9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.03.2021 - Ideen

Die Sichtbarkeit des Gesichts ist eine Grundvoraussetzung für unsere Zivilisation, meint in der NZZ Thomas Ribi, der sich weder an Burka noch an Geschichtsmaske auf Dauer gewöhnen will. "Ein Gesicht, das ich sehe, zeigt mir, was ich bin. Im Gesicht jedes Menschen erkenne ich mich selber und zugleich den anderen als meinesgleichen. Dass ich vom anderen das sehe, was ich von mir nie sehen werde, verweist mich auf mich selbst. Nur im Antlitz des anderen kann ich mich dessen versichern, was ich mir nicht bestätigen kann: dass ich ein Mensch unter Menschen bin. Indem ich dem anderen mein Gesicht zeige, sage ich auch: Das bin ich! Doch das ist nicht mehr als eine Behauptung, die der Bestätigung bedarf. Erst im Blick eines Menschen, dem ich ins Gesicht blicke, bekomme ich sie. Und spüre augenblicksweise, dass ich nur im anderen ich selbst sein kann. Und er nur in mir."
Stichwörter: Gesicht, Sichtbarkeit

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.03.2021 - Ideen

Claudius Seidl setzt sich in der FAS mit Theorien auseinander, die den Holocaust irgendwie in eine größere Kolonialgeschichte ein- und vor allem unterordnen wollen. Unter anderem kommt er auf die Mbembe-Debatte zurück und zitiert Michael Rothbergs Buch über "Multidirektionale Erinnerung", das nun auf deutsch übersetzt wurde. Einleuchten tun ihm die postkolonialen Thesen nicht: "Kann schon sein, dass das borniert klingt, aber die Ermordung der Juden war eben in erster Linie das Werk der Deutschen - und ganz egal, ob einer heute der Nachkomme von Tätern, Indifferenten oder der wenigen Widerstandskämpfer ist: Man bewohnt jedenfalls als Deutscher einen gemeinsamen Geschichts- und Erinnerungsraum mit den Nachkommen der Opfer und Überlebenden."

Ausgerechnet Im Begriff des "Respekts" will Olaf Scholz, Kanzlerkandidat der SPD, einen Schlüssel finden, um identitäts- und sozialpolitische Forderungen zu versöhnen. In einem  Essay für die FAZ schreibt er: "In einer Gesellschaft des Respekts ist eine Politik des Respekts erforderlich. Sie spielt Identitätsfragen, eine Antidiskriminierungspolitik und die soziale Frage nicht gegeneinander aus. Sie ist liberal und sozial. Sie ist konsequent gegen Rassismus und Sexismus. Und sie wendet sich gegen den 'Klassismus' in unserer Gesellschaft, die teils subtile, teils offen verhöhnende Verachtung vieler hart arbeitender Bürgerinnen und Bürger und ihrer Lebensweisen. Daher geht es für mich um Respekt und Anerkennung auf allen Ebenen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.02.2021 - Ideen

In der SZ stellt sich die SPD-Politikerin und frühere Universitätspräsidentin Gesine Schwan an die Seite ihres Parteigenossen Wolfgang Thierse, der vor wenigen Tagen in der FAZ (unser Resümee) und mit einem Interview im Deutschlandfunk gegen das Gift der Identitätspolitik opponierte und dafür nun erwartbar heftig angegangen wird. Auch Schwan warnt vor einem Zerfall der Gesellschaft in Kollektive und dem Umschlag der Debatte in die Ideologie: "Macht verleitet zu Arroganz, Missachtung oder einfach zu Gedankenlosigkeit. Mehrheitlich herrschende Gedanken oder Einschätzungen stehen so verständlicherweise unter Ideologieverdacht. Das Problem beginnt dort, wo aus dem Ideologieverdacht apodiktische Zuschreibungen ohne empirische Prüfung entstehen - oder ein genereller Anspruch, andere zu kränken. Man prüft nicht mehr, man weiß es ja immer schon. Genau hier entsteht die Unentrinnbarkeit, vor der Wolfgang Thierse zu Recht warnt. Damit wird jede Verständigung aufgegeben. Hier ist unser aller herausfordernde Aufgabe, die Berechtigung von Ideologiekritik, die auch 'harmlose' Gewohnheiten auf Vorurteile hin prüfen können muss, gegen eine dogmatische Herleitung von 'Urteilen' abzugrenzen, die aus sozialen Zugehörigkeiten deduziert werden. Denn exakt das ist ein umgedrehter Rassismus."

