
Die Philosophin
Martha Nussbaum unterzieht
Angus Deatons Studie "The Great Escape: Health, Wealth, and the Origins of Inequality" (
Auszug) einer sehr gründlichen Lektüre, obwohl sie es durchaus einer gewissen Leichthändigkeit der Argumentation beschuldigt. Auch Deaton fragt (wie Perry oben in
Newsweek) nach dem
Dilemma westlichen Engagements in Entwicklungsländern, beschäftigt sich aber weniger mit Militärinterventionen als mit Entwicklungshilfe. Bei aller Reserve scheint Nussbaum Deatons Thesen weitgehend zuzustimmen: "In den wahrscheinlich streitbarsten Kapiteln seines Buchs argumentiert Deaton, dass die Probleme globaler Armut von ausländischer Hilfe und privaten Hilfsorganisationen wohl nicht nur nicht gelöst, sondern
eher noch verschlimmert werden. Die Menschen in den reichen Ländern wollen helfen, sie fühlen eine moralische Verpflichtung. Aber wenn sie armen Ländern Geld geben, lösen sie damit nicht das Problem. Wie der Ökonom Peter Bauer vor langem darlegte: Wenn
alle Bedingungen für Entwicklung gegeben sind, außer Kapital, dann wird das Kapital früher oder später lokal gebildet oder als Kredit zur Verfügung gestellt... Deaton ergänzt einige Argumente: Erstens wird die Hilfe selten von den Nöten der Bedürftigen geleitet, sondern von den Prioritäten und
Interessen der Geberländer. Zweitens wird Hilfe in der Regel Regierungen gegeben, die kein Interesse daran haben, ihren eigenen Leuten zu helfen."
"
Amazon muss gestoppt werden", titelt Franklin Foer programmatisch und
erzählt, wie sich irgendwann in den Sechzigerjahren die Auffassung durchsetzte, dass der
Kampf gegen Monopole nicht dem Schutz kleinerer Unternehmen dient, sondern dem Schutz der Konsumenten. Als Konsequenz daraus sind heutige Monopolisten wie Walmart und Amazon
ausgesprochen verbraucherfreundlich und beuten stattdessen ihre Angestellten und Zulieferer aus. Die Auswirkungen sind nicht weniger zerstörerisch, aber der öffentliche Protest hält sich in Grenzen, weil die Kunden von dem
kannibalistischen Geschäftsmodell profitieren: "Wir alle sind verführt worden von den niedrigen Preisen, den automatischen monatlichen Windellieferungen, den kostenlosen Prime-Filmen, der Geschenkverpackung, dem kostenlosen Zwei-Tage-Versand, der Möglichkeit, Schuhe und Bücher und Toilettenpapier und Pintobohnen am selben Ort kaufen zu können. Aber inzwischen ist es über Verführung hinausgegangen. Jetzt erwarten wir diese Bequemlichkeit, als wäre sie ein Geburtsrecht. Sie hat sich eingebrannt in unsere Vorstellung davon, wie Konsumenten behandelt werden sollten. Diese Erwartung führt zu unserer
kollektiven Verleugnung von Amazons Wesen." Und das wird uns am Ende, so Foer, wie alle Monopole eine geringere Auswahl und Qualität verglichen mit heute anbieten.