Magazinrundschau - Archiv

The Times Literary Supplement

327 Presseschau-Absätze - Seite 23 von 33

Magazinrundschau vom 26.07.2004 - Times Literary Supplement

Richard Davenport-Hines könnte unzählige Beispiele finden, die belegen, mit welch ignoranter Feindseligkeit die britische Aristokratie herumgestoßen wird. Nicht zuletzt die Reaktionen auf Sir Peregrine Worsthorne' Manifest "In Defence of Aristocracy", das als "wirrköpfiges, snobistisches Plädoyer für eine Wiedergeburt des Erbadels karikiert wurde, voll reaktionärem Verlangen nach der guten alten Zeit, als die Times ihre Journalisten noch über einem Kotelett bei Pratt's rekrutierte." Aber Worsthornes Buch ist nichts davon, ruft Davenport-Hines, es will lediglich einen "Zustand der öffentlichen Meinung herstellen, in dem die alte Upper Class und ihre Institutionen als eine Stärke empfunden werden - und vor allem als ideal geeignet für den Dienst an der Öffentlichkeit."

Reich, ehrgeizig und anregend findet H. J. Jackson William St. Clairs große Studie "The Reading Nation in the Romantic Period", besonders spannend die Passagen, in denen St. Clair erzählt, wie in den 1830er Jahren Verlage vom Kontinent piratengleich die britische Inseln mit Lesestoff versorgt haben, als den viktorianischen Verlegern Inhalte und niedrige Preise der französischen Büchern gleichermaßen sündhaft erschienen. Jacksons Fazit: "Die opportunistische Welt des Verlagswesens scheint damals genauso instabil gewesen zu sein wie die Dotcoms von gestern.

Dem britischen Autor Robert Macfarlane sind - kein Wunder - die Verrisse des "anständigen", aber keineswegs akademisch-blutarmen James Wood lieber als die des "Kampfhund-Kritikers" Dale Peck. Samantha Matthews erfreut sich an Carol Shields fantasievolle, witzige und mit Verve geschriebene "Collected Stories".

Magazinrundschau vom 19.07.2004 - Times Literary Supplement

Sichtlich bewegt ist Claire Harman von Angela Bourkes Biografie "Homesick at the New Yorker" der irisch-amerikanischen Schriftstellerin und New Yorker-Kolumnistin, Maeve Brennan, die - schwer vom Alkohol gezeichnet - ihre letzten zwanzig Jahre vereinsamt in einem Pflegeheim verbrachte. Aber immerhin recht lange hatte das Magazin Anstand bewiesen: "Der New Yorker hegte und pflegte sie, für den legendären Chefredakteur William Shawn war sie Angestellte und exotisches Haustier. Er hielt in ihren unproduktiven und schwächsten Zeiten zu ihr, bezahlte ihre Schulden, brachte sie zum Arzt, sorgte dafür, dass sie ihre Medikamente nahm. In den schmerzlichen späten Jahren, als Brennan praktisch obdachlos war, drückte das Management ein Auge zu, als sie nachts in der Damentoilette schlief, und sah klaglos mit an, wie sie ein Büro zertrümmerte."

Zum siebenhundertsten Geburtstag Petrarcas beklagt Hugo Estenssoro die bittere Ironie, dass dessen Gedichte so oft kopiert und nachgeahmt wurden, dass sie uns nun wie eine "gewaltige Ansammlung von Gemeinplätzen" vorkommen. John Ryle empfiehlt Peter Robbs Reisetagebuch "A Death in Brazil", das zwar auch eindrucksvoll von Kultur, Literatur, Politik, Sex und Verbrechen in Brasilien erzählt, aber am besten sei, wenn es ums Essen geht, zum Beispiel Ziegenmagen.

Eine hübsche Geschichte erzählt Zinovy Zinik, der Solidarität mit der muslimischen Minderheit in London beweisen wollte und in einer marokkanischen Bar bei arabischer Musik einem irakischen Flüchtling das Wodka-Trinken beibringen wollte. Der Flüchtling stellte sich als Iraks führender Intellektueller in Sachen russischer Philosophie heraus, die Barbetreiber als Israelis und die Musik als sephardisch.