Wie die Debatte inzwischen auch die Redaktionen spaltet, zeigen der Kommentar von Anna Seibt zu Thierses Text im Dlf: "Wenn Wolfgang Thierse und ihm gleichgesinnten Menschen wirklich etwas daran liegt, gesellschaftliche Gräben einzuebnen und ein gesamtgesellschaftliches Wir-Gefühl zu etablieren, dann müssen sie erst einmal in den sauren Apfel beißen und ihre Privilegien und Machtpositionen als solche erkennen, sich geschichtlichen Fakten stellen und sich nicht reflexartig mit längst widerlegten Argumenten zu Opfern der Debatte stilisieren." Und Stephan Detjens Erwiderung darauf: "Wenn ein Kommentar wie gestern auch an dieser Stelle in den expliziten Ausdruck höchstpersönlicher Wut mündet, markiert das den Endpunkt argumentativer Auseinandersetzung; Journalismus wird damit zum identitätspolitischen Bekenntnis."

Die Spaltung gefährdet die demokratische Gesellschaft, meint auch Swantje Karich in der Welt und verteidigt vor allem noch mal FAZ-Redakteurin Sandra Kegel. Sie mag in ihrem Kommentar zur #Actout-Initiative (Unsere Resümees) daneben gelegen und "Gegensätze konstruiert" haben, aber eines ist sie sicher nicht: homophob, hält Karich fest und verteidigt sie gegen den Shitstorm, der übrigens nicht von ActOut initiiert wurde: "Im Netz kursieren mittlerweile Videos, in denen sie in vermeintlich satirischer Form vorgeführt wird, alte Texte ausgegraben werden, sie Diffamierungen ausgesetzt ist. Der Verleger Helge Malchow verglich den Ton in der Debatte mit einem 'stalinistischen Schauprozess'. Seit Beginn der Auseinandersetzung wurde Kegel nun schon als neurechts, rassistisch, homophob, antiemanzipatorisch und zuletzt gar antisemitisch gebrandmarkt. Wer sie und ihre journalistischen Texte aus den vergangenen zwanzig Jahren kennt, weiß, dass diese Etikettierungen absurd sind. Auch wenn sie sexuelle Identität mit sexueller Orientierung verwechselt - als könne sich ein Mensch überlegen, ob er schwul oder hetero sei -, sie ist nicht homophob."

In der taz hat Malte Göbel nur noch Hohn für den alten weißen cis-Mann übrig, vom Kaliber: "Du wirst 'Kartoffel' oder 'Hete' genannt, und das trifft Dich. Dabei magst Du gar keine Kartoffeln."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.02.2021 - Ideen

In vielen gesellschaftspolitischen Debatten wird lieber über Moral schwadroniert, anstatt mit Fakten zu argumentieren, ärgert sich Roman Bucheli in der NZZ: "Dagegen leidet das skrupulöse Argumentieren nicht nur an der fehlenden Sexiness, sondern vor allem unter dem Handicap der prinzipiellen Vorläufigkeit des Wissens, das fortwährend sowohl erweitert wie revidiert werden muss. Unsere Kenntnisse wachsen beständig, und trotzdem bilden sie immer nur den Stand des gerade gültigen Unwissens ab. Wir verstehen viel und immer mehr von den großen Zusammenhängen der Erderwärmung, aber doch immer zu wenig, um unumstößliche Tatsachenfeststellungen machen zu können mit der Durchschlagskraft des moralischen Aplombs. Die Evidenz der empirischen Wissenschaft eignet sich schlecht für Dogmen, eher kämpft sie gegen vorgefasste und verkrustete Auffassungen an."
Stichwörter: Moral, Debatte, Erderwärmung

