Magazinrundschau - Archiv

Atlantic

238 Presseschau-Absätze - Seite 13 von 24

Magazinrundschau vom 04.07.2017 - The Atlantic

In The Atlantic fürchtet McKay Coppins, dass linke Blogger, Aktivisten und Publizisten immer häufiger die niederträchtigen Strategien der Rechten übernehmen: "Eine Analyse von BuzzFeed während der fieberhaften letzten Wochen des Wahlkampfs 2016 zeigten, dass fast 20 Prozent der Geschichte auf drei der populärsten linken Facebook-Seiten - Occupy Democrats, The Other 98%, and Addicting Info - entweder teilweise oder ganz falsch waren. Und obwohl konservative Facebook-Seiten sogar noch mehr falsche Geschichten verbreiteten, sollten die Funde von BuzzFeed als Alarmsignal betrachtet werden für die Art von Nachrichten, die Millionen Anhänger der Demokraten auf der größten Social-Media-Plattform erhalten."
Stichwörter: Social Media, Occupy, Buzzfeed

Magazinrundschau vom 23.05.2017 - The Atlantic

Im Aufmacher erzählt Alex Tizon die Geschichte von Eudocia Tomas Pulido, genannt Lola, die sein Großvater als 18-Jährige seiner Tochter als Dienstbotin "schenkte" und die 56 Jahre mit Tizons Familie - Philippinos, die nach Amerika einwanderten - lebte: Beschimpft, ohne Gehalt, ohne eigenes Zimmer, ohne offiziellen Einwandererstatus und doch ein Familienmitglied, wie man lernt. "Sklaverei hat eine lange Geschichte auf den philippinischen Inseln. Bevor die Spanier kamen, versklavten die Inselbewohner andere Inselbewohner, meistens Kriegsgefangene, Kriminelle oder Schuldner. Sklaven gab es in unterschiedlicher Ausführung: vom Krieger, der seine Freiheit durch Tapferkeit zurückverdienen konnte, zu Haussklaven, die als Eigentum betrachtet und gekauft, verkauft oder gehandelt werden konnten. Sklaven mit hohem Status konnten Sklaven mit niedrigem Status halten und die wiederum solche mit noch niedrigerem Status. ... Traditionen hielten sich, selbst als die USA 1898 die Kontrolle über die Inseln übernahm. Heute können selbst die Armen utusans oder katulongs (Helfer) oder kasambahays (Diener) haben, solange es Menschen gibt, die noch ärmer sind als sie."

Richard Spencer zählt zu den gruseligsten Figuren, die im Zuge von Donald Trumps erfolgreicher Kandidatur für das Präsidentenamt aus den Kellerlöchern der sogenannten "Alt-Right"-Bewegung in die Öffentlichkeit gespült wurden: Seine völkischen, ideologisch an den Nazis ausgerichteten Positionen lassen Scharfmacher wie Steve Bannon oder Milo Yiannopoulos harmlos aussehen. Spencer sieht sich selbst als geistig-kulturelle Speerspitze eines alteuropäisch orientierten "Ethno-Staats", in dem eine starke Elite das Regiment übernimmt. An der High School war er allerdings eher mittelmäßig, erinnert sich Graeme Woods, der mit ihm zur High School ging. Dass Spencer sich mit seinen Positionen extrem angreifbar macht - als er im November vor laufender Kamera eine Ohrfeige bekam, ging das durch die Netzwelt - deutet Wood mit Norman Mailers Essay "Der weiße Neger" von 1957: "Frisch aus einem Krieg zurückgekehrt und im Angesicht nuklearer Auslöschung empfanden die Weißen ihre eigene Kultur damals als blutleer und einschläfernd. Sie sehnten sich nach der Gefahr - und fanden sie, indem sie den Lebensstil von Schwarzen nachahmten, die Gefahr kannten, ohne sich danach zu sehnen, und deren Kultur, Idiom und Alltag wie Riechsalz auf sie wirkten. ... Auch Spencer ist so ein fahler Imitator. Er suchte die Gefahr - oder zumindest dachte er das - und jetzt hat er sie."

Weiteres: Nicholas Dawidoff schreibt über die Entstehungsgeschichte des Beatles-Songs "A Day in the Life". Und Laura Parker erzählt, wie es Alan Eustace von Google gelungen ist, 2014 den von Felix Baumgartner aufgestellten Weltrekord im Stratosphärenspringen zu brechen.

