Magazinrundschau - Archiv

Guernica

41 Presseschau-Absätze - Seite 3 von 5

Magazinrundschau vom 07.04.2015 - Guernica

Guernica druckt ein Interview, das David Simon am 23. Februar mit dem Schriftsteller Richard Price in New York geführt hat. Price, der in den 70er Jahren mit seinen Genreromanen über die Bronx ("The Wanderers" und "Bloodbrothers") bekannt wurde und einige Drehücher für "The Wire" schrieb, gibt unter anderem Auskunft über seine Arbeitsweise: "Wenn ich ein Buch schreibe, orientiere ich mich zuerst geografisch: Ich bin in Jersey City, in der Lower East Side oder in Harlem, und ich weiß, ich will über diesen Ort schreiben. Meine Gedanken dazu sind panoramisch, ich laufe da so rum, bis sich eine Geschichte von selbst ergibt. Geht es um ein Verbrechen, hat diese Geschichte mit den Verbindungen zwischen all den verschiedenen Elementen an diesem speziellen Ort zu tun, alles, was die Ermittlungen ans Licht bringen. Da geht es um das Soziale. Ich bin kein sozialer Realist, kein Skandalreporter oder so, aber wenn ich das Verbrechen erst habe, dann kommt dieses große, chaotische Durcheinander dazu, die Zeugen, die Familien, die Opfer, die Täter usw. Das wird dann das Rückgrat des Panoramas, das organisierende Prinzip. Folge den Ermittlungen und du ziehst alles und jeden aus dieser Welt da mit rein."

Magazinrundschau vom 24.03.2015 - Guernica

Die iranische Journalistin Habibe Jafarian schildert eindrücklich, was es bedeutet, als berufstätige Frau in Teheran zu leben, und erklärt, warum sie trotz allem nicht wie die meisten ihrer Freunde das Land verlassen will: "Ich bleibe, weil ich, wie meine Mutter immer betonte, meine eigene Frau und mein eigener Mann bin. Nicht nur muss ich mich als alleinstehende Frau Kopf an Kopf mit Männern messen; nicht nur sitze ich manchmal bis nachts um 11 am Schreibtisch um eine Deadline einzuhalten; nicht nur werde ich dann auf dem Heimweg verfolgt und angepöbelt, weil eine Frau so spät nicht mehr unterwegs sein sollte...; sondern ich werde auf der anderen Seite des sozialen Spalts auch von meinem eigenen Milieu dafür verurteilt, dass ich überhaupt bleibe, dass ich mir die Mühe mache, den Kampf auszutragen. Denn dies ist ein Kampf. Und wenn Frauen wie ich nicht bleiben, dann wird sich niemals etwas verändern."
Stichwörter: Iran, Teheran, Schreibtische, Guernica

Magazinrundschau vom 10.03.2015 - Guernica

Chris Parris-Lamb, 33-jähriger amerikanischer Literaturagent mit bereits beachtlichem Erfolg - drei Bestseller im letzten Winter, von denen einer für den National Book Award nominiert war - verteidigt im Interview die Idee von der großen Literatur und großen Autoren. Initiativen wie der National Novel Writing Month sind seiner Ansicht nach eine Beleidigung für jeden "richtigen Autor". Große Autoren seien ungefähr genauso selten wie große Herzchirurgen und brauchten genauso viel Übung. "Wahres Talent - die Gabe würde Lewis Hyde es wohl nennen - kann vor überall her kommen. Und wenn der National Writing Month dazu beiträgt, dass einer dieser talentierten Menschen sich die Zeit nimmt, seine Gabe zu kultivieren, dann ist diese Initiative vielleicht doch etwas wert. Aber ich bin skeptisch gegenüber der Vorstellung, ohne den National Writing Month würden diese Gaben nicht entdeckt werden. Ich glaube, es ist Teil der Natur einer Gabe, dass man sie nicht nicht ausdrücken kann - wer die Gabe hat, muss sie nutzen. Was einfach nur bedeutet, dass Menschen, die einen großen Roman in sich tragen, immer einen Weg finden werden, ihn zu schreiben. Falls es bis jetzt noch nicht klar geworden ist, ich finde jeder Autor sollte Lewis Hyde lesen."

