Magazinrundschau - Archiv

Atlantic

238 Presseschau-Absätze - Seite 14 von 24

Magazinrundschau vom 16.08.2016 - The Atlantic

Method Acting, also das bruchlose, mitunter psychisch fordernde und sehr körperliche Aufgehen in einer Rolle, ist auf den Hund gekommen, meint Angelica Jade Bastièn: Für Hollywoods Elite-Schauspieler sei die Schauspielmethode längst zum anekdotenträchtigen Marketingtool geworden. Unbehaglich findet Bastièn diesen Trend auch deshalb, weil darin ihrer Ansicht nach eine toxische Auffasung von Männlichkeit durchbricht ebenso wie die Vorstellung, dass nur erduldete Strapazen - wie mal eben dreißig Kilo ab- oder zunehmen - Kunst hervorbringen: "Gewiss, auch Frauen haben ihr Äußeres für ihre Rollen radikal geändert. Doch wenn die Leute Nicole Kidman rühmen, die in 'The Hours' eine Nasenprothese trug, oder Charlize Theron, die für 'Monster' zunahm und ihre Augenbrauen abrasierte, liegt der Fokus weniger auf ihrem Talent und ihrer Leistung, sondern mehr darauf, wie tapfer sie sind, wenn sie sich dafür entscheiden, nicht schön zu sein."

Weitere Artikel: Außerdem betrachtet Eve L.Ewing das Phänomen des zurückgezogenen Künstlers, der mit lediglich einem einzigen genialischen Werk zur Welt spricht. Sam Kean hat Spaß mit seiner DNA. Und Thanh T. Nguyen überlegt, was Raphaels Gemälde "Die Schule von Athen" in Hanoi bedeuten könnte.

Magazinrundschau vom 30.08.2016 - The Atlantic

15 Jahre nach den Anschlägen vom 11. September fragt sich The Atlantic, wie es heute um die objektive Sicherheit in den USA bestellt ist. Ein Jahr lang hat Steven Brill daher minutiös recherchiert und ein wahres Faktenkonvolut hervorgebracht, das sich seinem Gegenstand zwar nicht immer kritisch nähert, aber wegen seiner Detailfreude und Informiertheit einen Lektüregewinn darstellt. Unter anderem erscheinen die großzügigen Investitionen in den Jahren nach dem 11. September dabei auch als orientierungslose Maßnahme zum umfangreichen Geldverbrennen: Zu beobachten sei ein regelrechtes "Jack-Bauer-Syndrom": "'Wenn man geschockt ist und Angst hat, wenn man weiß, dass da draußen eine Bedrohung lauert, dann macht man alles und legt jede Summe auf den Tisch, um damit zurecht zu kommen', erklärt ein Wirtschaftsprüfer, 'selbst wenn das, für was man zahlt, bislang nicht erprobt wurde und es auch keine Maßstäbe gibt, um es zu evaluieren.' Chip Fulghum, der bei der Homeland Security für die Finanzen zuständig ist und sich selbst als Teil einer Putzkolonne sieht, drückt es so aus: 'Unmittelbar nach den Anschlägen öffnete sich der Wasserhahn und ein dicker Geldstrahl schoss heraus. Vieles davon floss sonst wohin, für Zeug, das einfach nicht funktioniert hat.' Viele Programme wurden erst mit überschäumenden Ankündigungen losgetreten, verzögerten sich dann aber still und heimlich bei der Einrichtung, bevor die Erwartungen heruntergeschraubt wurden und sie dann vollkommen zum Erliegen kamen. Zwei Milliarden Dollar wurden ausgegeben, um die Überprüfung von Gepäck zu verbessern, doch die neue Ausrüstung brachte gegenüber der alten keinen erkennbaren Vorteil."

