46 Jahre nach Willy Brandt hat es in Warschau wieder einen historischen Kniefall gegeben,
berichtet Gerhard Gnauck in der
NZZ: Der ukrainische Präsident
Petro Poroschenko kniete im Juli vor dem Mahnmal nieder, das an die 100.000 Opfer des Massakers in der Region
Wolhynien durch ukrainische Nationalisten im Jahr 1943 erinnert. Zugleich ist ein polnischer Kinofilm über das Massaker mit großem Erfolg in Polen angelaufen: "Erste Reaktionen ukrainischer Medien zeigen allerdings, wie schwer man sich dort mit diesem Film tut - sofern man ihn überhaupt sehen konnte, denn nach jetzigem Stand wird er in der Ukraine nicht in die Kinos kommen. Um die (womöglich propagandistisch gefärbten)
russischen Reaktionen macht man sich in Polen besondere Sorgen; russische Medien wollten schon von den Dreharbeiten berichten, doch angesichts der politischen Lage, sagen die Produzenten, habe man sie 'auf Distanz gehalten'."
Dem
deutschen Kolonialismus werden in Hannover und demnächst in Berlin große Ausstellungen gewidmet. Er endet nicht einfach im Jahr 1918,
sagt der Historiker
Jürgen Zimmerer im Gespräch mit Sven Felix Kellerhoff in
Welt, sondern "sondern setzte sich im Dritten Reich und sogar darüber hinaus fort. Als europäisches Phänomen ist der Kolonialismus zudem die
Vorgeschichte der Globalisierung. Und ganz aktuell erleben wir ein Wiederaufleben kolonialer Stereotypen über den 'anderen', der zwar nicht mehr 'primitiv', 'heidnisch', 'eingeboren' genannt wird, aber dafür '
muslimisch' oder '
fundamentalistisch'." Aha? Jemanden, der muslimisch ist, muslimisch zu nennen, ist also kolonialistisch?