9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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2261 Presseschau-Absätze - Seite 17 von 227

9punkt - Die Debattenrundschau vom 28.06.2025 - Ideen

Es mag eine "eine Handvoll unbestreitbarer Antisemiten in Harvard geben", aber "die Behauptung, Harvard hege eine systematische Feindseligkeit gegenüber Juden, ist … schlichtweg absurd", schreibt in der FAZ der jüdische, in Harvard lehrende Kunsthistoriker Jeffrey Hamburger: "Der Vorwurf des institutionellen Antisemitismus ist nichts weiter als ein Vorwand, um die autoritäre Kampagne der Trump-Administration gegen alle Zentren unabhängigen Denkens (Anwaltskanzleien, Medien, die Intelligenz) außerhalb ihrer unmittelbaren Kontrolle zu verfolgen. Meinungsumfragen haben ergeben, dass mehr als die Hälfte der amerikanischen Juden den Präsidenten selbst als antisemitisch ansehen. Und das aus gutem Grund: Er und sein Umfeld haben behauptet, dass jüdische Demokraten illoyal sind und Israel verachten und dass die Juden schuld daran seien, wenn er die Wahl verloren hätte. Außerdem ist dies der Mann, der berüchtigte Antisemiten im Oval Office beherbergt hat und einmal sagte, er habe immer gewollt, dass Juden sein Geld zählen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.06.2025 - Ideen

In einem sehr umfangreichen Essay auf Zeit Online zeichnet Thomas Assheuer den geistigen Werdegang des rechtsideologischen Investors Peter Thiel nach, der eng mit den Ideen des Kulturtheoretikers Rene Girard verknüpft ist, bis sich Thiel dem Apokalyptischen zuwandte, wofür Assheuer einen Beitrag Thiels aus dem Sammelband "Politik und Apokalypse" paraphrasiert. "Er glaube nicht an moralischen Fortschritt, nicht an das potenziell Gute im Menschentier oder gar an 'die Vernunft'. Weil für ihn alles Begehren unwiderruflich in den Abgrund der verdorbenen Natur führt, respektiere Thiel nur Philosophen, die vom Gewaltcharakter der Gattung ausgehen, von ihrer Infamie und Zerstörungslust, kurz: vom Bösen. Grundsätzlich suspekt seien ihm die Ideale der Aufklärung. Die 'Sorge um die Opfer', der Glaube an die Güte der Seele oder an den ewigen Frieden habe die westliche Zivilisation wehrlos gemacht, sie kenne ihre Feinde nicht, damals war es der Islam, heute sei es China. Und als würde ein unmerkliches Bedauern mitschwingen, fügt Thiel hinzu, in einer atomar hochgerüsteten Welt sei es unmöglich geworden, mit dem Schlachtruf 'Deus Vult' ('Gott will es') einen Kreuzzug gegen seine Todfeinde zu beginnen." Hier ein gutgemachter Deutschlandfunk-Podcast über Peter Thiel.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.06.2025 - Ideen

"Das Verbot der Einmischung in innerstaatliche Angelegenheiten durch die Androhung oder Anwendung von Zwang zählt zu den grundlegenden Normen des Völkerrechts", erinnert der Historiker Ulrich Schlie in der NZZ. Eine militärische Intervention in einem Land wie Iran kann einen Regimewechsel begünstigen, aber man sollte auch auf diplomatische Mittel setzen: "Syrien, Somalia, Jemen und Iran sind Beispiele für die These, dass innere Unterdrückung und Menschenverachtung ihr Korrelat in aggressiver, unberechenbarer Außenpolitik finden. Auch dieser Konnex zählt zur Signatur unserer Zeit. Es ist im einzelnen Konflikt nicht immer eindeutig klar, ob die Voraussetzungen für die Entfernung eines Regimes, das nach innen wie nach außen eine humanitäre Katastrophe zu verantworten hat, tatsächlich gegeben sind. Eine extensive Auslegung des eigenen Selbstverteidigungsrechts kann zum Schluss führen, dass sich ein Regimewechsel als letzte Konsequenz aufdrängt. Eine Garantie dafür, dass dieses Szenario erfolgreich ist, gibt es nicht. Militärstrategie ohne Diplomatie scheitert leicht. Es ist leichter, etwas in Schutt und Asche zu bomben, als Kathedralen zu errichten."

