Facebook zerstört die Demokratie,
sagt die
Oberserver-Journalistin
Carole Cadwalladr, die zum Brexit und russischen Geldern und Einflusskampagnen auf Facebook recherchiert hat, in einem aufsehenerregenden Ted-Talk sozusagen in der Höhe des Löwen. Wie stark die von Instituten wie
Cambridge Analytica betriebenen Kampagnen wirkten, lässt sich nicht ermitteln: "Dieses gesamte Referendum fand
in der Dunkelheit statt, weil es auf Facebook stattfand. Und was auf Facebook passiert, bleibt auf Facebook, denn
nur du siehst deinen Newsfeed, und dann verschwindet er, also ist es unmöglich, etwas zu recherchieren. Wir haben also
keine Ahnung, wer welche Anzeigen gesehen hat oder welche Auswirkungen sie hatten, oder welche Daten verwendet wurden, um diese Personen anzusprechen. Oder sogar, wer die Anzeigen geschaltet hat, wie viel Geld ausgegeben wurde oder welcher Nationalität sie waren. Aber Facebook schon. Facebook hat diese Antworten, und es hat sich geweigert, sie uns zu geben."
In einem Artikel im
Observer erzählt Cadwalladr Näheres zu den Umständen ihrer ungewöhnlichen Rede und dass Facebook sich offenbar
mächtig geärgert und bei den Veranstaltern beschwert hat. Hierzu passt auch ein
Economist-
Artikel über die
chinesische Facebook-Politik, den Facebook allerdings umgehend dementierte.
Meike Laaff und Lisa Hegemann von
Zeit online unterhalten sich mit
Mitchell Baker von der gemeinnützigen (aber stark von Google finanzierten)
Mozilla-Stiftung über ähnliche Probleme. Sie versucht zu nuancieren: "Die Lösungen oder, besser, die Abschwächungen der Probleme, die wir mit neuen Technologien haben, werden
ebenfalls technischer Natur sein. Natürlich wissen wir noch nicht, wie diese Lösungen aussehen könnten, das ist der schwierige Teil. Derzeit agieren wir noch eher defensiv."
Die österreichische Bundesregierung will ein "
digitales Vermummungsverbot" einführen oder anders gesagt, die
Anonymität im Netz aufheben,
berichtet Adelheid Wölfel in der
FR. "Nicht alle Forenbetreiber sind betroffen, sondern nur jene, die einen Jahresumsatz von mindestens 500.000 Euro, über 100.000 registrierte Nutzer haben oder Presseförderung von 50 000 Euro oder mehr beziehen. Die
Ausweispflicht im Netz könnte ab Herbst 2020 gelten. Anmelden soll man sich künftig über eine Handy-Identifikation. Die Daten, die die Forenbetreiber bekommen - Adresse und Namen -, werden dann mit jenen der Mobilfunktbetreiber verglichen. Dann erfolgt die Bestätigung vom Plattformbetreiber, der Nutzer bekommt einen Link zugeschickt und erst dann kann man in den Foren schreiben. Seit Januar 2019 gibt es in Österreich eine SIM-Kartenregistrierungspflicht. Auch bei Erwerb von Prepaidkarten muss seither ein Ausweis vorgelegt werden."