Magazinrundschau - Archiv

The New York Times

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Magazinrundschau vom 18.11.2002 - New York Times

Der große irische Schriftsteller (und eminente Kunstkenner) John Banville (mehr hier) bespricht "Seek My Face", den neuesten Roman von John Updike, in dem es um Kunst geht. Genauer: Um einen nur leicht fiktionalisierten Jackson Pollock und dessen Witwe, der Malerin Lee Krasner (mehr hier), die im Roman Hope Chafetz heißt. Erzählt wird deren Lebensgeschichte in Interviewform, manches - nicht nur die Namen - ist hier freilich anders als es sich im wirklichen Leben ereignet hat. Gelungen ist das Experiment nicht ganz, meint jedenfalls Banville. "Updike has attempted to meld art criticism, or at least art history, with fiction. The result is a fascinating but not entirely successful hybrid." Am besten gefällt Banville die Schilderung des Verhältnisses der alten Hope und der jungen Journalistin Kathryn, die das Interview führt (und die der Erzähler, wie wir erfahren, bis auf die Toilette begleitet). Der Haupteinwand richtet sich gegen die Darstellung Pollocks, den überzeugend zu verlebendigen Updike nicht gelinge. Schlimm aber ist das nicht: "In this novel he may not succeed in finding the face he seeks; nevertheless the search throws up other discoveries, other recognitions, other illuminating revelations." Hier eine Leseprobe.

Anlässlich einer soeben erschienenen Biografie (hier das erste Kapitel) wird der Schriftsteller L. Frank Baum (Biografie) vorgestellt, der auch in den USA halb vergessen ist - und zwar nicht zuletzt wegen des überwältigenden Erfolgs, den die Verfilmung seines Romans "Wonderful Wizard of Oz" (1900 erschienen) hatte. Der Film mit Judy Garland ist längst ein amerikanisches Nationalheiligtum, das Buch - beziehungsweise die ganze Serie von Oz-Büchern (alle im Netz zu lesen hier), die bis zu Baums Tod im Jahr 1919 folgte - steht noch immer in seinem Schatten. Zu Unrecht, meint die Rezensentin Brooke Allen, der Roman lese sich, gerade im Vergleich mit dem Film, erfrischend unsentimental.

Politische Bücher: Daniel Levitas Buch "The Terrorist Next Door" über die radikale Rechte Amerikas hält laut Mark Silk auf überzeugende Weise die Erinnerung daran wach, dass gemeingefährliche Irre in den USA nicht arabischer Herkunft sein müssen. (Erstes Kapitel hier.) Und dann hat Al Gore (Sie erinnern sich?) noch ein neues Buch ("Joined At The Heart" - erstes Kapitel hier) geschrieben, gemeinsam mit seiner Ehefrau Tipper. Es geht darin um amerikanische Familienwerte und das ganze hätte, meint Robin Toner, durchaus schlimmer ausfallen können.

Die Krimi-Kolumne: Deutschlands liebster Skandinavier Henning Mankell ist gerade dabei, auch in den USA eine feste Genre-Größe zu werden. Der einflussreichen Rezensentin Marilyn Stasio gefällt er jedenfalls, der "reflective detective" Wallander, den Roman "Firewall" (zu deutsch: Die Brandmauer) lobt sie als "thinking man's thriller". Ebenfalls gut weg kommen Krimis von Andrea Camilleri und Jean-Patrick Manchette.

Magazinrundschau vom 11.11.2002 - New York Times

In regelmäßigen Abständen warnt uns Richard Preston vor den Gefahren durch tödliche Bakterien, Viren und Mikroben. Offensichtlich hat er prominente Leser. Nach der Lektüre seines zweiten Buches soll Präsident Clinton das Budget für die Verteidigung gegen biologische Waffen deutlich erhöht haben. Prestons neues Buch "Demon in the Freezer" (erstes Kapitel hier) widmet sich den Pocken. Die bewährte Mischung aus "Terror, Technologie und Trivialität" will aber diesmal nicht so recht zünden, meint Rezensent Harold Varmus. Etwas unzusammenhängend wirken auf ihn die Essays über das Virus, die Fallgeschichten und Interviews mit Forschern. Nur stellenweise lese man Preston in Bestform, etwa wenn er schildert, "wie eine einzige infizierte Person (wie der zurückkehrende Reisende in Meschede, Westdeutschland, 1970 - heute wäre er wohl ein Bioterrorist) eine Epidemie auslösen kann; und wie schrecklich die Krankheit sein kann (in der hämorrhoiden Variante 'verfärbt sich die Haut bis sie verkohlt aussieht, und kann sich dann in Streifen vom Körper lösen?)."