Magazinrundschau vom 25.04.2017 - The Atlantic

In den Tiefen von Googles Datenbanken schlummern 25 Millionen eingescannte Bücher, die niemand lesen darf. James Somers rollt in einem ellenlangen Report auf, wie und warum Google Books Search gescheitert ist, der Konzern fast alle Tätigkeiten in der Hinsicht eingestellt hat, und vor allem warum das Justizministerium am Ende den historischen Vergleich kippte, den Google mit Verlagen, Bibliotheken und Autoren geschlossen hatte: "Niemand weiß genau, warum das Ministerium Position bezog anstatt neutral zu bleiben. Dan Clancy, der für Google das Projekt geleitet und den Vergleich mit ausgehandelt hat, macht dafür eine besondere Sorte von Opponenten verantwortlich: nicht Googles Konkurrenten, sondern beteiligte Organisationen, die eigentlich hätten dafür sein müssen - wie Bibliothekare und akademische Autoren. 'Ich weiß nicht, wie sich die Vereinbarung durchgesetzte hätte, wenn die Neinsager nicht so laut gewesen wären', sagt er. 'Wenn die Bibliotheken, die Bob Darntons und die Pam Samuelsons nicht so aktiv gewesen wären, dann hätte sich das Justizministerium wahrscheinlich nicht eingemischt, denn dann wäre es nur um ein Gezänk von Amazon und Microsoft gegen Google gegangen. Das wäre ja für die nichts Neues gewesen."

Franklin Foer rauft sich die Haare über Trumps Mexiko-Politik, die alles aufs Spiel setze. Denn es mag zwar sein, dass sich Nafta ökonomisch nicht ausgezahlt habe, sehr wohl aber politisch: "Der Antiamerikanismus, einst ein Grundbestandteil mexikanischer Politik, ist weitesgehend verschwunden, der Strom der Migranten aus Mexiko in die USA versiegt." Foer fürchtet, dass Mexiko jetzt auf China setzt.

Magazinrundschau vom 31.01.2017 - The Atlantic

Zu Beginn seines grandiosen Artikels über Trumps und Amerikas möglichem Weg in die Autokratie entwirft David Frum ein Szenario der Wiederwahl Trumps in vier Jahren und einer Öffentlichkeit, die längst abgestumpft ist - und er schildert, mit welchen Mechanismen Trump mögliche Widerstandsnester gefügig machen wird: Auch die Medien werden eines Tages freundlicher zu Trump, weil er wirtschaftlichen Druck auf sie ausüben kann. Und die Sicherungen im Kongress und Senat werden schlecht greifen, weil die republikanische Partei, zu der Trump keinerlei Loyalität empfindet, so schwach ist, dass die Abgeordneten angreifbar sind: "Das größte Risiko für all ihre Pläne und Projekte ist der selbe 'X-Faktor', dem sie ihre Wahl verdanken: Donald Trump und seine berüchtigt unberechenbare Person. Was Trump erregt, sind seine Zustimmungsraten, sein Reichtum, seine Macht.  Der Tag könnte kommen, an dem er die Republikanische Partei wie einen Ballast abwirft zugunsten einer populistischen Koalition, die Nationalismus mit generösen Sozialausgaben kombiniert  - ein Mix, der auch in anderen Gefilden des Autoritarismus wie in Polen funktioniert hat. Wer zweifelt daran, dass Trump so etwas tun könnte?" Die einzige Hoffnung sieht Frum letztlich in den individuellen Bürgern, die - etwa über Telefonanrufe bei ihren Senatoren - Druck auf ihre Repräsentanten machen.

Magazinrundschau vom 20.12.2016 - The Atlantic

Graeme Wood erzählt die Geschichte des Yahya Abu Hassan, der einst bei Dallas als John Georgelas aufwuchs - in einer griechisch-amerikanischen, patriarchalisch geprägten Familie von Obersten und Marines. Zuhause wurde er nichts. Dafür wurde er in Syrien zu einem prominenten ultraradikalen Funktionär des Islamischen Staats: "Als der männliche Erbe der Familie genoss John einen speziellen Status im Georgelas-Patriarchat. An diesen Status waren Erwartungen geknüpft, und also war die Enttäuschung groß, als klar wurde, dass er sich nicht als Soldat eignete. Sein Körper weigerte sich in eine kampfgemäße, robuste Form zu wachsen. Sein Charakter fügte sich keiner militärischen Disziplin. Als er nach einer Beinverletzung an die Schule zurückkehrte, hatte er wenig Interesse an universitärer Ausbildung und der Befolgung von Regeln. Sein Vater versuchte sein Betragen mehrfach zu korrigieren und versagte." Und doch hat er die Erwartungen ja gewissermaßen erfüllt!

