"Gibt es kein Entkommen vor der
Datenkrake?",
fragen Thomas Schmid und Raphael Zelter in der
taz. Für sie belegt die Übernahme von
WhatsApp durch Facebook, wie aussichtslos es ist, den
Internet-Oligarchen aus dem Weg zu gehen: "Die ersten Nutzer, die Videos bei Youtube veröffentlichten, wurden 2006 nach nur einem Jahr automatisch zu Google-Nutzern. Wer vor fünf Jahren das kleine Computerprogramm Skype nutzte, um kostenlos über das Internet zu telefonieren, ist heute Microsoft-Kunde. Und wer auf seinem Smartphone seine Aufnahmen mit dem Programm Instagram verschönerte, dessen Fotos gehören heute Facebook."
"In gewisser Weise ein Reifezeugnis, aber auch ein Zeichen für eine
nahende Midlife-Crisis"
sieht Roland Lindner in der
FAZ in Mark Zuckerbergs Entscheidung: "Facebook demonstriert, willens und in der Lage zu sein, sich an richtig große Transaktionen heranzuwagen. Aber in erster Linie ist der Zukauf von WhatsApp ein
Defensivmanöver. Denn zehn Jahre nach seiner Gründung kämpft das Unternehmen mit gewaltigen Umwälzungen im Nutzerverhalten."
Für Sonja Álvarez und Simon Frost (
Tagesspiegel) ist der Deal "Ausdruck eines
zunehmenden Konkurrenzkampfes in einem sich verdichtenden Markt", dessen Akteure "sich auf der Suche nach neuen Einnahmequellen immer häufiger in die Quere" kommen. Und im
New Yorker deutet Matt Buchanan das Geschäft als Teil von Facebooks
Diversifizierungsstrategie, die den weiteren Zuwachs von Nutzern garantieren soll: "When the company reached a billion users, in the fall of 2012, it explicitly compared itself to a chair - a
ubiquitous but stunningly boring part of our lives. Now it seems that Facebook wants to be an entire house, filled with lots of different kinds of furniture."
Derweil werden Stimmen laut, die zum Boykott der App aufrufen. Im
Handelsblatt bezeichnet der Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein (ULD), Thilo Weichert, WhatsApp als eine "
Datenschleuder, die technisch nicht ausgereift ist... Wem die Vertraulichkeit der eigenen Kommunikation etwas wert ist, der sollte auf vertrauenswürdige Dienste zurückgreifen." Ebenfalls im
Handelsblatt meldet der Grünen-Europaabgeordnete
Jan Philipp Albrecht kartellrechtliche Bedenken an und fordert die EU-Kommission auf zu prüfen, ob sie ein wettbewerbsrechtliches Verfahren einleitet.