Der gefeierte Jonathan Franzen präsentiert sich mit seiner Essaysammlung "How to be Alone" ("Anleitung zum Einsamsein") mit Magazinartikeln aus den vergangenen Jahren als nachdenklicher, sensibler und origineller Beobachter der Welt um uns herum, schwärmt A. O. Scott. "Er beginnt mit der jedem guten Schriftsteller vertrauten Hypothese, dass noch die einfachsten, trivialsten Aktivitäten - das Ausdrücken einer Zigarette, das Aufgeben eines Briefes, das Wählen einer Telefonnummer, das Lesen eines Buches - vor Komplexität nur so strotzen, und dann zerlegt er, mit beispielhafter ethischer Ernsthaftigkeit, grimmiger Konsequenz und feinem Witz, diese Komplexitäten in ihre moralischen, psychologischen und historischen Komponenten."

Außerdem: Brooke Allen ist begeistert von Margaret Drabbles elegantem, unaufdringlichem und effektivem Stil in "The Seven Sisters" (erstes Kapitel hier), wo Mauerblümchen Candida mit ihren Freundinnen auf den Spuren von Aeneas von Karthago nach Neapel reist. John Leonard ist noch mitten im Geschwindigkeitsrausch von Dave Eggers' (mehr hier) zweitem Roman "You shall know our Velocity" (erstes Kapitel hier), einem Roman über die atemlose Flucht zweier Freunde von Chicago nach Marrakesch und wieder zurück. Neil Gordon empfiehlt "The Secret", Eva Hoffmans packenden Erstling über eine Frau auf der Suche nach ihrer Identität im Jahr 2025. Und Murray Sayle stellt "A Secret History of the IRA" von Ed Moloney vor.

In der Science-Fiction-Ecke tummeln sich intergalaktische Geheimagenten und 12-jährige Assassinen.

Magazinrundschau vom 04.11.2002 - New York Times

Dieses Buch wird eine Menge Leser haben, und alle werden glauben, es sei speziell für sie geschrieben worden, prophezeit A. O. Scott "The little Friend", dem neuen Roman von Donna Tartt. Scott entdeckt in Tartts 12-jähriger, altkluger und unsentimentaler Heldin Harriet Dufresne, die sich auf die Suche nach den Mördern ihres Bruders macht, etwas von Faulkners Caddy oder Louise Fitzhughs kindlicher Dektetivin "Harriet the spy". "Ein Buch, dass sich sich neugierige junge Leser von dem Bücherregal ihrer Eltern herunterpflücken und mit innigem Eifer verschlingen werden, angezogen von einer Autorin, die ihre Gedanken zu lesen scheint und ihnen die süß-sauren Früchte exotischen, verbotenen Wissens schenkt", rühmt Scott. (Hier das erste Kapitel)

Nach der Lektüre von zwei vorzüglichen Studien über Pakistan (von Owen Bennett Jones und Mary Ann Weaver) ist sich Robert D. Kaplan bewusst geworden, wie kurz das zerrüttete Land vor einer Explosion steht - vielleicht einer atomaren. Und wie gefährdet Präsident Musharraf ist, vielleicht noch mehr als im Oktober 1999 Pakistans letzter demokratisch gewählter Präsident Nawas Sharif, der einen theokratischen Gottesstaat unter dem Deckmantel der Demokratie errichten wollte und "einem zivilen Flugzeug voller Schüler die Landung verweigerte, um einen der Passagiere zu töten. Der Passagier war Generalstabschef Musharraf, dessen Offiziere Sharif aus dem Amt entfernten, buchstäblich Minuten, bevor dem Flugzeug das Benzin ausgegangen wäre."

