
Nick Lowe
scheint sich bestens amüsiert zu haben bei der Lektüre von
Martin M. Winklers "Gladiator - Film and history" (
lange Leseprobe), das den
abenteurlichen Werdegang von Ridley Scotts Historien-Schinken nachzeichnet. Abenteurlich, weil nicht weniger als drei Autoren am Script gearbeitet haben - allerdings nie zusammen. Und Lowe hätte nicht überraschter sein können über den Kontrast zwischen
David Franzonis ursprünglichem, gut recherchierten und leicht surrealen Text und
John Logans plattem Hollywood-Mainstream: "In einer unglaublichen Szene gegen Anfang des Films werden der Held und seine Mitsklaven aus ihrem verschlossenen Wagon ausgeladen, mitten in das, was sie gruseligerweise für einer
Hinrichtungsstätte in irgendeinem mitteleuropäischen Wald halten, dann aber nach und nach überirdische Lichter und Geräusche zwischen den Bäumen zu bemerken. Und plötzlich finden sie sich im
Kolosseum wieder, das mit Bäumen beplanzt ist um einen Wald vorzutäuschen. Und 'auf sie herab schauen
fünfzig tausend Fans - und wie aus einem Mund, wie in einer surreal trunkenen Tonspur, lachen sie alle.' Im Gegensatz dazu ist Logans Version eine
miserable Fußgängerparade von Hollywood-Klischees mit einem lächerlichem Ende, in dem der Held tatsächlich dem
Sonnenuntergang mit seinem Ersatz-Sohn, dem (historisch fälschlicherweise) jüngeren Verus, entgegenreitet." William Nicholson, der Dritte im Bunde habe dann, schon während gedreht wurde, eine Art Synthese beider Versionen schreiben müssen. Doch es kam zum - ironischen -
Happy End: Die drei sahen sich zum ersten Mal, als ihnen gemeinsam der Oscar für das Beste Drehbuch verliehen wurde.
Weitere Artikel: Zum 100. Geburtstag des
"Bloomsday" überdenkt Declan Kiberd noch einmal den
Fall "Ulysses" und erinnert sich an die Bemerkung seines Vaters, nachdem er im Radio die komplette Hörbuchfassung gehört hatte: "Meinst du nicht, es könnte besser sein, kein so
arg reiches Innenleben zu haben?" Edmund White
lobt Peter Parker dafür, dass er den homosexuellen Schriftsteller
Christopher Isherwood mit seiner "extrem thorough und klarsichtigen" Biografie "endgültig
aus Statuenmarmor in Lehm zurückverwandelt, und dabei mit den Füßen anfängt". Regelrecht begeistert
zeigt sich Clive Wilmer von der klugen und ausgewogenen Einleitung, die
Richard Sieburth der
Ezra-Pound-Textauswahl "Poems and Translations" vorangestellt hat. Richard Vinen hat zwei Bücher über
das Jahr mit dem berühmten Mai gelesen (
Mark Kurlanskys "1968. The year that rocked the world" und
Kristin Ross' "May ྀ and its Afterlives"), findet aber beide ein wenig zu einseitig angelegt.