Magazinrundschau vom 05.07.2004 - Times Literary Supplement

Philip French feiert die "Natalie Wood"-Biografie von Gavin Lambert, den er eh schon als "herausragenden Filmkritiker und Autor der scharfsinnigsten Bücher über Hollywood" schätzt (und der außerdem mit der Wood einen Liebhaber gemeinsam hatte). Toll findet French die Passagen über Woods Mutter: "Woods Mutter war ein manipulatives Monster... eine romantische Fantastin, besessen von ihrem verlorenen russischen Erbe. In China war sie kurz mit einem Armeeoffizier verheiratet, bevor sie den Pazifik nach San Francisco überquerte. Dort ließ sie sich auf ein Verhältnis unter ihrem Stand ein, mit einem russischen Emigranten von bescheidener Herkunft, einem Hafenarbeiter, der sich ebenfalls von seinem Wurzeln abgeschnitten fühlte und gewalttätig wurde, wenn er trank. 'Woran ist dein Vater gestorben?', sollte später jemand Natalie fragen. 'An meiner Mutter', gab sie zurück."

Weiteres: Biancamaria Fontana stellt eine Reihe von Tocqueville-Neuauflagen vor und verknüpft damit die Überlegung, ob Tocqueville-Zitate in Politikerreden und Besinnungsaufsätzen nicht allmählich verboten werden sollten. John Whale hat mit Gewinn die Memoiren "Know the Truth" des früheren Erzbischof von Canterbury, George Carey, gelesen, dessen großes Projekt, England zu rechristianisieren, glanzvoll gescheitert sei. Adam Kuper stellt Virginia L. Blums Untersuchung über kosmetische Chirurgie "Flesh Wounds" vor, die festhält, dass sich einige Menschen "nach einer entsprechenden Operation messbar glücklicher fühlen". Skalpell, bitte.

Magazinrundschau vom 28.06.2004 - Times Literary Supplement

Der russische Schriftsteller Zinovy Zinik lässt seine Gedanken ins Exil und wieder zurück in die Heimat schweifen, zu den Emigranten James Joyce und Anthony Burgess und schließlich nach Dublin: "Die Iren verbinden, ähnlich wie die Russen, die Emigration mit einem Gefühl der Schuld und des Betrugs - Betrug an ihrer Vergangenheit, an ihrem Clan, an der nationalen Idee, an der Revolution. Deshalb wirft für beide Völker jedes Abschiednehmen die Frage des Heimkehrens auf. Jeder Russe, zumindest meiner Generation, würde mehr oder weniger leicht in dieses Bild passen. Wir werden von Natur aus von den exilischen Nervenzentren der Erde angezogen, solchen wie Dublin."

"Die Welt füllt sich mit enttäuschten Blair-Anhängern", spottet Robert Skidelsky und lauscht mit einer gewissen Genugtuung dem anschwellenden Chor eloquenter Kritiker. Zum Beispiel David Marquand, der sich in seinem "kraftvollen" Buch "Decline of the Public" die von New Labour betriebene Demontage des öffentlichen Sektors vornimmt. Besprochen werden außerdem Barry Strauss' Studie über "Salamis" (die der großen Schlacht endlich "ein Gesicht" gibt, wie sich Tom Holland freut) und Robert Bartletts Buch "The Hanged Man", das die Geschichte des Walisers William Cragh erzählt, den die englischen Besatzer drei mal hängen mussten, bis sein Widerstandsgeist gebrochen war und das Seil hielt.

Magazinrundschau vom 21.06.2004 - Times Literary Supplement

Charlotte Smith hatte "zwei stetig sprudelnde Quellen des Unglücks: Geld und Gatte", schreibt Nicola Tott lakonisch über die englische Dichterin, zu und von der gerade eine ganze Reihe von Neuausgaben auf den Markt gekommen ist (eine Biografie von Jacqueline M. Labbe, der Roman "Emmeline" ausgewählte Gedichte und Briefe). Doch Smith' Unglück im Leben war das reinste Glück für die Literatur, findet Tott und erzählt: "Charlotte Smith' Jugend war selbst nach heutigen Standards ziemlich rasant. Sie verlor ihre Mutter im Alter von drei Jahren, die Schule verließ sie mit zwölf, heiratete mit fünfzehn und bekam ihr erstes Kind mit sechzehn in Londons East End. Als sie sich schließlich von Benjamin Smith 1787 trennte, einen Monat vor ihrem achtunddreißigsten Geburtstag, hatte sie zwölf Schwangerschaften hinter sich, einige Zeit mit ihrem Mann im Schuldnergefängnis von King's Bench gesessen und ein Exil in Frankreich gefristet (wo Kind Nummer zwölf von einem örtlichen Priester gestohlen wurde, um es katholisch zu taufen)." Mehr über Charlotte Smith und einige Gedichte finden Sie hier.

