Natürlich war
Joe Bidens Rede eine Wohltat nach den Exzessen Trumps. Aber nun lohnt es sich, sie auch
genauer anzusehen,
schreibt Andrew Sullivan in seinem neuen Blog. Und ihm fiel auf, dass Biden in den Ausführungen zu seiner Politik nicht die "
Gleichheit" der Bürger - "Equality" - anstrebte, sondern "
Equity", was sich mit Gerechtigkeit oder Äquivalenz übersetzen ließe. Damit hält das Vokubular der "
Social Justice"-Theorien, also der Gender-, Queer- und postkolonialen Theorien Einzug in die offizielle Politik der Demokraten, so Sullivan. "Das Problem ist natürlich, dass, wer 'equity' erreichen will, zunächst einmal
Gleichheit für bestimmte Personen abbauen muss, die nicht in die richtige Identitätsgruppe geboren wurden. Equity heißt, Personen ungleich zu behandeln, damit
Gruppen gleich werden."
In der
Welt nimmt ein erboster Clemens Wergin die Heuchelei
aufs Korn, mit der
Chinas Xi Jinping beim virtuellen Weltwirtschaftsforum den
Multilateralismus lobte, andererseits das
Dominanzstreben des Westens kritisierte. "Das sagt der seit Mao machtvollste Herrscher eines Landes, das ständig auf eklatante Weise gegen internationales Recht und Regeln verstößt. Schließlich ist Xi derjenige, der einen
kulturellen Genozid an der muslimischen Minderheit der Uiguren angeordnet hat und damit die UN-Menschenrechtscharta aufs Schwerste verletzt. Er ist verantwortlich dafür, dass China seine
illegalen Landnahmeversuche im südchinesischen Meer weiter betreibt, obwohl der internationale Schiedsgerichtshof die chinesischen Ansprüche klar zurückgewiesen hat. Xi ist auch für die
Unterdrückung der Freiheits-
und Demokratiebewegung in Hongkong verantwortlich und somit für einen eklatanten Verstoß gegen das internationale Abkommen mit Großbritannien über die Rückgabe der ehemaligen Kronkolonie. Und er ist der oberste Vertreter des Landes, das versuchte, die WHO zum Büttel der
eigenen Vertuschungsversuche über den Ausbruch von
Corona in China zu machen, was die Reaktion auf die Pandemie in der ganzen Welt verlangsamte."
"So viel Heuchelei war
seit Donald Trump nicht mehr", meint auch Stefan Kornelius in der
SZ über den Auftritt Xi Jinpings: "Es sind ja immer wieder die gleichen Spielchen: Erst werden die
Begriffe besetzt, dann die Köpfe - und dann wird man sehen, wie weit man kommt. Ein Ziel der chinesischen Offensive sind jedenfalls jene (vor allem
Entwicklungs-)
Länder, die sich nicht mehr der europäischen oder amerikanischen Vorstellung von Ordnung aussetzen möchten. Xi bietet ihnen eine Ersatzheimat inklusive
Wörterbuch der neuen Ordnung. Ziel Nummer zwei sind
globale Institutionen, allen voran die UN. Wenn China die Lufthoheit über diese Institutionen bereits für sich reklamiert, dann sollte jemand nachschauen,
wie viel ihrer Charta noch in den Vereinten Nationen steckt.