Weitere Artikel: Im Close Reader zerpflückt Judith Shulevitz die religiöse Spurensuche von Norman Podhoretz (mehr hier), der die Exegese des Alten Testaments für christlich dominiert und damit falsch hält und zu den wahren Aussagen der Propheten des jüdischen Volkes vorstoßen möchte. Wendy Lesser hält Scott Turrows Thriller "Reversible Errors" (hier das erste Kapitel) für ein Buch, über das man noch wochenlang nachdenken kann. Evan Thomas ist erstaunt, wie lebendig und verstörend zugleich ein Bericht über das Versagen der US-Regierung im Vorfeld von 9/11 sein kann ("The Age of Sacred Terror" von Daniel Benjamin und Steven Simon). John Sutherland hat Mike Davis' "Dead Cities", eine apokalyptische Visionen über die Zerstörung der Städte und den Niedergang unserer urbanen Kultur gelesen und viel Wahres entdeckt, aber es ist wie immer: "Cassandra klagt umsonst."

Magazinrundschau vom 28.10.2002 - New York Times

Was macht Marcel Proust zum Genie, was George Eliot unsterblich? Harold Bloom (mehr hier) porträtiert in seinem neuen Buch "Genius" 100 literarische Ausnahmeerscheinungen. Und auch wenn er sich in seinen kurzen Essays unaufhörlich wiederholt, unüberprüfbare Behauptungen in den Raum stellt oder beizeiten einfach unverständlich ist, die Ehrfucht, Liebe und Abneigung zu den Büchern und ihren Autoren ist dem belesensten Literaturkritiker unserer Zeit in jeder Zeile anzumerken, findet Judith Shulevitz. Vor allem seine größte Passion: "Blooms Leidenschaft zur literarischen Persönlichkeit erklärt auch sein merkwürdiges Beharren darauf, dass 'J.', Autor der Genesis, des Exodus und der Numeri eine Frau am Hofe König Davids gewesen sei. Bloom möchte, dass wir auch Gott als einen Charakter in J.'s literarischem Kosmos sehen, einen reichlich mit ihrer boshaften Ironie ausgestatteten und weniger vorhersagbaren und weniger ehrlicheren als die Tradition zugeben mag." 

Weitere Artikel: Richard E. Nicholls zeigt sich beeindruckt von T. J. Stiles' großer Jesse-James-Biografie, die dem legendären amerikanischen Outlaw des Bürgerkriegs bisher ungeahnte Seiten abgewinnt. "Er war gut gekleidet, ein schlauer Publizist und Politiker, ein glänzender Reiter und und ausgesprochen cool." Jeffrey Eugenides (hier mehr) bejubelt Joanna Scott, die sich mit ihrem neuen Roman "Tourmaline", wo sie die Fragen eines Sohnes zu einer Erkundung über die grundlegenden Fragen des Lebens werden lässt, erneut als eine berufene Schriftstellerin erweist. Ruth Franklin würdigt "The Crazed" als radikal und den Verfasser Ha Jin als verwirrendsten Autor der englischen Sprache, der, indem er alle Regeln des Schreibens wie selbstverständlich bricht, Werke von außergewöhnlicher Moral und Schönheit vorlegt.


Magazinrundschau vom 21.10.2002 - New York Times

Endlich ein Buch über den 11. September, bei dem es - wie in den 150 Büchern davor - nicht nur von Helden wimmelt", schreibt Jeffrey Goldberg über William Langewiesches "American Ground". Langewiesche, Starreporter des Atlantic Monthly, hat die Aufräumarbeiten an Ground Zero vom ersten bis zum letzten Tag an mitverfolgt und in gewohnt herausragender journalistischer Qualität geschildert, jubelt Goldberg: "It is a work of original reporting, and its pages are filled with astonishing observations. There are too many arresting passages to recount here, but let me note two: Langewiesche's walk through the ghost world of the Bankers Trust building, which was damaged in the attack but did not fall, is postapocalyptic in its loneliness; and his reconstruction of the last minutes of the planes that slammed into the towers - American Flight 11 and United Flight 175 - is terrifying in its exactness." (Auszüge aus der in drei Teilen veröffentlichte Reportage in Atlantic Monthly finden Sie hier und hier und hier).

