Vorgeblättert

Marie Luise Knott: 370 Riverside Drive, 730 Riverside Drive

13.03.2022. Wie konnte es sein, so fragt man sich, dass Hannah Arendt in ihrem letzten großen Essay aus dem Jahr 1973 die amerikanischen "Institutionen der Freiheit" rühmte und dabei die Erbschaft der Sklaverei mit keinem Wort erwähnte? Über einen Brief Hannah Arendts an den afroamerikanischen Autor Ralph Waldo Ellison und ihre Reflexion über den amerikanischen Rassismus. Eine Leseprobe aus "370 Riverside Drive, 730 Riverside Drive" von Marie Luise Knott.
Marie Luise Knott: 370 Riverside Drive, 730 Riverside Drive
Hannah Arendt und Ralph Ellison - 17 Hinweise

Verlag Matthes & Seitz, Berlin 2022, 120 Seiten, gebunden, 18 Euro

Erscheint am 24. März 2022

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Zum Inhalt: Kaum ein Essay von Hannah Arendt ist so umstritten wie ihre 1959 erschienene Kritik an der gesetzlich forcierten Integration schwarzer Schüler und Schülerinnen. Während Arendt die Einwände ihrer liberalen Freunde damals abtat, schrieb sie - die Theoretikerin der Freiheit - dem afroamerikanischen Schriftsteller Ralph Ellison 1965, sie habe seine Replik auf ihre damaligen Ausführungen gelesen, die "nackte Gewalt" bislang nicht bedacht und sein "Ideal des Opfers" jetzt erst verstanden. Um welches Opfer ging es dabei? Um welche Blindheiten? Und was erzählt diese Episode über die damalige Zeit und über das Werk Hannah Arendts?

Marie Luise Knott entfaltet ein eindrückliches Mosaik an Gedanken, Bildern und Reflexionen zu den Hintergründen von Arendts Brief und öffnet so einen Blick in den Abgrund der Geschichte des vergangenen Jahrhunderts. Ferne und Nähe afroamerikanischer und jüdischer Erfahrungen werden erfahrbar am Beispiel dieser beiden öffentlichen Personen, die Welten voneinander trennten, auch wenn sie nur einen Zahlendreher entfernt in derselben Straße lebten. Beide konnten von ihren Fenstern aus auf den selben Fluss blicken, der gleich um die Ecke in jenes Meer mündet, über das beide, Schwarze wie Juden, einst, wenngleich unter konträren Bedingungen, ins Land kamen.

Zur Autorin: Marie Luise Knott, geboren 1953 in Köln, studierte Politische Wissenschaft und Romanische Literatur und arbeitete als Verlagslektorin. Sie war Chefredakteurin der deutschsprachigen Le Monde diplomatique. Heute lebt sie als freie Autorin, Kritikerin und Übersetzerin in Berlin. Zuletzt erschien: "Verlernen. Denkwege bei Hannah Arendt", erweiterte Neuauflage 2017, nominiert für den Leipziger Buchpreis und den Tractatus-Preis für philosophische Essayistik. Mitherausgeberin von "John Cage. Empty Mind" zusammen mit Walter Zimmermann, Berlin 2012. Übersetzerin von Anne Carson, "Anthropologie des Wassers" und dies., "Albertine. 59 Liebesübungen". Kürzlich erschien "Dazwischenzeiten. 1930 - künstlerische Wege in der Erschöpfung der Moderne". Im Perlentaucher widmet sich Marie Luise Knott in ihrer Kolumne "Tagtigall" zeitgenössischer Lyrik.

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