Magazinrundschau vom 20.01.2015 - Guernica

Keine linke Idee ist heute subversiver als die der Commons. Sie bekämpft den Kapitalismus nicht, sondern sieht ihn als ein Bewässerungssystem, von dem alle profitieren können. Der Unternehmer Peter Barnes will in Guernica mit dieser Idee die darbende Mittelschicht retten. Sein Ausgangspunkt ist eine Erfindung eines republikanischen Senators in Alaska, der einen Teil der Öldividende auf die Bevölkerung umlenkte, so dass jeder Einwohner Alaskas jährlich 1.000 bis 3.000 Dollar erhält - kein schlechtes Zubrot für eine vierköpfige Familie! Ähnlich, so argumetiert Barnes, könnten etwa luftverschmutzende Unternehmen dazu gebracht werden, einen Teil ihrer Dividende an die Allgemeinheit zurückzugeben und damit zugleich einen Anreiz zu Klimaschutz zu erhalten. Auch die ewigen ideologischen Streitigkeiten in Amerika könnten damit geschlichtet werden. "Dividenden aus gemeinsamem Eigentum umgehen diesen bitteren Krieg. Sie brauchen keine Steuern oder Regierungsprogramme. Einmal eingeführt, basieren sie allein auf dem Markt. Und da dieses Einkommen legitim ist, kann es nicht als Wohlfahrt betrachtet werden. Es ist wichtig anzumerken, dass die Alaska-Dividenden immens populär sind. Politiker beider Parteien singen Loblieder auf sie, genau wie die Wähler."

Magazinrundschau vom 11.11.2014 - Guernica

Wie kommt man als möglicher Terrorist auf eine schwarze Liste der amerikanischen Regierung? Ein Klacks, lernen Hina Shamsi und Matthew Harwood bei ihrer Recherche für Guernica. "Informationen aus einer einzigen Quelle, und sei es nur ein unbestätigter Eintrag auf Facebook, erlauben es der Regierung, eine Person ohne weitere Überprüfung auf die schwarze Liste zu setzen. Vielleicht haben deshalb 40 Prozent der Personen, die auf der Meister-Liste stehen, nach eigener Aussage der Regierung "keine bekannte Verbindung zu Terroristen". Nichts verdeutlicht die post-9/11, Alice-im-Wunderland-Umkehrung der amerikanischen Auffassung von Rechtsstaatlichkeit noch eindrucksvoller als dieses "erst anschwärzen, Schuldlosigkeit feststellen später, vielleicht"-Haltung."

Außerdem: Rebecca Solnit setzt sich in einem Essay über Feminismus und Männer auch mit der Behauptung auseinander, Klagen wegen Vergewaltigung seien oft erlogen: "Vergewaltigung ist in unserer Kultur so gewöhnlich, dass man sie berechtigterweise epidemisch nennen kann. Wie sonst würde man etwas nennen, das fast jede fünfte Frau (und jeden 71. Mann) direkt betrifft und - als Drohung - praktisch alle Frauen? Beispiele dafür, dass Frauen fälschlicherweise Vergewaltigung behaupten, um einen Mann zu verleumden, sind extrem selten. Die seriösesten Studien legen nahe, dass etwa zwei Prozent aller Anzeigen wegen Vergewaltigung falsch sind, was bedeutet, dass 98 Prozent wahr sind."