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.02.2021 - Ideen

Der Begriff "Klassismus" kommt in Mode. Martin Eimermacher ist in der Zeit skeptisch und fürchtet, dass nun auch soziale Unterschiede "im gleichen Atemzug identitätspolitisch sozusagen re-individualisiert werden. So besteht die Klassismus-Praxis überwiegend aus Sensibilisierungsworkshops, Coachings und offenen Briefen, also: in der moralischen Justierung persönlicher Einstellungsmuster."

Außerdem: Benjamin Loy erinnert in der FAZ an den Urreaktionär Joseph de Maistre, der vor 200 Jahren gestorben ist.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.02.2021 - Ideen

Ian Buruma greift in Yascha Mounks Internetmagazin Persuasion einen New-York-Times-Artikel über den schwarzen Altphilologen Dan-el Padilla Peralta auf, der die griechische Klassik wegen Rassismus sozusagen abschaffen will, und hält dagegen: "Das beste Argument dafür, weiterhin Homer, Ovid, Shakespeare oder Jane Austen zu lesen, ist nicht, die Menschen zu lehren, wie Weiße zu denken. Ganz im Gegenteil, wir sollten sie lesen, weil sie eine gemeinsame Menschlichkeit ausdrücken."

Außerdem: Hans Ulrich Gumbrecht liest in der NZZ Heidegger neu - mit der gebotenen Distanz.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.02.2021 - Ideen

Der französische Philosoph Bruno Latour verarbeitet in seinem neuen Buch "Où suis-je?" (Wo bin ich?) Lektionen aus dem Lockdown, erzählt Joseph Hanimann sehr angetan in der SZ. Wie Kafkas Gregor Samsa entdecke sich der Mensch in der Krise als ortsgebundenes Wesen wieder: "Kriechbewegung nur in die nähere Umgebung, langes Verharren in der eigenen Wohnnische und keine Spur mehr vom freien Herumschwirren im zuvor grenzenlosen Horizont individueller Mobilität. Doch seltsamerweise bringt gerade das, so Latour, eine neue Art von Freiheit mit sich. Denn aus der Illusion eines unendlichen Raums, an die uns das wissenschaftliche Weltbild seit vier Jahrhunderten gewöhnt hat, als wären alle Grenzen nur zum Durchbrechen und Überschreiten da, hätten wir zur realen Ortserfahrung als terrestrische Wesen zurückgefunden." Für Hanimann ein neues Glück.

Im Guardian würdigt Kenan Malik den Mut der Demonstranten in Burma. Aber er fragt auch: Wo waren diese Verfechter der Demokratie 2017, als die Armee die Rohingyas tötete und vertrieb? "Welchen Preis ist eine Demokratiebewegung bereit, für ein Stückchen Macht zu zahlen? Ein Kompromiss mag in einer Situation wie in Myanmar unvermeidlich sein, wo die Wahl nur zwischen einer Zusammenarbeit mit dem Militär oder einer fortgesetzten Militärherrschaft besteht. Für viele jedoch, und besonders für die Rohingya, ist der Unterschied zwischen beiden schwer zu erkennen. Das Versäumnis, die Rohingya zu verteidigen, hat die Bewegung für Demokratie nur geschwächt. Es kann keine Form von Demokratie oder Freiheit geben, die auf Kosten der Schwächsten oder Verachtetsten in einer Gesellschaft erkauft wird. Das gilt nicht nur für die Rohingya in Myanmar, sondern auch für Muslime in Indien, für Frauen in Saudi-Arabien, für Arbeitsmigranten in Südafrika, für Migranten ohne Papiere in Europa."