Magazinrundschau vom 10.01.2017 - The Atlantic

Eine inneramerikanische Literaturdebatte mag für deutsche Leser nicht so von Belang sein, aber William Deresiewicz' Essay ist so leidenschaftlich und polemisch rasant geschrieben, dass er dennoch lohnt. Deresiewicz, der durch eine Kritik an amerikanischen Elite-Universitäten bekannt wurde, setzt sich mit John D'Agatas jüngst publizierten Essay-Anthologien auseinander, die er sich nur deshalb zur Brust nimmt, weil D'Agata Creative Writing an der University von Iowa lehrt - offenbar das renommierteste Institut Amerikas. Er wirft D'Agata vor, eher poetisch-literarische, ja lyrische Texte auszuwählen und führt eine Menge seiner Meinung nach prätenziösen Gedrechsels an, das D'Agatha nun zum offiziellen Lehrstoff für zahllose Studenten macht: "D'Agatha lehrt Creative Writing, und sein Material ist tatsächlich 'kreativ' im schlimmsten Studi-Sinn: weder Fiktion, noch Lyrik, noch Erinnerung, noch Essay, sondern sprachverliebtes Geschwätz, das alles und nichts zugleich ist, und formlos, monoton, selbstverliebt und stumpf." Am meisten aber wirft Deresiewicz dem Professor aus Iowa ein allzu liberales Verhältnis zu Fakten vor. Sein Gegenprogramm: "Der Essay zieht seine Stärke nicht aus der Trennung von Vernunft und Fantasie, sondern daraus, dass sie in Beziehung treten. Ein guter Text fließt zwischen Denken und Fühlen. Er unterwirft das Persönliche der Strenge des Intellekts und der Disziplin der äußeren Realität. Er sucht mehr als nur emotionale Wahrheit.

Magazinrundschau vom 22.11.2016 - The Atlantic

Mit der heute doch etwas altertümlich wirkenden Frage, ob Künstlerinnen ebenso bedeutend sein können wie Künstler geht Sarah Boxer im Atlantic einige wichtige zur Zeit in den USA laufende Ausstellungen durch, in denen etwa die abstrakten Expressionistinnen gewürdigt werden. Sie nimmt dabei Bezug auf einen offenbar klassischen Essay der feministischen Kunsthistorikerin Linda Nochlin, die im Jahr 1971 eingangs zitierte Frage gestellt hatte (hier als pdf-Dokument).  "Lasst mich das Ende verraten: Es gibt große Künstlerinnen", schreibt Boxer dann irgendwann. Und "Künstlerinnen sind im Lauf der Jahre auf viele Weisen heruntergeschrieben  worden, aber die Grundtechnik geht so: Ein Kritiker, ein Kurator, ein Kunsthändler beschreiben, in welcher Weise Frauen anders malen als Männner, dann erklärt er diese Qualität als unterlegen. Frauen werden als kontrolliert, tastend, persönlich abgestempelt... Männer gelten dagegen als wild und selbstsicher und stark im Umgang mit externen Kräften."

James Fallows' epischer Artikel über das zunehmend aggressive und repressive China ist sicher vor den amerikanischen Wahlen geschrieben worden und wirkt wie eine an Präsidentin Hillary Clinton gerichtete Handreichung. Seine Bescheibung dürfte aber zutreffen: "Die Sorge vor einem aggressiveren China ist nicht die vor einer neuen Sowjetunion aus den Zeiten des Kalten Kriegs, sondern die vor einer viel größeren Version des heutigen Russland. Dies würde als Hindernis und nicht als Vorzug in ökonomischen und strategischen Projekten wirken, die die Vereinigten Staaten voranbringen wollen. Es wäre ein weiteres Beispiel von Kleptokratie und persönlicher Herrschaft. Eine Macht, die ihre Interessen danach definiert, was den Vereinigten Staaten schadet. Mehr ein Feind als ein schwieriger Partner."

