Die Feministin
Luise F. Pusch ist eine Pionierin des
Genderns - schon in den Achtzigern schrieb sie erste Bücher dazu. In der
Zeit erklärt sie, wie verschiedene Formen des Genderns entstanden (Binnen-i, Unterstrich, Sternchen) und wie sie die Sprache auch weiterhin permanent verbessert: "Ich war zunächst irritiert von dem Sternchen. Da aber die Gleichstellungsämter sich dafür starkmachen und SprecherInnen in Rundfunk und Fernsehen
den Knacklaut benutzen, habe ich umdisponiert und schlage eine Fusion von Binnen-I und Sternchen vor: ein Sternchen über dem kleinen i, so wie wir früher statt des i-Punkts ein Herzchen malten. Bis dieses Zeichen auf unseren Tastaturen erscheint, behelfen wir uns mit einem
Zirkumflex (Leserîn), einem
Ausrufezeichen (Sänger!nnen) oder Ähnlichem."
Rainer Forst erinnert in der
Zeit an
John Rawls, der in diesen Tagen hundert Jahre alt würde und dessen "Theorie der Gerechtigkeit" vor fünfzig Jahren erschien: "Die Radikalität der Rawlsschen Theorie liegt
im Differenzprinzip begründet, das oft verkürzt wird. Denn es besagt nicht, dass die Regelung gerecht ist, die den
Schlechtestgestellten 'auch etwas' bringt; es fordert vielmehr, dass eine jede Ungleichverteilung von Gütern die extrem hohe Rechtfertigungsschwelle überqueren muss, nach der zu zeigen ist, dass eine Ungleichverteilung den Schlechtestgestellten
mehr an Gütern einbringt als eine Gleichverteilung."
Am Dienstag forderte der Schriftsteller
Thomas Brussig in der
SZ mehr
Diktatur während der Pandemie (
Unser Resümee). Die Hoffnung, es handele sich dabei um Subversion, gibt Rene Schlott, schnell auf, um Brussig dann ebenfalls in der
SZ recht zaghaft zu widersprechen: "Brussig macht eine 'weiche Stelle' unseres Systems aus und meint die Unfähigkeit, den ganzen
pandemischen Werkzeugkoffer auszupacken. Nach dem Infektionsschutzgesetz sind derzeit 20 freiheitsbeschränkende 'Schutzmaßnahmen' in Kraft. Wer mehr will, sollte
konkreter werden. Welche Maßnahmen fehlen Brussig neben der bereits möglichen '
zwangsweisen Absonderung von Quarantänebrechern' in geschlossenen Einrichtungen, nächtlichen Straßensperren und verdachtsunabhängigen
Personenkontrollen? Die Abriegelung Thüringens nach dem Vorbild Tirols? Das
Sprechverbot in öffentlichen Verkehrsmitteln nach dem Vorbild Mallorcas? Die Genehmigung von Einkaufszeiten nur nach Antrag bei der Polizei nach dem Vorbild Griechenlands? Die
Demokratie macht all dies möglich."
Die Politikwissenschaftlerin
Gudrun Hentges und ihre Kollegin
Sandra Kostner, Mitinitiiatorin des "Netzwerk Wissenschaftsfreiheit"
streiten sich, moderiert von Michael Angele, im
Freitag über
zugelassene Diskurse an Universitäten. Hentges bestätigt, dass sie bestimmte Themen an der Universität
nicht diskutiert sehen will, etwa die Aussage "'Der Islam gehört nicht zu Deutschland.' Oder die Rede von kriminellen Ausländern, von kriminellen Flüchtlingen. Die Frage nach der Gewalttätigkeit von Jugendlichen mit Migrationshintergrund ... Generell die
Reproduktion von Stereotypen." Kostner antwortet: "Wenn ich
Gruppen als vulnerabel bezeichne und ihnen deshalb nicht zutraue, sich mit Argumenten auseinanderzusetzen, die sie als verletzend empfinden könnten, dann verhalte ich mich wie eine Helikoptermutter, die genau zu wissen meint, was das Beste für das unmündige Kind ist."
Das
Kunstkollektiv Peng! fordert in einer
Kampagne seit gestern Mitarbeiter von
BioNTech auf, die
Formel für den Corona-
Impfstoff zu verraten. Im
Zeit-Online-
Gespräch mit Caspar Shaller erklärt Robin Barnabas, designierter Pressesprecher von Peng!, warum sie dazu aufrufen,
geistiges Eigentum widerrechtlich öffentlich zu machen: "'2021 werden
9 von 10 Menschen auf der Welt
keine Impfung bekommen, fast alle davon im globalen Süden, während in den reichen Ländern fast alle Menschen geimpft sein werden.' Die größte Hürde dabei sei die schleppende Produktion. Hersteller in Entwicklungsländern, die eigentlich über die technischen Voraussetzungen verfügten, schnell und günstig Impfstoffe gegen Covid-19 zu produzieren, würden vom herrschenden
Patentschutz ausgebremst. Die Regierungen von Indien und Südafrika - beides Länder, die über erfolgreiche Pharmaindustrien verfügen und auf die Produktion von Generika spezialisiert sind - haben bei der Welthandelsorganisation einen Antrag eingereicht, den Patentschutz für die Zeit der Pandemie auszusetzen, sogenannte
Waivers zu erwirken. Der Vorstoß wird jedoch von den USA und der EU, und damit auch Deutschland, blockiert."