Magazinrundschau vom 06.09.2016 - The Atlantic

Sollte alles gut laufen und die chinesischen Behörden grünes Licht geben, könnte ab Ende 2017 mit ersten Versuchen von Kopftransplantationen zu rechnen sein, schreibt Sam Kean. Möglich macht dies unter anderem eine spezielle, an Mäusen bereits erste Erfolge zeitigende Chemikalie, die die Enden von durchtrennten Rückgrat-Nerven, die an sich nicht nachwachsen können, dazu anregt, miteinander zu verschmelzen. Vom Hals abwärts Quergeschnittsgelähmten eröffnet dies vorsichtig eine neue Perspektive auf ein Leben ohne Rollstuhl. Doch "im Erfolgsfall wird eine Kopftransplantion Jahrhunderte alte Debatten über das Verhältnis von Verstand, Gehirn und Körper neu entflammen lassen. Ist das Selbst in einem selbst allein im Gehirn zu verorten? Oder hängt die Persönlichkeit von diesem spezifischen Stück Fleisch ab, dass man den eigenen Körper nennt? Auch gesellschaftliche Fragen werden von einer solchen Operation berührt. Allein der Körper produziert Ei- und Samenzellen. Die Kinder, die ein Transplantationspatient nach einer Operation zeugen würde, wären genetisch nicht mit ihm verwandt, wohl aber mit der Famile des Körperspenders. Hätten die biologischen Verwandten Besuchsrechte oder sogar die Position, das Kind zu vertreten? ... Die wichtigste - und unbeantwortbare - Frage ist die, ob ein Patient sich nach diesem Eingriff noch als er selbst fühlen würde."

Magazinrundschau vom 28.06.2016 - The Atlantic

2005 veröffentlichte Mark Leonard ein Buch mit dem Titel "Warum Europa die Zukunft gehört" (dt. 2007). Jetzt sieht es eher so aus, als würde Europa in den Abgrund taumeln. Was hat sich in dieser kurzen Zeit so verändert? 2005, erklärt er im Interview, hatte die stolze zehn Länder hinzugewonnen, und andere, wie die Ukraine oder Georgien lehnten sich, von Europa inspiriert, gegen ihre autokratischen Herrscher auf. Und die EU als Organisationsform - Staaten arbeiten zusammen und geben einen Teil ihrer Souveränität fürs Ganze ab - wurde weltweit kopiert: Welthandelsorganisation, Kyoto-Protokoll, Internationaler Strafgerichtshof entstanden nach ihrem Vorbild. Auch in Afrika, Asien und Lateinamerika schlossen sich Staaten zu supranationalen Organisationen zusammen: "Alles zusammengenommen schien es so, als würde Europa die Welt nach seinem Bild neu gestalten und seine Werte exportieren. Es ist eins der beunruhigsten Dinge in der Welt 2016, dass die meisten Europäer das Gefühl haben, die Welt um sie herum versinke im Chaos und das es heute die Welt ist, die sie formt - zum Beispiel durch das Fehlschlagen des arabischen Frühlings, das dazu geführt hat, dass Europas Nachbarn nicht Demokratie und europäische Werte importieren, sondern Flüchtlinge und Chaos exportieren."

Wie konnten die Brexit-Gegner nur so versagen, fragt Yoni Appelbaum. Warum haben sie die andere Seite als bigott verunglimpft und die Mitgliedschaft in der EU als alternativlos hingestellt? Statt Angst, meint er - auch mit Blick auf Hillary Clinton -, hätten sie lieber Zuversicht verbreiten sollen: "Sie waren unfähig, die Vision einer besseren, helleren Zukunft zu entwerfen. Sie waren unfähig überzeugend aufzulisten, wieviel die Briten gewonnen hatten. Sie waren unfähig, die wirklichen Sorgen ihrer Wähler anzusprechen und anzuerkennen, dass die Interessen unterschiedlicher Wähler manchmal unterschiedlich sind. Sie sahen auf diejenigen, die die Fehler im globalen System aufzeigten - von Bernie Sanders zu Nigel Farage - und sahen nur Ideologen, die haarsträubende Versprechungen machten."