In der FAZ erklärt Wolfgang Thierse, Bundestagspräsident a.D., warum er rechte und linke Identitätspolitik nur in Maßen erträgt. Den Rechten solle man den Begriff der Nation nicht überlassen, schreibt er, und linke Identitätspolitik sei in der Gefahr, "nicht akzeptieren zu können, dass nicht nur Minderheiten, sondern auch Mehrheiten berechtigte kulturelle Ansprüche haben und diese nicht als bloß konservativ oder reaktionär oder gar als rassistisch denunziert werden sollten."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.02.2021 - Ideen

Politische Philosophie mag vielen heute als trocken Brot der Philosophiegeschichte gelten. Aber in Zeiten der Identitätspolitik lesen sich die Artikel über die universalistischen Ideen John Rawls', der in diesen Tagen hundert Jahre alt geworden wäre, auch wieder wohltuend. In der SZ schreibt Philosoph Dirk Lüddecke über Rawls "Theorie der Gerechtigkeit", die vor fünfzig Jahren erschien: "In einer pluralistischen Gesellschaft, in der es viele Vorstellungen davon gibt, wie ein gutes Leben zu führen ist, soll seine Gerechtigkeitsauffassung ein Angebot sein, das sich aus unterschiedlichen ethischen, moralischen oder spirituellen Anschauungen heraus rational akzeptieren und sogar unterstützen lasse. Er spricht von einem 'übergreifenden Konsens' als Kerngedanken eines politischen Liberalismus, für den die Verständigung über das Rechte einen Vorrang vor dem Guten beansprucht." Karen Horn findet Rawls' Gerechtigkeitskonzept in der NZZ aus dem gleichen Grund "aufregend zeitgemäß": "Es baut ausdrücklich auf dem Pluralismus auf, der moderne Gesellschaften kennzeichnet. Dieser Befund führt zur liberalen Norm der Toleranz."

Otfried Höffe erinnert in einem ausführlichen Artikel in der FR. Und er erzählt, dass Rawls durchaus auch an die Adresse der USA und Britanniens ungemütliche Ansichten über den Zweiten Weltkrieg äußerte: "Nach Rawls waren, solange England mit einer deutschen Übermacht konfrontiert war - was für die USA nie der Fall gewesen sei -, Bombenangriffe auf Städte legitim, obwohl dabei zivile Objekte zerstört und Zivilpersonen getötet wurden. Nach der vernichtenden Niederlage der deutschen Truppen in Stalingrad habe das aber nicht mehr gegolten, so dass spätere Bombardierungen deutscher Städte, namentlich die Zerstörung von Dresden, nicht gerechtfertigt gewesen seien."

Aleida Assmann spricht mit Stefan Weiss vom Wiener Standard über ihr neues Buch "Die Wiedererfindung der Nation". Die Idee der Nation möchte sie nicht verabschieden, sondern Spannungen ausgleichen: "Ich möchte sowohl den Begriff Bringschuld als auch den der Leitkultur vermeiden. Es mag gut gemeint sein, aber es schafft von vornherein eine Asymmetrie. Man sollte vielmehr umgekehrt vorgehen und zunächst danach fragen, was wir gemeinsam haben, statt das Augenmerk vor allem auf das zu richten, was uns trennt. Ich benutze hier den Begriff der Menschenpflichten. Das sind Regeln des Umgangs miteinander, die es seit 5.000 Jahren in allen Religionen und Kulturen der Welt gibt."

