nicht für die (ebenfalls öffentliche) Onlinekommunikation, etwa für Forenbeiträge. Bei der Diskussion von Für und Wider einer Verbotsregelung spielt als Gegenthese das Recht auf freie Meinungsäußerung eine zentrale Rolle."

Der amerikanische Literaturagent Andrew Wylie rief beim Internationalen Autorenfestival in Toronto zum Widerstand gegen Amazon auf und verglich das Vormachtstreben des Konzerns mit dem Vormarsch des IS, berichtet Susanne Mayer in der Zeit: "Wylie forderte die Branche auf, sich den Kreuzzügen von Amazon ohne Blinzeln entgegenzuwerfen. Wegducken war gestern. Statt 30 Prozent für Autoren im digitalen Publishing zu verteidigen, wie es die Hachette-Gruppe geschafft hat, müssten bis zu 50 Prozent herausspringen. Dann könnten Autoren von ihrer Arbeit leben. O-Ton: "Wir kommen an den Punkt, wo das Jammern aufhört und das Handeln beginnen muss!""

9punkt - Die Debattenrundschau vom 05.11.2014 - Internet

Swantje Karich erzählt im Aufmacher des FAZ-Feuilletons, wie die Macher des islamkritischen Youtube-Kanals Al Hayat wegen angeblichen Copyright-Verstoßes in Gefahr gerieten, weil ihre persönlichen Daten an Islamisten weitergereicht wurden. Gegen den Kanal legte einer der Islamisten, die ihn mit Wut und Hass verfolgten, bei Youtube Beschwerde ein wegen angeblichen Copyright-Verstoßes. Google fordert die Macher eines Kanals in einem solchen Fall zu einer Gegendarstellung auf und gibt die Daten der Macher an die Kläger weiter. Karich zitiert aus den Google-AGB: "Nach Erhalt deiner Gegendarstellung leiten wir sie an den Nutzer weiter, der den ursprünglichen Urheberrechtsanspruch eingereicht hat. Beachte bitte, dass bei der Weiterleitung der Meldung auch deine personenbezogenen Daten gesendet werden. Durch das Einreichen einer Gegendarstellung stimmst du zu, dass deine Daten auf diese Art offengelegt werden."

Im Standard sieht der Musiker und frühere Kulturminister Gilberto Gil die Polarisierung der brasilianischen Gesellschaft stärker werden: "Für mich hängt das mit dem Phänomen Internet und den sozialen Netzen zusammen, mit der stärkeren Rolle des Individuums, die eine andere Art des gesellschaftlichen Handelns erzeugt. Die Einzelnen werden zu Journalisten und Analysten, vertreten Meinungen und verbreiten sie. Gleichzeitig garantiert das Internet sowohl die Exponiertheit der Einzelnen wie ihre Anonymität. Es ist paradox, aber wahr. Die Leute stellen sich zur Schau und verstecken sich zugleich hinter einer elektronischen Identität."