In der FAZ meditiert Edgar Keret über menschliche Unschuld und Opfer: "Karma ist ein trügerisches Biest. Wenn man auf einem Teppich sitzt, den man im Treppenaufgang ausgerollt hat, weil das Haus nicht über einen anständigen Luftschutzraum verfügt, und in der Nähe Raketen einschlagen und man das Zittern von Türen und Fenstern spürt, denkt man unwillkürlich an andere Familien, in Gaza und Teheran, die ebenfalls verängstigt auf dem Fußboden sitzen und beten, so wie man selbst, und genauso hoffen, dass dieser Horror möglichst bald vorbei ist. Ja, man kann die Welt in Falsch und Richtig einteilen, in Gut und Böse, in Helden und Schurken. Man kann sie aber auch anders einteilen - in Machtpolitiker, die entschlossen sind, zu einer imaginären alten Größe zurückzukehren, während sie in ihren Atombunkern Befehle erteilen, und die Leidtragenden - in Israel, in Gaza und in Iran, wo die Menschen deutlich schutzloser sind."

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Renate Liesmann-Baum hat ihrem im Februar verstorbenen Mann, dem Politiker und Rechtsanwalt Gerhart Baum, bei der Beendigung seines letzten Buches geholfen. Im Zeit Online-Interview mit Georg Löwisch erklärt sie, wie sie mit dem Verlust umgeht, und was Baum angesichts der aktuellen politischen Umbrüche empfand: "Er war zutiefst entsetzt. Er erinnerte sich an den Zusammenbruch Deutschlands am Ende des Zweiten Weltkriegs. Er ist ja 1932 geboren, gerade noch am Ende der Weimarer Republik. Nun musste er zuschauen, wie das Drehbuch von damals wieder auf dem Tisch liegt. Immer wieder beschäftigte ihn die Frage, ob die Deutschen wirklich demokratiefähig sind. Er hat nach Lösungen gesucht. Aber zuletzt hat er oft gesagt: Es riecht nach Krieg."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.06.2025 - Ideen

Kaum ein anderer Begriff löst solche Kontroversen aus wie der Begriff "woke", konstatiert die Historikerin Marion Näser-Lather auf geschichtedergegenwart.ch. Ursprünglich als Begriff für "Wachsamkeit gegenüber rassistischer Diskriminierung und Unterdrückung" ist der Begriff heute im Kulturkampf angekommen. Doch wie könnte man den Begriff heute wieder nutzbar machen? "Vor dem Hintergrund seiner vielfältigen pejorativen Umdeutungen scheint woke somit ein verbrannter Begriff zu sein. Das Konzept der Wokeness wird nicht nur von konservativen bis rechten Akteur*innen als flexibel einsetzbares Feindbild verwendet, sondern stößt auch in anderen Öffentlichkeiten auf Kritik. (...) Züge der Identitätspolitik werden nicht nur von Akteur*innen konservativer bis rechter Öffentlichkeiten, sondern auch von Teilen der Linken angeprangert. Vielleicht wäre dennoch eine positive Wiederaneignung angebracht, im Sinne eines Bewusstseins für Bedürfnisse, Verletzlichkeiten, Abhängigkeiten, für unser Eingebettet-Sein in mehr-als-menschliche Zusammenhänge, angesichts der momentanen Tendenzen zu (neoliberaler) Entsolidarisierung, der Zunahme von Phänomenen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit, Ausbeutung und dem (Wieder-)Erstarken imperialistischer Logiken."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.06.2025 - Ideen

Darf ein Staat eine Antisemitismus- oder Rassismusklausel in seiner Förderbedingungen einbauen? Der Juraprofessor Hans Michael Heinig breitet auf der Gegenwart-Seite der FAZ recht komplizierte Erwägungen dazu aus. Antisemitische Kunst wie auf der Documenta ist durch Kunstfreiheit gedeckt, schreibt er. "Komplizierter wird es bei der Wissenschaftsfreiheit: Bei antisemitisch geprägter Forschung und Lehre wäre zu fragen, ob die epistemischen Mindestbedingungen für Wissenschaft überhaupt erfüllt werden. Nicht alles, was sich als Wissenschaft geriert, wird auch von der Wissenschaftsfreiheit erfasst. Antisemitische Pseudowissenschaft etwa wäre grundrechtlich der Meinungsfreiheit zuzuweisen, nicht aber der Wissenschaftsfreiheit." Abschließend wird es aber doch einfach: Ein Staat ist schlicht nicht gezwungen, Inhalte zu fördern, an denen er kein Interesse hat.