Magazinrundschau vom 18.10.2016 - The Atlantic

Kriege werden schon lange nicht mehr nur in handfesten Scharmützeln ausgefochten - die sozialen Medien sind längst zum Schauplatz hochprofessionell produzierter Propaganda geworden. Emerson T. Brooking und P.W. Singer zeigen in einem Überblicksartikel, wie der IS, aber auch andere Gruppen das Netz sehr effektiv nutzen: "Im Laufe der Zeit haben sich Online-Propaganda und die erhöhte Sichtbarkeit des Terrorismus weit jenseits des physischen Zugriffs des IS tief in die Psyche der Leute eingegraben. Den Ergebnissen der Meinungsumfragen von Gallup zufolge, ist die Angst vor Terrorismus in Amerika in den vergangenen zwei Jahren auf einen Level angestiegen, der seit dem 11. September nicht mehr zu beobachten war. Selbst wenn es nur begrenzt und sporadisch zu Gewaltakten kommt, stellen die sozialen Medien sicher, das die Leute damit ständig konfrontiert werden. Dies wiederum befördert hässliche Vorurteile und gefährliche Überreaktionen unter Bürgern, Medien und Politikern. In der Folge entzweien sich die Leute immer mehr, Wut und Angst grassieren - ein Ökosystem, dessen Nutznießer der IS ist. Schon machen sich andere extremistische Gruppierungen Elemente der IS-Strategie zunutze, um Leute anzuwerben und Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen - und der Erfolg scheint ihnen recht zu geben. Eine kürzlich veröffentlichte Untersuchung von J.M. Berger, dem Experte für Extremismus an der George Washington University, hat den koordinierten Twitter-Gebrauch weißer Nationalistengruppen aus den USA beobachtet. Deren Reihen sind seit 2012 um 600 Prozent angewachsen."

Gewissermaßen dazu passend stellt Bianca Bosker Tristan Harris vor, der sich dafür stark macht, dass Smartphone-Apps nicht mehr so verführerisch süchtig machend gestaltet werden.

Magazinrundschau vom 27.09.2016 - The Atlantic

In den 90ern hatte er wenig übrig für die solidarischen Bekundungen der black community für O.J. Simpson, gesteht Ta-Nehisi Coates: Simpson hatte sich in seiner Karriere dem weißen Mainstream so sehr angedient und seine Blackness so konsequent geleugnet, dass Coates ihn seinerzeit nicht als seinesgleichen erachtete. Heute schätzt er die Lage anders, aber kaum weniger radikal ein: "Als O.J. Simpson vor der Justiz floh, zu ihr zurückkehrte, wegen Mordes angeklagt wurde und sich der Justiz dann aufs Neue entzog, war dies der schockierendste Ausdruck reiner Gleichberechtigung seit der Bürgerrechtsbewegung. Simpson hatte Nicole Brown Simpson und Ron Goldman ermordet. So mutmaßte ich damals, heute bin ich davon überzeugt. Aber er ist damit davongekommen - auf ähnliche Weise, wie Weiße Jahrhunderte lang nicht dafür belangt wurden, wenn sie schwarze Männer und Frauen töteten. Die Tugend der Gleichberechtigung mutet nicht immer wie Tugend per se an, da Gleichberechtigung nicht immer derselben Linie folgt wie die Moral. Gleichberechtigung bedeutet für Afro-Amerikaner genauso behandelt zu werden wie alle anderen auch - egal, ob wir uns gut oder böse verhalten. Simpsons große Leistung war es, für ein Verbrechen angeklagt zu werden und dann auf jene Weise behandelt zu werden, wie es sonst reichen Weißen vorbehalten ist."

Magazinrundschau vom 09.08.2016 - The Atlantic

Wenn es um die Verachtung der weißen Arbeiter geht, nehmen sich Linke und Rechte in den USA nichts, stellt Alec MacGillis (in Kooperation mit Propublica) fest: Die einen halten den Arbeiter für überflüssig, die anderen den weißen Mann. Von Nancy Isenbergs Buch "White Trash" lernt MacGillis, dass die Herabsetzung seit vierhundert Jahren Methode hat - mit einer Ausnahme: "In einem der spannendsten Kapitel ihrer Geschichte beschreibt Isenberg die Unterstützung, die verarmte weiße Landarbeiter zur Zeit des New Deal erhielten. Projekte wie die von Rexford Tugwell geleitete Resettlement Administration, die Pächter auf ertragreicheres Land umsiedelte und Kredite für die Verbesserung der Farmen vergab, brachten echten Fortschritt. Das tat auch die Tennessee Valley Authority, die nicht nur in großen Teilen des Südens die Entwicklung beschleunigte, sondern auch Ausbildungszentren und ganz Planstädte errichtete - Städte, in denen die Kinder der Hinterwäldler mit denend er Ingenieure zur Schule gingen. Der New Deal hatte Schwächen. Aber Männer wie Tugwell erkannten, dass an manchen Orten die Menschen furchtbar hinterherhinkten, und dass ihre Not eine große Bedrohung für die Gründungsideale der Nation war."

Im großen Titelreport lobt Steven Brill die Erfolge der amerikanischen Sicherheitspolitik.