Magazinrundschau vom 21.02.2014 - Guernica

Die Journalistin Masha Gessen hat offen wie kaum jemand anderes in Russland Kritik an Putin und der Regierung geübt. Als im vergangenen Jahr die Gesetzte gegen "homosexelle Propaganda" verabschiedet wurden, entschied sich Gessen jedoch, von Moskau nach New York zu ziehen - als lesbische Mutter hätte ihr das Sorgerecht für ihre drei Kinder entzogen werden können. Im Interview mit Meara Sharma berichtet sie in Guernica, wie diese Gesetze das gesellschaftliche Klima verändern: "Sie zementieren soziale Ungleichheit, weil sie es illegal machen, soziale Gleichheit einzufordern. Die Verbraucherbehörde, die für die Durchsetzung der Gesetze zuständig ist, hat eine Broschüre herausgebracht, wie sie zu interpretieren sind. Demzufolge ist jede neutrale oder positive Darstellung von homosexuellen Beziehungen oder nichttraditionellen Familien verboten. Genauso verboten - und das ist interessant - ist die negative Darstellung von heterosexuellen Beziehungen. Ganz nebenbei hat das Gesetz damit also auch jegliche Diskussion über häusliche Gewalt abgewürgt."

Magazinrundschau vom 07.02.2014 - Guernica

Der irisch-britische Dichter Nick Laird spricht im Interview mit Guernica über seinen neuen Gedichtband "Go Giants" und die Frage, welche Rolle Humor, Politik und Zorn in seinen Gedichten spielen: "Ich bin immer noch wütend über Nordirland. Ich bin wütend über das, was dort geschah und immer noch geschieht. Wütend darüber, dass Freunde getötet wurden und über diesen langwierigen Prozess, der uns viel eher größeren Frieden hätte bringen sollen. Die Menschen in Nordirland wurden von vielen Seiten im Stich gelassen und natürlich haben wir uns auch selbst im Stich gelassen. In meinen Gedichten versuche ich diese Wut - und die Trauer und die Hoffnung - auszudrücken. Ich glaube jedes Schreiben ist ein Versuch, den herrschenden Konsens zu verkomplizieren und zu untergraben. Schreiben personalisiert Statistiken. Es gibt einer Nummer einen Namen und ein Gesicht. In diesem Sinne ist es immer politisch."
Stichwörter: Guernica, Nordirland

Magazinrundschau vom 14.01.2014 - Guernica

In seinem bereits vieldiskutierten Buch "My Promised Land: The Triumph and Tragedy of Israel" pocht der israelische Autor und Journalist Ari Shavit darauf, dass Israel 1948 mit der Vertreibung der Palästinenser ein großes Verbrechen begangen hat, der Zionismus aber dennoch eine gute und gerechte Sache sei. Im Interview mit Susie Linfield sieht er in einem ähnlichen Spagat die Lösung für die festgefahrenen Nahost-Verhandlungen, bei denen die Palästinenser nicht auf ihr Rückkehrrecht verzichten wollen: "Der richtige Weg wäre, auch ohne Friedensplan für das Ende der Besatzung zu arbeiten. Es ist geradezu kriminell, dass die rechte Regierung einen solchen Friedensplan nicht einmal vorlegt. Es wäre ihre moralische Pflicht, das zu tun und für dessen Implementierung zu sorgen, sobald die Palästinenser dazu bereit sind. Aber eigentlich würde ich darauf nicht warten wollen. Wir können uns nicht zu Geiseln dieser Hoffnung machen. Deswegen müssen wir eine Art unilateralen Ansatz finden, den wir mit den Palästinensern koordinieren. Wiederholen wir nicht den Fehler von Gaza, der ein schlichtweg brutaler Unilateralismus war. Wir ziehen ab, vergessen die Leute, kümmern uns nicht um sie und lassen sie verrotten. Und dann kam die Hamas. Das war falsch. Aber wenn Frieden im Moment nicht möglich ist, die Besatzung jedoch unmoralisch und gefährlich, müssen wir ohne Frieden mit der Besatzung fertig werden. Versuchen wir einen graduellen, vorsichtigen, wohlüberlegten Abzug [aus den Siedlungen der Westbank]. Ich bin überzeugt, die Palästinenser würden die Lösung tief in ihrem Inneren begrüßen, weil es sie nicht zwingen würde, Zugeständnisse zu machen, die sie nicht machen können."