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Ein weiterer Artikel handelt in der FAZ von der heiklen Frage der Meinungsfreiheit. Der Soziologe Felix Schilk schildert die Strategien des rechtsextremen Magazins Compact, dessen Verbot betrieben wird. Es ist nämlich nicht einfach rechtsextrem, so Schilk, sondern betreibt eine Strategie der "Breite", in der permanent die Fühler in ein noch nicht kontaminiertes aber zu eroberndes Umfeld ausgestreckt werden: "Um die 'Breite' gewährleisten zu können, stehen in den Medienformaten von Compact unterschiedliche Inhalte nebeneinander. Nicht jeder Text ist dabei offen rechtsextrem oder verfassungsfeindlich. Die Bewertung dieses Umstands ist ein zentraler Streitpunkt im Prozess über das vom Bundesinnenministerium (BMI) gegen die Compact-Magazin GmbH erlassene Vereinsverbot. Die Anwälte von Compact argumentieren, dass der Gesamtcharakter des Magazins nicht rechtsextrem sei, und verweisen auf einzelne Äußerungen, die diese Wahrnehmung unterstützen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.06.2025 - Ideen

Buch in der Debatte

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Leor Zmigrod, 29, forscht als Neurowissenschaftlerin an der Universität Cambridge. Sie gilt als Begründerin der "politischen Neurobiologie". Jens Uthoff interviewt sie für die taz. Mittels Hirnscans will sie herausfinden, warum "von jenen Menschen, die unter ähnlichen Bedingungen leben, manche bereit sind, für eine Ideologie alles zu opfern - und andere nicht. Wir können das besser verstehen, wenn wir uns die Mechanismen des Gehirns anschauen, die bei ideologischem Denken wirken." Bei ideologisierten Menschen, egal ob links, rechts oder islamistisch stellt sie extrem rigide Denkmuster fest. Auf die bange Frage, ob sie an die "Hufeisentheorie" glaubt, antwortet sie: "In den Daten sehen wir, dass extreme Linke und extreme Rechte in puncto kognitive Rigidität Ähnlichkeiten aufweisen. Es gibt viele weitere Faktoren, die dazu führen können, dass jemand extrem links oder extrem rechts denkt." Anders als Hannah Arendt glaubt sie nicht, dass Gedankenlosigkeit zu Ideologisierung führen kann: "Ideologien verdrängen alte Denkweisen und ersetzen sie durch neue. Sie verändern unsere Kognition, unsere Reflexe, unsere biologische Natur. Vielleicht sogar bis zu einem Grad, den Arendt nicht geahnt hat... Es gibt tiefgreifende und komplexe Veränderungen, die im Gehirn und Körper ideologischer Gläubiger stattfinden."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 19.06.2025 - Ideen

Tilman Baumgärtel, Professor für Medientheorie, hat es auf sich genommen, die ideologischen Elaborate der "Dark-MAGA-Bewegung" zu durchwühlen, die die Begleitmusik zu Donald Trumps Politik der Grausamkeit spielt. In einer vierteiligen Serie für Jungle World liefert er einen nützlichen Überblick. In Teil 1 geht es um Curtis Yarvin, den heute vielleicht einflussreichsten "Intellektuellen" um Trump, der auch in der New York Times und jüngst auch im New Yorker porträtiert wurde. Im zweiten Teil befasst sich Baumgärtel mit einer ganzen Reihe von Autoren, die in  guter alter nietzscheanischer Tradition gegen Empathie anschreiben. Nicht dass Trump so etwas liest, so Baumgärtel. Aber "dass über so etwas überhaupt diskutiert wird, zeigt, wie kaputt die politische Debatte in den USA inzwischen ist. Musk, der reichste Mann der Welt, war als Leiter von Doge stolz darauf, dass er durch die faktische Auflösung der Hilfsorganisation USAID die US-amerikanische Unterstützung für die Ärmsten der Armen praktisch abgeschafft hat. Inwiefern seine Truppe bisher überhaupt nennenswerte Beträge eingespart hat, ist dank der undurchsichtigen Selbstdarstellung von Doge, ihrer zahlreichen Rechenfehler und ideologisch motivierten Falschdarstellungen unklar." Teil 3 widmet sich Utopien technischer Weltheilung, wie Peter Thiel sie verficht. Teil 4 befasst sich mit "Cyberlibertarismus" und dem Traum von "Freedom Cities", die sich von internationalem Recht lösen.