Gute Gründe für einen Krieg gegen den Irak findet Jack F. Matlock Jr. in Kenneth M. Pollacks "The Threatening Storm" (Leseprobe). Der frühere Geheimdienstmitarbeiter Pollack verfüge über ein umfangreiches Detailwissen und liefere präzise Analysen, meint der Rezensent. Wie etwa diese: "The idea that opposition groups could lead an invasion and prevail with the support of American air strikes and some special forces, as happened in Afghanistan, is an illusion, he believes. No neighboring states would back such an effort and it would probably fail even if they did. The only sure course is a blitzkrieg by American ground troops."

Weitere Artikel: In ihrem Close Reader folgt Judith Shulevitz Hillel Halkin in das Grenzgebiet zwischen Tibet und Burma, wo ein Volk behauptet, direkt von einem der zehn Stämme Israels abzustammen. Nach der Lektüre von David Rockefellers Memoiren (Leseprobe) sehnt sich David Brooks nach der Zeit zurück, als die Prominenten sich - wie Rockefeller - durch gepflegte Umgangsformen auszeichneten und nicht nur durch ihr monströses Ego. Joyce Carol Oates' 38. Roman "I?ll take you there" (Leseprobe) würdigt Jennifer Egan zwar als bezaubernd, als Oates' Meisterwerk möchte sie es aber nicht bezeichnen. Einen Meister des internationalen Thrillers nennt Richard Eder Martin Cruz Smith, und auch dessen neuestes Werk "December 6" sei ein könnerhaft und fehlerlos inszenierter Krimi im Japan des Zweiten Weltkriegs.

Kurz besprochen werden Sachbücher, darunter eines über Juden in Deutschland, und Kinderbücher, über Hühner und Scheunen. In der Krimi-Ecke geht es etwa um Verbrechen in Florenz, Maryland, Los Angeles und England. Zu guter letzt ein Herbsgedicht von Judy Katz.

Magazinrundschau vom 14.10.2002 - New York Times

Im Jahre 1792 setzten sich zwei französische Astronomen ein vermessenes Ziel. Sie wollten einen neue Maßeinheit für die ganze Welt schaffen, den Meter. Ken Alder beschreibt in seinem nach Meinung von Timothy Ferris "überaus originellen" Buch "The Measure of All Things" (hier das erste Kapitel) das Abenteuer der Vermessung in revolutionärer Zeit. Es ging darum, die genaue Länge des zehnmillionsten Teils der Strecke vom Nordpol zum Äquator herauszufinden. Dafür begaben sich die beiden Astronomen auf die Reise, um die Strecke zwischen Dünkirchen und Barcelona genauestens zu vermessen und daraus den Erdumfang abzuleiten. Die Sache sollte in ein paar Monaten erledigt sein, aber Europa lag im Krieg, und die Reise verlängerte sich auf sieben Jahre. Die Landvermessung mit den blinkenden Instrumenten der beiden Forscher "geriet ins Chaos. Sie wurden festgehalten, eingesperrt und gerieten an so viele Hindernisse, dass man eher glaubt, einen Roman von Cervantes oder Rabelais als ein populärwissenschaftliches Werk zu lesen."

In seinen gesammelten Essays, Reden und Aufsätzen (hier das erste Kapitel) übertritt Salman Rushdie furios die Grenzen der Sprache, Geografie und Kultur, schreibt ein beeindruckter Richard Eder. "There is the Rushdie, that is, who puns, capers and shows off in gaudy colors and with world-girdling panache. The Rushdie plummeting through space after the fatwa marked him for death and punished him with a rough internal exile that kept him hidden and guarded for a number of years. Rushdie registering each sting of narrowness, arrogance or criticism -- he takes the last to be equivalent to the first two -- and instantly lashing back."

Weiteres: Sehr gut, wenn auch etwas verstörend findet John Sutherland "Family Matters", den dritten Roman (erstes Kapitel) des diesjährigen Favoriten für den Booker Prize Rohinton Mistry. Robert J. Richards stellt "The Blank Slate" von Steven Pinker vor: der Autor bricht eine polemische Lanze für die Gene, denen er einen viel größeren Einfluss auf unser Wesen zutraut, als die meisten seiner Wissenschaftler-Kollegen (erstes Kapitel). Und in seinem neuen neuen "Biographical Dictionary of Film" David Thomson wieder einmal aufs Neue, dass er einfach unersetzlich ist (erstes Kapitel), meint Sarah Kerr.