Die Philosophin Maureen Maisha Auma ist zur Zeit Gastprofessorin an der TU Berlin. Sie gilt als eine Theoretikerin der "Intersektionalität", mit der einander überschneidende Diskriminierungen (etwa als Schwarze und als Frau) beschrieben werden soll. Im Januar forderte sie im Gespräch mit Christoph David Piorkowski im Tagesspiegel einen selbstkritischen theoretischen Ansatz: "Eine multivalent ausgerichtete Gerechtigkeitsarbeit ist unumgänglich. Für sich alleine greifen Empowerment, Normalisierung und Dekonstruktion zu kurz." Und sie beklagte, dass das Personal an deutschen Unis zu wenig divers sei. Von der AfD wurde die Magdeburger Professorin daraufhin in sozialen Netzen heftig angegriffen, berichtet Piorkowski heute. KollegInnen haben sich in einem offenen Brief mit ihr solidarisiert: Besonders hervorgetan habe sich bei den Attacken der AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider, der zugleich noch Privatdozent an der Bayreuther Uni sei und für den nun Konsequenzen gefordert werden. Zitiert wird auch die Genderforscherin Magdalena Beljan: "Im medialen Diskurs über eine vermeintlich linke Cancel Culture, werde kaum zur Kenntnis genommen, dass die wirklichen, für Leib und Leben bestimmter Akteure bedrohlichen Versuche, kritische Positionen mundtot zu machen, aus dem rechten Lager erfolgten, sagt Beljan."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.02.2021 - Ideen

Ronen Steinke und Jörg Häntzschel haben die jüdische Philosophin Susan Neiman, die zu den Mitinitiatoren der "Initiative Weltoffenheit" (unsere Resümees) gehört, und den jüdischen Historiker Michael Brenner, Direktor des Münchner Zentrums für Israelstudien und Gegner der Initiative, zum SZ-Streitgespräch über BDS, die Mbembe-Debatte und die Initiative "Weltoffenheit" geladen. Brenner verweist im Gespräch darauf, dass es auch eine Form von Israelkritik als "rhetorische Tarnung für Antisemitismus" gebe, während Neiman den Deutsche eine "Art Selbstzensur" in Sachen Israelkritik attestiert. Neiman erzählt außerdem, dass Mitgliedern der Initiative Dienstverfahren und Haushaltskürzungen angedroht und Projekte abgesagt wurden: "Das ist keine Zensur, aber wenn man mit Haushaltskürzungen oder Dienstverfahren bedroht wird, wird man sich in Zukunft zwei Mal überlegen, ob man so etwas noch mal macht. Wir leben zum Glück in einem Land, in dem Kultur öffentlich mit viel Geld gefördert wird, weil man sie als Teil der Demokratie versteht. Das heißt aber auch, dass der Staat über diese Gelder entscheiden kann. Und das kann wie Zensur wirken." Neiman wird leider nicht konkret, und die Interviewer versäumen nachzufragen.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.02.2021 - Ideen

Der Soziologe Andreas Reckwitz trifft in der Zeit eine verblüffende Diagnose über den Zustand der USA. Weder ein Fortschritts-, noch ein Niedergangsszenario scheint ihm die Prozesse dort zu beschreiben, es herrsche eine Art heißgelaufener Stillstand. "Auch ökonomisch befinden sich die USA in einer Stagnation: Der Beginn der letzten großen technologischen Revolution, der Digitalisierung, liegt mehrere Jahrzehnte zurück. Da die USA an der Spitze ihrer Vermögensstruktur zu einer Gesellschaft von Rentiers geworden sind, wird mittlerweile so wenig wie nie in neue Unternehmen und riskante Innovationen investiert: Das Geld der Vermögenden steckt eher in den 'sicheren Anlagen'."

Der Philosoph Joseph Vogl kommentiert im Gespräch mit Nils Markwardt bei philomag.de die Vorgänge um die Gamestop-Aktie, bei der online organisierte Privattrader einen großen Hedgefonds austricksten - er sieht es auch als eine neue Qualität in der Internetökonomie: "Man darf nicht vergessen: Im Fall von Gamestop waren es soziale Medien, Plattformen und Online-Broker, die den spekulativen Schwung der Kleinaktionäre überhaupt erst ermöglichten. Dabei wurde eine überaus wirkungsvolle Allianz bemerkbar, in der sich die Dynamiken der Meinungsmärkte mit denen der Finanzmärkte wechselseitig verstärken."