9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 26.03.2014 - Internet

Markus Beckeddahl hat für Netzpolitik intensiv nachgedacht: "Wir haben uns Gedanken gemacht, was die bisherigen netzpolitischen Erfolge der Bundesregierung nach 100 Tagen waren und sind auf diese Liste gekommen:




"
Stichwörter: Netzpolitik

9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.03.2014 - Internet

Der türkische Premier Tayyip Erdogan meint es durchaus ernst mit seiner Twitter-Sperre, schreibt Kilian Froitzhuber in Netzpolitik: "Nachdem die zunächst eingesetzte DNS-Sperre auf verschiedene Arten umgangen wurde und der Dienst weiteren Zulauf erhielt, wurden auch verschiedene Umgehungsmöglichkeiten ausgeschaltet. Unter anderem wurde der Google-DNS-Dienst und der URL-Shortener t.co gesperrt, außerdem sind mittlerweile auch IP-Sperren in Kraft."

Burning down the web! Im Guardian träumt David Byrne von einem neuen Internet, das nicht überwacht werden kann und alle glücklich macht.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.03.2014 - Internet

Facebook hat die Wirtschaft fest im Griff, schreibt Cory Doctorow in Boingboing: "Für Unternehmen, die den Dienst nutzen, um mit ihren Kunden zu kommunizieren, zieht Facebook die Schrauben weiter an. Unabhängige Forschung zeigt, dass Udates von Unternehmen sechs Prozent ihrer Follower erreichen. Es gibt Gerüchte, die besagen, das Facebook diesen Anteil auf ein bis zwei Prozent herunterschrauben will." Es sei denn, sie zahlen, und zwar kräftig

Rudolf Walther berichtet in der taz von einer Studie der gewerkschaftsnahen Otto Brenner Stiftung zur Wikipedia, in der Marvin Oppong auf eine Menge Schönfärbereien und Manipulationen durch PR-Abteilungen gestoßen ist: "Etwa im Artikel über das das Energieunternehmen RWE, in dem sich der 'Export von Atommüll' über Nacht zur 'Rückführung von Brennstäben' verharmlost. Die Zwangsarbeiter, die der Chemiekonzern BASF unter dem Hitlerregime beschäftigt, verschwinden plötzlich. Beim Stromanbieter TelDaFax fehlt der Abschnitt Kritik ebenso schnell wie ein Konkurs in der Geschäftskarriere des FDP-Politikers Christian Lindner."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.03.2014 - Internet

(Via Carta) Felix Stalder legt in Le Monde diplomatique einen interessanten Essay über die Dialektik von Kommunikation und Daten oder das Internet als Vehikel der Befreiung und zugleich der Manipulation und Überwachung vor. Leider geht die Tendenz zu letzterem: "Mit großen, gut organisierten Datenmengen lassen sich Menschen steuern, ohne dass ihnen diese Steuerung bewusst wird. Die Polizei wird nur im Notfall, wenn alles andere versagt hat, losgeschickt. Die Daten bieten die Grundlage dafür, die Umgebung, in der Menschen handeln, vorzustrukturieren, bevor sie handeln. Dadurch wird der Eindruck der individuellen Freiheit erhalten, obwohl die Freiheit nur noch darin besteht, aus Optionen auszuwählen, die ein anderer aus eigennützigen Motiven bereitgestellt hat."

Türkische Twitter-Nutzer haben den Google DNS-Dienst genutzt, um Erdogans Twitter-Sperrung zu umgehen, erklärt Aaron Souppouris in The Verge: "Jeder, der sucht, nutzt DNS. Das System verbindet die Namen der Websites mit den IP-Adressen. Google bietet einen freien DNS-Dienst, und so haben Türken begonnen, die gute Nachricht zu verbreiten, um die Twitter-Sperrung zu umgehen. Auf Grafitti wird die Google-DNS 8.8.8.8 empfohlen, und Twitter-Nutzer teilen Bilder mit dem Hashtag #DirenTwitter."



Selbst Politiker der AKP umgehen das Twitter-Verbot, erzählt im New Yorker die in der Türkei lebende Autorin Jenna Krajeski: "Laut Electronic Frontier Foundation nutzen 14 Prozent der 80 Millionen Türken Twitter, eine relativ hohe Zahl für ein Land, in dem nur 45 Prozent der Bevölkerung das Netz nutzen... Laut einer Firma, die die Twitter-Nutzung in der Türkei überwacht, wurden in den zehn Stunden nach der Sperrung eine halbe Million Tweets abgesetzt, ungefähr so viel wie an einem normalen Tag. Selbst Mitglieder der AKP haben offenbar den Bann gebrochen, inklusive des stellvertredenden Premiers Bülent Arınç, der seinen Wahlkampfkalender über Twitter kommunizierte."