Henry Hitching stellt Jonathan Coes großartige Biografie "Like a Fiery Elephant" seines Schriftstellerkollegen B.S. Johnson ("Albert Angelo") vor, der sich, nach jahrzehntelanger Nichtbeachtung durch Kritik und Publikum das Leben genommen hatte. Ein bemerkenswertes Bild hat Coe von Johnson gezeichnet, findet der Rezensent: "didaktisch, abergläubisch, morbide, grausam und übersensibel, aber auch als eine Person von beachtlicher Integrität, großzügig und mutig." Eine weitere Biografie bespricht A. J. Sherman: Sean McMeekins Buch über den roten Millionär Willi Münzenberg.

Keith Brown hat Virginia Woolfs "Mrs. Dalloway" neu gelesen, und zwar nicht vor dem Hintergrund von Bergson und Freud, sondern keltischer Mythologie und deren Pfählungsritualen. Außerdem hat das TLS den wahrscheinlich langweiligsten Brief der Literaturgeschichte ausgegraben, den die sechzehnjährigen Virginia Woolf an ihre Cousine Cordelia Curle schrieb: "Meine liebe Boo, ich weiß gar nicht, warum wir uns nie schreiben. Ich wünschte, Du würdest den Anfang machen. Hier ist alles wie immer..."

Magazinrundschau vom 14.06.2004 - Times Literary Supplement

Ja, es gibt sie, die australische Philosophie, allerdings hat David S. Oderberg dank James Franklins australischer Philosophiegeschichte "Corrupting the Youth" den "wahrscheinlich zutreffenden" Eindruck gewonnen, "dass die Geschichte der Philosophie in Australien eine Geschichte von aneinandergereihten Affären ist (im amourösen und politischen Sinne)". Doch über allen steht der Ex-Bolschewist, Ex-Trotzkist und schließlich Freidenker John Anderson, dem wir zwei Grundsätze verdanken: "Ein Theoretiker kann keinerlei Begrenzung der freien Rede und akademischen Freiheit anerkennen und hat das Recht, so blasphemisch, obszön und aufrührerisch zu sein wie er will". Und "Ich mag keine Studenten, die mir freche Antworten geben."

Weiteres: Schlichtweg einzigartig, berauschend und furchtlos findet Tim Flannery James und Margarita Bowens Geschichte des "Great Barrier Reef". Voll und ganz zufrieden ist Keith Miller mit Alan Bennetts neuem Stück "The History Boy", das im Lyttelton Theatre aufgeführt wurde. Allein David Nokes stöhnt über Raymond Stephansons Untersuchung zu männlicher Sexualität und Kreativität im 17. und 18. Jahrhundert "The Yard of Wit": Auf jeder Seite drohe das Buch "in die Diskussion über den transzendentalen Signifikanten des phallozentrischen Diskurses des Patriarchats" hinabzusteigen.

Magazinrundschau vom 07.06.2004 - Times Literary Supplement

Nick Lowe scheint sich bestens amüsiert zu haben bei der Lektüre von Martin M. Winklers "Gladiator - Film and history" (lange Leseprobe), das den abenteurlichen Werdegang von Ridley Scotts Historien-Schinken nachzeichnet. Abenteurlich, weil nicht weniger als drei Autoren am Script gearbeitet haben - allerdings nie zusammen. Und Lowe hätte nicht überraschter sein können über den Kontrast zwischen David Franzonis ursprünglichem, gut recherchierten und leicht surrealen Text und John Logans plattem Hollywood-Mainstream: "In einer unglaublichen Szene gegen Anfang des Films werden der Held und seine Mitsklaven aus ihrem verschlossenen Wagon ausgeladen, mitten in das, was sie gruseligerweise für einer Hinrichtungsstätte in irgendeinem mitteleuropäischen Wald halten, dann aber nach und nach überirdische Lichter und Geräusche zwischen den Bäumen zu bemerken. Und plötzlich finden sie sich im Kolosseum wieder, das mit Bäumen beplanzt ist um einen Wald vorzutäuschen. Und 'auf sie herab schauen fünfzig tausend Fans - und wie aus einem Mund, wie in einer surreal trunkenen Tonspur, lachen sie alle.' Im Gegensatz dazu ist Logans Version eine miserable Fußgängerparade von Hollywood-Klischees mit einem lächerlichem Ende, in dem der Held tatsächlich dem Sonnenuntergang mit seinem Ersatz-Sohn, dem (historisch fälschlicherweise) jüngeren Verus, entgegenreitet." William Nicholson, der Dritte im Bunde habe dann, schon während gedreht wurde, eine Art Synthese beider Versionen schreiben müssen. Doch es kam zum - ironischen - Happy End: Die drei sahen sich zum ersten Mal, als ihnen gemeinsam der Oscar für das Beste Drehbuch verliehen wurde.