Donald Trump war mal Demokrat, dann Republikaner, dann wieder Demokrat usw. Bernie Sanders war immer ein Unabhängiger und hat sich erst vor wenigen Monaten den Demokraten angeschlossen. Seitdem wachsen die Unabhängigen unter seinen Anhängern, während es immer weniger Demokraten werden. Ted Cruz hat den republikanischen Führer des Senats verunglimpft und gegen das republikanische Establishment gehetzt. Sind denn alle verrückt geworden, fragt Jonathan Strauch im Aufmacher des neuen Hefts: "Auf ihre ganz unterschiedliche Weise demonstrieren Trump, Cruz und Sanders ein neues Prinzip: Die politischen Parteien haben keine klaren Begrenzungen mehr oder durchsetzbare Regeln. Die Folge ist, dass sich abtrünniges politisches Verhalten auszahlt."

Magazinrundschau vom 12.07.2016 - The Atlantic

Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen oder den buchstäblich nahe liegenden Forschungsgegenstand vor lauter Tipparbeit am Rechner nicht. Dem Literaturwissenschaftler Matthew Kirschenbaum ist es glücklicherweise aufgefallen, dass die Literaturgeschichte der digitalen Textverarbeitung bislang auffällig unterbeleuchtet geblieben ist. Im Gespräch mit Robinson Meyer gibt er ausführlich Auskunft über sein großes Forschungsprojekt und spart auch nicht mit tollen medienhistorischen Anekdoten: Ausgebuddelt hat er beispielsweise den seinerzeit immens erfolgreichen Thrillerautor Len Deighton, der sich Ende der 60er Jahre einen frühen Word Processor von IBM leisten konnte: "Das Gerät, der MT/ST, hatte keinen Bildschirm. Alle Anschläge wurden auf Magnetband gespeichert. Dieses Material konnte dann von kundiger Hand überarbeitet werden, so wie wir es heute mit einer Textverarbeitung machen. In Zusammenarbeit mit seiner Sekretärin, einer Frau namens Ellenor Handley, schrieb Len Deighton also den 1970 veröffentlichten Roman 'Bomber' auf einer MT/ST. Diese Anordnung war auch sehr typisch. Oft war es die Sekretärin, meistens eben eine Frau, die lernte, das Gerät zu bedienen. Wenn man so will, war sie diejenige, die den Text eigentlich verarbeitete. ... Der 'Bildschirm' war das Stück Papier in der Selectric-Schreibmaschine. Man schrieb darauf - vom Gerät her dieselbe Schreibmaschine, die man beispielsweise in 'Mad Men' sieht, ein sehr berühmtes Exemplar aus den 60ern - und wenn man sich vertippte, drückte man einfach die Rücktaste. Auf dem Papier in der Maschine sah das scheußlich aus, aber auf dem Magnetband wurde die richtige Buchstabensequenz gespeichert. Im Anschluss steckte man ein frisches Blatt Papier in die Schreibmaschine und wie ein mechanisches Piano druckte sie dann den eigentlichen Text aus."

Hier der von IBM 1967 in Auftrag gegebene Werbefilm für die MT/ST von Jim Henson:


Magazinrundschau vom 21.06.2016 - The Atlantic

Terrence Rafferty versucht den Erfolg von Krimi-Autorinnen wie Gillian Flynn, Paula Hawkins, und Tana French zu ergründen, die mit ihren Psychothrillern die Bestseller-Listen anführen. Sie passen perfekt in unsere Zeit, meint Rafferty, wenn sie die größten Effekte mit ihrer Sprache und mit unzuverlässigen ErzählerInnen erzielen: "Anders als Highsmith and Rendell, die ihrer dunklem Kunst meist im trockenen, kühlen Ton der dritten Person nachgingen, neigen die heutigen Autorinnen zu einer instabilen Mischung aus schrillen ersten Personen: tyrannisch, anklagend, rechtfertigend, ein bisschen verzweifelt. Diese vertrackten Thriller des 21. Jahrhunderts zu lesen ist ein bisschen wie auf einer Website einen besonders hitziger Kommentar-Thread herunterzuscrollen oder versehentlich in eine Twitter-Fehde zu geraten. Durch diese schäbigen Tweets muss eine Frau gehen! Verglichen mit ihren männlichen Gegenparts scheinen die heutigen Autorinnen vertrauter mit dem Urstrom aus Ich und Es der Sozialen Medien, dem schwammigen Niemandsland, in dem Millionen von selbstgeschaffener Marken um die Oberhoheit kämpfen."