Außerdem: Die Autorin Ida Hattemer-Higgins nimmt im Aufmacher der Literarischen Welt Abschied von Facebook.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 21.03.2014 - Internet

Wegen Unbotmäßigkeit hat die türkische Regierung mal eben Twitter abgeschaltet, meldet Spiegel Online, stattdessen wird man zur türkischen Telekom weitergeleitet. Twitter selbst hält sich bedeckt: "Das Unternehmen teilte mit, es prüfe Meldungen, dass der Dienst in der Türkei abgeschaltet worden sei. Regierungschef Recep Tayyip Erdogan hatte am Mittwochnachmittag angedroht, Twitter zu verbieten. Ihm sei die Reaktion der internationalen Gemeinschaft darauf egal, rief Erdogan auf einer Wahlkampfveranstaltung seiner Partei. Mit Unterbindung der Meinungsfreiheit habe das nichts zu tun."

Chris Taylor fragt dazu auf Mashable: "Na, wie war Ihr Tag, Premierminister Recep Tayyip Erdoğan? Vielleicht nicht ganz so wie beabsichtigt, vermuten wir. Zum Beispiel haben Millionen Menschen bisher Ihren Namen nicht mit dem Beiwort 'Diktator' assoziiert. Aber das war der Top-Hashtag zur Primetime bei Twitter - #DictatorErdoğan."


9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.03.2014 - Internet

Sehr interessant fasst Gregory Ferenstein auf Techcrunch eine aktuelle amerikanische Debatte über Gesundheitsdaten zusammen, die die ganze Zwiespältigkeit des digitalen Fortschritts offenbart. Wäre es nicht großartig, wenn anonynme Daten für die medizinische Forschung zur Verfügung stünden, hat Larry Page auf einer TED-Konferenz gefragt. Und in der Tat würde medizinische Forschung und Prävention durch diese Daten erheblich verbessert, aber, so Ferenstein: "Es gibt einen Nachteil: Es wäre praktisch unmöglich unsere Privatsphäre zu schützen. 'Wir hatten immer geglaubt, dass wir Leute anonymisieren können, indem wir genug persönliche Informationen aus Datenbanken tilgen, aber unser Papier zeigt, dass diese Versrpechugnen für einen bestimmten Prozentsatz der Bevölkerung leer bleiben', schreibt John Wilbanks von Sage Bionetworks, einenm Verein für medizinische Transparenz. In dem besagten Papier weisen Forscher nach, dass sie anonyme Daten namhaft machen konnten, indem sie sie mit DNA-Datenbanken abglichen und die DNA von Verwandten fanden." Mehr zu Pages Auftritt auf der TED-Konferenz auch bei Wired.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.03.2014 - Internet

Der Blogger Airen erzählt in der Welt, wie aus dem Meme um den Internethund "Doge" eine neue Währung entstand, der "Dogecoin", der nun tatsächlich dem Bitcoin Konkurrenz macht: "Der Hype lief an: Innerhalb einer Woche hatte Dogecoin 1000 Follower bei Twitter, 1800 Likes bei Facebook und 2600 Abonnenten bei Reddit. Es dauerte nicht lang, und die ersten Dogecoins wurden gegen Bitcoins getauscht, die Währung erhielt einen monetären Wert. Nur zehn Tage nach dem Start hatte Dogecoin bereits eine Marktkapitalisierung von 1,5 Millionen US-Dollar."

"Ich bin verwirrt und frustriert von den ständigen Berichten vom Umgang der US-Regierung mit dem Internet", schreibt Mark Zuckerberg auf seiner Facebook-Seite. "Ich habe Präsident Obama angerufen und meinem Ärger Luft gemacht über den Schaden, den seine Regierung an unser aller Zukunft anrichtet. Leider scheint eine gründliche Reform noch in weiter Ferne zu sein." Schade - aber dann eben ohne die Politik, meint Zuckerberg: "Es ist also an uns - an uns allen -, das Internet zu erschaffen, das wir wollen. Gemeinsam können wir einen Raum erschaffen, der größer und wichtiger, aber auch sicherer ist als das Internet heute."

Weniger zuversichtlich fallen einige der Antworten der Wissenschaftler und Ingenieure aus, die das Wall Street Journal danach gefragt hat, wie sie sich das Internet in 25 Jahren vorstellen. Zum Beispiel Llewellyn Kriel, CEO von TopEditor International Media Services: "Cyberterrorismus wird normal sein. Privatsphäre und Vertraulichkeit wird ein Ding der Vergangenheit sein. 'Online-Krankheiten' - geistige, körperliche, soziale Krankheiten sowie die Abhängigkeit von Psycho-Cyperdrogen - werden Familien und die Gesellschaft infizieren und sich über alle Grenzen hinweg verbreiten."

