Die
Zeit veröffentlicht einen ersten Bericht der Forschergruppe, die in den
Archiven des Vatikan überprüfen soll, was der Vatikan wann über die
Judenvernichtung wusste, und wie er reagierte. Obwohl die Arbeiten der Forscher wegen der
Coronakrise unterbrochen wurden, konnten sie bereits einige wichtige Details zu Tage fördern. Der Vatikan wusste bereits
sehr früh, nämlich 1942, Bescheid, gab aber auf Nachfragen der amerikanischen Botschaft nur
äußerst lückenhaft Auskunft. Da die Informationslage damals noch sehr dünn war, hätten die Amerikaner das Wissen des Vatikans sehr gut gebrauchen können: "Erst im weiteren Verlauf des Jahres 1942 erhielt man von der
polnischen Exilregierung in London eine Dokumentensammlung, die den Massenmord an den Juden als Tatsache erkennen ließ und zu einem
öffentlichen Protest der alliierten Mächte am 17. Dezember 1942 führen sollte. Der Heilige Stuhl wollte sich trotz
nachhaltiger Bitten der USA diesem Protest nicht anschließen." Einige der Dokumente, die die Forscher gefunden haben, werden im
Zeit-Dossier dokumentiert. Außerdem unterhält sich Evelyn Finger mit dem zur Forschergruppe gehörenden Kirchenhistoriker
Hubert Wolf, der die Attacken deutscher Intellektueller auf Pius XII auch als eine Entlastungsstrategie sieht.
Die Gedenkfeiern zum 75. Jahrestag des
Siegs der Sowjetarmeen fallen wegen Corona ebenfalls aus, berichtet die
Zeit-Korrespondentin Alice Bota, die zugleich schildert, wie das Bild vom Ende mit dem vom
Anfang des Krieges verwoben wird: "Putin behauptet,
Polen habe den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs mitzuverantworten. Oder dass die Sowjetunion notgedrungen sich auf einen
Pakt mit Hitler einließ, aber erst nachdem alle anderen schon einen geschlossen hatten. Das Außenministerium findet, das
Baltikum sei nicht annektiert, sondern 'angeschlossen' worden... Und die Verantwortung des sowjetischen Geheimdienstes für die
Verbrechen von Katyn, für die Exekution von mehr als 20.000 polnischen Offizieren, wird in den russischen Staatsmedien zwar nicht geleugnet; aber gelegentlich erlaubt man sich die Diskussion, ob es nicht womöglich doch Hitler war."
Weitere Artikel: In der
NZZ nimmt Judith Leister den 300. Geburtstag des jüdischen Schriftgelehrten
Gaon von Wilna zum Anlass, um zu schildern, wie schwer sich
Vilnius bis heute mit seiner
jüdischen Vergangenheit tut.