Magazinrundschau vom 29.10.2013 - Guernica

Die Journalistin und Anwältin für Bürgerrecht Alia Malek berichtet über die armenische Flüchtlingswelle, die der Bürgerkrieg in Syrien seit 2011 ausgelöst hat. Viele armenische Christen sind seit mehr als 100 Jahren vor allem in der nordsyrischen Stadt Aleppo ansässig, wo sie seit dem Genozid 1915 eine bedeutende Minderheit in Syrien darstellten. Nun bleibt vielen nichts anderes übrig als in ein Land auszuwandern, das sie nicht als ihre Heimat ansehen. Armenien profitiert von dieser Auswanderung. "Regierung und Privatleute unterstützten syrische Armenier bei der Jobsuche und bei der Überführung ihrer Geschäfte nach Armenien. Schließlich war die Gemeinschaft in Aleppo arbeitsam und wohlhabend und Armenien brauchte Arbeitskräfte, Investitionen und einen Schubs für die Wirtschaft, die in hohem Maße auf Subventionen angewiesen war. Viele sahen in Syriens Verlust eine Antwort auf die Probleme Armeniens."

Außerdem: Autor Daniel Woodrell ("Sweet Mister", "Winter's Bone" - ein Roman, der mindestens zehn mal abgelehnt wurde) spricht im Interview über das Leben in den Ozarks und seinen neuen Roman "The Maid's Version".

Magazinrundschau vom 20.08.2013 - Guernica

Das britische Politikmagazin dokumentiert ein von Mishal Husain moderiertes Podiumsgespräch, in dem es um Meinungsfreiheit und Zensur in Sri Lanka, Indien, China, Burma und England ging. Teilnehmer waren die ehemaligen BBC-Korrespondentin und Buchautorin Frances Harrison ("Still Counting the Dead: Survivors of Sri Lanka's Hidden War"), der Direktor des Londoner Institute für Human Rights and Business Salil Tripathi ("Offence: The Hindu Case. Manifestos for the 21st Century"), Julia Farrington, Mitarbeiterin der Zeitschrift Index on Censorship, sowie der ehemalige Politikredakteur des Standard, John Kampfner, der heute Google in Sachen freier Meinungsäußerung berät. Kampfner hält Zensur und Probleme mit Meinungsfreiheit für ein universelles Problem, es gebe kein einziges Land auf der Welt, wo es keine diesbezüglichen Konflikte gebe. "Und häufig sind die Schlimmsten, was das Schaffen von Präzedenzfällen und das Verteilen von Feigenblättern an wirklich üble Regimes angeht, westliche Regierungen. Im Januar arbeitete ich an einer Reihe von Gesetzen und Novellen, die das Internet-Recht betreffen. Und die sind in vielerlei Hinsicht wirklich schrecklich und gefährlich. Immer wenn sich internationale Organisationen oder andere Regierungen beschweren, kann ein Land wie Russland den Spieß einfach umdrehen und sagen: Ihr macht doch das Gleiche, ob es nun um Überwachung, Datenspeicherung oder sonst was geht. Jedes Land, vor allem ein altes, etabliertes mit einem demokratischen Hintergrund, leitet Gesetze oder Maßnahmen in die Wege. Wie es zum Beispiel der britische Premierminister bei den Unruhen in London aus Frust und Verzweiflung sagte: Wenn wir die Handynetze und Internetprovider abschalteten, würden wir die Sache in den Griff kriegen. Andererseits war das ein Geschenk des Himmels. Die iranische Regierung, stelle ich mir vor, hat sich umgedreht und gesagt: Wir schicken euch gern ein paar Menschenrechtsberater, die euch bei eurer Klemme und euren Problemen helfen."