Magazinrundschau vom 14.06.2016 - The Atlantic

Organisiertes Internetverbrechen ist auch nicht mehr das, was es einmal war, erfahren wir von Josephine Wolff. Der gute alte massenhafte Diebstahl von Kreditkartendaten hat als Geschäftsmodell mittlerweile arg an Attraktivität eingebüßt. Lukrativer ist es jetzt, einzelne Rechner und Daten zu kapern, unzugänglich zu machen und für Freigabe der Hardware und Daten direkt bei der einzelnen geschädigten Partei abzukassieren: Denn "der Inhalt irgendeiner Festplatte dürfte auf dem Schwarzmarkt zwar kaum nennenswerte Beträge bringen. Doch für den Besitzer sind diese Daten wahrscheinlich ein paar hundert, vielleicht sogar ein paar tausend Dollar wert." Wobei die Frage offen bleibt, ob ein Rückkauf der gestohlenen Daten auch wirklich zur Folge hat, dass die Daten bei den Kriminellen gelöscht werden. Gerade im Fall von Unternehmen, die sich auf solche Deals einlassen, handelt es sich also eher um erkauftes Stillschweigen über das Datenleck. "Aus diesem Grund legen die Verkäufer gestohlener Informationen, genau wie echte Verkäufer auf ebay und Amazon, Wert auf ihre Onlinereputation, die den Opfern Aufschluss darüber gibt, ob es sich um 'vertrauenswürdige' Kriminelle handelt, erklärt ein FBI-Beamter. 'Schlussendlich sind auch Diebe abhängig von ihrem Ruf im Untergrund und wenn man ihnen nachsagt, dass sie die Leute übers Ohr hauen, kriegen sie auch keine Kunden."

Magazinrundschau vom 19.04.2016 - The Atlantic

Im Irakkrieg leiden alle. Aber die Sunniten hat es besonders hart getroffen. Eingeklemmt zwischen der schitischen irakischen Führung und der sunnitischen Isis werden viele von beiden Seiten attackiert. Anand Gopal beschreibt das in einer Reportage am Beispiel der Familie von Falah Sabar. Sie waren vor Isis, die sie der Kollaboration mit der Regierung bezichtigten, aus der irakisch-sunnitischen Provinz Anbar durch die Wüste nach Bagdad geflohen, wo die schiitische Mehrheit sie mit Misstrauen beäugte. Bis eines Tages die Männer der Familie von einer Miliz abgeholt und auf einem Schulhof buchstäblich abgeknallt wurden. Sieben starben, nur der Vater überlebte schwer verletzt. "Die Erinnerung an diese Nacht und an seine Söhne hat sich in Falahs physisches Sein eingegraben. Bei unserem Treffen betrat er humpelnd den Raum gestützt von seinem Cousin und Neffen. Er kann langsam wieder etwas sprechen, aber nur mit Schwierigkeiten, deshalb beantwortet er meine Fragen größtenteils mit Pantomime oder schriftlichen Antworten. Er hält den Kopf gesenkt, die Handballen gegen die Schläfen gepresst. 'Mein Gehirn', sagt er, 'mein Gehirn läuft aus.' Es gibt keine genauen Zahlen darüber, wie viele Sunniten von Anti-Isis-Kräften in den letzten zwei Jahren getötet wurden. Die überwältigende Präsenz irakischer Sicherheitskräfte und schiitischer Milizen in dem regierungskontrollierten Gebieten macht es riskant, diese Frage zu untersuchen. Doch ein Netzwerk von unter dem Radar arbeitenden NGOs und Menschenrechtsaktivisten haben Fälle dokumentiert. Sie behaupten, dass - in bestimmten Gebieten zumindest - Anti-Isis-Kräfte so viele Sunniten getötet haben könnten wie Isis."