In der Science-Fiction-Ecke geht es um Rachefeldzüge in einem fantastischen Japan oder den Kalten Krieg zwischen Aliens und Menschen. Kurz besprochen wird unter anderem der Debütroman von Joyce Hackett.




Magazinrundschau vom 07.10.2002 - New York Times

Randvoll mit guten Büchern, die Review diese Woche: Michael Palin ist ganz entzückt von Ed Sikovs informativer und unterhaltender Biografie der englischen Komödien-Ikone Peter Sellers ("Mr. Strangelove" erschienen bei Hyperion, mehr über die Pink-Panther-Reihe und alle anderen Filme hier). Das Lob Palins zählt doppelt, wenn man weiß, wie sehr er Sellers verehrt. "Sellers was also a master of understatement. As much as any comic actor I know, with the possible exception of John Cleese, Sellers realized how much funnier comedy can be if played not only straight but with gravity and conviction. As Sikov writes, 'He remains to this day the master of playing men who have no idea how ridiculous they are.' He was blessed with an inexhaustible gift for mimicry, what Sikov calls his 'omnidextrous voice'. The only accent that defeated him, apparently, was Texan." Texaner sollen ja ohnehin wenig Spaß verstehen .

Außerdem in dieser randvollen Ausgabe: Als überzeugenden Triumph bezeichnet Geoffrey C. Ward den Roman "Paradise Alley" von Kevin Baker, der von der dunkelsten Stunde New Yorks vor 9/11 erzählt, den irischen Aufständen im Jahre 1863 (Leseprobe). Erfrischend bis köstlich liest sich Zadie Smiths zweiter Roman "The Autograph Man" für Daniel Zalewski, leider nur in der zweiten Hälfte (Leseprobe). Beim nächsten Buch, hofft der Rezensent, wird Smith ihren Rhythmus wiederfinden. John Tooby feiert Janet Brownes Abschlussband ihrer monumentalen und konkurrenzlosen Darwin-Biografie (Leseprobe). Maureen Howard bewundert Milan Kunderas Roman "Ignorance" ("Die Unwissenheit"). Im Close Reader überlegt Judith Shulevitz, ob es das Böse an sich überhaupt gibt, auf dessen Schlechtigkeit sich alle einigen können, wenn doch "Al Qaeda members and Palestinian suicide bombers are genuinely, sincerely, convinced that they are doing the right thing."

Die Krimi-Kolumne beschäftigt unter anderem mit 93-jährigen Zahnärzten, unschuldig wirkenden Molekularbiologen und Journalisten auf Kreuzzug. Kurz besprochen werden diesmal Sachbücher, etwa über die New York Yankees, die Erfindung des Flugzeugs oder die zwei mysteriösen mähnenlosen Löwen, die 1898 in Ostafrika über 100 Eisenbahnarbeiter töteten.

Magazinrundschau vom 23.09.2002 - New York Times

Erstaunt stellt Judith Shulevitz im "Close Reader" fest, wie gekonnt die Schriftstellerinnen des viktorianischen Englands die ihnen von der Gesellschaft auferlegten Beschränkungen für ihre Profession nutzten. Christina Rossetti, Emily Dickinson, Elizabeth Barrett Browning und Emily Bronte lebten bei ihren Eltern, mussten kein Geld verdienen, konnten sich jederzeit von den langweiligen Tee-Runden zurückziehen und waren durch ihren Mangel an formaler Bildung prädestiniert für originelle Ideen. "After all, poetic composition is the art of finding beauty in constraint, of turning limitation into aesthetic opportunity, and that, we know, is a feat these women were forced to perform incessantly. As Dickinson, with her great talent for ambivalence, put it: 'Essential Oils / are wrung / The Attar from the Rose Be not expressed by Suns / alone / It is the gift of Screws / ...'."