Weitere Artikel: Zum 100. Geburtstag des "Bloomsday" überdenkt Declan Kiberd noch einmal den Fall "Ulysses" und erinnert sich an die Bemerkung seines Vaters, nachdem er im Radio die komplette Hörbuchfassung gehört hatte: "Meinst du nicht, es könnte besser sein, kein so arg reiches Innenleben zu haben?" Edmund White lobt Peter Parker dafür, dass er den homosexuellen Schriftsteller Christopher Isherwood mit seiner "extrem thorough und klarsichtigen" Biografie "endgültig aus Statuenmarmor in Lehm zurückverwandelt, und dabei mit den Füßen anfängt". Regelrecht begeistert zeigt sich Clive Wilmer von der klugen und ausgewogenen Einleitung, die Richard Sieburth der Ezra-Pound-Textauswahl "Poems and Translations" vorangestellt hat. Richard Vinen hat zwei Bücher über das Jahr mit dem berühmten Mai gelesen (Mark Kurlanskys "1968. The year that rocked the world" und Kristin Ross' "May ྀ and its Afterlives"), findet aber beide ein wenig zu einseitig angelegt.

Magazinrundschau vom 01.06.2004 - Times Literary Supplement

Mit großem Interesse hat der Literaturwissenschaftler Peter Brooks gelesen, wie Francois Cusset den Siegeszug des französischen Dekonstruktivismus in Amerika beschreibt ("Foucault, Derrida, Deleuze et les mutations de la vie intellectuelle aux Etats-Unis"). Vor allem, weil dies nicht hätte überraschender kommen können. "Die Landung auf amerikanischen Küsten von Leuten wie Derrida und Foucault, Deleuze und Baudrillard, war eher nicht vorhersehbar. Hier war ein Land, das traditionnell nichts mit Metaphysik am Hut hatte - ein Land, das eher dafür bekannt war, Pragmatismus und rechtlichen Realismus hervorzubringen als philosophische Positionen. Und plötzlich verfiel es einer frankophilen Manie für ein abstruses Denken, das weitgehend aus der - in den USA wenig bekannten - Tradition der europäischen Phänomenologie hervorging und sich einer anstrengend undurchsichtigen Sprache bediente."

Ingrid Wassenaar, die aus ihrer sonstigen Bewunderung für die Literatur- und Sprachtheoretikerin Julia Kristeva keinen Hehl macht, zeigt sich eher enttäuscht von deren Detektivgeschichte "Meurtre a Byzance" (Mord in Byzanz). "Das Problem ist, dass Kristeva in ihrer Fiktion die wissende Sicht derer, die schon alles gesehen haben, bevorzugt. Die Erzählung bewegt sich zwischen den Köpfen ihrer hart gesottenen Protagonisten, die alle mehr über Psychoanalyse wissen als gut für sie ist, und langatmige historische oder literarische Anspielungen. Während das in der polyphonischen Welt von 'Les Samourais' noch bezauberte, ist es hier einfach albern. Jeder Satz erklärt ein kaum aufkeimendes Rätsel."

Weitere Artikel: Auf dem Cover leuchtet uns Beethovens genial-düsteres Antlitz entgegen, und Leon Plantinga feiert das "admirable new book" von Maynard Solomon "Late Beethoven - Music, thought, imagination" (erstes Kapitel). Solomon geht darin unter anderem der Frage nach freimaurerischen Einflüssen in Beethovens Spätwerk nach. An den Memoiren ("Vixi") des emeritierten Harvard-Professors für russische Geschichte Richard Pipes hat Amy Knight besonders fasziniert, wie Pipes die zwei Jahre schildert, die er in Ronald Reagans nationalem Sicherheits-Team verbrachte. Und schließlich lobt Peter Parker Andrew Birkins tiefgehende Biografie des Peter-Pan-Erfinders J. M. Barrie ("J. M. Barrie and The Lost Boys").

