"Mir geht es nicht gut. Ich bin
sehr wütend. Auf mich und auf alle",
schreibt die afghanische Autorin
Fatema Key in einem Brief an die Berliner Schriftstellerin Svenja Leiber (nachzulesen in der
FR). "Ob ich denn nicht
bald heiraten möchte, wurde ich vor ein paar Tagen in einer Runde von meinen Freundinnen gefragt. Ich hätte weinen können. Vor dem Fall der Regierung habe ich keinen einzigen Gedanken ans Heiraten verschwendet.
Mein Studium hatte für mich bisher immer oberste Priorität. Aber jetzt, da alles so unerreichbar für mich geworden ist, ist eine Heirat vielleicht
die einzige Option, die ich noch habe. In den Jahren, in denen man mir meine Ausbildung verweigerte, träumte ich fast jede Nacht, ich sei in der Schule. Jetzt bin ich mir sicher: Wenn man mich dazu zwingt, zu heiraten und eine Familie zu gründen, werde ich
jede Nacht davon träumen, mein Studium in einem anderen Land fortzusetzen oder dort an einer anerkannten Institution zu arbeiten."
Die
Taliban streben zwar anders als bei ihrer letzten Herrschaft internationale Anerkennung an, doch der Islamwissenschaftler
Idris Nassery hält dieses Ansinnen in der
FAZ vorerst für nicht besonders realistisch: "Obwohl die Taliban sich rühmen,
keine Anschläge auszuüben, gibt es wöchentlich Attentate und Terrorangriffe durch
IS-Khorasan und andere Gruppen. Von einer
Kontrolle des Staatsgebietes kann daher keine Rede sein. Auch wird inzwischen beobachtet, dass sich alte und neue Widerstandsgruppen organisieren und die von den Taliban behauptete Kontrolle infrage stellen. Und natürlich sind die Taliban, die Wahlen ablehnen und die afghanische Verfassung 2004 für 'unislamisch' erklärten, keineswegs im Einklang mit der zuvor geltenden Rechtsordnung zur Macht gelangt."
In der
NZZ erzählt die gerade in Israel lebende Schriftstellerin
Mirna Funk, wie es ist, mit seinen Kindern unter dem
Raketenbeschuss aus Gaza zu leben: "Alltag in Israel. Da macht dir der Islamische Jihad eben die Wochenendplanung kaputt. Dann Essen. Kein Wort zum Konflikt. Wozu auch? Alles schon hundertmal erlebt. Alles schon hundertmal durchgekaut. Eine Existenz im Grenzbereich zwischen Leben und Tod. Und das in Dauerschleife. Da wird man
mürbe und auch ein bisschen resilient."
Vor 75 Jahren wurde das britische Indien in
Indien und Pakistan aufgeteilt. Das gab Hunderttausende Tote, und die beiden Nationen leben seitdem in
herzlicher Intimfeindschaft. Der indische Autor
Pankaj Mishra und sein pakistanischer Kollege
Ali Sethi sehen im
Guardian Hoffnung im
gemeinsamen kulturelllen Erbe, das trotz der strikten Abschottung der Länder lebendig bleibe: "Kein anderer Langzeitkonflikt, sei es zwischen Nord- und Südkorea oder Israel und Palästina, bietet solche Beispiele für tiefgreifende Affinitäten über streng kontrollierte Grenzen hinweg. Nirgendwo sonst auf der Welt unterlaufen emotionale und philosophische Fähigkeiten, die über Jahrhunderte hinweg gediehen sind, weiterhin so sehr das moderne politische Ultimatum, sich einer
brutal monolithischen Identität anzupassen."
Ist ein Krieg zwischen den
USA und China überhaupt noch zu verhindern, fragt Mark Siemons in der
FAS. Er verweist auf das Buch "The Avoidable War" des ehemaligen australischen Premierministers
Kevin Rudd. Es sei "eine einzige Warnung davor, dass die Welt sich in einen apokalyptischen Krieg hineinredet, indem sie sich wie vor dem Ersten Weltkrieg weismacht, mit
einer begrenzten Konfrontation lasse sich irgendeine Spannung lösen. Jedoch: 'History tends not to believe in limited wars.' Für beide Seiten sei es leicht, sich unilaterale Maßnahmen auszudenken, wie sie der anderen begegnen könne."
Ebenfalls in der
FAS beschreibt die frühere Kulturministerin Taiwans und Publizistin
Lung Yingtai die Stimmung unter Intellektuellen in Taiwan: "Die Ukraine gibt auch ein erschreckendes Beispiel ab. Mut ist zweifellos bewundernswert, doch die fürchterliche
Aussicht auf Vernichtung sollte gleichfalls zu denken geben. Von den USA abhängig sein? Wann hätten die USA sich jemals als zuverlässig erwiesen? Die politischen Umstände diktieren die Ausrichtung der Macht, und nationale Interessen haben größeres Gewicht als internationale Gerechtigkeit."
In der
NZZ scheint Junhua Zhang vom European Institute for Asian Studies einen
Krieg mit China für fast unvermeidbar zu halten: "Die Uno ist in ihrem Ist-Zustand nicht in der Lage, das Problem zu lösen. ... Die
große chinesische Militärübung hat den sicherheitspolitischen Status quo erheblich verändert, da Schiffe und Flugzeuge der PLA künftig routinemäßig östlich der
bisher respektierten Mittellinie in der Meerenge trainieren werden. Auch als Fischerboote getarnte Schiffe oder Drohnen werden diese Grenze häufiger durchstoßen. Und die taiwanischen Behörden werden sich den Kopf darüber zerbrechen, wie sie darauf reagieren sollen. Mittelfristig haben ausländische Investoren noch ein paar Jahre Zeit, um, vom Krieg verschont, in China aktiv zu sein. Aber die
Zeitbombe eines umfassenden Konflikts mit Taiwan wird noch zu Xis Amtszeit explodieren. Darauf sollte die Welt gefasst sein."