Samuel Fitoussi, 28, dürfte zu den brillantesten jüngeren Intellektuellen in Frankreich zählen. Und vor allem trägt er die Fackel des Antitotalitarismus weiter, die in Frankreich, anders als in Deutschland, nie ganz erloschen ist. Sein jüngstes Buch "Pourquoi les intellectuels se trompent" begnügt sich nicht nur mit der Aufzählung der vielen finsteren Irrtümer westlicher Intellektueller - sondern er sucht auch nach sozialen und psychologischen Gründe für dieses systematische Falschliegen. Im Gespräch mit Samuel Dufay von Le Point spürt er den inneren Widerständen nach, die es vielen Linken so schwer machen, ihren Soli-Impuls gegenüber den Mullahs im Zaum zu halten: "Das misogyne, totalitäre und unterdrückerische iranische Regime verkörpert alles, was die Linke angeblich bekämpft, aber in Wirklichkeit liebt sie es wegen seiner Haltung gegenüber dem Westen und mehr noch Israel." In einem Moment, wo die Linkspartei in Berlin laut jüngsten Umfragen zur zweitstärksten Partei wird (mehr hier), die wie die Mélenchonisten in Frankreich auf Israelkritik und eine migrantische Wählerklientel setzt, mögen Fitoussis wahlsoziologische Erläuterungen von Interesse sein: "Im Laufe der Jahre hat sich die Wahllandschaft in vielen Hochburgen der Linken aufgrund der demografischen Dynamik im Zusammenhang mit Einwanderung … verändert. Feindseligkeit gegenüber Israel, ja sogar regelrechter Antisemitismus, scheint unter Muslimen überproportional vertreten zu sein. Im Jahr 2024 ergab beispielsweise eine Studie der Fondapol, dass 59 Prozent der Muslime in Frankreich glauben, dass Juden zu viel Macht in den Medien haben, gegenüber 24 Prozent der französischen Gesamtbevölkerung. … Ein Teil der Linken hat daher, zweifellos teilweise aus Klientelismus, den Ton gegenüber Israel verschärft."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 18.06.2025 - Ideen

Rechts, links - sind das überhaupt noch aussagefähige Kategorien? Doch, schon, sie haben für die Wähler nur gewissermaßen die Bedeutung getauscht, meint im Spiegel der Politikwissenschaftler Philip Manow, wenn wir ihn richtig verstehen. "Zugleich zeigen neue Begriffe, dass die Dinge grundlegender in Unordnung geraten sind. Einer davon wurde schon vor etwas längerer Zeit von der US-amerikanischen Philosophin Nancy Fraser geprägt. Er lautet 'progressiver Neoliberalismus'. Das Treffende an ihm ist vielleicht gar nicht so sehr, dass er bezeichnet, wie sehr eine sich selbst als links stilisierende Bildungselite (das, was der französische Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty die 'brahmin left' nennt) mit der neoliberalen Besitzelite (Pikettys 'merchant right') paktiert, sondern, wie 'links' sich dieser Neoliberalismus geben kann, wenn er sich nur vehement als Verteidigung des Status quo, eben als 'Politik der Mitte' inszeniert. ... Die neuen populistischen Gegner hingegen (das, was aus Sicht der Mitte nur als Rand verstanden werden kann) positionieren sich in beiden Dimensionen illiberal. Das gilt mittlerweile auch, obwohl das immer wieder bestritten wird, in verteilungspolitischen Fragen. Hier haben sich die rechtspopulistischen Parteien Westeuropas, ob Rassemblement in Frankreich, PVV in den Niederlanden oder Schwedendemokraten, durchweg nach links bewegt - auch die AfD. Die osteuropäischen Rechtspopulisten wie die polnische PiS sind da schon länger."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.06.2025 - Ideen