Magazinrundschau vom 24.05.2004 - Times Literary Supplement

Bücher über Tantra sind entweder interessant, aber grottenschlecht, oder gut und langweilig - David Gore Whites "Kiss of the Yogini", versichert Wendy Doniger, "ist eines der wenigen guten und interessanten Bücher über Tantra". Nach Whites Darstellung ist Tantra nicht nur ein "orientalischer feuchter Traum", sondern "ein Ritual, in dem Körperflüssigkeiten - sexuelle oder menstruelle Ausflüsse - als transformative Energiesubstanzen geschluckt werden. Er erzählt, dass Tantra irgendwann zwischen dem sechsten und achten Jahrhundert unserer Zeitrechnung in Zentralindien entstanden ist, in einer niederen Schicht der indischen Bevölkerung, die berauschende Getränke und Opfertiere zur Besänftigung furchteinflößender Clan-Gottheiten nutzte. Im neunten oder elften Jahrhundert entwickelte sich dieses Ritual zu einer erotisch-mystischen Praxis, und die Clan-Gottheiten wurden ersetzt durch eine Gruppe von hinreißend schönen, Schrecken erregenden und mächtigen Göttinnen, genannt Yoginis."

Weiteres: Erschüttert ist Carolyne Larrington von den frauenfeindlichen Sprichwörtern, die Mineke Schipper für ihr Buch "Never Marry a Woman With Big Feet" aus aller Welt zusammengetragen hat: "Deine Mutter ist deine Mutter, deine Frau ist nur eine Frau", sagt man etwa auf den niederländischen Antillen, in der arabischen Welt heißt es dagegen "Behandle deine Frau gut, und du kannst auch die deines Nachbarn haben" oder: "Ein Pferd kann sich nicht selbst verkaufen".

Bharat Tandon hält James Kelmans neuen Roman "You Have To Be Careful in the Land of the Free" für einen seiner witzigsten und seinen Helden Jeremiah Brown, der unter post-traumatischem Beziehungsende-Stresssyndrom leidet für einen seiner überzeugendsten, den Roman aber doch nicht für einen seiner besten. Christopher Hawtree wundert sich über den apokalyptischen Ton in Nicholas A. Basbanes' Studie "A Splendor of Letters", mit dem Basbanes seine Trilogie zur Geschichte der Buchkultur abschließt.

Magazinrundschau vom 17.05.2004 - Times Literary Supplement

Das einzige Talent, das Ossip Mandelstams Frau Nadeschda der Literaturwissenschaftlerin Emma Gerstein zugestehen wollte, war das Talent, "alles falsch zu verstehen", schreibt Rachel Polonsky zu den Erinnerungen der Gerstein, die nun als "Moscow Memoirs" auf Englisch vorliegen. Gerstein, angesehene Lermontow-Biografin, war nach anfänglicher Freundschaft den Mandelstams, Anna Achmatowa und ihrem Sohn in herzlicher Feindschaft abgeneigt. In ihren eigenen Erinnerungen hatte Nadeschda Mandelstam ihr vorgeworfen, sich trotz eines angeblich guten Drahts zu den Bolschewiken nicht für Ossip Mandelstam eingesetzt zu haben. Und sie nennt sie die "alte Henne", "eine von der Sorte, die sich für Dichter interessieren, ohne auch nur den blassesten Schimmer von Dichtung zu haben", wie Polonsky erzählt. In ihren Erinnerungen nun zahlt Gerstein es Nadeschda Mandelstam heim und beschreibt sie, wie Polonsky darstellt, als "arrogant, manipulativ, auf frivole Weise unbekümmert gegenüber anderen, unehrlich, suizidal, schrullig, mit einer Neigung zur Menage a trois und sehr krummen Beinen".

John Tyler Bonner empfiehlt wärmstens Russell Fosters und Leon Kreitzmans "höchst faszinierendes" Buch "Rhythyms of Life" über unsere innere Uhr und warum wir unsere höchster Leistungsfähigkeit jeden Tag zum gleichen Zeitpunkt erreichen, und zwar auf die Sekunde genau. Theoretisch zumindest. Gelobt wird auch der Bericht aus der erwärmten Welt "High Tide" von Mark Lynas , der sich zur Freude des Rezensenten Clive Gamble von den "lärmenden Grünen" verabschiedet hat, sowie John R. Clarkes Studie "Art in the Lives of Ordinary Romans".