In der
SZ erinnert Gustav Seibt an die
Kulturkämpfe, die
Deutschland, Frankreich und Italien im 19. Jahrhundert gegen die Katholische Kirche austrugen und in denen sich heute die Muslime in Europa wiederfänden, ohne dass sie recht wüssten, wie ihnen geschieht. Er gibt sie allerdings verloren: "Es war, so fassen es heute Historiker kühl zusammen, ein
Feldzug des Liberalismus, der seine eigenen Grundsätze in Frage stellte, weil der Gegner angeblich so illiberal und zurückgeblieben war. Letzteres stimmte übrigens durchaus. Im langwierigen Aufbauprozess moderner säkularer Staaten seit der Französischen Revolution hat sich die katholische Kirche als hemmende, feindliche Macht betätigt. Die Liste moderner Irrtümer etwa, die Papst Pius IX. 1866 veröffentlichte, übertrifft an Schärfe alle Fatwas heutiger Ayatollahs gegen Meinungs- und Religionsfreiheit. In Italien war der Kampf sogar kriegerisch, denn die Einigung dieses Landes konnte nur um den Preis der Abschaffung des Kirchenstaats gelingen."
Auf
ZeitOnline rekapituliert Felix Stephan den ewigen, von Manuel Valls wieder entfachten Streit um die Marianne und ihre Brüste.
Litauen verändert sich,
beobachtet Judith Leister, die sehr angetan über das Gedenken in den Kleinstädten Birzai, Moletai und Scheduva berichtet. Dort erinnerten Veranstaltungen an die von Litauern verübten Massaker an Juden vor 75 Jahren: "Drei Tage vor der Veranstaltung hat
Marius Ivaskevicius einen weiteren Text unter dem Titel 'Ich bin kein Jude' veröffentlicht, in dem er beschreibt, dass das Schicksal seiner jüdischen Nachbarn, ihr spurloses Verschwinden, ihn nicht mehr loslässt. Dieser berührende Text und der gesellschaftliche Druck, den er erzeugte, sollen auch der Grund dafür gewesen sein, dass die litauische Präsidentin Grybauskaite das neue Denkmal kurzfristig und quasi inoffiziell vor der eigentlichen Veranstaltung besuchte. Vor einer Handvoll Journalisten sagte sie anschließend, dass die Litauer sich gerade veränderten, alte Stereotype überwänden, offener und toleranter würden und bereiter, sich für menschliche Werte einzusetzen."