Wir bleiben bei den Frauen: Francine Prose hat in ihrem neuen Buch neun Musen berühmter Künstler porträtiert. Und hat dabei herausgefunden, dass diese beileibe keine passive oder gar eine Opferrolle innehatten. Nicht alle waren allerdings so erfolgreich wie Lou Andreas-Salome, schreibt Stacy Schiff: "Lou managed a sexless romance with Nietzsche, an equally sexless 43-year marriage to a philologist, a torrid affair and long relationship with Rilke and a friendship with Freud, all the while turning out a small library of her own work, some of it critical of the men she so invigorated. She was smart enough to leave them all wanting more, behavior that illuminates two central tenets of musedom: sex has relatively little to do with it; longing, on the other hand, is key. Freud spoke of directing his remarks to Lou's empty seat in the lecture hall. Impossible though it sounds, 'Thus Spake Zarathustra' has been described as a balm to a broken heart. The muse should be as charming as she is unobtainable, a fantasy bartender."

Eva Hoffmann bewundert die "ruhige Schönheit" von "About Nature", einem posthum veröffentlichten und in Versen gehaltenem Frühwerk W.G. Sebalds. "Sebald's writing here, as in all his work, is nourished by precise detail, by the quiddity of the material world; but its scope derives from the largeness of his temporal imagination." (Hier das erste Kapitel). Mindestens ebenso beeindruckt ist Edward Hirsch von Abba Kovners letztem Gedichtband, der durch seinen knappen, schnörkellosen, ja, finalen Stil überzeugt (das erste Kapitel). Claire Dederer lobt Nani Powers neuen Roman "The Good Remains", eine Elegie auf den Süden der USA und den Untergang seiner Tradition (das erste Kapitel). Und Robert Harris folgt bereitwillig Tony Horwitz, der auf den Spuren Captain Cooks die Welt bereist und dabei notiert hat, wie die westliche Zivilisation Cooks Paradiese verändert hat.

Kurz besprochen werden Bücher über die Drucke von Roy Lichtenstein, das Leben des kleinsten Mannes von England, die schönste Stadt der Welt, Florenz, oder die Schlacht bei Gettysburg. Und die Krimikolumne beschäftigt sich mit sadistischen Psychologen, emotionalen Hausfrauen sowie traditionsbewussten Killern in der Londoner Portobello Road.

Magazinrundschau vom 16.09.2002 - New York Times

Als "das Fesselndste, was je über die ersten Jahre der Atommacht USA geschrieben wurde", lobt David A. Hollinger "Brotherhood of the Bomb". Darin rollt der Historiker Gregg Herken noch einmal den Skandal um den Atomwissenschaftler Robert Oppenheimer auf. Der Direktor des Atomwaffenentwicklungsprogramms, war auf dem Höhepunkt der Kommunistenverfolgung durch McCarthy mit einer gezielten Verleumdungskampagne als Verräter gebrandmarkt und schließlich 1954 entlassen worden. Unschuldig, wie Herken mit neuen FBI- und KGB-Akten und mehr als 80 Interviews beweist. "There certainly were spies at Los Alamos. Klaus Fuchs and Ted Hall have long since been identified, and there was at least one other whose identity remains undisclosed. But F.B.I. wiretaps quoted by Herken reveal Robert Oppenheimer's Communist friends in Berkeley plotting espionage while complaining ruefully about his refusal to talk to them about his secret work. Soviet documents available since the end of the cold war record frustration that agents had not been able to recruit Oppenheimer." Hier das erste Kapitel.

Gao Xingjians zweiter großer Roman "One Man's Bible" wurde ins Englische übersetzt. "Eine kraftvolle Erzählung" über den inneren, zermürbenden und allgegenwärtigen Terror in China, sei dem Nobelpreisträger für Literatur im Jahr 2000 da gelungen, jubelt Barbara Crossette. ''One Man's Bible'' ist mehr autobiographisch als fiktiv und spielt "in the political claustrophobia and paranoia of the 1960's and early 70's, when Chinese society imploded: children informed on their parents, neighbors spied on neighbors, creative people burned their poetry and paintings and the revolution began to devour itself, pitting cadre against cadre. Families were scattered and decimated by re-education, prison labor, disease and untimely death." Hier eine Leseprobe aus dem ersten Kapitel.