Magazinrundschau vom 15.03.2016 - The Atlantic

Für einen monumentalen, wirklich alle wichtigen Aspekte und auch die Kritik abdeckenden Artikel über Barack Obamas Außenpolitik jettet Jeffrey Goldberg mit dem Präsidenten in der Air Force One mal hierhin mal dorthin, unterhält sich mit ihm im Weißen Haus oder in der Präsidentensuite auf Staatsbesuch in Malaysia. Der Nahe Osten, um es gleich zu sagen, ist nach dem Scheitern des Arabischen Frühlings für Obama uninteressant geworden. Die Konflikte dort kann Amerika nicht lösen, sagt er. Europa nervt, weil es gern den Moralapostel spielt, aber selten Taten folgen lässt (die Tatsache, dass Libyen ein solches Desaster ist, schreibt Obama vor allem dem mangelnden Engagement der Europäer zu). Kurz: der Nahe Osten ist jetzt unser Problem. Obama interessiert sich für Lateinamerika, für Afrika und vor allem für Asien - denn dort liegt für ihn die Zukunft. Verglichen damit schneidet der Nahe Osten schlecht ab: "'Es gibt Länder, die unfähig sind, Wohlstand und Chancen für ihre Bevölkerung zu schaffen. Es gibt gewalttätige, extremistische Ideologien, die durch die sozialen Medien befeuert werden. Es gibt Länder, die kaum zivile Traditionen haben, so dass, wenn autokratische Regime zerbrechen, die einzigen Ordnungsprinzipien sektiererische sind. Südostasien dagegen', fährt er fort, 'ist trotz aller Probleme - der enormen Armut und Korruption - voller wetteifernder, ambitionierter, tatkräftiger Menschen, die sich jeden einzelnen Tag abstrampeln, um ein Geschäft aufzubauen, eine Erziehung zu bekommen, einen Job zu finden und eine Infrastruktur aufzubauen. Der Kontrast ist ganz schön groß.' ... Dann machte er eine Beobachtung, die, wie ich bald verstand, typisch ist für seine düstere, viszerale heutige Auffassung vom Nahen Osten - nicht die Art, die ein Weißes Haus, das immer noch auf Hoffnung und Wandel setzt, würde bekanntmachen wollen. 'Wenn wir nicht mit ihnen reden', sagt er, sich auf die jungen Asiaten, Afrikaner und Lateinamerikaner beziehend, 'weil wir zu beschäftigt damit sind herauszufinden, wie wir den bösartigsten, nihilistischsten, gewalttätigsten Teil der Menschheit zerstören, abriegeln oder kontrollieren können, dann verpassen wir den Anschluss.'"

Magazinrundschau vom 22.03.2016 - The Atlantic

Nicholas Dames, Professor für Literaturwissenschaft an der Columbia University, legt einen höchst gewichtigen Essay über William Eggintons' Cervantes-Biografie "The Man Who Invented Fiction" und anti- oder autofiktionale Romane von Chris Kraus und besonders Karl-Ove Knausgard vor. Folie ist die Romantheorie Richard Rortys, die besagt, dass uns Romane Empathie lehren, was Dames durch Egginton bestätigt sieht: "Eggintons Cervantes ist ein psychologischer Porträtmaler, seine Schlüsseltechnik ist ein Parallaxe-Effekt. Unser Leserstandpunkt wird dreidimensional, indem er zwischen das Missverständnis einer Situation durch einen Protagonisten und das ganze andere Verständnis dieser Situation durch eine zweite Romanperson positioniert wird. So gewinnt das fikionale Universum Tiefe. Wir lernen, wie unterschiedlich Dinge wahrgenommen werden, je nachdem wo und in wessen Schuhen wir stehen." Genau dieser Effekt aber wird von Knausgard durch sein radikal persönliches Schreiben verweigert: "Warum sollten wir einer Stimme lauschen, die unsere Empathie nicht will? (...) Weil diese Erfahrung daran erinnert, wie die Welt ohne Bewusstsein der Perspektiven anderer aussieht, egal, wie tröstend oder belastend sie sind."

Außerdem: Ta-Nehisi Coates freut sich über Neuausgaben von Comics mit schwarzen Superhelden.