Der Tagesspiegel meldet, dass Facebook heute damit beginnt, seine Nutzer mit 15-sekündigen Werbespots zu behelligen. Ein einzelnes Video soll Facebook pro Tag bis zu 2,5 Millionen Dollar bringen. Dazu, ob diese Maßnahme der Sicherheit dient, äußert Zuckerberg sich allerdings nicht.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 13.03.2014 - Internet

Zum 25. Geburtstag des Internets (gerechnet ab Tim Berners-Lees Vorschlag für ein freien Informationsmanagement-System am 12. März 1989) bringt Zeit digital eine hübsche Bilderstrecke zur grafischen Weiterentwicklung des Webs. Im googleblog plädiert Berners-Lee dafür, die ursprünglichen Werte des Internets zu bewahren: "Let's keep it free and open." Und auf vimeo gratuliert er zum Geburtstag:



Und wo ist das Lenkrad? Designboom stellt ein "driverless concept car" vor, das auf der Automesse in Genf gezeigt wird.


9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.03.2014 - Internet

Ilja Braun zieht im Perlentaucher (der ein Kapitel seines neuen Buchs vorabdruckt) eine überraschende Parallele zwischen Urheberrecht und Datenschutz: "'Meine Daten gehören mir' lautet der Slogan, mit dem Datenschützer und Netzaktivisten ihrer Forderung nach einem möglichst weit reichenden Verfügungsrecht des Einzelnen über die 'eigenen' Daten Nachdruck verleihen. Wenn man diesen Anspruch für berechtigt hält, muss man anerkennen, dass er demjenigen der Urheberinnen und Urheber, die über die Verbreitung und Nutzung ihrer Werke selbst bestimmen möchten, nicht unähnlich ist." Braun leitet darauf im folgenden seinen Vorschlag zum Umsturz der Netzökonomie ab.

Hans-Ulrich Gumbrecht eröffnet die neulich annoncierte FAZ-Serie von geisteswissenschaftlichen Betrachtungen über das Internet und rät: "Bevor wir davon träumen dürfen, die Folgen der elektronischen Revolution zu steuern oder wenigstens abzufedern, müssen wir neue Instrumente der Analyse erfinden, um ihre Strukturen und Prozesse überhaupt zu erfassen - früh genug, um zu vermeiden, dass die wachsende Unabhängigkeit und Eigengesetzlichkeit dieser neuen Welt unumkehrbar wird."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 08.03.2014 - Internet

Das ganz ganz große Ding im Internet ist die Titelstory von Newsweek, die heute schon durch ein Statement der Newsweek-Redaktion weitergedreht wird: Die Redaktion steht zu ihrer Autorin Leah McGrath, wird da klargemacht. McGrath hat in der Story das Gesicht hinter Bitcoin enthüllt, denn bisher galt der Erfinder der Internetwährung als ein Unbekannter oder gar eine Gruppe von Hackern, die sich hinter einem japanischen Pseudonym verbarg. Die Geschichte beginnt so: "Satoshi Nakamoto stands at the end of his sunbaked driveway looking timorous. And annoyed. He's wearing a rumpled T-shirt, old blue jeans and white gym socks, without shoes, like he has left the house in a hurry. His hair is unkempt, and he has the thousand-mile stare of someone who has gone weeks without sleep." Nakamoto ist 64 Jahre alt und lebt bei seiner Mutter. Die Redaktion musste sich hinter ihre Autorin stellen, weil über sie wegen der Enthüllung ein gigantischer Shitstorm hinwegfegt.

Im Leitartikel der FAZ ruft Frank Schirrmacher wie jeden Samstag dazu auf, die digitale Revolution nicht allein der Mathematik und den Internet-Konzernen aus dem Silicon Valley zu überlassen, sondern politisch und gesellschaftlich zu verhandeln.

In die gleiche Kerbe schlägt der Technikphilosoph und Sicherheitsforscher Sandro Gaycken, der im Interview mit Manuel Schubert und Jan Feddersen in der taz das Versagen von Politik und Netzexperten im NSA-Skandal beklagt und dafür plädiert, Deutschland als Standort für Datenschutz und Verschlüsselungstechnologien zu etablieren: "Wir könnten signifikant mehr Geld verdienen und wieder neue Industrie ansiedeln. Viel interessanter wäre jedoch, die deutschen Visionen von Datenschutz, Internetfreiheit und Datensicherheit exportieren zu können. Aus einer politischen und ethischen Perspektive wäre das sehr hilfreich. Wir liefern die Produkte und setzen die technischen Standards gegen Überwachung, Zensur und Spionage. Damit es stabil, frei und demokratisch bleibt."