
Für einen monumentalen, wirklich alle wichtigen Aspekte und auch die Kritik abdeckenden
Artikel über
Barack Obamas Außenpolitik jettet Jeffrey Goldberg mit dem Präsidenten in der Air Force One mal hierhin mal dorthin, unterhält sich mit ihm im Weißen Haus oder in der Präsidentensuite auf Staatsbesuch in Malaysia. Der
Nahe Osten, um es gleich zu sagen, ist nach dem Scheitern des Arabischen Frühlings für Obama
uninteressant geworden. Die Konflikte dort kann Amerika nicht lösen, sagt er.
Europa nervt, weil es gern den Moralapostel spielt, aber selten Taten folgen lässt (die Tatsache, dass Libyen ein solches Desaster ist, schreibt Obama vor allem dem mangelnden Engagement der Europäer zu). Kurz: der Nahe Osten ist jetzt unser Problem. Obama interessiert sich für
Lateinamerika, für
Afrika und vor allem
für Asien - denn dort liegt für ihn die Zukunft. Verglichen damit schneidet der Nahe Osten schlecht ab: "'Es gibt Länder, die unfähig sind, Wohlstand und Chancen für ihre Bevölkerung zu schaffen. Es gibt gewalttätige,
extremistische Ideologien, die durch die sozialen Medien befeuert werden. Es gibt Länder, die kaum zivile Traditionen haben, so dass, wenn autokratische Regime zerbrechen, die einzigen Ordnungsprinzipien sektiererische sind. Südostasien dagegen', fährt er fort, 'ist trotz aller Probleme - der enormen Armut und Korruption -
voller wetteifernder,
ambitionierter,
tatkräftiger Menschen, die sich jeden einzelnen Tag abstrampeln, um ein Geschäft aufzubauen, eine Erziehung zu bekommen, einen Job zu finden und eine Infrastruktur aufzubauen. Der Kontrast ist ganz schön groß.' ... Dann machte er eine Beobachtung, die, wie ich bald verstand, typisch ist für seine düstere, viszerale heutige Auffassung vom Nahen Osten - nicht die Art, die ein Weißes Haus, das immer noch auf Hoffnung und Wandel setzt, würde bekanntmachen wollen. 'Wenn wir
nicht mit ihnen reden', sagt er, sich auf die jungen Asiaten, Afrikaner und Lateinamerikaner beziehend, 'weil wir
zu beschäftigt damit sind herauszufinden, wie wir den bösartigsten, nihilistischsten, gewalttätigsten Teil der Menschheit zerstören, abriegeln oder kontrollieren können, dann verpassen wir den Anschluss.'"