Deutschland wird überall für seine "Vergangenheitsbewältigung" gelobt, schreibt der Philosoph und Nachfahre deutscher Juden,
Jason Stanley, im Feuilleton-Aufmacher der
Zeit. Dabei schoben die deutschen 68er die Verantwortung für den
Nationalsozialismus von den historischen Besonderheiten des Deutschtums weg - hin zu den Strukturen und Mechanismen des
Kapitalismus, um sich so selbst in der "
Rolle des Opfers" darzustellen, meint er - und sieht Auswirkungen auf den heute wieder "aufflammenden deutschen Nationalismus": "Dass
Überheblichkeit in Bezug auf die eigene ethnische und kulturelle Überlegenheit ein
Spezifikum der deutschen Geschichte ist, wurde nie anerkannt. Wir sind derzeit mit einer weltweiten Krise konfrontiert, in der sich dominante Gruppen als Opfer von faulen und kulturell minderwertigen Eindringlingen sehen. Die Erkenntnis, die aus einer wahrhaftigen Aufarbeitung deutschen Überlegenheitswahns hätte entstehen können, wäre der Welt sicher von Nutzen gewesen."
"Was passiert, wenn ein schlechtgelaunter,
unkonzentrierter Blödmann ein Reich regiert,
fragt Miranda Carter, Autorin eines
Buchs über die drei Cousins George, Nikolaus und Wilhelm, im
New Yorker. In
Kaiser Wilhelm hat sie einen Vorläufer für
Donald Trump gefunden: "Der Kaiser war erregbar, aber selten wirklich zu kontrollieren. Er war unvorhersehbar, wenn es darum ging, seine
Autorität zu beweisen, als müsste er klarmachen, dass er noch im Amt war, etwa wenn er die Politik seiner Berater
rüpelhaft durchkreuzte oder ohne Vorwarnung Minister entließ. 'Sie haben nicht die geringste Idee, was ich alles verhindert habe', beklagte sich sein treuester Diener,
Bernhard von Bülow, bei einem Freund, 'und wieviel Zeit ich damit verbracht, das Chaos zu reparieren, das seine Majestät angerichtet hat."