Laura Miller ist überwältigt. Denn "Middlesex" von Jeffrey Eugenides ist alles zugleich: eine Saga, ein Ideen- und ein Entwicklungsoman. Die Geschichte der Hermaphroditin Calliope Stephanide sei länger und witziger als der Vorgänger "The Virgin Suicides", meint Miller, lebe aber ähnlich und genauso erfolgreich von Kontrasten. "There's the gap between male and female, obviously, but also between Greek and WASP, black and white, the old world and the new, the silver spoon and the sluggish sperm." Eine Leseprobe aus dem ersten Kapitel.

Besprochen werden außerdem eine ganze Reihe von Büchern und Studien, die sich mit dem Phänomen der "Sopranos" beschäftigen, der erfolgreichen Fernseheserie über eine Mafia-Familie; sowie Michael Fabers ambitionierter Roman "The Crimson Petal and the White", in dem eine Prostituierte sich dem Kind eines reichen Mannes annimmt (Leseprobe hier).

Magazinrundschau vom 09.09.2002 - New York Times

Auch die New York Times Book Review kann sich der Jahrestags-Aktualität nicht entziehen, der Schwerpunkt der Besprechungen liegt auf Büchern zum 11. September. Eine umfangreiche Leseliste zum Thema findet sich hier. Walter Kirn hat sich durch eine ganze Reihe von ihnen gelesen. Eher enervierend fand er, was Schriftsteller und Intellektuelle in ersten, nun festgehaltenen Reaktionen zu schreiben hatten: "With some exceptions these first-response reflections on terrorism have a strained, hurry-up-and-say-something-memorable feeling. One suspects that events caught these authors napping just like almost everybody else, but, being literary professionals, they felt obliged to snap out of it immediately and hit their keyboards, like pianists on the Titanic."

Außerdem werden zum Thema besprochen: Ein Band mit Thomas L. Friedmans (er ist Autor der New York Times) Kolumnen (hier das erste Kapitel), die sich, das findet der Rezensent nicht unbedingt schlecht, durch ungebrochenes amerikanisches Selbstbewusstsein auszeichnen: "With all those contradictions, few writers express better the sheer perplexity of America today: We are an open society and a beacon of freedom, so why do they hate us?" Eine Rekonstruktion der Al-Qaeda-Vorgeschichte liefert John Millers und Michael Stones "The Cell": Die Autoren, "distinguished investigative reporters, with the help of the editor Chris Mitchell, bring high credibility to this streetwise, gritty police procedural, especially Miller, a television reporter who trekked into the Afghan mountains in 1998 to interview bin Laden." Weiter wird besprochen James B. Stewarts Geschichte eines wahren Helden, des Sicherheitsbeauftragten von Stanley Morgan, Rick Rescorla: "A co-worker urged Rescorla to leave. 'I will,' he said, 'as soon as I've got everybody else out.' He had plenty of time to save himself. But when last seen, he was on the 10th floor, climbing up the stairs to search for stragglers." Und noch eine Rekonstruktion, nämlich die des einzigen Terroristen-Fluges, der sein Ziel nicht fand - hier gibt es als Leseprobe das erste Kapitel aus Jere Longmans Buch "Among the Heroes".

Von den Büchern zu anderen Themen wird Antony Beevors "The Fall of Berlin 1945" am besten besprochen. Beevor, der Autor mehrerer militärgeschichtlicher Bücher, schildert im blutigen Detail den Untergang des Dritten Reichs, die sinnlosen Verteidigungsschlachten eines längst verlorenen Kriegs, aber auch die Bestialität der Roten Armee:" Beevor's gut-wrenching tale is told from the perspective of those who lived, fought and all too often died in East Prussia and Berlin. His descriptions of the experiences of individual soldiers and civilians, the street fighting in Berlin and the events taking place in the Hitler bunker and the Kremlin, make 'The Fall of Berlin 1945' the best account yet written on the death knell of Hitler's vaunted Thousand Year Reich."

Marilyn Stasio hat sich durch eine Reihe neuer Krimis gelesen, aber weder das neue Buch von Martha Grimes noch der jüngste Roman des großen K.C. Constantine haben sie besonders beeindruckt.