In der virtuellen Tiefdruckbeilage der FAZ wird eine Rede der in Rom und Berlin lebenden Schriftstellerin Francesca Melandri abgedruckt, die ein weithin gepflegtes Syndrom der westlichen Öffentlichkeit thematisiert: "selektive Empathie". Man war bestürzt über den Genozid in Bosnien, weiß aber nichts über den Genozid an den Lhotshampa in Bhutan. Sie könnte andere Beispiele nennen: etwa die riesige Empathie mit Chile 1973 und die ausbleibende Reaktion auf Pol Pot ein bisschen später. Als Beispiel für selektive Empathie heute nennt sie die zurecht artikulierte Empathie vieler Menschen für die Palästinenser im Gazastreifen, der keine Empathie mit der Ukraine korrespondiere, macht dann aber eine seltsame Wende und beklagt, dass nur in Deutschland die Empathie mit den Palästinensern ausbleibe: Man druckse herum, "nur um dabei kein einziges Mal das Wort 'Israel' zu erwähnen". Ihr erscheint das "wie eine Weigerung, etwas an Deutschlands tief verinnerlichtem Selbstbild zu hinterfragen. Ein Selbstbild, das aus der Aufarbeitung vergangener Verbrechen entstanden ist, das jedoch dringend einer grundlegenden Revision bedarf. Zumindest wenn es sein Versprechen einlösen will: immer auf der Seite der Menschenrechte zu stehen. Mit anderen Worten: Es ist eine Identitätskrise."

Intellektuelle sind sich nie zu schade, sich als "Antifaschisten" in die Brust zu werfen. In einer Reihe internationaler Zeitungen - in Deutschland ausgerechnet in der FAZ - veröffentlichen einige hundert Intellektuelle (nicht allzu viele bekannte Namen darunter) "ein Manifest gegen die Rückkehr des Faschismus", hundert Jahre danach. Die Autoren greifen auf ein "antifaschistisches Manifest" Benedetto Croces vor hundert Jahren zurück, das den Begriff des "Antifaschismus" womöglich in die Welt setzte. Es antwortete seinerseits auf ein "faschistisches Manifest", wie Karen Krüger in einem beistehenden Artikel erläutert. Heute beklagen die Autoren "Angriffe auf demokratische Normen und Institutionen, wiederbelebter Nationalismus mit rassistischer Rhetorik, autoritäre Impulse und systematische Angriffe auf die Rechte derjenigen, die nicht in ein künstlich konstruiertes Bild traditioneller Autorität passen - begründet in religiöser, sexueller und geschlechtlicher Normativität."

Außerdem: In der SZ schreibt der Produzent Günter Rohrbach einen Nachruf auf die Pädagogin Ute Habermas-Wesselhoeft, die Frau Jürgen Habermas', die im Alter von 95 Jahren gestorben ist.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.06.2025 - Ideen

In der SZ stellt Philipp Bovermann einen der durchgeknalltesten neuen Rechten in den USA vor, den Blogger Curtis Yarvin, der immerhin von Figuren wie Peter Thiel und J.D. Vance unterstützt wird. Yarvins Thesen: "Die Demokratie sei am Ende, ein Monarch müsse die Kontrolle übernehmen, um das Land wie ein CEO zu führen." Als Monarchen stellt er sich J.D. Vance vor, wie er kürzlich im Interview mit der New York Times erklärte. Damit steht er allerdings "in schärfstem Konflikt", so Bovermann, "zu republikanischen Meinungsmachern wie Steve Bannon oder Sohrab Ahmari. Durch die neue Rechte verläuft eine Konfliktlinie zwischen Tech-Faschisten und Antiglobalisten. Curtis Yarvin steht auf der einen Seite - auf der anderen etwa Patrick Deneen. Der akademische Philosoph will die zerstörerischen Kräfte des Kapitalismus nicht etwa entfesseln, sondern sie vielmehr rabiat christlichen Bräuchen, lokalen Gemeinschaften, dem Primat der Familie entwerfen."