Harry Nutt
kommt in der
FR auf einen Aufruf einiger Wissenschaftler zurück, die sich den Forderungen des
Savoy- und Sarr-Berichts zur Rückgabe von
Kolonialkunst anschließen. Die
Zeit hat ihn inzwischen
online gestellt. Nutt resümiert die Forderungen der Wissenschaftler bündig in einem Absatz: "Die Wissenschaftler fordern
zusätzliche Forschungsmittel, größere Bildungsanstrengungen und die Errichtung einer
zentralen Einrichtung, in der die neuen Erkenntnisse gebündelt werden. Der hehre Wunsch zielt auf eine
neue Erzählung über Kolonialisierer und Kolonialisierte. Rückgabe wäre dann der Anfang eines neuen Austauschs." Und vieler schöner neuer Stellen.
In der
FAZ möchten Kulturstaatsministerin
Monika Grütters und
Michelle Müntefering, Staatsministerin für Internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt, klarstellen, dass
sie an der
Spitze der Aufarbeiter deutscher Kolonialgeschichte stehen: Die Debatte muss geführt werden, maximale Transparenz hergestellt und Raubkunst zurückgegeben werden, und auf keinen Fall soll es dabei
eurozentrisch zugehen: "Um einen ersten Rahmen dafür abzustecken, haben wir den Deutschen Museumsbund bei der Entwicklung von
Leitfäden zum Umgang mit menschlichen Überresten (2013) und zum Umgang mit Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten (seit 2016) unterstützt. Eine durch internationale Expertinnen und Experten ergänzte Fassung soll im kommenden Jahr folgen. Sie wird Impulse auch
über Deutschland hinaus setzen. Denn nicht nur der Staat,
auch die Kultureinrichtungen tragen Verantwortung im Umgang mit den schwierigen Fragen der Aufarbeitung des Kolonialismus. Gerade bei ihnen ist aber auch der Bedarf an Beratung und Orientierung groß. Deshalb sollten wir über
eine Kommission nachdenken, die in schwierigen Fällen Museen und Anspruchsteller berät und konstruktive Lösungen vermittelt."
Die
Zeit hat Ijoma Mangolds Interview mit
Hartmut Dorgerloh und
Lars-
Christian Koch - der eine Intendant des Humboldt Forums, der andere Leiter der Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin -
online nachgereicht. Auf Mangolds drängende Fragen,
wann denn nun endlich zurückgegeben wird, meint ein verdutzter Dogerloh: "Das irritiert mich am allermeisten an der aktuellen Diskussion: dass wir in Europa schon wieder zu wissen glauben, wie es geht und was passieren muss. Erst mal würde ich gerne erfahren: Was sagen denn die
Kollegen in Tansania oder in Namibia oder in Ozeanien zu dem Bericht [von Benedict Savoy und Felwine Sarr]? Kürzlich besuchte uns in Berlin der Präsident eines afrikanischen Landes, dessen Gebiet einst ebenfalls deutsche Kolonie war. Er fand es bedauerlich, dass aus seinem Land so wenig im Humboldt Forum zu sehen sein wird, und fragte: 'Was können wir tun, damit wir im Humboldt Forum präsenter sein werden?'"
Der Berliner Kultursenator
Klaus Lederer will das Digitale in der Berliner Kulturpolitik fördern und stellt dafür einen kleinen
Innovationsfonds bereit. Im
Interview mit Oliver Voß vom
Tagesspiegel sagt er: "Das Digitale ist im Alltag so präsent, dass es
eigentlich absurd ist, welch geringe Rolle diese Instrumente im Kulturbereich spielen. Dabei wird selbst der analoge Kultursektor davon am Ende profitieren. Bestes Beispiel sind Streamingdienste, die dazu führen, dass wieder
mehr Menschen in Konzerte gehen."